Viermal sportliche Mittelklasse im Test

Audi S4 Alpina B3 Biturbo BMW 335i VW Passat R36 Audi S4 Alpina B3 Biturbo BMW 335i VW Passat R36

Viermal sportliche Mittelklasse im Vergleich

— 27.02.2009

Sport Light

Vier hochpotente Limousinen mit sportlichen Ambitionen treffen sich auf der Rennstrecke. Herausforderer: der neue Audi S4. Wie schlägt er sich gegen BMW 335i, VW Passat R36 und Alpina B3 Biturbo?

Angebertypen können direkt weiterklicken. Denn für die große Show vor dem Café taugen diese vier Mittelklassesportler sicher nicht. Dafür fehlt es ihnen an markigen Details: dicke Spoiler, fett ausgestellte Radhäuser, allzu böse Frontpartien – Fehlanzeige. Die vier Kontrahenten aus hiesigen Gefilden haben mit einem martialischen Auftritt nichts am Hut. Im Gegenteil: Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde. Spaß an einem flotten Ritt über die Landstraße? Aber immer. Den Nachbarn neidisch machen? Wozu das denn? Vorhang auf für die vier Unscheinbaren, die nur der Kenner auf den ersten Blick als das erkennt, was sie sind: hochpotente Limousinen mit mehr oder minder ausgeprägten sportlichen Genen, keine unter 250 km/h schnell und keine unter 300 PS stark.

Der jüngste Vertreter der sportlichen Mittelklasse-Elite ist der Audi S4

Neue Rakete aus Ingolstadt: Der Audi S4 ist die jüngste Sportlimousine im Vergleich.

Ganz neu auf dem sportlichen Parkett präsentiert sich der derzeit sportlichste Ableger der A4-Familie: Der Audi S4 folgt dem Trend zu kleineren, aufgeladenen Aggregaten und setzt statt auf V8-Power wie bisher auf die Kraftspritze durch Kompressoraufladung. 333 PS mobilisiert der Benzin-Direkteinspritzer aus einem drei Liter großen V6-Triebwerk, verfügt wie alle sportlichen Audi über einen Allradantrieb und ist gegen Zuzahlung von 2450 Euro mit der siebenstufigen S-Tronic zu haben. Dahinter verbirgt sich ein Doppelkupplungsgetriebe, das zugkraftunterbrechungsfrei und sehr schnell die Gänge durchschaltet - automatisch oder manuell. Ebenfalls einem sehr zurückhaltenden Auftritt verpflichtet ist traditionell das Haus Alpina. Der B3 Biturbo generiert aus einem Dreiliter-Aggregat mit Biturbo-Aufladung 360 PS, die über eine von Alpina überarbeitete Sechsstufenautomatik an die Hinterräder übertragen werden. Damit die Kraft auch bei schneller Kurvenfahrt unter Last nicht durch das Differenzial verpufft, verfügt der Alpina B3 Biturbo über ein optionales Sperrdifferenzial (1990 Euro) von Motorsportspezialist Drexler.

Volkswagen verzichtet beim Passat R36 auf jegliche Zwangsbeatmung

Holt seine Kraft aus dem Hubraum: Der Passat R36 stürmt ohne Aufladung nach vorne.

Dritter im Bunde ist der BMW 335i, der ebenfalls durch Biturbo-Beatmung 306 PS aus drei Litern Hubraum schöpft und seine Kraft per Sechsgangautomatik ebenfalls auf die Hinterräder überträgt. Das für Coupé und Cabrio erhältliche Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist für die Limousine nicht zu haben. Als Einziger setzt der VW Passat R36 auf einen VR6-Saugmotor. 300 PS aus 3,6 Liter Hubraum mobilisiert der sportlichste Passat, übertragen wird die Kraft wie beim S4 ebenfalls auf alle vier Räder. Serienmäßig ist beim VW Passat R36 ein Doppelkupplungsgetriebe an Bord. Erste Überraschung: Bei einer ersten Sitzprobe glänzt der rundherum eher hausbacken auftretende R36 mit den sportlichsten Sitzen. Im Seitenbereich sehr gut abstützende Schalen lassen sportliches Temperament erhoffen. Das gilt auch für das etwas weniger akzentuierte Audi-Gestühl, während Alpina und BMW eine etwas komfortablere Linie fahren. Dazu passt deren betont dezente Innenraumgestaltung ohne sportliche Akzente, wenn man von den farbigen Ziernähten am Lenkrad und den blau hinterlegten Instrumenten des Alpina einmal absieht. Den augenscheinlich größten Sportsgeist scheint wiederum der Passat zu besitzen, dessen Armaturenträger von gebürstetem Aluminium im "Engine-Spin"-Design ummantelt ist - Bentley-Flair light. Aluminiumoptik ziert auch das S4-Cockpit, zudem grenzen grau hinterlegte Zifferblätter mit weißen Zeigern den sportlichsten A4 von seinen zivileren Brüdern ab.

