Viertelmeile: Dragstars im Vergleich

Dragstars der Fast-Lane Dragstars der Fast-Lane Dragstars der Fast-Lane

Viertelmeile: Dragstars im Vergleich

— 07.08.2015

Dragstars der Fast-Lane

Strikte Klassentrennung? Nicht auf der Viertelmeile! Hier darf jeder ran, der die Distanz möglichst schnell hinter sich bringt. Goldene Regel: Die ersten Meter müssen passen, den Rest besorgt die Leistung.

Die Viertelmeile ist ehrlicher Sport für ehrliche Kerle. Kein Herumtaktieren mit Boxenstopps, keine Stallorder, keine Rempler. Nur ein Mensch und seine Maschine im Kampf gegen 402,34 Meter. Wir haben einen Streifzug durch die Segmente gewagt und sechs Charaktere versammelt, die im wahren Leben rein gar nichts gemein haben, heute jedoch für ein und dasselbe sprinten, jene 402,34 Meter.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Der RS 6 vergeudet keinen Zentimeter im Schlupf. Der Abschuss erfolgt ebenso ansatzlos wie gewaltig.

Audi RS6 Avant Ein Audi RS 6 Avant verkörpert sicher die vornehmere Art, den Dragstrip zu rocken. Ein Kombi aus der Upper Class; mit Stil, Niveau und einer makellosen Etikette, die allerdings lediglich verschleiert, welch tiefschwarze Seele darunter schlummert: 560 PS, 700 Newtonmeter, dargeboten auf einem pfeilschnellen Achtstufenautomaten. Sein natürliches Refugium ist die Autobahn; und selbst dort sieht man ihn meist nur für kurze Zeit. Dann etwa, wenn er von hinten an einen heranstürmt, den mächtigen Wabengrill formatfüllend in den Innenspiegel schiebt, Respekt abnötigt, wo von Nötigung noch lange keine Rede sein kann, um kurz darauf mit aller Macht an einem vorbeizugewittern. Vorsprung durch Technik? Selten so wahr wie hier!

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Untypisch für BMW ist nicht nur die heisere Stimme, sondern auch die leichtfüßige Athletik

BMW X6M Überhaupt schwindet die Grenze zwischen Schein und Sein immer mehr. Bestes Beispiel: der BMW X6 M, der seine Karriere einst als Promenadenmischung begonnen hatte, mittlerweile jedoch zu einem echten Tausendsassa herangereift ist. Lifestyler, Trendsetter, Repräsentant einer (ab-)gehobenen Gattung und Botschafter einer natürlichen Überlegenheit, die sich treffend darin widerspiegelt, dass ihn nur kauft, wer einen X5 nicht nötig hat. Nur von diesem ominösen Geländewagen, den er uns einst noch vormachen wollte, ist mittlerweile kaum noch etwas übrig. Doch wer will schon ständig im Schlamm herummoddern, wenn Fahrwerk und Allrad ganz auf Asphalt gepolt sind? Mit seinen ursprünglichen Wurzeln verbindet ihn allenfalls noch das Leergewicht. Und auch das versteht er vortrefflich zu verschleiern! Vor allem in Kurven. Masse hin, Trägheit her – wenn seine aktiven Stabis den Aufbau in die Waage spannen, die Vorderachse vorauskurvt, als hätte sie ein M3 spendiert, Torque Vectoring den Südflügel hinterherbiegt und die gesamte Fuhre durchs Querkraft-Niveau gestandener Sportwagen walzt, dann fühlt man sich wie auf Wolke 7.

Gelauncht wird beim Caterham noch mit eigenem Geschick, der Schub bis 160 hat Motorrad-Niveau.

Caterham Seven 620 R Ein paar Etagen tiefer tobt dagegen schon vor dem Anfahren die reine Apokalypse. Und die inszeniert kein dahergelaufener PS-Prolet, sondern einer, der echten Profis trotz seiner 1,09 Meter flachen Statur noch auf Augenhöhe begegnet. Gestatten, Caterham Seven 620 R. Die ultimative Endstufe des Leichtbau-Universums. 310 PS, 297 Newtonmeter, 600 Kilo! Eine im wahrsten Sinne des Wortes stürmische Kiste, die auf 215 Millimeter breiten Sportsohlen das zelebriert, wofür ein Elfer 305er-Schlappen und Hightech bis zum Abwinken braucht. Der Haken: Einen Porsche braucht man nur zu fahren, dieses Gerät hier muss man bezwingen! Im Fuhrpark der deutschen Caterham-Institution Kurt Hoffmann gastiert er daher als Mahnmal. Er schreckt jene, die seine schwächeren Geschwister belächeln – und dafür braucht er selten mehr als drei, vier Kurven.

Der Challenger ist so rot wie der Faden, der sich durch seine Viertelmeilen-Vita zieht.

