Vier starke Diesel-Kombis

Vier starke Diesel-Kombis im Vergleich Vier starke Diesel-Kombis im Vergleich

Vier starke Diesel-Kombis im Vergleich

— 18.05.2006

Die eiligen Vertreter

Starke Diesel-Kombis sind die heimlichen Herrscher der Autobahn. Opel Vectra, Renault Laguna, Toyota Avensis und VW Passat im Vergleich.

Werksangaben und Testwerte

Wer regiert auf der deutschen Autobahn? Nicht Verkehrsminister Tiefensee. Auch nicht das vielzitierte Chaos – wir sind schließlich Deutschland! Nein, auf unserer Autobahn regiert der Diesel, der sparsame Selbstzünder.

Auf der rechten Spur: eine lückenlose Kette von Lastwagen bis zum Horizont. Links herrschen Kombis mit Typenschildern wie TDI, CDI oder HDi. Die letzten, die ordentlich drauftreten und an der Zapfsäule den günstigsten (wenngleich auch nicht mehr billigen) Sprit nachfüllen. Selbstverständlich mischen links auch seltene Porsche, große Mercedes und schnittige Coupés mit. Doch die Masse der Autos, die hartnäckig im Rückspiegel kleben, besitzt große Ähnlichkeit mit dem neuen Passat Variant. Es sind die Diesel-Kombis, der Goldene Schnitt zwischen "müssen" und "dürfen".

Der Traum aller Väter und Vertreter erklimmt gerade einen neuen PS-Gipfel: Mit 170 PS läuft der modernste Variant TDI auf der Autobahn echte 220 km/h Spitze. Also, wir wollen wissen: Wo liegt der Passat im Rennen mit seinen Konkurrenten Opel Vectra Caravan 1.9 CDTI, Renault Laguna Grandtour 2.0 dCi und Toyota Avensis Combi 2.2 D-CAT?

Der Avensis klotzt mit reichlich Drehmoment

Ausgerechnet die Japaner, beim Diesel lange im Rückstand, fahren hier den stärksten Kraftbolzen vor. Der Avensis leistet 177 PS und, im Alltag viel wichtiger, unglaubliche 400 Newtonmeter – soviel Drehmoment wie der Achtzylinder-Benziner im BMW 740i! Noch Fragen? Diese allzeit verfügbare Kraftwoge macht den Toyota souverän und seinen Fahrer äußerst gelassen. Einen Lkw überholen, eine Lücke nutzen, das dauert nur einen Fingerschnipp. Und ab Tempo 190, wenn die bisherigen 150-PS-Diesel Atemnot kriegen, legt der große D-CAT noch mal richtig zu.

Offensichtlich nutzt Toyota den größten Hubraum in diesem Quartett, um einen besonders leisen Motor zu züchten. Der 2,2-Liter läuft irgendwo weit draußen, hinter dicken Dämm-Matten, und klingt subjektiv besonders nervenschonend. Wie der ganze Avensis, der sanft federt, seine Passagiere in breite Sitze packt und besten Komfort bietet.

Deutlich karger fällt sein Kombitalent aus. In der zweiten Reihe ist der Knieraum knapp. Wer größer ist als 1,75 Meter, stößt sich beim Beladen an der geöffneten Heckklappe. Und indiskutable 415 Kilo Zuladung (Opel bietet 525 Kilo) sind beim Familienurlaub schon erreicht, wenn der Kofferraum noch halb leer ist. Dafür bekommt man einen Toyota, günstige 27.050 Euro teuer, mit drei Jahren Garantie und einer Qualität für viele klapperfreie Jahre.

Der Motor des Laguna setzt Maßstäbe

Geht es um den reinen Alltagsnutzen, dann enttäuscht auch der Renault Laguna. Aber der Grandtour will ja kein Kombi sein, sondern was Edleres mit seinem abfallenden Dach, das den Laderaum auf knappe 475 Liter beschränkt und die Sicht nach schräg hinten stört. Egal, der Laguna sieht schick aus und verwöhnt gern mit kleinen Leckereien: Der Zündschlüssel ist eine Scheckkarte, man startet per Knopfdruck, die Xenon-Scheinwerfer sind beim neuen Top-Diesel ebenso Serie wie Regensensor und Reifendruckkontrolle.

