Vier starke Diesel-SUVs: Vergleich

Audi Q7 BMW X5 Range Rover VW Touareg Audi Q7 BMW X5 Range Rover VW Touareg

Vier starke Diesel-SUVs: Vergleich

— 21.02.2011

Dampf-Maschinen

Mit satten 700 Nm fordert der Range Rover TDV8 auf die deutsche Konkurrenz. Aber auch Audi Q7, BMW X5 und VW Touareg haben mächtig Dampf unter der Haube.

Was hat das Holzkohle-Grillen mit dem Fahren großvolumiger Autos zu tun? Viel, denn beides gilt als ausgesprochene Männerdomäne. Und deren Liebhaber wollen in beiden Fällen nicht so einfach klein beigeben. Dabei gibt es mit dem Elektrogrill eine praktische Alternative. Und künftig mit dem Elektroauto wohl auch eine fahrende Alternative. Doch E-Grill und E-Auto wird für immer etwas fehlen, wofür Männer sehr jeher besonders empfänglich sind: die seelenwärmende Anziehungskraft des kontrollierten Feuers. Das gibt es nur beim Kohlen- oder Gasgrill. Und nur beim Auto mit Verbrennungsmotor. Und meist empfinden nur Männer diese Anziehungskraft der Flamme, des Feuers, der Explosion. Nur höchst selten engagieren sich Frauen in Clubs für historische Dampflokomotiven oder alte Dieselrösser, vor denen man Schuljungs genauso wie Weltkriegsteilnehmer mit offenen Mündern anzutreffen pflegt. Diese Maschinen schnaufen, keuchen, puffen, rauchen, und zuweilen stinken sie auch.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi Q7

Ganz dickes Ding: Der Audi Q7 hat die üppigsten Außenabmessungen im Vergleich.

Und damit sind sie eindeutig artverwandt mit unseren vier Testkandidaten. Sie versuchen trotz immenser Dimensionen und Gewichte, den ungeliebten Ölkonzernen durch ihr sparsames Dieselprinzip ein Schnippchen zu schlagen. Der Audi Q7 4.2 TDI steht dabei exemplarisch für die schiere Wucht. Nicht nur die Karosserie beeindruckt mit 5,09 Meter Länge und 1,98 Meter Breite, sondern auch der Motor: Das Achtzylinder-Trumm von Audi holt aus 4,1 Litern Hubraum mit Hilfe zweier Turbolader satte 340 PS und beeindruckende 800 Nm Drehmoment. Bei so viel Kraft kapituliert selbst die Gegenmasse in Form von 2598 Kilogramm Leergewicht. Der mächtige Audi schießt nach einer winzigen Turbopause völlig entfesselt los. Der sonst so sanft von sich hin rauschende Turbodiesel lässt dann ein gewalttätig klingendes Fauchen in den Passagierraum dringen. Hektische Lenkmanöver sind aber ebenso wenig die Domäne des Audi wie enge Parkgaragen. Nicht nur Dimensionen und Gewicht machen ihn unhandlich, sondern auch der große Wendekreis von 13 Metern und die nicht wirklich leichtgängige Lenkung. Mehr Platz für die Passagiere als die Konkurrenz hat der Audi nicht. Seine Stunde schlägt erst, wenn man ihn als Frachter nutzt. Bei Volumen und Ladelänge ist er dank seiner Größe nicht zu schlagen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW X5

Der X5 geht gut ums Eck und ist mit seinen Reihensechser nicht untermotorisiert.

Trotz serienmäßiger Luftfederung mit Dämpfereinstellung gelingt es dem Q7 4.2 TDI nicht, Maßstäbe beim Federungskomfort zu setzen. Audi hat wohl versucht, mit einer straffen Abstimmung die Kurvenperformance zu retten. Das ist geglückt, aber um den Preis des eingeschränkten Federungskomforts – auch dann, wenn man die Dämpfer manuell auf "Comfort" trimmt. Ähnlich ausgelegt ist das Fahrwerk des BMW. Doch bei ihm wirkt die straffe Kur. Er wirkt stets besonders handlich und leichtfüßig, gibt sich mit seiner direkten und dabei leichtgängigen Lenkung überraschend spontan. Dabei helfen ihm die maßvollen Abmessungen und das mit 2286 Kilogramm wesentlich geringere Gewicht. Das erreicht BMW auch durch den Verzicht auf einen schweren V8-Diesel. Die Bayern haben diesem üppigem Motorkonzept inzwischen komplett abgeschworen. Der 40d ist gar kein V8-Diesel, den es bis 2008 und mit bis zu 330 PS im BMW 7er gab. Nein 40d steht nun ganz unverfroren für den guten alten Reihensechszylinder mit nur drei Liter Hubraum. Mittels zweier ungleich großer Turbolader presst BMW allerdings mit 306 PS und 600 Nm Drehmoment so viel Dampf aus dem kleinen Sechser, dass es reicht, um die gewichtigere Konkurrenz teilweise in Schach zu halten.

