Vier Premium-Kombis im Vergleich

VW Passat Variant VW Passat Variant

Vier Premium-Kombis im Vergleich

— 13.07.2005

Vertrauensfrage im Kombikabinett

Zur Wahl stehen der neue Passat Variant und 3er Touring sowie die souveränen A4 Avant und C-Klasse T. Wem gehört die Stimme?

Raumgefühl und Abmessungen

Manchmal ist die Frage nach dem nächsten Auto vergleichbar mit den letzten Sekunden vor dem Urnengang. Wo soll das Kreuzchen hin? Was wünsche ich mir? Neuanfang oder Veränderung? Warum immer nur das Altbewährte wählen, wenn das Neue interessante Alternativen verspricht? Zum Beispiel mit mehr Komfort, mehr Sicherheit oder mehr Vergnügen.

Ebenso auffällig wie die Parallelen zu den Parteien sind hier die Unterschiede bei den Programmen. Gleich zwei neue Kandidaten buhlen um des Fahrers Stimme bei den familienfreundlichen Premium-Kombis. Neben Papas Liebling VW Passat Variant steht im Herbst noch der jugendlich-dynamische BMW 3er Touring auf der Liste. Dahinter folgen gleich die nicht minder erfolgreichen und bewährten Audi A4 Avant (seit 2001 im Amt, Facelift 2004) sowie Mercedes C-Klasse T-Modell von 2001 (Facelift 2004).

Durch wahre Größe glänzt der Passat in diesem Quartett. Mit 4,77 Meter ist er deutlich länger als BMW (4,52 Meter), Audi (4,58 Meter) und Mercedes (4,54 Meter). Auch mit seiner Breite von 1,82 Meter überragt er seine Konkurrenten. BMW (1,81 Meter), Audi (1,77 Meter) und Mercedes (1,72 Meter) messen weniger. Das kommt natürlich dem Passat-Innenraum zugute. VWs Handlungsreisender ist innen wirklich groß, sogar auf der hinteren Sitzbank und vor allem im Kofferraum. Satte 603 Liter (umgeklappt sogar 1731 Liter) schluckt der Wolfsburger. Da schauen BMW (460 bis 1385 Liter), Audi (442 bis 1184 Liter) und Mercedes (470 bis 1354 Liter) nur sparsam aus der Wäsche.

Transportqualitäten und Gepäcksicherung

Während bei allen vieren im Zwei-Personen-Haushalt alles im Lot ist, wird es bei einer vierköpfigen Familie im BMW und Audi Diskussionen geben: Wer muß im engen Fond sitzen?

Dafür erfreut der Münchner beim Baumarkteinkauf mit einer separat öffnenden Heckscheibe (beim Öffnen schwingt das Gepäckraumrollo automatisch nach oben) und einem Stauraum in der Kofferraummulde dank Runflat-Reifen mit Notlaufeigenschaften. Den gummierten Wendeboden für verschlammte Wanderstiefel und eine lange, bis über die Stoßfänger ausziehbare Folie gibt es als Option.

In Wolfsburg denkt man eher an verrutschende Kartons und Einkaufstüten und spendiert dem Passat Variant das Cargo-Management-System: ein Schienensystem mit Teleskopstangen und Aufrollbänder für das sichere Fixieren von Gepäckstücken. Die Abgeordneten aus Ingolstadt und Stuttgart bieten bodenständig und konservativ lediglich Verzurrösen und kleine Staufächer in den Ersatzradmulden und den Seiten.

Passagiere der ersten Reihen fühlen sich bei allen gut, wenn auch recht unterschiedlich, betreut. Es ist zwar im 3er-BMW etwas enger als bei den Mitstreitern und die Sitzposition niedriger, dafür fühlt man sich aber durch die hohe Gürtellinie eins mit dem Auto. Sportlicher Minimalismus prägt dabei das BMW-Cockpit mit gut ablesbaren Rundinstrumenten und den nötigsten Informationen. Übrigens: Nur wer ein Navigationssystem beim Dreier ordert, bekommt das gewöhnungsbedürftige iDrive-Bediensystem.

Instrumentierung und Fahrgefühl

Audi, Mercedes-Benz und VW informieren ihre Fahrer über vier sportliche Rundinstrumente und ein Zentraldisplay. Mercedes-Benz und Audi gefallen mit ihrer Schlichtheit. Im Avant sind die kleinen Knöpfe von Radio und Heizsystem umständlich zu bedienen – Mercedes-Benz erfreut mit großen Schaltern dagegen selbst Grobmotoriker. Auch die Ergonomie des Passat überzeugt: Alles sitzt an seinem Platz und liegt gut in der Hand. Lediglich das schräggestellte Cockpit stört den guten Gesamteindruck und schützt nicht optimal vor Sonneneinstrahlung.

Nicht jeder Kombi wird als Packesel eingesetzt, häufig mehr als universelles Arbeits- und Freizeitgerät. Die Platte vom "Lifestyle-Kombi" hat zwar schon einen Sprung, aber gespielt wird sie dennoch gerne von Audi-, BMW- und Mercedes-Benz-Verkäufern. Besonders läßt sich das bei der Fahrwerksdynamik belegen. Ruhig und gelassen geben sich Mercedes-Benz und Volkswagen, wobei die C-Klasse ein Nuance weicher abgestimmt ist als der Wolfsburger. Neu beim Passat ist die automatisch arbeitende hydropneumatische Niveauregulierung für die Hinterachse. Bei der üppigen Zuladung von 638 Kilogramm ein sinnvolles Extra.

