Vier Minis im Vergleich

Citroën C2 1.1 Citroën C2 1.1

Vier Minis im Vergleich

— 20.10.2003

Jetzt wird's eng

Mit dem Citroën C2 und dem Fiat Panda bekommen Renault Twingo und VW Lupo starke Konkurrenz. Für einen wird es richtig eng.

Citroën C2 anfangs zum Schnupperpreis

Moderner Stadtbewohner, Alter um die 30, Ein- bis Zweipersonenhaushalt, mit Parkplatzproblemen sucht Kleinwagen, will aber auf Leistung und Komfort nicht verzichten. Das ist er, der Typ Mensch, den Citroën als Käufer für seinen neuen Mini C2 im Auge hat. Selbstbewusst nennen die Franzosen ihren 3,67-Meter-Zwerg "Stadtsportwagen".

Schick gezeichnet mit frechen Design-Ideen, steht er ab sofort zum Schnupperpreis von 9995 Euro beim Händler. Dieses Angebot gilt laut Citroën mindestens bis Ende des Jahres, eventuell auch länger. Danach kostet die Basisversion 11.200 Euro.

Der gemeine "Stadtmensch" aber sollte sich nicht allein vom Preis ködern lassen, sondern sich erst einmal genau umgucken. Zum Beispiel bei Renault. Die halten ihren Twingo bereits seit über zehn Jahren jugendlich frisch. Von Altersschwäche keine Spur. In den August-Zulassungen fuhr der kleine Franzose im Vergleich zum Juli rund 17 Prozent nach oben, belegt nun Platz 21. Davon können die Wolfsburger nur träumen. Ihr Lupo kommt längst nicht mehr so an wie erhofft. Platz 43. Hohe Preise bei magerer Ausstattung haben vielen den Appetit verdorben.

Fiats Panda wächst über sich hinaus

Eine Strategie, die Fiat mit dem brandneuen Panda von vorneherein vermeidet. Ursprünglich sollte er Gingo heißen, aber das hätte Ärger mit Renault wegen der Verwechslungsgefahr mit Twingo gegeben. So heißt er jetzt also wieder Panda – obwohl er mit dem Ur-Typ (kam 1980 auf den Markt) nichts mehr zu tun hat. Denn: Technisch hat er sich weit entfernt von der minimalistischen tollen Kiste. Und ein waschechter Italiener ist er auch nicht mehr. Der Panda wird in Polen gefertigt.

Dass jetzt alles anders ist als früher, verrät er schon auf den ersten Blick. Bertone hat ihm eine kurze und hohe Karosserie geschneidert, die den Passagieren viel Kopffreiheit bietet, eine höhere Sitzposition und einen bequemeren Ein- und Ausstieg. Damit ist der Panda im wahrsten Sinne des Wortes vielen Kleinwagen hoch überlegen.

Dafür gibt er sich innen aber spürbar schmaler als die Konkurrenten, zudem macht sich die Mittelkonsole unnötig breit. Sie nimmt zwar den ergonomisch gut platzierten und leicht zu schaltenden Ganghebel auf, engt aber den Knieraum unnötig ein. Auch der Kupplungsfuß findet wenig Platz zwischen Pedal und Abstützblech, das zu weit vorn sitzt. Dafür genießen alle Panda-Pendler einen guten Sitzkomfort (kein Vergleich zu den "Gartenstühlen" im ersten Panda), zudem kann man hinten bequem ein- und aussteigen. Als einziger Wagen im Vergleich hat der Panda vier Türen ab Werk. Auch das ein Riesenvorteil.

Betagter Twingo zeigt innere Größe

Freund Twingo überrascht ebenso, zumindest was den Fond angeht. Ein Kleinwagen, in dem vier Personen reisen und zur Not sogar zwei schlafen können. Seine Sitze lassen sich zu einer Liegewiese flachlegen. Nur hinter dem Lenkrad lässt sich keine angenehme Sitzposition einstellen. Das Volant steht zu flach, ist weder in Höhe noch Tiefe verstellbar. Ein Tribut an die betagte Konstruktion des Twingo. Damals war eine Lenkradverstellung nur etwas für höhere Klassen. Was dagegen längst hätte beseitigt werden können, sind die schlechten Sitze und die hellgraue Plastiklandschaft. Auch der Digitaltacho in der Mitte bringt nicht wirklich Vorteile.

Das haben wohl auch die französischen Kollegen von Citroën kapiert. Denn sie servieren ihre Instrumente konventionell hinter dem Lenkrad. Dazu arbeiten Schaltung und Lenkung präzise und leicht. Leider sind die Sitze viel zu weich gepolstert, bieten kaum Seitenhalt und reichen gerade mal für Kurzstrecken. Insgesamt aber bietet der C2 vorn ein sehr gutes Raumgefühl.

