Vier sportliche Kombis

Audi RS 6 Avant BMW M5 Touring

Vier sportliche Kombis

— 21.04.2008

Die Lust-Laster

Mit dem neuen RS 6 Avant schickt Audi einen höchst potenten Lust-Laster ins Rennen um die Krone für den schnellsten Sportkombi. AUTO BILD SPORTSCARS hat ihn mit Mercedes E 63 AMG T, BMW M5 Touring und Alpina B5 S Touring verglichen.

Über die Sinnhaftigkeit dieser bärenstarken Kombis mit Motorleistungen teilweise weit jenseits der 500 PS kann man sicher geteilter Meinung sein. Doch unwiderlegbar ist: Alpina B5 S Touring, Audi RS 6 Avant, BMW M5 Touring und Mercedes E 63 AMG T-Modell sind die sportlichen Speerspitzen im Kombi-Programm der renommierten Hersteller und durchaus in der Lage, auf der Rennstrecke eine mehr als passable Figur abzugeben. Dass bei satten Leergewichten zwischen 1947 (Alpina) und 2111 kg (Audi RS 6) keine fahrdynamischen Wunder zu erwarten sind, liegt auf der Hand. Ebenso, dass bei betont lustvollem Umgang mit der dargebotenen Kraft entsprechend große Mengen des teuren Super Plus (Ausnahme: Der RS 6 begnügt sich mit Super) verbrannt und die Tankstopps zur Bremse auf langen Autobahnetappen werden. Unter 15 Litern im Schnitt tut es nur der Alpina, am oberen Ende vergurgeln E 63 und M5 fast 17 Liter. Im Durchschnitt, wohlgemerkt.

Unter wütendem Donnern schiebt der Audi RS 6 vorwärts

Dennoch kann man sich der Faszination dieser vier hochmotorisierten Reisesportwagen nur schwer entziehen. Die Mühelosigkeit und Vehemenz, mit der sich die Zweitonner in abgehobene Geschwindigkeitsbereiche weit jenseits der 200 km/h schießen, ist zwar bei derartigen Leistungsniveaus kein Hexenwerk. Beeindruckend ist es dennoch, wenn etwa der RS 6 unter wütendem Donnern seines V10-Biturbomotors nach 14,1 Sekunden die 200-km/h-Marke durchbricht, der Schub auch darüber kein Ende nehmen will und die Tachonadel immer weitereilt. Bis 280 km/h (optional, sonst 250 km/h) lässt sich dieses Spielchen im RS 6 treiben, Benz und BMW regeln bei 250 ab; der Alpina regelt überhaupt nicht ab und rennt nach Herstellerangabe bis zu 313 km/h. Dabei treten die vier Kontrahenten optisch eher verhalten auf. Allenfalls an den mächtigen Rädern oder den – bis auf Alpina – zweiflutigen Doppelendrohren und mehr oder minder dezenten Anbauteilen unterscheiden sich die vier Renntransporter von ihren zahmeren Versionen von der Stange.

Mercedes setzt beim E 63 AMG T auf hohe Drehzahlen

Dampfmacher: Der V8 des Mercedes setzt auf hohe Drehzahlen – und hat untenrum auch schon richtig Bumms.