Weder Audi noch Range Rover können dem BMW davonfahren. Eine Komfortmotorisierung ist der 40d allerdings nicht. Der heftig aufgeblasene Sechszylinder tönt nie zu aufdringlich, aber stets präsent grollend. In jedem Tempobereich hört man ihn heraus, was offenbar von BMW auch so gewollt ist. Dafür begeistert er mit spontanem Ansprechen auf Bewegungen des Gaspedals und nur kleiner Turbopause. Zudem arbeitet er gekonnt mit der Automatik zusammen, was allerdings auch für alle anderen Kandidaten gilt. Lohn des Verzichts ist beim BMW der geringere Verbrauch. Er liegt im Test bei 9,8 Liter/100 km und damit einem ganzen Liter unter dem des kolossalen Audi. Dabei muss man im Innenraum des BMW nicht auf Platz verzichten. Im Gegenteil, der X5 ist innen sehr großzügig geschnitten, besonders im Fond, wo er mit geradezu verschwenderischer Kniefreiheit verwöhnt. Auch die Größe des Gepäckraums befriedigt. Allerdings zwingt die eigenwillige Horizontalteilung der Heckklappe kleinere Personen zum Klettern in den Laderaum, wenn die Einkäufe zuvor während der Fahrt wieder mal nach vorn gerutscht sind.

Überblick: Alle News und Tests zum Range Rover

Extrem kultiviert: Der V8 im Bug des Range Rover geht sehr geschmeidig zur Sache.

Diese Besonderheit teilt sich der BMW mit dem Range Rover. Das ist aber auch das Einzige, was die beiden verbindet. Denn der hoch aufragende Brite will mit der offensiven Dynamik des BMW rein gar nichts zu tun haben. Das fängt schon beim Innenraum an. Wo die deutsche Konkurrenz mit schmal geschnittenen Fensterchen und zugepfeilten Linien sportliche Dynamik suggerieren will, steht der Range Rover zu seinem Format: aufrecht, klar, übersichtlich, auch dank großer und wenig geneigter Fensterflächen. Im lichtdurchfluteten Innenraum herrschen guter Stil, ein paar Bedienungsschrullen und der typisch britische Duft der serienmäßigen Lederausstattung vor. Sportliche Ambitionen lösen sich schon Sekunden nach dem Besteigen des komfortablen Fahrersessels in Nichts auf. Das eher träge Kurvenverhalten erwartet man förmlich. Bei solch einem Auto stört das nicht weiter, zumal leichtgängige Lenkung und gute Übersicht das Rangieren erleichtern. Der neue 4,4-Liter-V8-Turbodiesel nimmt seine Arbeit bemerkenswert zurückhaltend auf. Dies dürfte klar der kultivierteste Dieselmotor des Weltmarkts sein.

Weitere Details zu den vier starken SUVs mit Diesel-Herz gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel finden Sie in AUTO BILD ALLRAD 3/2011 oder als Download im Heftarchiv.
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der Range Rover gewinnt. Überrascht? Nun, er verbindet gekonnt Straßenkomfort mit bester Eignung fürs Gelände. Er ist teuer, aber üppig ausgestattet. Nachteil: lächerliche 410 kg Zuladung. Der Flotteste und Komfortabelste ist der sehr diskrete VW. Der Audi dagegen wirkt wie ein Schlachtschiff, hat dafür den größten Laderaum. Der BMW hält trotz kleinem Motor gut mit. Nachteile: Versicherung, Bodenfreiheit und Komfort.

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