Weniger zu diesem noblen Auftritt paßt das leise Scheppern, wenn die Tür ins Schloß fällt, oder das Klappern aus dem Heckrollo. Der Laguna ist halt schon ein älteres Semester, entstanden vor der jüngsten Qualitäts-Offensive von Renault. 2007 kommt der Nachfolger, hoffentlich mit besserer Sitzposition und exakterer Lenkung.

Was den Laguna auf seine alten Tage so attraktiv macht, ist sein Motor. Der 2.0 dCi marschiert, daß es eine Freude ist: in gemessenen 8,6 Sekunden auf Tempo 100, mit 7,5 Liter Testverbrauch angenehm sparsam und dazu noch drehfreudig bis an die 5000 Umdrehungen. Die Franzosen hatten traditionell ja schon schöne Diesel, aber ich gehe soweit, diesen herrlichen Nagler zum neuen Maßstab in der Zweiliter-Klasse zu küren. Vive le Diesel! Das kann kein Deutscher besser.

Der beste Kombi im Feld: Opel Vectra

Auch der Vectra kann den Franzosen nicht einholen. Sein 1,9-Liter, im Kern aus Italien, zählt zwar zu den willkommenen Scheidungsopfern der kurzen GM-Ehe mit Fiat – ein schönes Kraftpaket, wie seine Mitstreiter natürlich mit Rußfilter ausgerüstet. Doch im direkten Vergleich mit dem Laguna wird spürbar, daß der der Rüsselsheimer einen halben Schritt hinterherhinkt. Etwas zäher, etwas langsamer, einen Hauch durstiger – dennoch ein vorzüglicher Partner für den besten Kombi im Feld.

Außen und im Cockpit mag der Opel allzu geradlinig und hölzern daherkommen, doch ab der zweiten Reihe packt der Caravan sie alle ein. Der Fond ist so lümmelig groß, daß man Angst bekommt, seine Kinder nicht mehr wiederfinden zu können. Und im Kofferraum beweist Opel sein traditionelles Kombi-Knowhow, denn die Vectra-Ladehöhle bietet einfach alles: Verzurrösen, seitliche Staufächer, Steckdose, Schienen und ein Trennetz, das sich auch hinter den Vordersitzen einhängen läßt, und, und, und. Ein Disneyland für Kombi-Freunde. Und genau der richtige Maßstab für seinen deutschen Gegner, den Passat Variant.

Der ist zwar bei den reinen Meßwerten (laut VW 603 Liter bis zur Fensterkante) eine Spur geräumiger, erlaubt sich aber im Alltag böse störende Macken: zum Beispiel die Kante am Ende des Ladebodens, so daß man schweres Gepäck nicht herausschieben kann, sondern heben muß. Oder die hinteren Kopfstützen, die beim Umlegen der Rücksitze erst ausgebaut werden müssen. Kleinigkeiten? Ja, vielleicht, aber sehr ärgerliche.

Kosten und Ausstattungen

Drumherum spielt der Passat den noblen Aufsteiger, der am liebsten Audi Avant oder BMW Touring sein möchte. Überall Chrom-Lametta, saubere Verarbeitung. Der modische Starterknopf ist bei den Kunden umstritten, die elektrische Feststellbremse einfach nur praktisch. Es gibt Ablagen sogar für 1,5-Liter-Flaschen, und die Sitzposition paßt den unterschiedlichsten Figuren. Typisch VW, genau wie der TDI, den ich mit gespitzten Ohren anlasse.

