Vier Mittelklasse-Kombis mit Diesel

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Vier Mittelklasse-Kombis mit Diesel

— 17.10.2002

Mazda6 – auch als Kombi ganz oben?

Das gab's noch nie: eine japanische Mittelklasse, die jeden Vergleich gewinnt. Ihr Name: Mazda6. Diesmal angetreten als Sport Kombi mit Diesel.

Britney Spears, Sarah Connor, Shakira – drei Sängerinnen, die mehr eint als gutes Aussehen. Alle drei tauchten nämlich wie aus dem Nichts auf den Bühnen dieser Welt auf und sangen sich anschließend von einem Erfolg zum nächsten. Karriereende vorerst nicht abzusehen. Auf einer ähnlichen Erfolgswelle surft seit Sommer 2002 auch der Mazda6. Erster Vergleichstest: Sieg gegen die Stufenheckmodelle von Opel, Renault und Nissan. Zweiter Auftritt als Fließheck: Platz eins vor Mondeo, Laguna und Primera.

Karriereende vorerst nicht abzusehen

Klappt prima im Mazda6: Der geniale Faltmechanismus für die geteilte Rückbank eröffnet bis zu 1712 Liter Laderaum.

Kein Wunder, dass Mazdas erotischste Mittelklasse aller Zeiten Lieferfristen provoziert wie ein SLK. Jetzt folgt der dritte Streich. Als ebenso funktionales wie formschönes Kastenheck fordert der Mazda6 Sport Kombi mit neuem Common-Rail-Diesel die europäischen Turbo-Lader. Frankreich schickt den Citroën C5 Kombi 2.2 HDi SX ins Rennen, für Deutschland treten der Ford Mondeo Turnier TDCi Trend und der VW Passat Variant TDI Comfortline an.

Faltmechanismus gegen Klapp-Lösung

Die fesche Optik des Mazda6, die vom langweiligen Vorgänger 626 ungefähr so weit entfernt ist wie der japanische Kaiser vom Mazda-Monteur, lässt dabei nur auf den ersten Blick Zweifel am Transport-Talent des Sport Kombi aufkeimen. Tatsächlich schluckt der 6 nämlich nicht nur fünf Personen mit Anstand, sondern mit 1712 Litern (Mazda schwört nach VDA-Norm) auch noch ein Schminkköfferchen mehr als der zehn Zentimeter längere Mondeo.

It's not a trick, sondern der geniale Faltmechanismus der geteilten Rückbank. Einfach am Hebel seitlich im Kofferraum ziehen, schon senkt sich die Sitzfläche leicht ab, klappt die Bank per Federkraft nach vorn. So entsteht ohne weitere Fummelei mit Gurten oder Kopfstützen ein Laderaum von rund 1,90 Meter Länge. Zusätzlich schlucken Fächer im Boden und an den Seiten allerlei Krimskrams. Die Japaner nennen dieses System nach einer Faltpuppe Karakuri, wir sagen einfach: klasse.

Citroën, Ford und VW halten mit der klassischen Klapp-Lösung dagegen. Maximal 1700 Liter oder einen Maxi-Kühlschrank groß, aber irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht, bereitet der Mondeo allerdings nur halbe Freude. Pfiffige Ideen fehlen hier genauso wie das Gepäck-Trennnetz (200 Euro, sonst Serie), die Fondbank klappt anders als die Lehne nur im Ganzen und begrenzt so die Variabilität. Auch wenn Platzangebot und Praxiswert sonst stimmen, verschenkt der Kölner hier unnötig Punkte.

Der Passat hat den größten Diesel-Bums

Mit französischer Raffinesse begegnet uns der C5. Der recht massige Blechkoloss wirkt zwar verführerisch wie Inge Meisel, verwöhnt aber mit dem üppigsten Passagierraum und praktischen Details. Dank Hydropneumatik fährt die Niveauregulierung im Citroën automatisch mit (Ford 650 Euro), lässt sich das Heck auf Knopfdruck um 16 Zentimeter absenken – das erspart manche Mühe und eventuell den Gang zum Orthopäden. Dazu spendiert der C5 als Einziger auch noch einen Wendeteppich mit abwaschbarer Gummiunterseite und eine separat öffnende Heckscheibe.

Der Passat Variant scheint sich dagegen mehr als Nobellaster und weniger als Alltagstransporter zu verstehen. Dafür spricht nicht nur, dass der Gummibelag fürs Heck 41 Euro extra kostet. Auch die vornehme Edelstahlschwelle und der feine Veloursteppich im Kofferraum deuten eher auf Lederkoffer denn auf Farbeimer hin. Dazu passt, dass der Passat seinen Gästen zwar viel Raum zum Räkeln lässt, beim Gepäck mittlerweile aber den größten Verzicht verlangt. 495 bis 1600 Liter – kleiner ist keiner.

Ausgereifter Altmeister: Der Passat Variant sieht auch im fünften Jahr noch nicht alt aus.