Bei den starken Dieselmotoren liegt der Stuttgarter beim Handling und der Laufruhe vorn. An seiner Lenkung zerren nämlich durch den Heckantrieb keine Kräfte. Ähnlich sieht es bei den beiden dynamischeren und straffer abgestimmten Kombis von BMW und Audi aus: Zwar kostet der Heckantrieb Platz im Dreier-Innenraum. Dafür dürfen wir uns wohl wie bei der Limousine auf kurvige Straßen und starke Motoren freuen. Um darauf wieselflink, fast schon leichtfüßig Kilometer mit Fahrfreude abzuspulen.

Motorisierungen und Download

Der Frontantrieb des A4 macht zwar nicht weniger Freude. Bei den vier stärksten Motoren sollte aber Allradantrieb gewählt werden. Dabei ist die Auswahl an Kraftquellen nicht klein. Audi bietet bei den Benzinern eine Leistung zwischen 102 und 344 PS an. Vier Diesel decken das Spektrum zwischen 115 und 204 PS ab, je nach Motor auch mit Tiptronic oder Direktschaltgetriebe DSG.

Wer noch mehr Druck im Nacken will, kommt an der C-Klasse nicht vorbei. Unter den neun Motoren ist auch der C 55 AMG mit 367 PS dabei. Beliebter sind jedoch die Diesel C 200 CDI und C 220 CDI, serienmäßig mit Partikelfilter. Empfehlenswert mit der sanft schaltenden Wandlerautomatik. Zum Verkaufsstart des BMW Touring im September bildet der 320i mit 150 PS die Basis, gefolgt von weiteren vier Motoren. Die kleinen Vierzylinder 318i (129 PS) und 318d (122 PS) folgen nächstes Jahr, eine Allradversion wird es vorerst nicht geben.

Überschaubar zeigt sich vorerst auch das Angebot der sieben Vierzylinder von VW: Interessant dabei die Direkteinspritzer 1.6 FSI und 2.0 FSI sowie die beiden 2.0 TDI mit 140 und 170 PS, wobei nur der stärkste serienmäßig Partikelfilter hat (sonst 560 Euro). Ende des Jahres folgt der Sechszylinder-V-Motor mit 3,2 Liter Hubraum und 250 PS, ausschließlich als Allradler und mit großem 70-Liter-Tank (vorher 62 Liter).

Preise und Ausstattungen

Hohes Niveau herrscht in Sachen Ausstattung: Stabilitätsprogramm ESP, Klimaanlage und zumindest vordere elektrische Fensterheber sowie Zentralverriegelung gehören zum Standard. BMW und Audi bieten zwar keine Ausstattungslinien, dafür aber eine üppige Wahl an Zubehör. Interessant und einzigartig beim 3er: das riesige Glasdach (80x74 Zentimeter) und die Sonnenschutzrollos an den hinteren Seitenscheiben. Um die Fahrdynamik noch mehr zu unterstreichen, gibt es die Aktivlenkung mit variabler Übersetzung und aktivem Lenkeingriff bei Übersteuern.

Mercedes- und VW-Wähler müssen sich zuerst für eine der Ausstattungslinien entscheiden – Classic, Elegance oder Avantgarde bei der C-Klasse und Trendline, Comfortline, Sportline oder Highline beim Passat. Doch auch hier ist die Liste an teurem Zubehör lang. Der Passat Kombi beginnt bei 22.900 Euro und kostet damit 1100 Euro mehr als die Limousine. Das ist aber immer noch 2600 Euro günstiger als der identisch motorisierte Audi A4 Avant. BMWs jüngster Sproß 320i Touring beginnt bei etwa 28.500 Euro – kein Schnäppchen, aber mit 150 PS. Mindestens 30.450 Euro müssen C-Klasse-Kunden flüssig haben – dafür bekommt man 143 PS.

Das Wahlprogramm bleibt unverändert: Während der größer gewordene VW Passat Familien und Platzsuchende anlockt, BMW 3er und Audi A4 die mehr sportlich orientierte Fraktion bedient, vertritt die Mercedes C-Klasse das ruhigere konservative Lager.

Fazit und Autovoting

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Fabian Hoberg Die Wahlliste ist komplett: Der neue Passat Variant ist zwar groß. Aber ist Größe alles? Audi und BMW versprechen deutlich mehr Fahrfreude und Agilität als VWs Handlungsreisender. Und das Mercedes T-Modell ist kleiner, in der Grundabstimmung aber komfortabler als die Konkurrenten.

Eine komplette Übersicht der technischen Daten aller neuer Kombis (neben den vier Premium-Kombis auch Fiat Croma, Ford Mondeo Turnier, Opel Vectra Caravan und Saab 9-3 Sportcombi) können Sie gleich hier für 1,00 Euro erwerben. Klicken Sie einfach auf diesen Link und Sie gelangen ins Heftarchiv.

Hier ist Ihre Meinung gefragt: Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für die vier Premium-Kombis. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Fabian Hoberg

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