Vier kompakte Vans im Vergleich

Kompakte Vans im Vergleich Kompakte Vans im Vergleich

Vier kompakte Vans im Vergleich

— 25.03.2002

Der Mercedes unter den Vans

Name: Vaneo. Hersteller: Mercedes. Ziel: Star unter den kompakten Vans werden. Mehr Platz hat er ja, aber überstrahlt er auch sonst Opel Zafira, Renault Scénic und Toyota Corolla Verso?

Neuer Van-Versuch von Mercedes

Manche Dinge stehen unter keinem guten Stern. Das gilt für die Ehe von Uschi Glas, Johann Mühleggs Olympia-Auftritt und manchmal sogar für Sternenträger selbst. Bestes Beispiel: Mercedes und das Stern-Bild des großen Wagens. Als die Stuttgarter sich 1996 mit der V-Klasse ans Thema Van wagten, lieferten sie bestenfalls eine Sternschnuppe. Abgeleitet vom Transporter Vito, blieb das Lasterhafte Wesen dominant und der Erfolg verwehrt.

Also dreht Mercedes den Spieß jetzt einfach um. Ihren jüngsten Van-Versuch leiten die Schwaben von der erfolgreichen A-Klasse ab, bauen ihn im Lkw-Werk und lassen ihn ganz selbstbewusst gegen die etablierten Kompakt-Vans antreten. Mercedes Vaneo gegen Opel Zafira, Renault Scénic und den Toyota Corolla Verso - wer verdient sich hier den Stern? Die goldene Gurke für die emotionsfreieste Erscheinung gebührt auf jeden Fall Mercedes. Der Vaneo grüßt zwar mit dem freundlichen Gesicht der A-Klasse, der deutlich höher (1,83 m) als breit (1,74 m) geratene Aufbau und das kantige Heck ersticken aber jede Eleganz. So sortiert das Kleinhirn den Vaneo automatisch zu den Kastenwagen à la Kangoo & Co.

Ernüchterung dann auch im Innenraum des Vaneo. Das deutliche Klapperkonzert auf schlechten Strecken und die zum Teil billig anmutenden Materialien machen das Transporter-Trauma überdeutlich. Lindernd wirkt da allenfalls das sachliche Cockpit mit A-Klasse-Anleihen und Holzimitat, während unzählige Ablagen und Fächer sowie die geteilt klapp- und ausbaubare Fondbank (schwer, nicht verschiebbar) sogar einen Hauch von Van in den Vaneo zaubern. Was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Konkurrenz dieses Thema besser umsetzt.

Klappen, Falten, Ausbauen, Verschieben

Was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Konkurrenz dieses Thema besser umsetzt. Im Opel, der mit funktionalem Cockpit, passgenauen Sitzen und agilem Handling glänzt, fahren stets sieben Sitze mit - auch wenn man meist nur fünf sieht. Denn Reihe drei faltet sich genial einfach in den Boden. Altmeister Scénic setzt da eher auf totale Flexibilität. In Reihe zwei fordern drei - leider viel zu kleine - Einzelsitze zum fröhlichen Stühlerücken auf. Klappen, Falten, Ausbauen oder Verschieben - alles kein Problem. Nur die unbequeme Sitzposition hinterm viel zu flach stehenden Lenkrad und die verstreuten Schalter nerven wie eh und je.

Neuling Corolla Verso schließlich versucht den goldenen Mittelweg. Fächer sogar im Boden wie beim Renault, geteilte und ausbaubare Bank wie im Vaneo. Im Japaner lässt sich die Fondbank zusätzlich längs verschieben (15 Zentimeter), klappt die in zwei Stufen neigungsverstellbare Lehne in drei Teilen - so entsteht in der Mitte bei Bedarf ein praktischer Tisch. Ein vernünftiges Konzept, das zusammen mit dem feinen Cockpit und den tollen Sitzen Sympathie weckt. Die Toyota leichtfertig aufs Spiel setzt: Das nur höhenverstellbare und trotzdem immer zu tiefe Lenkrad sabotiert entspanntes Sitzen, die fummelige Gepäckraumabdeckung treibt labile Menschen an den Rand der Verzweiflung.

Eine Gefahr, der Mercedes mit einer vernünftigen Abdeckung (im Ambiente Serie) und mit unendlicher Weite vorbeugt. Auch in der zweiten Reihe bleiben uns Beulen an Kopf oder Knie erspart, dem Gepäck gönnt Mercedes den absoluten Raum-Traum. Schon als Fünfsitzer bleibt mehr als genug Platz für Freizeit und Familie.