Doch sie ist fast verschwunden, die harte Nußknacker-Melodie, jahrelang das Kennzeichen des einzigen Pumpe-Düse-Motors, der jeden Zylinder über eine eigene Kraftstoffpumpe beliefert. Der jüngste TDI klingt fast wie die drei Common-Rail-Konkurrenten, die aus gemeinsamer Druckleitung und damit sanfter einspritzen (VW wird ab 2008 den TDI schrittweise durch Common Rail ersetzen – aus Kostengründen, heißt es). Jedenfalls paßt das Klangbild des 170 PS starken TDI halbwegs zum gehobenen Anspruch, die Leistung sowieso. Seine 350 Nm werfen die 1620 Kilo mühelos nach vorn, auf der Autobahn liegt der Passat mit dem Laguna gleichauf – das gilt auch für den Spritdurst (Testverbrauch 7,5 Liter). 7,5 Liter? Richtig, frühere Diesel waren sparsamer. Aber auch schwächer, langsamer und schmutziger – der notwendige Rußfilter knabbert halt auch am Sparvorteil der Diesel.

Von günstig kann bei Preisen ab 27.010 Euro für den Sparfuchs Opel, der auch das günstigste Leasing bietet (nächste Seite), sowieso keine Rede mehr sein. Wo also sparen? Die nächstschwächeren Dieselmotoren sind bei VW, Opel und Toyota immerhin 1000 und 1100 Euro preiswerter – und im Alltag kaum langsamer. Aber die Autobahn hat ja bekanntlich ihre eigenen Gesetze.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: Beachtlich, was der Fortschritt aus den Dieselkombis gemacht hat: laufruhige, schnelle, sparsame Reisewunder. Unseren Vergleich gewinnt der Passat mit ausgewogenem Komfort und guten Fahrleistungen knapp vor dem Vectra, dem kleineren Toyota und dem veralteten Laguna.

Avensis und Laguna erleben mit ihren hochmodernen, starken Motoren einen zweiten Frühling, werfen aber zugleich die Frage auf: Sind 177 PS und 400 Newtonmeter noch wirklich als alltäglicher Vorteil zu erfahren? Ich finde: Der schwächere, aber günstigere Motor des Opel ist auf Dauer deutlich ökonomischer. Weniger kann eben doch mehr sein.

So finanzieren Sie die Testkandidaten

Ein Auto auf Pump? Früher ein Kauf mit Makel, heute ganz normal. Rund 80 Prozent aller Neuwagen werden über die Autobank finanziert. Dabei haben Kunden meist die Wahl zwischen drei Varianten: den klassischen Kredit, Leasing und die sogenannte Drei-Wege-Finanzierung. Unsere Beispiele gehen jeweils von 20 Prozent Anzahlung, drei Jahren Laufzeit und 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr aus.

Jede der drei Varianten bietet spezielle Reize: • Bei der klassischen Finanzierung ist das Auto nach drei Jahren abgezahlt. Nachteil: hohe Raten. • Das Leasing bringt deutlich niedrigere Raten. Nachteil: Nach drei Jahren ist das Auto weg, man steht mit leeren Händen da. Außerdem kann der Händler einen Nachschlag für zuviel gefahrene Kilometer oder schlechten Fahrzeugzustand verlangen. • Die Drei-Wege-Finanzierung ist ein Zwischenweg. Niedrige Monatsraten wie beim Leasing, aber die Möglichkeit, den Wagen nach 36 Monaten zum festkalkulierten Preis zu kaufen. Wer will, kann den Wagen aber auch zurückgeben oder weiter finanzieren. Welche Finanzierung die günstigste Variante ist, muß in jedem Fall geprüft werden – der Finanzierungsrechner von autobild.de hilft weiter. Bei Opel und Renault lohnt in diesem Vergleich auf jeden Fall ein Blick auf die niedrigen Leasing-Konditionen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Vectra Caravan 1.9 CDTI, Renault Laguna Grandtour 2.0 dCi, Toyota Avensis Combi 2.2 D-Cat und VW Passat Variant 2.0 TDI. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Joachim Staat

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