Viersitzige Cabrios im Test

320Ci, CLK Cabrio, A4 Cabrio und C70 im Test (v.li.) 320Ci, CLK Cabrio, A4 Cabrio und C70 im Test (v.li.)

Viersitzige Cabrios im Test

— 25.07.2006

Alles gut bedacht?

Klassische Stoffkapuze oder modernes Blechdach? Der neue Volvo C70 fordert die Klassiker A4, 3er und CLK heraus.

Platzverhältnisse und Komfort

So ein Reetdach sieht nicht nur schick aus, es schafft auch ein hervorragendes Klima. Dennoch sehen wir heute immer seltener klassisch eingedeckte Häuser. Feste Ton- oder Betonziegel prägen das Bild. Ganz ähnlich scheint die Entwicklung bei den Cabrios zu verlaufen. Die etablierten Stoffkapuzen müssen immer öfter modernen Blechklappdächern weichen.

Doch es gibt sie noch, die guten alten Stoffdach-Cabrios. Besonders bei viersitzigen Open-air-Karossen macht so ein Softtop einfach die bessere Figur. Audi A4, 3er-BMW und Mercedes CLK treten als gelungene Beispiele dafür an – gegen den Volvo C70. Beim Schweden sorgt ein dreiteiliges Stahldach für den Wechsel zwischen Hoch und Tief. So gerüstet, gewinnt der Volvo in meinen Augen die Aufmerksamkeits-Wertung. Wenn der kühle Schwede mit dem sachlich-sympathischen Design das Blechdach in den Kofferraum faltet, kommt bei Passanten leichte Bewunderung auf.

Egal ob offen oder geschlossen, gibt das 4,58 Meter lange Nordlicht eine ansehnliche Figur ab, vermeidet geschickt den peinlichen Pummelpo à la Peugeot. Auf Knopfdruck surrt es, knackt es und brummt es – schon steht das Cabrio-Barometer auf "Hoch". Dass dieses Technik-Theater mit rund einer halben Minute etwas länger dauert als bei den deutschen Konkurrenten, verzeihen wir gern. Beim Anblick der komplexen Mechanik taucht aber schon mal die Frage auf,

Ob offen oder geschlossen: Der schlanke C70 macht eine gute Figur.

ob das nach dem 1000. Sonnenbad immer noch so gut funktioniert wie bei unserem taufrischen Testwagen.

Das deutsche Topless-Trio setzt beim Dachdecken in seltener Eintracht (und serienmäßig) auf die vollautomatische Stoffkapuze. Die natürlich nichts Flatterhaftes an sich hat. Ganz im Gegenteil. Dick gefüttert, sauber vernäht und mit heizbarer Heckscheibe aus Glas veredelt, brauchen sich die Softtops keineswegs zu verstecken. Der A4 mit Akustikverdeck (250 Euro Aufpreis) und der CLK können es mit dem blechbewehrten Volvo auf jeden Fall aufnehmen.

Im C70 empfängt dann ein unaufdringlich summender Fünfzylinder vier sonnenhungrige Open-air-Fans. Und der 2,4-Liter trifft dabei genau jene Tonlage, die zum Mitsummen verführt, ohne zu nerven. So weit, so angenehm. Als Raumriese geht der auf dem Ford Focus basierende C70 allerdings nicht durch. Auf den großen und gemütlichen Polstern sitzt es sich zwar durchaus kommod, aber immer etwas beengt. Hier spüren alle Insassen den mit 2,64 Meter kürzesten Radstand. Der Raum verteilt sich dabei ziemlich gerecht zwischen vorn und hinten – das macht den Fond zwar durchaus reisetauglich, lässt vorn aber nicht mehr Luft als im betagten 3er. Egoistischer, weil mehr auf den meist allein oder maximal mit Copilotin reisenden Fahrer bezogen, lädt der A4 zum Sonnenbad. Vorn herrschen üppige Platzverhältnisse, hinten wird es so eng wie im BMW.

Setzen und wohlfühlen: Im CLK haben vier Passagiere genügend Platz.

Wer solche Verteilungskämpfe zwischen erster und zweiter Reihe ganz vermeiden will, wählt den Mercedes. Der Benz ist einfach auf allen Plätzen der Größte. Zusammen mit der ausreichenden Zuladung empfiehlt er sich so für das Sonnenbad zu viert – auch auf längeren Strecken. An das melancholisch-mechanische Surren des Kompressors indes werde ich mich wohl nie gewöhnen. Sorry, aber mein Staubsauger klingt ähnlich. Dafür ist der Benz schneller, auch schneller als man subjektiv meint. Die 163 PS bringen den offenen Stern in rund zehn Sekunden auf Tempo 100, 225 km/h Höchstgeschwindigkeit sollten für die Sommersause eigentlich reichen. Und ganz nebenbei verwöhnt der CLK mit dem besten Komfort, verführt so zum gelassenen Gleiten.

Werksangaben und Testwerte

Auch die Schweden pflegen eher die gemütliche Ausfahrt unterm wolkenlosen Himmel. Lässig lümmeln wir in den großen Lederpolstern (1500 Euro extra), genießen den (fern)reisetauglichen Federungskomfort und schauen auf die modern gestaltete Armaturentafel. Schon beim Aktivieren der Sitzheizung kommen uns aber Zweifel. Wieso machen die schwedischen Ingenieure die Knöpfe auf der schicken Mittelkonsole bloß so klein? Praktisch dagegen die Navigationssteuerung über Fernbedienung oder Lenkradtasten.