Bei der Wahl der Antriebe gehen die vier unterschiedliche Wege: Im Alpina B5 S Touring sorgt ein 4,4 Liter großer V8 für ordentlich Dampf, der von einem sogenannten Radialverdichter (mechanisch über Riemen angetriebener Lader) zwangsbeatmet wird. Die so erreichte Leistung ist nicht nur bei jeder Drehzahl spontan abrufbar, sie setzt sich auch mit Nachdruck in Szene. Bereits auf dem Papier überzeugt das Alpina-Triebwerk mit hervorragenden Beschleunigungswerten. In der Praxis bedeutet das dann brachialen Schub, der auch jenseits der 250 km/h noch überdeutlich spürbar ist. Der zweite – und letzte – V8 im Bunde befeuert den E 63 AMG und ist mit 6,2 Litern nicht nur ein Hubraumriese, sondern mit 514 PS bei 6800 Umdrehungen auch noch ein hoch drehender Saugmotor, der aber schon bei niedrigsten Touren brutal über die angetriebenen Hinterräder herfällt. Druck in allen Drehzahlbereichen und nicht enden wollende Drehfreude zeichnen das Mercedes-Aggregat aus, zudem wartet der bereits nach Anlassen dunkel grollende AMG mit sehr guten Fahrleistungen auf. Auf noch höhere Drehzahlen und einen V10-Motor setzt der M5, der seine 507 PS aus fünf Liter Hubraum generiert. Der M5 verwöhnt mit einem sehr sportlichen, obertonreichen Sound, der vor allem bei Drehzahlen jenseits der 5000 Umdrehungen fast rennmäßig klingt.

Doch der akustische Genuss geht mit einem im Vergleich deutlich zu Tage tretenden Manko einher: Bei mittleren oder gar niedrigen Drehzahlen kommt der M5 vergleichsweise behäbig in die Gänge. Will man den V10-Sauger maximal fordern, sind hohe Drehzahlen gefragt. So richtig zur Sache geht es im M5 ab etwa 5000 Umdrehungen, die Nennleistung von 507 PS liegt erst bei 7750 Umdrehungen an. Auch der Vierte im Bunde, der Audi RS 6, setzt auf die Kraft von zehn Halbliter großen Zylindern, wird aber von zwei Turboladern unter Druck gesetzt. Mit 580 PS ab 6250 Touren ist der RS 6 mit großem Abstand am besten motorisiert und setzt diesen Vorteil bei der Messung der Fahrleistungen auch konsequent um. Traktionsprobleme, wie sie bei den hinterradgetriebenen Kontrahenten auftreten können, kennt der allradgetriebene Audi ebenso wenig wie Leistungsknicke bei niedrigen Touren. Bei jeder Drehzahl geht der RS 6 ähnlich forsch zur Sache wie E 63 AMG und Alpina, setzt dank Allradantrieb die eindrucksvolle Leistungsexplosion jedoch ohne nennenswerten Schlupfverlust um.

Das bevorzugte Revier dieser Kombis ist die Autobahn

Auch wenn sich die vier auf der Rennstrecke nicht schlecht schlagen, ist die Autobahn ihr eigentliches Revier.

Bevor es zum Showdown auf den Rundkurs nach Oschersleben geht, müssen die vier Power-Kombis ihre Langstrecken- und Autobahnfähigkeiten unter Beweis stellen. Hier wird man sie am häufigsten einsetzen respektive zu Gesicht bekommen und vorbeihuschen sehen, für diesen Einsatz sind sie prädestiniert. Dazu sollten sie ein vernünftiges Verhältnis aus Langstreckenkomfort und Sportlichkeit bieten. Und natürlich auch ihren eigentlichen Zweck, den schnellen Transport von Personen und Gepäck, souverän erfüllen. Mit den flexibel nutzbaren Laderäumen stellt das auch kein Problem dar. Zwischen 500 und 1650 Litern schlucken BMW und Alpina. Geringfügig mehr (565 bis 1660 Liter) fasst das Audi-Gepäckabteil, das wie das des Mercedes (670 bis 1930 Liter) mit einem praktischen Schienensystem ausgerüstet werden kann. Mit komplett ebenem Ladeboden und schützender Edelstahl-Ladekante setzt sich der E 63 AMG bei der Kofferraumwertung aber klar durch. Die Fondpassagiere sind bei Audi und Mercedes etwas großzügiger untergebracht als im Alpina und BMW.

Wie sich die vier Raketen-Kombis auf der Rennstrecke in Oschersleben geschlagen haben, sehen Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Fahrleistungen können Sie im Heftarchiv als pdf herunterladen.

Autor: Ralf Kund

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