Erster Teil des Messprogramms: die Ermittlung von Fahr- und Bremsleistungen auf dem Flughafen in Rothenburg. Wie bei der Leistungsverteilung zu erwarten, kann der Alpina B3 Biturbo seinen Vorteil mühelos umsetzen. Nach 4,6 Sekunden passiert er als Schnellster die 100-km/h-Marke, gefolgt vom Audi S4 (5,1 Sekunden), dem BMW 335i (5,4 Sekunden) und dem Passat R36 (5,6 Sekunden). Bei VW und Audi hilft eine über das DSG gesteuerte Launch-Control, die optimale Anfahrdrehzahl einzuregeln und maximal zu beschleunigen. Beim Audi S4 funktionierte die Prozedur allerdings auch nach mehreren Anläufen nicht korrekt. Die Werksangabe für den Sprint auf 100 km/h von 5,3 Sekunden wurde dennoch unterboten. Erfreulicherweise keine Überraschungen beim Messen der Bremswege: Kaltbremswege zwischen 35,5 (BMW) und 36,6 Meter (Audi) liegen im grünen Bereich; nach der zehnten Messung mit warmen Bremsen steigern sich B3, S4 und 335i noch, nur der Passat zeigt mit 38,2 Metern leichtes Fading.

Der Alpina B3 Biturbo erscheint wie geschaffen für die Autobahn

Fühlt sich auf der Autobahn wohl und kann es auch quer: der Alpina B3 Biturbo.

Anschließend geht es zügig über die Autobahn Richtung Hockenheim, wo Rundenzeiten und eine genauere Betrachtung des Handlings anstehen. Dabei können die vier Testkandidaten ihr Langstreckenpotenzial unter Beweis stellen. Wie geschaffen für die Autobahn erscheint auf Anhieb der Alpina B3. Mit sportlich bequemen Sitzen und nicht enden wollendem Vortrieb schnürt er rasant dahin, seine ausgewogene Balance zwischen stoischem Geradeauslauf, gutem Fahrkomfort und dennoch nicht synthetischem Fahrgefühl macht den Alpina zum perfekten Reisemobil. Dass schnelles Reisen nicht zum Nulltarif zu haben ist, liegt auf der Hand. Im Schnitt braucht der Alpina 13,3 Liter Super Plus, bei hohem Tempo kann es deutlich mehr werden. Im Audi S4 sitzt man etwas sportlicher, die sehr direkte Lenkung wird mit zunehmendem Tempo schwergängiger. Auch hier: Bäriger Schub von unten, doch bis auf ein dumpfes Ploppen beim Schalten unter Volllast klingt der S4 eher fad. Im Unterschied zum Alpina wirkt der Abrollkomfort des Audi steifbeiniger, sein Fahrwerk straffer. Mit 12,8 Liter Super im Schnitt ist der S4 minimal günstiger als der Alpina.

Noch ein Stück unruhiger geht der R36 zur Sache. Er ist der Straffste im Vergleich, seine Lenkung indirekter ausgelegt, was bei schneller Fahrt keineswegs störend ist. Angenehm: das tiefe Auspuffgrollen. Perfekt: das Sechsgang-DSG. Eine leichte Schwäche zeigt der Motor: Bei hohen Drehzahlen geht dem von unten druckvoll agierenden VR6 etwas die Puste aus. Sein Verbrauch: 11,1 Liter Super Plus. Mit hohem Fahrkomfort wartet der BMW 335i auf. Auch sein Aggregat arbeitet bereits bei niedrigen Drehzahlen mit großem Druck, die Automatik agiert tadellos. Verglichen mit den anderen Testteilnehmern lässt der BMW die stärksten Karosseriebewegungen zu. Mit 10,5 Liter Super Plus ist er der Genügsamste im Vergleich.

Wie sich die vier sportlichen Limousinen auf der Rennstrecke geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen und technischen Daten gibt es als Download im Heftarchiv.

Autor: Ralf Kund

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