Viermal Luxusklasse mit Diesel

Viermal Luxusklasse mit Diesel

— 24.07.2003

Die Diesel-Traumschiffe

Luxusliner fuhren schon immer Diesel. Jetzt heit es: Leinen los fr vier deutsche Luxus-Limousinen.

Nur der kraftvolle Diesel erinnert ans Reisen

Im mit Holz und Leder tapezierten Salon entspannen, whrend drauen fast geruschlos die Natur vorbeizieht und eigentlich nur der kraftvoll wummernde Diesel ans Reisen erinnert. Herrlich. So oder so hnlich mssen sich Gste an Bord des Sechs-Sterne-Kreuzfahrers "Silver Wind" fhlen. Der 155,8 Meter lange Rolls-Royce zur See beherbergt maximal 315 Passagiere, die er mit allem erdenklichem Luxus verwhnt und mit 14.416 Diesel-PS an die schnsten Pltze der Welt schippert.

hnliches lsst sich allerdings auch zu Lande erleben mit insgesamt 1096 Diesel-PS. Obwohl Audi A8 4.0 TDI, BMW 740d, Mercedes-Benz S 400 CDI und VW Phaeton V10 TDI garantiert nicht schwimmen knnen, verspricht die Passage auf den deutschen Diesel-Dampfern beeindruckende Erlebnisse.

Yacht-Atmosphre im Audi A8 4.0 TDI

Frisch von der Werft erteilt der Audi der versammelten Mannschaft erst mal einen Grundkurs in Sachen sthetik. Verdammt sportlich und doch edel, erinnert das hochwertige Cockpit an moderne Yacht-Architektur. Hier tragen 7er und Phaeton schon etwas dicker auf. Die Funktion leidet unter der schlichten Eleganz nicht. Im Gegenteil. Dank des pfiffigen MMI-Bedienkonzepts drften den A8 auch ltere Semester verstehen, die nicht unbedingt zur Computer-Generation gezhlt werden. Und sich spontan in den neuen 4,0-Liter-TDI verlieben.

Schon beim Starten legt der V8 seine Karten offen auf den Tisch: Hier steckt Spa unter der Haube. So dringt der TDI-Sound zwar vernehmlich ans Ohr, aber trotzdem angenehmer als in Phaeton und S-Klasse. Mehr noch: Die Audi-Akustiker haben es geschafft, dem Selbstznder eine aggressiv-athletische Tonspur in den Endtopf zu legen.

Dazu passt der ungemein dynamische Auftritt des 4.0 TDI. Wie die 275 PS sich ber alle vier Rder in den Asphalt krallen und den immerhin zwei Tonnen schweren Alu-Audi praktisch schwerelos nach vorn werfen, lsst den Atem stocken. Gefhrlich grollend und nur unter Volllast leicht ruckend durch die sechs sauber sortierten Gnge der Automatik wechselnd, strmt der A8 ber die Autobahn wie ein Schnellboot durch die Ruderregatta.

Mit Lust und ohne Tcke um die Kurven

Da kann selbst der deutlich strkere Konzern-Bruder Phaeton nur wenige Zehntel Vorsprung herausfahren. Die er an der nchsten Kurve des Handlingkurses sofort wieder verliert. Die fahraktive Przision des A8 bleibt in dieser Klasse unerreicht. Von der direkt ausgelegten Lenkung untersttzt, radiert der Allradler mit zunehmender Lust und ohne Tcke durch die Kurven.

Der A8 also makellos wie die Mona Lisa? Nicht ganz. Beim Platzangebot (besonders im Fond) liefert Audi doch eher eine Standardkabine whrend Siebener und Phaeton an eine Luxussuite heranreichen. Auch der Federungskomfort des strammen Audi erreicht nicht das Niveau der Klassen-Kameraden. Auf fiesem Pflaster herrscht im Audi jedenfalls immer eine Windstrke mehr.

BMW 740d mit exzellenter Federung

Das fllt besonders gegenber dem BMW auf, der mit seiner exzellenten Federung (als einzige mit Stahl statt Luft) selbst wilde Wellenberge souvern glattbgelt und mit dem besten Geruschkomfort verwhnt. Sanft suselnd scheint der 3,9-Liter-V8 wie in Watte verpackt, vermittelt zusammen mit der grandiosen Sechsstufen-Automatik wahres Luxusklasse-Feeling. Dabei geht der 258 PS starke Bayer alles andere als zurckhaltend zu Werke. Vllig unaufgeregt klebt er im Windschatten seiner Mitstreiter.