Dodge Challenger SRT Hellcat Der Challenger Hellcat nennt 717 Pferde sein Eigen. Und diese wurden ausschließlich dafür geboren, um auf der zweiten Hälfte des Dragstrips zu triumphieren. Er ist der Einzige, dessen Vita auf den Viertelmeilen-Sport zurückgeht. 1969 betrat er den Strip, um der Konkurrenz von Chevy, Pontiac und Co. mit einem 426 SAE-PS starken Hemi-V8 einzuheizen. Ein gefürchtetes Eisen, das trotz seiner kurzen Amtszeit regelrechten Legendenstatus erlangte. Einen guten Hemi zu schlagen, das galt in den USA der frühen Siebziger als nahezu unmöglich. Rund 13 Sekunden fuhr der Urahn in perfekten Läufen. Nur zum Verständnis: Hierzulande galt man seinerzeit mit 50 PS bereits als wohlstandsmotorisiert! Und genau jenen Wahnsinn transportiert der Hellcat nahezu unverändert ins Jahr 2015. Nicht nur, weil er mit seiner Motorleistung ähnlich schockt wie einst sein Vorfahre, sondern vor allem, weil er dabei im Gegensatz zu Camaro und Mustang, die unentwegt dem europäischen Kurvengeist nacheifern, ganz und gar Muscle Car bleibt. Ausladend, wuchtig, obszön und immer lässig bis zum allerletzten Zug.

Viertelmeile: Dragstars im Vergleich

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Mit 11,19 s brennt der altehrwürdige Samurai Nissan GT-R eine Fabelzeit auf den Strip.

Nissan GT-R Erst der Nissan rettet drei Zehntel über die Distanz und untermauert damit einmal mehr seinen Allzweckwaffen-Status. Auch ihn assoziiert man in gewisser Weise mit der Viertelmeile. Im Unterschied zum Challenger jedoch nicht wegen seiner Vergangenheit, sondern eher wegen seiner Gegenwart. Oder sagen wir besser: wegen mancher Kreationen, die Tuner aus ihm formen. AMS, Switzer und HKS heißen die Täter, die seine 550-PS-Basis mit haarsträubenden Turbokits pervertieren, weit über 1000 PS heranzüchten, um auf dem Drag so ziemlich alles zu verblasen, was Klang und Namen hat. Doch auch Nissan selbst ist am Viertelmeilen-Nimbus nicht ganz unschuldig. Schließlich adeln die Japaner ihren Allradsportler schon seit Jahren mit Sprintzeiten, die einfach zu schön klingen, um wahr zu sein. In 2,7 Sekunden soll er auf 100 km/h gehen. Geschafft haben wir gerade einmal 3,2. Unsere Vermutung bislang: zu viel Schlupf an der Hinterachse, was die wichtigsten Meter bereits verhagelt.
1/4 Meile Fast-Lane
Testwagen BMW X6 M Caterham Seven 620 R Dodge Challenger Hellcat Audi RS6 Avant Nissan GT-R Porsche 911 Turbo S
Gemessene Zeit 12,22 Sek. 11,90
Sek.
11,67
Sek
11,62
Sek
11,19
Sek
10,71
Sek.
Porsche 911 Turbo S An der Zeit des Porsche hat bis heute nie jemand gezweifelt. Eher schon daran, dass er sie mit "legalen" Mitteln erzielt. Motorendoping, so der Vorwurf, mit dem viele unserer Leser den Über-Elfer immer wieder konfrontieren. Höchste Zeit also, um einmal eine Lanze zu brechen. Und zwar für den Porsche. Denn er beweist im Prinzip wie kein Zweiter, dass man mit Technik weit mehr holt als mit reinem Kraftgebolze. Dabei kann man bis heute eigentlich kaum fassen, welche Bestie in seiner braven Schale schlummert. Er federt geschmeidig, tönt verhalten, trödelt sanft durch die City, gondelt gelassen übers Land, lässt sich selbst die Skibox aufs Dach schnallen und stapft wacker bis zum Alpenchalet hinauf; verkörpert automobile Sanftmut in Vollendung und treibt dennoch einen GT3 bis zur Rotglut, wenn er nicht gerade eines seiner gefürchteten Sprint-Feuerwerke abfackelt. Hinten fußt ein massives Traktionsfundament, nach vorn sichert der Allrad ab; ergibt in Summe ein Fliehkraft-Katapult, das selbst die mit Abstand aggressivste Startsequenz der Neuzeit nur kurzfristig in die Gleitreibung zwingt.
Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Natürlich könnte man dem Challenger nun vorhalten, dass er sich ausgerechnet in seiner Paradedisziplin von einigen Allrad-Technikern hat vorführen lassen. Doch wer das tut, der hat die Botschaft dieser Seiten schlicht nicht verstanden. Sie sollten einfach zeigen, dass die Faszination Viertelmeile aus weit mehr besteht als nur einem trockenen Zahlenwert.

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