Vier sportliche Limousinen im Test

BMW M5 BMW Alpina B5 S Mercedes-Benz AMG E 63 Audi RS 6 BMW M5 BMW Alpina B5 S Mercedes-Benz AMG E 63 Audi RS 6

Vier sportliche Limousinen im Test

— 21.01.2009

Machtspielchen

Alpina B5 S, Audi RS 6, BMW M5 und Mercedes E 63 AMG kämpfen um die Gunst des gut situierten Sportfahrers. Was sie können und wo ihre Schwächen liegen, zeigt dieser Vergleich auf der "kleinen Nordschleife" Sachsenring.

Jaja, das Wetter. Da sind wir nach einer noch am Vorabend guten Prognose unterwegs nach Oschersleben und geraten auf dem Weg zur Strecke in heftigen Schneefall. Dass wir zum Messen natürlich Sommerreifen aufgezogen haben, macht die Sache auch nicht besser. Ein paar Kilometer vor der Motorsport-Arena verschwindet zwar der Schnee komplett, aber es ist nass. Und das soll auch so bleiben, meint die Wettervorhersage des nahe liegenden Flughafens Cochstedt, einer unserer Messplätze. Nach ein paar Telefonaten die Entscheidung: Wir ziehen um zum 250 Kilometer entfernten Sachsenring, da ist es trocken und soll es auch bleiben. Zumindest bis morgen. Mit etwas Glück schaffen wir den Transfer noch vor Einbruch der Dunkelheit. Ohne Glück wird’s schwierig. Kurz vor 16 Uhr der erste Lichtblick des Tages: Der Sachsenring ist zwar stellenweise feucht, doch trocken genug für schnelle Runden. Sehr schnelle Runden gegen die Zeit, denn ab 16.30 Uhr wird es zügig dunkler, gegen 17 Uhr ist es zappenduster.

Mit satten 507 PS ist der BMW M5 auf dem Papier der Schwächste 

Liebt hohe Drehzahlen: der 507 PS starke V10 im BMW-Bug.

Jetzt stehen die vier hochpotenten Boliden vollgetankt und vorgewärmt in der Boxengasse: Mit 530 PS, generiert von einem via Radialverdichter aufgeladenen V8-Kurzhuber mit 4,4 Liter Hubraum und flankiert von einem sportlich abgeschmeckten Fahrwerk, empfiehlt sich der Alpina B5 S als äußerst druckvolle Reiselimousine für gelegentliche Abstecher auf abgesperrte Pisten. Jüngster im Bunde und zugleich PS-Stärkster: Die Limousinenversion des Audi RS 6, gesegnet mit 580 Biturbo-PS aus zehn Zylindern und Allradantrieb mit sportlicher, leicht hecklastiger Kraftverteilung sowie tollen RS-Schalensitzen (Aufpreis: 2800 Euro), die hohen Sitzkomfort mit elektrisch einstellbarem Seitenhalt kombinieren. Daneben eine bekannte Größe, die auf hohe Drehzahlen setzt: Der BMW M5 ist zwar mit 507 PS aus einem kurzhubigen V10-Saugmotor auf dem Papier der Schwächste, fühlt sich aber dank seines feinen Fahrwerks und der serienmäßigen Differenzialsperre auf der Rennstrecke pudelwohl. Die optionalen Aktivsitze (1800 Euro) sind ein guter Kompromiss aus bequemem Reisegestühl und fester Führung bei schneller Zeitenjagd, denn sie blasen die Sitzwangen vor Kurven auf und halten so auch den Fahrer hinter dem Lenkrad auf Kurs.

Der Mercedes E 63 AMG setzt auf auf üppigen Hubraum

Hubraumriese: Seine Kraft holt der Mercedes-V8 aus 6,2 Litern.

Last but not least steht daneben der Hubraumriese Mercedes E 63 AMG, der 514 PS aus 6,2 Liter Hubraum schöpft und ebenfalls kurzhubig ausgelegt ist. Auch hier sorgen adaptive Sitze für Seitenhalt in Kurven und müssen nicht mal extra bezahlt werden. Wie bei allen Testteilnehmern ist auch im AMG ein adaptives (Sport-)Fahrwerk ohne Mehrkosten an Bord, das die Wahl zwischen komfort- oder sportorientierter Dämpfereinstellung per Tastendruck erlaubt. Gemeinsamkeiten finden sich auch bei der Preisgestaltung: Alle vier kosten zwischen 93.500 (M5) und 105.550 Euro – die Differenz dürfte in dieser Preiskategorie eine ebenso kleine Rolle spielen wie der Spritverbrauch, der im Schnitt bei Audi, BMW und Mercedes bei gut 16 Litern liegt. Nur der Alpina erweist sich mit 14,9 Liter Super Plus als genügsamerer Trinkkumpan. Zur Ermittlung der Rundenzeiten auf dem Sachsenring wählen wir bei allen vier Kontrahenten nicht die sportlichste Fahrwerksauslegung. Ähnlich wie für die Nordschleife gilt auch für die sehr selektive und von zahlreichen Bergauf- und Bergabpassagen geprägte Sachsenachterbahn: Zu viel Härte ist einer guten Zeit nicht unbedingt zuträglich.