Härte und ESP gegen Kipp-Kapriolen

Wer das Heck leer räumt, kann den Vaneo sogar an Studenten untervermieten - oder sich angesichts 3000 Liter Stauraum als Hobby-Spediteur versuchen. Was angesichts der zu kleinen, schlecht ausgeformten, schlichtweg zu harten Polster ohnehin die bessere Nutzung zu sein scheint. Der Fahrer hockt gequält hinterm nur minimal höhenverstellbaren Lenkrad und vermisst eine geschmeidigere Federung. Der auf 2,9 Meter gewachsene Radstand beseitigt zwar den hässlichen Hoppeleffekt bei kurzen Stößen, das straff ausgelegte Fahrwerk macht grobe Schläge aber zur Belastungsprobe für Bandscheiben.

Der Grund für derartige Härte lag vor gut vier Jahren auf der Straße und hieß A-Klasse. Um einen ähnlichen Elch-Eklat zu vermeiden, wurde der Vaneo mit Fahrwerkshärte gegen Kipp-Kapriolen und mit ESP gegen Übermut gesichert. Ein erfolgreiches Engagement, das den Hochdach-Benz sicher durch Kurven eilen lässt. Immer vorausgesetzt, der phlegmatische Diesel lässt sich überhaupt zur Eile überreden. Die 90 PS des überforderten 1,7-Liter-Common-Rail lärmen so lustlos vor sich hin, dass die Kasseler Berge für den 1,5-Tonnen-Trumm zur echten Herausforderung werden dürften.

Obwohl noch eine Pferdestärke schwächer, kann Toyotas Zweiliter mehr Begeisterung wecken. Angenehm gleichmäßig und ausreichend kräftig tritt der Common-Rail-Diesel an. Ein unaufgeregter, wenn auch nicht optimal gedämmter Motor, der zudem mit einem Spatzendurst verwöhnt.

Motoren und Preise

Deutlich unharmonischer präsentiert sich der Verso dagegen beim Thema Fahrwerk. Leicht unterdämpft, stolpert der Corolla unelegant über grobe Fahrbahnfehler; weil die elektronische Straßenwacht VSC (noch) fehlt, bleibt das Heck nicht immer auf Kurs. Eine Lektion, die Renault gelernt hat. Dank ESP brennt hier absolut nichts an. Gute Noten auch für die sehr weiche, unter voller Zuladung aber enorm schluckfreudige Federung und den spritzigen Common-Rail-Diesel. Mit seinen 102 PS fährt der 1,9-Liter der Konkurrenz locker davon, lässt mit rauer Stimme aber keinen Zweifel an seiner Anstrengung.

Nicht ganz so spontan, jedoch deutlich kultivierter gehen schließlich die 101 PS im Opel zu Werke. Der 2,0-Liter-Common-Rail genehmigt sich in diesem Feld zwar als Einziger eine Anfahrschwäche, kann ab 2500 Touren aber locker folgen und hält seine fast 1,6 Tonnen Leergewicht mühelos in Schwung. Ebenso souverän durcheilt der Zafira schnelle Kurven. Obwohl nicht mit ESP gerüstet, müssen Schwierigkeiten schon provoziert werden. Unter anderem ein Verdienst der sehr straffen Federung, die auf schlechten Strecken dafür eine gewisse Leidensfähigkeit verlangt.

Stark sein heißt es auch an der Kasse. Kostet der siebensitzige Zafira 2.0 DTI 16V Elegance schon 23.180 Euro, setzt der Vaneo CDI 1.7 Ambiente mit 23.258 Euro glatt noch einen drauf. Da beruhigt es ungemein, dass der Renault Scénic 1.9 dCi Dynamique schon für 22.450 Euro vorfährt und der Corolla Verso 2.0 D-4D Linea sol für nur 21.680 Euro. Was dem Japaner mehr Sterne einbringt als Mercedes dem Vaneo ans Blech heften kann.

Fazit und Technische Daten

Fazit Die Überraschung ist perfekt. Im Diesel-Vergleich gewinnt Altmeister Scénic. Zu den bekannten Stärken wie Komfort und Variabilität addiert er souveränes Fahrverhalten dank ESP. Dahinter folgen punktgleich Zafira und Neuling Corolla Verso. Der bisher auf Sieg abonnierte Opel verspielt mit einer übertrieben straffen Federung und dem durstigen Motor ein besseres Ergebnis.

Der Toyota erweist sich als ordentlich gemacht, lässt beim Fahrwerk und in Details aber Feinarbeit vermissen. Dass der brandneue Vaneo die rote Laterne kassiert, ist (k)ein Wunder. Außer viel Platz bietet er keine echten Vorteile. Im Gegenteil: Zum müden Motor liefert er auch noch schlechten Komfort.

Den kompletten Artikel mit allen Daten erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.