Sein volles Aroma entfaltet der C70 schließlich beim Cruisen durch Stadt und Land. Sanft säuselt der Fünfzylinder, 170 PS ziehen den Schwedenhappen gleichmäßig und druckvoll nach vorn, locker wirbeln wir durch fünf gutsortierte Gänge. Auch wenn der Volvo nicht ganz so steif wirkt wie seine deutschen Mitstreiter und mit zwölf Metern einen unverschämt großen Wendekreis besitzt – das Blechdach-Cabrio schmeckt wunderbar nach Mittsommer und offener Fahrfreude.

Nach Spiel, Sport und Spaß fühlt sich der A4 an. Der große Grill signalisiert die Lust an der Leistung, der 1,8-Liter-Turbo setzt sie mit Wonne um.

Dynamischer Draufgänger: Der A4 gibt sich straff und angespannt.

Kurz oberhalb der Leerlaufdrehzahl packen die 163 PS kräftig zu und bringen den Audi mit kernigem Turbosingen in Fahrt. Auch wenn die Fahrleistungen nicht besser ausfallen als bei Volvo und Mercedes, wirkt der Turbo immer etwas angespannter und spontaner. Auch die straffe Federung rückt den A4 in die Ecke des dynamischen Draufgängers, stößt mitunter aber doch zu heftig auf. Ganz ehrlich, weniger Härte wäre hier mehr gewesen – wer prügelt sein Cabrio schon ständig im Renntempo durch die Landschaft und freut sich über geringe Kurvenneigungen mehr als über kommoden Komfort?

Innen setzt Audi auf die bekannt guten Zutaten: klare Struktur, technisch-modernes Ambiente, feine Verarbeitung – so lässt sich der Sommer genießen. Obwohl technisch das älteste Auto, bereitet der BMW tatsächlich die größte Freude am Fahren. Schon beim Einsteigen leuchten die Augen, und wir erinnern uns an selige BMW-Zeiten: klare Karosserieform, sanft zum Fahrer geneigte Mittelkonsole – und kein fummeliges iDrive. Für mich ist dieser E46 der letzte echte BMW. Zu dieser Einschätzung trägt maßgeblich auch der seidige 2,2-Liter-Reihensechszylinder bei, den es nur noch hier gibt.

Erinnerung an frühere BMW-Zeiten: klassisches Cockpit ohne iDrive.

Wie der Vierventiler die 170 PS geschmeidig, aber dennoch nachdrücklich an die Hinterräder schickt und mit kehligem Klang hochdreht, gehört das zur besten Straßen-Musik am Platze. Es dauert zwar ein wenig, bis der 320Ci auf Touren kommt, doch dann gibt es wirklich kein Halten mehr. Die besten Fahrleistungen in diesem Vergleich sprechen ohnehin für sich.

Präzises Handling, dynamisches Fahrverhalten und kommoder Restkomfort runden die Sport-Schau des Bayern schließlich ab. Mit keinem anderen Cabrio macht es so viel Spaß, um die Ecken zu fliegen und – Entschuldigung! – einfach mal die bekannte Sau rauszulassen – was wir aus Sicherheitsgründen natürlich nur auf abgesperrter Strecke tun.

Kosten und Ausstattungen

Bliebe jetzt noch die Frage nach der Finanzierung. Überraschend günstig der Audi A4 1.8 T, der schlanke 33.900 Euro erfordert. Das Blechdach des Volvo C70 2.4i müssen wir schon mit 35.600 Euro bezahlen, für das klassische BMW 320Ci Cabrio werden 38.100 Euro fällig. Doch das ist noch nichts im Vergleich zur Preisforderung von Mercedes. Für abgehobene 43.152 Euro steht der von Haus aus zugegeben sehr gut ausgestattete CLK 200 Kompressor in der Preisliste – ob die Schwaben das gut bedacht haben?

Ist Blech leiser als Stoff? Trotz des 250 Euro teuren Akustikverdecks kann der A4 1.8 T bei der Geräuschentwicklung nicht ganz mit dem Volvo C70 mithalten. Um die Unterschiede wirklich beurteilen zu können, haben wir unser Standard-Meßprogramm um die höheren Autobahn-Geschwindigkeiten erweitert. Neben der Phonmessung bei 50, 100 und 130 km/h horchten wir in A4 und C70 also auch bei 160 und 200 km/h noch einmal genau hin.

Das Ergebnis blieb bei allen Tempobereichen fast unverändert. Bei jeweils gleichem Außengeräusch von 71 dB (A) schirmt das Blechdach des Volvo die Insassen etwas wirksamer gegen Windgeräusche ab. Unser Phonmessgerät registrierte bei 160 km/h ein Dezibel Unterschied, sonst waren es jeweils zwei Dezibel. Wer uns allerdings wirklich überraschte, war der Mercedes, der auch ohne Akustikverdeck bei 160 km/h das gleiche Geräuschniveau erreichte wie der Volvo. So gut kann ein Stoffdach also sein.

Fazit, Wertung, Meinung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Den Vergleich gewinnt der ausgewogene CLK – trotz des sehr hohen Preises. Auf Rang zwei folgt der deutlich günstigere A4, der die sportliche Alternative zum Mercedes stellt und ebenfalls keine ernsthaften Schwächen aufweist. Der Schwede auf dem dritten Platz kann mit den deutschen Gegnern überall ganz gut mithalten, liefert aber zu selten Spitzenleistungen. Der fahraktive BMW wird Letzter, weil er zu knapp geschnitten ist und keine echte Garantie bietet.

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi A4 Cabrio 1.8 T, BMW 320Ci, Mercedes-Benz CLK 200 K Elegance und Volvo C70 2.4i Kinetic. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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