Die Auswertung der Fahrleistungsmessungen lässt vermuten, dass das Feld trotz der Leistungsunterschiede recht eng beieinander liegen wird. Zwar ist der Stärkste, der Audi RS 6, stolze 50 PS kräftiger als der zweitstärkste Testkandidat Alpina B5 S. Doch bringt der Audi noch mal rund 130 Kilogramm mehr auf die Waage als der Zweitschwerste, der E 63 AMG. Doch der langhubige Ingolstädter dominiert bei allen Beschleunigungsmessungen und fährt mit seinem bösartig grollenden V10 einen ersten Teilsieg bei den Fahrleistungen ein. Trotz der vollen Sekunde, die der RS 6 dem E 63 AMG beim Spurt auf 200 km/h abnimmt, liegen alle Aggregate subjektiv auf einem Niveau. Nur die Art, wie die Kraft bereitgestellt wird, unterscheidet sich, was sich schließlich auch auf der Rundstrecke auswirkt. Der Alpina etwa ist bereits bei niedrigen Drehzahlen enorm druckvoll und setzt dank seines gigantischen Drehmoments von 725 Nm bei 4750 Touren Gasbefehle bei jeder Drehzahl völlig ungerührt in stürmischen Vortrieb um. Anders agiert der BMW M5, dessen Hochdrehzahlmotor erst bei höheren Touren so richtig mit Schmackes zur Sache geht. Dann aber mit Genuss und einer erstklassigen Soundkulisse.

Für die Raserei auf der Rennstrecke ist der Alpina zu unharmonisch 

Schnell, solange man ihn weich und rund fährt: der Alpina B5 S.

Der E 63 AMG wiederum geht ebenfalls bei jeder Drehzahl tierisch los, doch fällt seine Kraft mit großer Wucht über die Hinterachse her, legt so einen etwas bedachteren Gasfuß nahe. Hier kann sich der Fahrer des ebenfalls schon von untenraus schier explodierenden Audi RS 6 recht entspannt geben, denn Traktionsprobleme sind für den Allradler kein Thema. Auf der Rennstrecke zeigt der Mercedes, dass sein Hauptrevier die Autobahn ist. Mit seiner etwas indirekteren Lenkung, den ausgeprägtesten Karosseriebewegungen und der etwas träge agierenden Siebenstufenautomatik ist er der am wenigsten Fahraktive im Teilnehmerfeld, doch in sich ist die Fahrwerksabstimmung sehr ausgewogen, das Fahrverhalten des AMG frei von Tücke. Die Rundenzeit: 1:44,30 Minuten. Nicht ganz so souverän kann sich der Alpina in Szene setzen. So lange man ihn sehr weich und rund fährt, ist der B5 S ein angenehmer Geselle. Doch bei forschem Einlenken oder schnellen Richtungsänderungen kommt man leicht in einen Bereich, in dem der Alpina jegliche Harmonie vermissen lässt, sich sehr eckig anfühlt, die Lenkung zu nervös und leichtgängig reagiert und man viel korrigieren muss. Das kostet Zeit, und so steht die Uhr bei 1:45,94 Minuten.

Der Audi RS 6 umrundet den Kurs souverän und eindrucksvoll 

Mehr geht nicht: Gegen den RS 6 hat die Konkurrenz keine Chance.

Mustergültig lässt sich dagegen der M5 über den Kurs jagen. Die Fahrwerksabstimmung ist angenehm stramm, der Übergang zum Grenzbereich gut fühlbar, die Lenkung feinfühlig – kurzum: Der M5 ist auf der Langstrecke wie auf dem Rundkurs in seinem Element, was auch die Rundenzeit widerspiegelt: Mit 1:43,77 Minuten schiebt sich der BMW an die Spitze. Als Letzter umrundet der schwergewichtige RS 6 den Sachsenring – und setzt sich von der Konkurrenz ab. Am eindrucksvollsten ist dabei, mit welcher Leichtigkeit er das macht. Spielerisch lässt er auf provozierte Lastwechsel das Heck lenkunterstützend leicht raushängen, ohne in direktes Übersteuern überzugehen, folgt jedem Lenkeinschlag mit großer Willigkeit und Präzision und setzt in diesem Vergleich den Maßstab für schnelles und dabei unkompliziertes Handling. Dazu bringt er die gewaltige Motorleistung allradbedingt am effektivsten auf die Strecke. Die Stoppuhr zeigt eine Zeit von 1:42,16 Minuten: Platz eins für den Audi RS 6. Dass er auch preislich ganz oben steht, ist ein kleiner Wermutstropfen.

Weitere Details zu den vier Sportlern im Limousinen-Gewand finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download  im Heftarchiv.

Autor: Ralf Kund

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