Vier starke Kleinwagen

Fiesta ST – Colt CZT – Ibiza FR – Polo GTI Fiesta ST – Colt CZT – Ibiza FR – Polo GTI

Vier starke Kleinwagen im Vergleich

— 06.06.2006

Formel Volkssport

Keine vier Meter lang, aber 150 PS unter Haube: Fiesta, Colt und Ibiza versprechen Maxi-Fahrspaß. Kann der Polo GTI mithalten?

Auf der Rennpiste kann der Polo punkten

Dem Vertreter-Typ im Audi fallen fast die Augen aus dem Kopf, dann wechselt er auf die rechte Spur. Gaaanz langsam, bleibt auf dem Gas. Was jetzt geschieht, paßt nicht in seine Welt. Ich drehe den Motor aus und ziehe vorbei. Gaaanz locker. Im Polo. Bitter für den Audi. Wie auch für viele BMW und Mercedes. Soweit ist es also gekommen. 216 Sachen rennt der kleine Bruder des Golf maximal. Auch der Seat schafft dieses Tempo, der Mitsubishi macht 210 und der Ford immerhin noch 208 km/h. Damit können alle vier so einige Stammgäste der linken Spur erschrecken. Kleinwagen Polo? Das war einmal.

Dieser hier spielt mit in der oberen Leistungs-Liga und zeigt stolz bewährte GTI-Tradition im Detail: griffiges Lenkrad, rote Ziernähte und Sitze mit nostalgischem Karo-Bezug. Außen mit auffälligem Waben-Grill, rotlackierten Bremssätteln, Heckspoiler und Doppelrohr. Nicht übertrieben, denn der Kleine hat es faustdick unter der Haube. Dort lauert der quicklebendige 1,8-Liter-Turbo-Fünfventiler mit 150 PS. Der macht früh Druck, dreht wie ein Wilder und klingt mit Abstand am besten: leise grollend bis kernig röhrend. Allerdings muß er im Polo mit 1245 Kilogramm auch am meisten schleppen. Der Wohlstandsspeck lastet schwer auf der Hüfte. Der mit dem gleichen Motor antretende Seat (minus 25 kg) und auch der 110 Kilo leichtere Mitsubishi nehmen dem Volkswagen deshalb im Spurt ein paar Zehntel ab.

Aber auch nur dort. Eine Runde auf unserer Hausstrecke, der Motorsport-Arena in Oschersleben, schafft der Polo in 1:57.27 Minuten, der Ibiza liegt mit 1:57.96 knapp dahinter. Der Colt ist mit 1:58.57 min deutlich langsamer. Erkenntnis: Der Polo GTI ist einfach besser abgestimmt als die beiden, zwirbelt leichtfüßiger um die Kurven und ist spielerisch zu kontrollieren, auch wenn die Lenkung direkter ansprechen und mehr Rückmeldung geben könnte. Bei allem indes bietet der Polo den besten Restkomfort, Querfugen auf der Autobahn nimmt er die schlimmste Schärfe.

Betriebskosten, Garantien und Preise

Ganz anders der Seat Ibiza FR: Sein rabiates Rumpel-Fahrwerk haut dem Fahrer erbarmungslos die Schläge in die Bandscheibe. Der leidet ohne Sinn, denn schneller als der VW ist der kleine Spanier auf der Piste nicht. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die zähe, viel zu ungenaue Lenkung. Sie macht das Seat-Handling träger, als es eigentlich ist. Schade, denn abgesehen davon ist der Ibiza FR ein echter Sympathieträger und hat alle Anlagen, die man als Kampfzwerg so braucht. Er ist etwas heftiger aufgebrezelt als die anderen, vielleicht ein bißchen halbstark, aber das werden ihm seine Käufer sicher nicht übelnehmen.

Konkret: tiefe Schürzen, schönes Doppelendrohr, auffällige Lampen, viel roter Zwirn, stramme Sportsitze – und ein unglaublich fetter Schalthebel. Aus dem schicken Cockpit glühen rot die Instrumente hervor – und sie versprechen nicht zuviel. Der 1,8-Liter-Turbo pfeift fröhlich, beißt genauso heftig zu wie im VW und – wenn er soll – flitzt der Ibiza durch die Gegend wie der Torero auf der Flucht vor dem Stier. Dazu passend: knackige Schaltung, gut dosierbare Bremsen – kein Zweifel, hier leben sich Renn-Gene aus. Wenn doch nur die unpräzise Lenkung nicht wäre.