Bissiger allerdings auch nicht. Der 130-PS-TDI des Passat klingt im Kaltlauf zwar eindeutig nach Diesel, zerrt ab 1800 Touren aber so heftig an den Vorderrädern, als wolle er die Straße aufreißen. Auch wenn der 130 PS starke Common-Rail-Diesel des Mondeo noch etwas bessere Fahrleistungen produziert, fällt der Diesel-Bums im VW heftiger aus, wirkt der TDI obenrum deutlich lebhafter. Dazu die knackige Sechsgangschaltung und der günstigste Verbrauch – perfekt. Fast jedenfalls. Die zu weichen Motorlager des Passat sorgen öfter für unangenehmen Ruckel-Rabatz. Und auch bei der Federung reitet VW auf der weichen Welle. Tief verneigt sich der Passat in schnell gefahrenen Kurven, bleibt dank ESP aber brav und schluckt Straßenschäden souverän.

6er-Hoppeln über die Rüttelpiste

Beim Ford quält uns neben dem knurrigen Dieselsound eher eine seltsame Anfahrschwäche. Der Start im ersten Gang erfordert volle Konzentration, sonst stirbt der Motor ab, und der Fahrer erntet mitleidvolle Blicke. Dazu besteht beim straff abgestimmten Fahrwerk keinerlei Anlass. Wieselflink und fast schon lustvoll schrammt der Mondeo ums Eck, lässt den Komfort dennoch nicht zu kurz kommen. Nur schade, dass ESP beim Kölner als Einzigem Aufpreis kostet (545 Euro).

Als kräftigster Motor im Feld lässt der 2,0-Liter-Common-Rail des Mazda6 nichts anbrennen. Die 136 PS ziehen kraftvoll von der Ampel weg und erledigen Überholvorgänge mit spielerischer Leichtigkeit, verlangen mit exakt sieben Litern nicht mal Express-Zuschlag. Das wirklich nutzbare Drehzahlband fällt beim japanischen Common Rail allerdings schmaler aus als bei den deutschen Triebwerken, Fahrspaß findet hier eher mit angezogener Handbremse statt. Schade drum, das sportliche Fahrwerk verträgt durchaus mehr Dampf im Kessel.

Einzig beim Komfort nehmen die Mazda-Mannen den Namen "Sport Kombi" zu wörtlich, verpassten unserem Testwagen auch noch Reifen der Größe 205/55 R 16 statt der 195/65 R 15er. Das Ergebnis: Mit deutlichem Dröhnen stößt die Hinterachse bei voller Beladung an ihre Grenzen, hoppelt der 6 aufgeregt über die Rüttelpiste. Zusammen mit den zu kleinen Sitzen ein echter Mazda-Makel.

Schwache Bremsen beim Citroën C5

Voll beladen schwächelt auch der C5 ein wenig. Ansonsten setzt der Citroën mit plüschigen Polstern und flauschig-weicher Federung auf himmlische Harmonie. Dazu passt der samtweiche, kultivierte, angenehm gleichmäßig antretende 2,2-Liter-Common-Rail wie Baguette zum Milchkaffee. Dass die 133 PS insgesamt die bescheidensten Fahrleistungen produzieren, dürfte nur Berufs-Hektiker stören.

Schon eher Anlass zu Kritik: Mit 41,3 Metern steht der C5 bedenkliche 2,5 Meter später als der Mazda6. Zudem verbraucht er mit 7,4 Litern einen halben Liter mehr als der Passat – Tribut an den Partikelfilter FAP-Filter? Wirkung zeigt auch unsere ständige Meckerei an Mazdas völlig verquerer Aufpreispolitik (Leder nur in Verbindung mit 16-Zoll-Alus etc.). Die Japaner werden ihre unsinnige Paket-Politik demnächst wohl aufgeben, wollen die 16-Zöller zudem ohne Aufpreis anbieten (außer Basis).

Schon jetzt bleibt der gut ausgestattete Mazda 6 2.0 CD Exclusive mit 24.620 Euro 280 Euro unter dem Mondeo 2.0 TDCi Trend. Abgehoben dagegen der C5 2.2 HDi in SX-Ausstattung für 28.380 Euro und auch der Passat TDI Comfortline für 26.800 Euro. Was den Passat durchaus mit der Showbranche verbindet: Je mehr Erfolg, desto höher die Gage.

Fazit und Technische Daten

Fazit Langsam, aber sicher wird uns dieser Mazda6 unheimlich. Auch als Sport Kombi mit Diesel landet der Japaner auf Platz eins. Ursache: Er sieht nicht nur gut aus, er bietet auch reichlich innere Werte. Dass er sich den Sieg mit dem Passat teilen muss, liegt vor allem am guten Motor und an der hohen Qualität des VW. Nur knapp geschlagen landet der Mondeo auf Rang drei. Vor allem das Wirtschaftlichkeitskapitel macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Der gelassen-gemütliche C5 muss sich schließlich keineswegs verstecken. Wer viel Platz braucht und einfach nur entspannt ans Ziel kommen will, liegt hier richtig.

Kosten und Ausstattungen

Bis auf den Ford Mondeo haben alle Kombis ESP serienmäßig an Bord. Der günstigste im Vergleich ist der Mazda6. Der Japaner kostet 24.620 Euro.

Wertung und Endergebnis

Wir orientieren uns am Maßstab. Heißt: Das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem Kapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge ist mit 76.672 Einheiten von Januar bis August dieses Jahres der Passat (Ford Mondeo: 42.278, Citroën C5: 8655, Mazda 6: 3533). In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich, ob die Konkurrenten besser oder schlechter abschneiden als der Marktführer von Volkswagen. So können Sie Ihren persönlichen Favoriten küren.

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