Richtig eng wird es dagegen hinten. Keine Chance für Erwachsene, hier einigermaßen bequem zu sitzen – selbst bei ganz zurückgeschobenen Rücksitzen, die es leider erst ab der SX-Version gibt. Sie lassen sich mühelos auf Gleitschienen unabhängig voneinander bewegen und sogar zusammenfalten. Im Prinzip ein gute Idee, nur ist hierfür der C2 schlicht zu klein. Denn wer die hinteren Sitze hochklappt, um vielleicht ein paar Ikea-Kartons nach Hause zu fahren, muss die Vordersitze so weit nach vorn schieben, dass kein normal gewachsener Mensch mehr hinters Lenkrad passt.

Basis-Lupo hat nicht einmal ABS

Zum Glück haben die Wolfsburger auf diese Art der Variabilität beim Lupo (Länge: 3,53 Meter) gleich verzichtet. Leider auch auf einige andere Sachen. Hier kann sich der Käufer freuen, überhaupt noch ein Minimum an Komfort geliefert zu bekommen. Der Basis-Lupo hat nur die ungeteilt klappbare Rückbank. Das war's.

Für alles, was das Auto-Leben etwas leichter und auch sicherer macht, bittet VW kräftig zur Kasse. Nicht, dass der Lupo ohnehin schon gut 2000 Euro teurer ist als beispielsweise der Twingo, nein, er hat noch nicht einmal ABS. Auch Seitenairbags, Zentralverriegelung oder elektrische Fensterheber kosten Aufpreis.

All das schlägt sich deutlich in der Punktetabelle nieder. Kein Wunder, dass der Kunde zur Konkurrenz abwandert und dort schlicht mehr Auto für sein Geld bekommt. Da nützt es auch nichts, wenn der Lupo teilweise über 100 Kilo mehr als die anderen zuladen darf.

Technische Daten und Testwerte

Bei den Motoren fährt der C2 an die Spitze. Sein Vierzylinder zeigt sich drehfreudig und vibrationsarm und verbraucht mit 6,3 Litern auch noch am wenigsten. Die Gänge passen besonders in der Stadt vorbildlich. Etwas rauer, jedoch ebenso elastisch benimmt sich der Twingo. Nur seine Schaltung flutscht nicht so leichtgängig wie die der anderen. Übrigens: Automatikfreunde werden enttäuscht. Keiner der vier hat das selbstschaltende Getriebe für die Basismodelle im Programm.

Geben wir im Panda Gas, müssen wir ein wenig Geduld aufbringen. Der leise Motor wirkt zugeschnürt, hat wenig Temperament und bleibt trotz gleicher Papierform mit den Fahrleistungen hinter der Konkurrenz zurück. Das macht im täglichen Umgang zwar nicht wirklich viel aus, bringt aber Punktabzug.

Beim Thema Fahrverhalten liegen alle mehr oder weniger auf einem Niveau. Lediglich beim C2, obwohl sehr komfortabel ausgelegt, stören die Poltergeräusche der Radaufhängungen. Am besten schluckt unbequemes Pflaster noch der Lupo, aber auch der Panda rollt angenehm leise ab.

Kosten und Ausstattungen

Der Lupo ist nicht nur in der Anschaffung teuer, auch bei Steuer und Versicherung langt er kräftig hin, ärgert mit kurzen Wartungsintervallen. Darauf ist kein Autofahrer scharf. Egal, ob Stadtmensch oder Landei.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Quadratisch, praktisch, gut. Der Schokoladenspruch passt auch zum Panda, der auf Lupo-Länge vier Türen und Platz für vier Personen bietet. Ein gelungener Wurf. Dass er nur Dritter wird, stört nicht wirklich. Richtige Schwächen leistet er sich nirgendwo. Ganz im Gegensatz zum Lupo. Wie kann ein Hersteller heute noch ein Auto ohne ABS anbieten und für längst gängige Sicherheit die Hand aufhalten?Lobenswert: der Twingo. Auch im hohen Alter hält er sich wacker. Den Punktsieg holt der C2 vor allem, weil er zum Kampfpreis angeboten wird. Mit dem ab 2004 gültigen regulären Preis käme der kleine Franzose hinter Twingo und Panda nur auf Platz 3.

C2, Panda, Twingo oder Lupo – Ihr Urteil

Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen aber nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, und vergeben Sie eigene Noten für die Minis Citroën C2, Renault Twingo, Fiat Panda und VW Lupo. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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