Der Ford Fiesta ST ist in diesem Punkt deutlich besser, macht mit seinem tollen Handling viel Freude. Wie ein Terrier schnüffelt er um den Kurs, läßt sich nicht von der Spur abbringen. Straffes, ausgeruhtes Fahrwerk, präzise, spontan reagierende Lenkung und exakt rastendes Getriebe ergeben zusammen fast automatisch die Bestzeit in Oschersleben: 1:56.45 min, deutlich vor dem Polo GTI. Und dabei hat der noch den besseren Motor, denn der 150-PS-Zweiliter-Sauger im Ford kann nicht komplett überzeugen.

Technische Daten und Fahrleistungen

Zwar besitzt er mehr Hubraum und eine gleichmäßige Kraftentfaltung. Doch beides hilft ihm nicht viel. Die drei Turbos treten bissiger an, drehen lockerer. Im direkten Vergleich wirkt der Fiesta ST wie zugeschnürt. Dazu kommt, daß er bei hohen Drehzahlen gewaltig dröhnt und sehr laut wird. Besser gefallen hat uns das zurückhaltende, klare Design. Der ST steht stämmig und selbstbewußt auf den Rädern. Allerdings kosten schon die weißen Seitenstreifen – und die müssen unbedingt sein – Aufpreis: 125 Euro. Nicht so recht zum gelungenen Auftritt paßt allerdings der Innenraum. Der Fiesta ist – zusammen mit dem Ibiza – schon mal merklich enger als Polo und Colt. Und das Hartplastik am Cockpit hat er wirklich nicht verdient.

Hinzu kommt, daß sein Lenkrad nur höhenverstellbar ist, nicht in der Länge: Die Sitzposition ist deshalb besonders für Größere nicht so perfekt wie in Seat und VW. Noch ausgeprägter ist das im Mitsubishi. Auch bei ihm läßt sich das Lenkrad nur in der Höhe justieren. Der Colt ist ohnehin ein Sonderfall – fast schon ein kleiner Van. Er hat jede Menge Platz und im Fond sogar eine längs um 15 Zentimeter verschiebbare Rückbank. Auch Fahrer und Beifahrer sitzen anders: aufrecht, hoch und ziemlich weit weg von der Frontscheibe mit schlechter Übersicht.

Auch der Mitsubishi ist nett ausstaffiert, mit Spoilern, dickem Lenkrad, Ziernähten und Sportsitzen. Insgesamt aber nicht ganz so liebevoll wie die anderen drei. Sportliche Ambitionen nimmt man ihm deshalb nicht auf Anhieb ab, und dieser Eindruck täuscht nicht. Er fährt sich unharmonischer als die anderen drei, nicht so agil. Die träge Lenkung spricht verzögert an, auch sind deutliche Antriebseinflüsse zu spüren. Schnelle Kurven nimmt er stampfend, und der Aufbau neigt sich wegen des höheren Schwerpunkts kräftig.

Fazit und Bewertung

Daß der Mitsubishi trotzdem Spaß machen kann, liegt an seinem Motor. Der heiser klingende, aufgeblasene 1,5-Liter dreht zwar nicht so entschlossen wie die Turbos im VW und im Seat, hat aber mit dem nur 1135 Kilogramm wiegenden Colt auch leichteres Spiel – und der holt auf der Geraden manches von dem auf, was er in der Kurve verloren hat.

Preismäßig liegen die vier fast auf einem Niveau. Teuerster ist, na klar, der Polo GTI mit 18.950 Euro, der Seat Ibiza FR folgt mit 18.690 knapp dahinter. Der Colt CZT kostet mit 18.490 Euro 365 Euro mehr als der Fiesta ST für 18.125 Euro, hat aber als einziger hier Kopfairbags und Klimaautomatik serienmäßig an Bord. Insgesamt sind die vier ziemlich gut ausgestattet, einschließlich Radio und Bordcomputer – abgesehen vom Polo GTI. Doch der VW zeigt sich am Ende als das ausgewogenste Angebot, die Rechnung geht glatt auf.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Die Formel Volkssport geht auf, die kleinen GTI machen jede Menge Spaß. Der neue Polo GTI überzeugt auf Anhieb, er ist das ausgewogenste Auto mit einem tollen Motor. Der Seat mit dem gleichen Aggregat und der Ford liegen gleichauf dahinter – der Ibiza gefällt mit Auftritt und Fahrleistungen, der Fiesta mit seinem agilen Handling. Der Mitsubishi kann nicht ganz mithalten, einen lebensfrohen Turbo hat er aber auch.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Polo GTI, Seat Ibiza FR, Ford Fiesta FR und Mitsubishi Colt CZT. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Dirk Branke

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.