Vier kompakte SUV aus Asien

Honda CR-V 2.0, Hyundai Tucson 2.0, Kia Sportage 2.0, Toyota RAV4 2.0 Honda CR-V 2.0, Hyundai Tucson 2.0, Kia Sportage 2.0, Toyota RAV4 2.0

Vier kompakte SUV aus Asien

— 02.02.2005

Die goldene Mitte

Koreaner oder Japaner – wer punktet bei den 2.0-Benzinern? Hyundai Tucson, Kia Sportage, Toyota RAV4 und Honda CR-V im Vergleich.

Paradebeispiele für gelungene Ottomotoren

Dieselmotor hin, Kraftstoffkostenersparnis her – in dieser Fahrzeugklasse der kompakten SUV mit Allradantrieb ist der Benzinmotor nach wie vor gefragt. Kein Wunder, denn er verspricht durch seine wesentlich einfachere Bauweise ein langes Leben, ist anspruchsloser bei der Wartung und verursacht deutlich niedrigere Kosten bei Steuer und Versicherung. Wer also eine normale Jahresfahrleistung hat, macht mit dem Benziner sicher nichts falsch.

Und noch einen großen Vorteil sichern sich die Benziner: Es gibt kein Turboloch, weil ein Benziner im Gegensatz zum Diesel auch ohne Turbo genügend Kraft hat. Deshalb kommt die Kraft beim Benziner spontan und ohne Verzögerung, wenn man auf das Gaspedal tritt. Die Zweiliter-Benziner von Toyota und Honda sind Paradebeispiele für gelungene Ottomotoren. Bei jeder Drehzahl ziehen sie los, egal ob 1000 oder 5000 Touren auf dem Drehzahlmesser angezeigt werden. Welcher Gang gerade eingelegt ist, spielt da keine so große Rolle. Nie hat man den Eindruck, daß zuwenig Kraft vorhanden ist. Dabei hilft den beiden Japanern ihr relativ geringes Gewicht.

In heutigen Zeiten, in denen ein einfacher VW Golf TDI (ohne Allradantrieb!) schon 1440 Kilo auf die Waage bringt, darf der Toyota RAV4 mit seinen 1420 Kilo schon als vorbildliches Leichtgewicht gelten. Der Honda wiegt 115 Kilo mehr, ist aber auch rund 35 Zentimeter länger. Trotzdem wirkt selbst er spontan und entschlossen, wenn man aufs Gas tritt. So leichtfüßig wie der Toyota den Befehlen des Lenkrades folgt, benimmt sich der Honda allerdings nicht ganz. Der RAV4 ist da in seiner Klasse nach wie vor unerreicht. Der Honda bemüht sich zu folgen, wirkt aber doch etwas träger.

Motorleistung und Verbrauch

Wesentlich größer fällt allerdings der Abstand der beiden Japaner zu den koreanischen Zwillingen von Hyundai und Kia aus. Die beiden reagieren wesentlich müder auf Lenkbefehle und ziehen auch nicht so quirlig los wie ihre japanischen Konkurrenten. Das liegt zum einen an ihrem höheren Gewicht, denn schließlich sind sie über 200 Kilo schwerer als der Toyota, obwohl sie bei der Außenlänge zwischen Toyota und Honda liegen. Zum zweiten sind Hyundai und Kia ausgesprochen kopflastig (58 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse), was das Handling träger macht. Und zum dritten agieren die Motoren wesentlich zäher. Der Zweiliter-Benziner von Hyundai, der auch im konstruktiv identischen Kia zu finden ist, darf als nur mäßig gelungen gelten. Das offizielle Datenblatt weist mit 141 PS zwar nur neun PS Rückstand auf Toyota und Honda aus, subjektiv scheinen aber eher 30 PS zu fehlen.

