Vier Mittelklassemodelle im Vergleich

Vier Mittelklassemodelle im Vergleich

— 22.09.2003

Diesel-Duell mit Jaguar

Der X-Type fordert Audi A4, BMW 320 und Mercedes-Benz C 200 heraus. Kann der erste Diesel-Jaguar da mithalten?

Diesel-Rattern statt Sechszylinder-Suseln

Eine Katze muss schnurren, fauchen oder brllen. Aber brummen oder knurren? Nein, derartige Gerusche wollten bislang nicht zum feinen Image der Marke Jaguar passen. Die Sechs- und Achtzylindermotoren schlapperten bislang Super-Sprit. Sonst nichts. Basta!

Das ist vorbei. Jetzt stimmt Jaguar ein in den Chor der edlen Diesel-Nagler. Im X-Type werkelt ab sofort der erste Selbstznder der Firmengeschichte. Ein Zweiliter-Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung, die maximal 1400 bar Druck erzeugt. Klar: Ein dieselnder Jaguar ist gewhnungsbedrftig. Statt Sechszylinder-Suseln rattert der lmotor vernehmbar vor sich hin. Aber warum eigentlich nicht? Bei der Sportmarke Alfa Romeo gibt es Selbstznder schon seit 1976 (Giulia Diesel), Cabrios nageln mit ihnen durch die Gegend und seit kurzem auch der Mini. In der Mittelklasse wird bald mehr als die Hlfte aller Modelle von einem Diesel angetrieben.

Da kann und will Jaguar nicht abseits stehen. Aber ist der Neuling gut genug, um gegen die deutsche Premium-Konkurrenz zu bestehen? Die Vorzeichen sind negativ. Noch nie konnte ein X-Type einen AUTO BILD-Vergleich gewinnen. Bei den bisherigen Krftemessen wurde der Jaguar jedes Mal Letzter. So viel vorweg: Er schafft es wieder nicht. Mercedes-Benz C 200 CDI, BMW 320d und Audi A4 1.9 TDI legen die Messlatte zu hoch.

X-Type ist ein hbsch angezogener Mondeo

Bei genauer Betrachtung entpuppt sich der X-Type als hbsch angezogener Ford Mondeo. Rund 20 Prozent seiner Teile stammen aus dem Regal der Konzernmutter. Machten sich die Ingenieure bei den Benzinern noch die Mhe, Leistung und Drehmoment der Ford-V-Motoren speziell fr Jaguar anzupassen, bernehmen sie beim X-Type 2.0D das Aggregat des Mondeo TDCi fast unverndert.

Leistung (130 PS) und maximales Drehmoment (330 Newtonmeter) bleiben mit dem Ford-Motor identisch. Trotz seiner wenig exklusiven Herkunft passt das Triebwerk gut in den kleinen Jaguar. Beschleunigungs-, Elastizitts- und Verbrauchswerte liegen voll auf Hhe der Konkurrenten. Sauber tritt er an und beschleunigt harmonisch durch alle fnf Gnge. Die Motordmmung ist okay. Dennoch wird der Fronttriebler bei hohem Tempo laut. Er hat eben nur fnf Gnge, ist dadurch krzer bersetzt und dreht deutlich hher als die Konkurrenten. Dazu dringen ab 160 km/h erhebliche Windgerusche nach innen, und bei schneller Autobahnfahrt wird der Vorderwagen nervs.

Das Blechkleid des X-Type ist hbsch und hebt ihn wohltuend von seinen Gegnern ab. Leider ist die elegante Stilistik nicht berall konsequent. So sitzen die Sensoren der Einparkhilfe in einer hsslichen Plastikleiste, die unterm Heckstofnger wie ein Fremdkrper wirkt. Die Lenkung des X-Type arbeitet erfreulich direkt, auch wenn vom Geschehen unter den Vorderrdern wenig an den Fahrer gemeldet wird. Bei Fahrversuchen konnte der Testwagen nicht berzeugen. Zwar verhinderte das Serien-ESP zuverlssig Dreher, doch Quietschgerusche von der Voderachse entlarvten Verarbeitungsmngel.

Der Audi A4 schwchelt beim Anfahren

Die Federung arbeitet anstndig. Ebenso die Bremse, obwohl das Pedalgefhl fester sein drfte. Auf schlechten Straen poltern die Achsen. Es gilt also immer noch: Einem Jaguar muss man Mngel verzeihen. Ob wellige Kofferraumverkleidung oder ungleiche Spaltmae im Armaturentrger der X-Type braucht ein tolerantes Auge. Auerdem sind die Instrumente nicht gut abzulesen, ist der Schalter fr die elektrischen Auenspiegel fummelig zu bedienen. Sein grtes Manko bleibt das Platzangebot auf den Vordersitzen. Obwohl mindestens zwlf Zentimeter lnger sowie auch breiter als BMW, Mercedes-Benz und Audi, bietet er fr Fahrer und Copilot den wenigsten Raum. Nervig: Der geringe ffnungswinkel der Fondtren erschwert das Ein- und Aussteigen der Hinterbnkler.

Diese Probleme gibt es bei Dreier, C-Klasse und A4 nicht. Alle drei bieten vorn ppig Platz, solide Qualitt und gute Fahrleistungen. Konstruktiv steht der Audi dem Jaguar am nchsten. Sein Vierzylinder leistet ebenfalls 130 PS und treibt die Vorderachse an. Das raue Laufgerusch des lngs eingebauten Pumpe-Dse-Motors ist noch zu verschmerzen. Seine Anfahrschwche dagegen weniger. Wer nicht genug Gas gibt, wrgt den Motor ab.

