Vier Tage unter Hochspannung, Teil 3: Donnerstag — 02.08.2009
Abenteuer Elektroauto
Der Mitsubishi i-MiEV ist das erste Elektroauto, das ein renommierter Hersteller in Großserie baut. Ende 2010 kommt es. AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber hat die Technik der Zukunft schon heute im Alltag getestet. Sein Tagebuch.
Donnerstag: Heute früh gleich Energiemessgerät abgelesen: 15,70 kWh in 6:56 Stunden geladen. Werksangaben stimmen also. Bei meinem Stromversorger kostet eine Kilowattstunde 19,99 Cent. Hab gerechnet: einmal Volltanken macht rund 3,14 Euro. Ab Mittag frei genommen. Die Nordsee ruft, St. Peter-Ording, 140 Kilometer. Wollte sehen, ob das geht. Auf Nummer sicher gegangen: "Eco“-Betrieb, Radio aus, Klima aus. Durch die Stadt und rauf auf die A 23. Mit Tempo 90 auf der rechten Spur. Ganz entspannt. Und das mit 19 kW! Aus jedem dritten Auto, das mich überholt, werd’ ich angeglotzt. Auch fotografiert.
Die Fahrt an die Nordsee gerät zur Dauersuche nach Strom für die Akkus. Immerhin gibt es die Nahrung für den i-MiEV fast immer für lau.
Erste Pause auf Golfplatz bei Itzehoe. Nach 60 Kilometern noch etwas weniger als die Hälfte an Saft in den Akkus. Eco und Autobahn neutralisieren sich wohl bei der Reichweite. In Hemme sind die Akkus leer. Warnanzeige blinkt, und das auf der Landstraße. Rechts Windkrafträder, rechts Strommasten, ich dazwischen ohne Saft. Erste Schweißperlen. Dann ein Dorf. Autowerkstatt mit Steckdose. Gerettet! Drei Kilowattstunden reichen für 17 Kilometer. Dann wieder leer. 30 Minuten bei einem Gemüsehändler am Straßenrand getankt. Zehn Kilometer später wieder fast leer. Ein Campingplatz. Kein Mensch zu sehen. Unterm Waschbecken auf dem Damenklo eine Steckdose. Liebes Tagebuch: ICH KLAUE STROM FÜR MEIN AUTO AUF EINEM DAMENKLO!!! Wert: 25 Cent. Und flüchte lautlos. Endlich das Meer erreicht! Sitze jetzt im Strandkorb. Vor mir der
i-MiEV. Schreibe dies mit einem Lächeln im Gesicht. So viele nette Menschen kennengelernt. Keiner wollte Geld für den Strom. Bin für lau an die Nordsee gefahren. Sauber! Auf dem Weg in die Pension noch mal Schweiß: nachts auf einer Tankstelle eine Kilowattstunde geschnorrt.
Wie das Tagebuch weiter geht, lesen Sie morgen auf autobild.de.
| Kurz vor Husum Donnerstag |
| gefahrene km |
202 |
| Uhrzeit |
23:02 |
| Ladedauer |
0:30 Std. |
| Strom 7,91 kWh |
1,27 kWh |
| Kosten |
0,25 Euro |
| Angabe des getankten Stroms in Kilowattstunden. Preis pro kWh 0,1999 Euro |
Kommentare zum Artikel (6)
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Elektroautos durch TANKSOLAR
Ich habe nicht gewartet, bis es für das E-Auto Zuschüsse gibt. Ich benütze lieber jetzt schon einen gebrauchen Citroen Saxo (ca. 14.500,--) mit einer Reichweite von ca. 90 km. Momentan fahre ich mit meiner Frau zusammen pro Tag ca. 65 km elektrisch. Die Einsparung ist nachweislich 200,– Euro im Monat. Wenn ich weiter als 90 km fahren müssen, nehme ich ein Leihwagen oder ich tausche mit meiner Tochter die Autos. Die Versicherung und Steuer kostet für den Saxo ca. 15,– Euro im Monat. Gruß Wolfgang Müller-Brunke
Ob das Energiekostenmessgerät von TCM (10€ wenn ich mich nicht irre) verlässliche Werte liefert? ;-)
Tolle Leistung, 140km von Hamburg an die Nordsee. Ich empfehle H. Schrieber, sich die Homepage zur Charge across America (http://ev1-club.power.net/archive/trexchrg.htm) anzuschauen, 3275 Meilen (5240km) von Los Angeles nach Detroit in einen Saturn EV1. Der Wagen hatte 1998 nominal eine Reichweite von 120km pro Batterieladung.
Leider hat General Motors das EV1-Programm 2003 eingestellt und fast alle der 1117 produzierten Saturn EV1 nach Ablauf der Leasingverträge verschrottet, obwohl die Kunden bereit waren, die Fahrzeuge zu kaufen! Darüber sollte mal berichtet werden!
Allen Beteiligten steht ein Paradigmenwechsel bevor, noch umfassender als das Weglassen der Pferde vor den Kutschen. Keine Kupplung und kein (8Gang-Automatik- oder Doppelkupplungsschalt-) Getriebe mehr. Das spart Platz, Gewicht und Geld. Kein Kraftstoff wird mehr im Leerlauf verblubbert. Huuu, die armen Ölscheichs, Tankwarte und Raffineriebetreiber.
...
Wir haben hier in Ulm die 200 Car-2-Go Smarts - alle mit diesen grässlich lauten Dieseln - noch schlimmer als die TDIs. Eine schreiende Beleidigung für jedes Ohr. Wenn die alle mit E-Motor fahren würden - wäre das schön.
Der i-MiEv ist zwar genauso wenig ein Schönling wie der Prius aber für die Stadt könnten
wir uns den sicher vorstellen. Dafür brauchen wir weder Status, noch 200PS für Ampelrennen. Es wird endlich Zeit, dass noch mehr Hersteller ihren ewigen Lippenbekenntnissen endlich Taten folgen lassen. Und wer pennt wieder mal? Die deutschen Hersteller.
Schönen Wochenanfang!