In jedem Drehzahlbereich wirkt der Hyundai-Motor rauh und angestrengt, wo Toyota und insbesondere der Honda stets mit Freude an Drehzahl gewinnen. Jeder Tempozuwachs scheint für Hyundai und Kia ein Mühsal zu sein. Eifriges Rühren im vor allem beim Hyundai-Testwagen hakeligen Schaltgetriebe bringt auch keine große Besserung. Besonders auf der Autobahn distanzieren Toyota und der besonders kräftig wirkende Honda die beiden Koreaner – gerade auch im höheren Tempobereich um 160 km/h. Während die beiden Japaner selbst oberhalb dieser Marke noch ordentlich zulegen, quälen sich die Koreaner nur mühsam und mit ordentlich Anlauf bis zu ihrer gemessenen Topspeed von 176 km/h.

Zudem erweisen sich die Koreaner als durstiger. Das Traurige: Gerade derjenige wird hier bestraft, der sparsam fahren will und deshalb auf Tempo und Drehzahl verzichtet. So verbrauchen die beiden Koreaner bei zurückhaltender Fahrweise 8,8 Liter/100 km, der Toyota kommt bei gleicher Gangart jedoch mit gut einem Liter weniger aus. Der Honda liegt dazwischen. Bei flotterer Fahrweise werden die Unterschiede zwar geringer, dennoch bleibt im Alltagsbetrieb stets ein Verbrauchsnachteil zuungunsten der beiden Koreaner bestehen.

Variabilität und Komfort

Die Zweiliter-Benzinmotoren sind der einzige Punkt, bei denen sich Hyundai Tucson und Kia Sportage deftige Kritik anhören müssen. Gerade ihre Karosserien dürfen als besonders durchdacht gelten. Sie sehen zwar durchaus unterschiedlich aus, die Vorteile sind jedoch bei beiden die gleichen. Zum Beispiel die Kombiheckklappe mit separat zu öffnender Heckscheibe. Das funktioniert im Alltag einfach problemlos. Bei Toyota und Honda muß man sich dagegen mit großen Hecktüren herumplagen, die zum einen viel Parkraum hinter dem Auto beanspruchen und zum zweiten das Beladen von der rechten Bordsteinseite aus oft unmöglich machen, weil die Türen rechts angeschlagen sind. Typisch für Allradler aus Japan, wo wegen des dortigen Linksverkehrs naturgemäß rechts angeschlagene Hecktüren bevorzugt werden.

Oder nehmen wir die pfiffig gemachten Rücksitzbänke der Koreaner. Sicher, man kann sie nicht längs verschieben wie bei Toyota und Honda. Aber zumindest beim RAV4 ist dieser Vorteil von rein theoretischer Natur, denn schon bei ganz nach hinten gefahrener Fondbank fällt der Knieraum für Erwachsene sehr knapp aus. Statt variablem Knieraum bieten Hyundai und Kia einen Umklappmechanismus für die Fondbank, der kaum Raum für Verbesserungen läßt: kein Gurtgewurstel, kein Kopfstützengefummel, einfach mit einer Hand die Entriegelung betätigen und schon faltet sich die entsprechende Seite der Bank komplett zu einer völlig ebenen Ladefläche, die bis zu den Lehnen der Frontsitze reicht. Wer besonders langes Ladegut transportieren muß, kann mit einem einzigen Handgriff die Beifahrersitzlehne nach vorne umklappen, sodaß sich bis zur Armaturentafel durchladen läßt.

Beim Sitzkomfort können alle vier keine besonderen Qualitäten aufweisen. In den preisgünstigeren Koreanern sitzt man aber jedenfalls nicht schlechter. Wer besonderen Wert auf Komfort legt, trifft mit dem Honda die richtige Wahl. Seine Federung balanciert Unebenheiten am besten aus, ohne dabei jemals schaukelig zu wirken. Zudem ist der Honda-Motor bei allem Temperament deutlich leiser als die Aggregate der Konkurrenz. Die Mittelposition beim Komfort nehmen Hyundai und Kia ein, die straffer federn als der Honda, vor allem aber lauter sind. Beim Hyundai kamen noch Dröhnfrequenzen dazu, die sich offenbar über den Schalthebel übertrugen. Am meisten Nehmerqualitäten erfordert der Toyota. Der Motor dröhnt zwar nicht, er ist aber sehr präsent und trompetet bei höheren Drehzahlen ungeniert seine Lebensfreude heraus. Das RAV4-Fahrwerk darf als betont sportlich-straff gelten. Es filtert grobe Unebenheiten nur einigermaßen weg und gibt kurze Stöße gerne 1:1 an die Insassen weiter. Die ebenso straffen Polster bringen dabei naturgemäß kaum Milderung. So gesehen ist der Toyota sicher das sportlichste Auto seiner Klasse – mit leichtfüßigem Handling, aber eben auch mit magerem Komfort.