Noch wichtiger, dass die Bremsen zupacken, als htte jemand den Anker geworfen (35 Meter aus 100 km/h!), und es sich auf ppigen Polstern entspannt rkeln lsst. Auch wenn die Bedienbarkeit ein Schwachpunkt bleibt und das Design heftige Kontroversen auslst: Dieser Siebener erreicht als Chauffeurs-Limousine eine beeindruckende Reife auch wenn der Einstieg nach hinten etwas mhsam gert (die Tren ffnen nicht weit genug). Denn reprsentativ ist der 740d allemal und mit dem iDrive muss ja der Fahrer klarkommen.

Gelassenheit im Mercedes-Benz S 400 CDI

In der S-Klasse wird dagegen die gesamte Besatzung jederzeit ber das Arbeitsprinzip des 4,0-Liter-Diesels informiert. Unter einer First-Class-Kreuzfahrt verstehen wir jedenfalls etwas anderes. Doch dafr schnellt der 250 PS starke Mercedes-Benz wie von der Tarantel gestochen aus den Startblcken und schaukelt uns gleichzeitig mit sanftmtiger Ruhe auch durch schwere Reviere. Da verzeihen wir glatt, dass seine Fnfgang-Automatik beim Kickdown immer etwas lnger zgert und er wegen der eher trgen Lenkung etwas behbiger wirkt.

Fnf-Sterne-Standard im VW Phaeton

Schwerfllig mutet zuweilen auch der fast 2,5 Tonnen schwere Phaeton an, auf dessen Vorderachse allein das Gewicht eines gut ausgestatteten Golf lastet. Trotz Allradantriebs schiebt er so ziemlich lustlos durch schnelle Kurven und legt dem Steuermann das gemtliche Gleiten nah. Das beherrscht er dafr nahezu perfekt. Der Komfortmodus seiner Luftfederung zieht selbst miserable Straen glatt, die Noblesse seines Interieurs erreicht Fnf-Sterne-Standard.

Den erlangt auch der TDI mit satten 313 PS. Der V10 tritt an wie eine Horde hungriger Bisons bissig, brutal, blitzschnell. Wirklich absetzen kann er sich dennoch nicht. Zudem klingt der Fnfliter eher wie ein muskelbepackter Malocher denn wie ein athletischer Adelsmann, langt an der Zapfsule zu wie beide zusammen. Schade. Weniger wre hier mehr gewesen.

Kosten und Ausstattung

Ein Motto, das fr VW-Preise ohnehin gilt. Mit 84.200 Euro bertrifft der vorbildlich ausgestattete VW sogar den kaum schlechter bestckten Mercedes-Benz (78.126 Euro). BMW (76.500) und Audi (76.900) bleiben beim Preis, aber auch bei der Ausstattung hinter beiden zurck. Gnstig sind die vier Luxus-Diesel erst im Vergleich zur "Silver Wind" die kostet ber 100 Millionen Euro.

Technische Daten

Zusammen haben sie 34 Zylinder, 17 Liter Hubraum und bringen 1096 PS auf den Asphalt. Die technischen Daten der Diesel-Giganten im Einzelnen:

Fazit und Wertung

Fazit von Gerald Czajka Es wre vermessen, in diesem Vergleich von Verlierern zu sprechen. Was Audi, BMW, Mercedes-Benz und VW hier abliefern, gehrt zum Besten auf vier Rdern weltweit. Allen voran fhrt der A8 4.0 TDI durchs Ziel. Sein potenter Motor und das sportliche Handling sind bei diesem Preis unschlagbar. Mit geringem Abstand folgt der grundverschiedene 740d: ein hchst komfortabler Reisewagen mit rennmigen Bremsen. Kaum schlechter der Mercedes-Benz S 400 CDI, den sein unkultivierter Motorsound bremst. Der Phaeton V10 TDI ist trotz tollen Motors schlielich zu schwer und zu teuer.

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