Das Audi-Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt. Kopfsteinpflaster und Bodenwellen bringen ihn nie aus der Ruhe. Im Testwagen trbten jedoch ungewohnte Knistergerusche aus den Tren den guten Eindruck. Unter den vier getesteten Limousinen hat er das unaufregendste Fahrverhalten. In schnell gefahrenen Kurven taucht der Vorderwagen ab, und der A4 kommt untersteuernd etwas trge aus der Ecke.

Mercedes-Benz-Motor ist ein Glanzstck

Das knnen Mercedes-Benz und (vor allem) der BMW besser. Beides sind Hecktriebler. Erstaunlich: Obwohl der C 200 CDI mit 122 PS den schwchsten Motor aufbietet (der C 220 wre in diesem Vergleich zu teuer), beschleunigt er brenstark. Seine Null-auf-100-Werksangabe bertrifft er sogar um mehr als eine Sekunde und erreicht fast den Wert des 21 PS strkeren C 220 CDI.

In dieser Wagenklasse sind aber andere Kriterien wichtiger. Kosten, Komfort und Kopfairbags zhlen mehr als Krach, Kavalierstarts und Kurvenknste. Der leise Mercedes-Benz-Motor ist ein Glanzstck. Erst krzlich haben die Stuttgarter das Common-Rail-System optimiert. Es spritzt den Diesel nun mit 1600 bar in die Brennrume und erhht die Leistung um sechs PS.

So erstarkt, klingt der CDI kehlig und luft angenehm geschmeidig. Sein auf 270 Newtonmeter (plus 20) erhhtes Drehmoment erreicht er schon bei 1400/min. Das ist zu spren: Sofort nach dem Einkuppeln tritt der Benz krftig an. Sein komfortables Fahrwerk ist nahezu perfekt abgestimmt. Gut entkuppelt rollt der Mercedes-Benz ber Straenunebenheiten, wirkt aber bei forscher Fahrweise straff und agil ein idealer Kompromiss. Das Interieur ist hochwertig, doch erreicht es nicht das Niveau des tadellos verarbeiteten A4. Einzelne Details mssten besser sein. Beispiel Fondlampe: Die im Dachhimmel montierte Leuchte wirkt einfach billig.

BMW bietet ein sparsames Sportmodell

Bei einem Grundpreis von 27.608 Euro guckt man natrlich genau hin. Das gilt auch fr den fast gleich teuren BMW 320d. Nominell ist der Dreier allen Testkonkurrenten berlegen. 150 PS liefert sein Turbodiesel an die Hinterachse und strmt damit bei den Beschleunigungswerten an die Spitze.

Seine Durchzugskraft ist so souvern, dass dem 320d kein anderer Vierzylinder davonfahren kann. Durch die Stadt lsst er sich schaltfaul bewegen. Ausgezeichnet ist er beim Zwischenspurt auf der Autobahn. Noch besser seine Bremsen: Nur 35,5 Meter von 100 km/h auf null sind ein sensationeller Wert, den sonst nur Sportwagen erreichen. Gut dazu passen das straffe Fahrwerk sowie die sehr direkte Lenkung. Ebenfalls fr eine sportliche Fahrweise ist das ESP ausgelegt. Agiler kann man mit einem Diesel nicht unterwegs sein. Wer also ein sparsames Sportmodell sucht, muss zum BMW greifen.

Dass darunter der Komfort leidet, liegt auf der Hand. Schlaglcher und Querfugen verarbeitet die Federung sprbar robuster als die C-Klasse. Beim Nutzwert des Dreiers gibt es Einschrnkungen: Sein Kofferraum ist vergleichsweise mickrig und vertrgt nur wenig Zuladung. Innen ist alles auf den Fahrer zugeschnitten. Bedienung? Einwandfrei. Das Handschuhfach ist eher klein. BMW-Fans drfte das indes wenig stren. Doch Kleinigkeiten machen am Ende den Unterschied. Und der formale Auftritt natrlich. Hier sieht der Jaguar groartig aus. Trotzdem ist er kein Gewinner.

Technische Daten und Testwerte

BMW top, Audi Flop: Der 320d bremst verblffend gut und nimmt allen Konkurrenten gleich mehrere Meter ab. Die A4-Brenmse ist dagegen mit mehr als 41 Metern zu schwach.

Kosten und Ausstattungen

Beim Kostenkapitel macht der Audi das Rennen: Die im Vergleich geringere Versicherungs-Einstufung, der relativ niedrige Anschaffungspreis und die gute Komfortausstattung sprechen fr den A4.

Fazit und Wertung

Fazit Keine Frage: Dieser Jaguar macht einen Satz nach vorn. Bei den Testwerten kann er den Audi A4 berholen. Unterm Strich verliert er dennoch eindeutig gegen das deutsche Trio. Dass es das Einstiegsmodell der britischen Nobelmarke jetzt auch mit Dieselaggregat gibt, ist trotzdem ein Gewinn. Formal hebt es sich von seinen berlegenen Konkurrenten angenehm ab. Als Dienstwagen fr den Barbourjacken-Vertreter oder den Geschftsfhrer der Harrods-Filiale im Frankfurter Flughafen taugt der X-Type 2.0D allemal. Die Diesel-Katze bietet britisches Understatement in automobiler Form. Nie war es billiger, einen Jaguar zu fahren. Zwischen BMW und Mercedes-Benz reduziert sich die Entscheidung fast ausschlielich auf Geschmacksfragen. Der Audi kann bei Platzangebot, Fahrleistungen und Fahrgefhl nicht mithalten.

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