Allradantrieb und Geländetauglichkeit

Ebenfalls eigene Wege geht der Toyota beim Allradantrieb. Einen permanenten 4x4-Antrieb können zwar alle vier Kandidaten aufweisen. Der RAV4 bemüht aber als einziger einen Permanent-Allradantrieb mit ständiger 50:50-Kraftverteilung über ein Zentraldifferential. Ohne jegliche Verzögerung wird also stets beiden Achsen Kraft zugeführt. Anders dagegen Honda, Hyundai und Kia. Alle drei bevorzugen die Vorderräder, denn nur diese werden direkt angetrieben. Der Hinterradantrieb kommt über eine Lamellenkupplung nur dann ins Spiel, wenn die Vorderräder überfordert sind. Bei Hyundai und Kia steuert eine Elektronik das Schließen und Öffnen dieser Kupplung zur Hinterachse, beim Honda funktioniert das rein mechanisch-hydraulisch. Das System von Hyundai und Kia reagiert deutlich schneller, während beim Honda – trotz jüngst erfolgter Überarbeitung des Systems – immer noch die Vorderräder zunächst hilflos scharren, bevor die Hinterräder ihnen zu Hilfe kommen.

Für Fahrten auf Tiefschnee und Schlamm lassen sich bei Hyundai und Kia die besagten Kupplungen voll ansteuern. Es herrscht dann eine starre 50:50-Koppelung – wegen verlängerter Bremswege untauglich für Straßenfahrt oberhalb von 40 km/h, aber traktionsfördernd auf rutschigem Untergrund. Außerdem wirkt mit dieser Koppelung – wie auch beim Toyota – die Bremswirkung des Motors bei steiler Bergabfahrt von vorneherein auf beide Achsen, während beim Honda zunächst nur die Vorderräder die Motorbremswirkung übertragen.

Je schwieriger die Wege, desto problematischer wird es für die Kandidaten. Der Honda hat zwar mit 200 Millimeter am meisten Bodenfreiheit, bekommt wegen seines trägen Allradantriebs aber Traktionsprobleme. Andersherum ist es beim Toyota. Sein Allradantrieb bringt – auch wegen des recht gekonnten Zusammenspiels mit der Schlupfregelung – ausreichend Vortrieb. Aber wegen der mageren 170 Millimeter Bodenfreiheit setzt er frühzeitig auf. Hyundai und Kia liegen mit 180 Millimetern dazwischen, haben aber ein anderes Problem. Ihre Schlupfregelung würgt gleichzeitig den Motor brutal elektronisch ab – die Koreaner bleiben stehen. Schaltet man ASR per Taste ab, arbeitet auch die Schlupfregelung als Achssperrenersatz nicht und die Koreaner bleiben mit durchdrehenden Rädern hängen.

Kosten und Ausstattungen

Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die Koreaner Hyundai und Kia sind einfach wesentlich preisgünstiger als die Japaner Honda und Toyota. Vor allem der RAV4 ist schon fast unverschämt teuer.

Technische Daten und Testwerte

Alle vier sind bei den Bremsen auf der sicheren Seite. Die Unterschiede von Kia und Hyundai rühren von den jeweiligen Reifen. Bester Bremser ist unter allen Bedingungen der Honda CR-V.

Fazit und Wertung

Fazit Mit mehr Platz, Komfort und Kraft gewinnt der Honda. Der handlichere Toyota verliert Punkte wegen Preis und Platznot. Nur knapp dahinter: die viel preisgünstigeren Hyundai und Kia. Hier stören die zähen Motoren mit zu hohem Benzinverbrauch. Sonst hat Korea fast alles richtig gemacht.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie Noten für Toyota RAV4, Hyundai Tucson und Kia Sportage. Das Ergebnis sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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