Volkswagen auf der Paris Motor Show 2008

VW Konzernabend Paris 2008 VW Konzernabend Paris 2008

Volkswagen auf der Paris Motor Show 2008

— 01.10.2008

Die große PS-Parade

Die Abteilung Attacke des VW-Konzerns feuert aus allen Rohren. Vom Hybrid-A1 bis zum Reise-Lambo steht alles in Paris, was Zukunft hat. Präsentiert wurden die neuen PS-Trendsetter im Rahmen einer pompösen Abendveranstaltung.

Paris, das ist die Messe der Franzosen. Peugeot, Citroën und Renault nutzen das Heimspiel an der Seine, um der Welt zu zeigen, was die Grande Nation so draufhat. Automobil gesehen. Das ist, bezogen auf die deutschen Autobauer, in Frankfurt auf der IAA nicht anders. Und so muss man sich als automobiler Großkonzern etwas einfallen lassen, um auf dem Pariser Salon den Heimvorteil der Hausherren auszugleichen. Das Spiel mit Pomp, Glamour, Medien und Eitelkeiten beherrscht kaum ein Autohersteller so perfekt wie der Volkswagen-Konzern. Traditionell laden die Wolfsburger am Vorabend der großen Automessen zur pompösen Konzern-Präsentation – und schlagen so dem Messe-Trubel am nächsten Tag ein Schnippchen. Sollen sich doch die anderen ins enge Korsett der Pressekonferenzen zwängen. Die Filetstücke auf den Messeständen der VW-Marken sind dann – die pompöse PS-Parade am Vorabend macht es möglich – zumindest für Journalisten längst abgefrühstückt.

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Eine feine Sache. Finden Autoschreiber und Automacher. Und so ließ VW-Chef Martin Winterkorn auch am Abend vor der Eröffnung der Paris Motor Show 2008 rund 700 Journalisten ins Exhibition Centre im Norden von Paris karren. Die Stadt ist groß. Das heißt, mindestens 45 Minuten im neuen Golf VI durch die Stadt der Liebe. Das mag man mögen, oder eben nicht. Für die Konzern-Strategen ist die Anreise schlicht ein Teil des großen PR-Puzzles. Wer so viel automobiles Mobiliar mit zu einem Auswärtsspiel bringt, fällt auf. Keine Frage, dass auch die ansonsten eher schlichte Messehalle entsprechend ausstaffiert wurde. Trendiges Weiß, eine hell erleuchtete Präsentationsfläche, blank polierte Konzern-Logos, dezentes Hintergrundgeklimper, verschwiegene Arbeitsbereiche. "Wofür brauchen die eigentlich noch eine Messe?", flüstert ein Kollege. Die Frage muss erlaubt sein – ist den entsprechenden PR-Profis allerdings nicht mehr wert als ein müdes Lächeln. Der Konzern feiert sich selbst – und vor allem die Produkte, die in Zukunft die Klassen klingeln lassen sollen.

Audis Zukunft ist klein, sparsam – aber natürlich nicht billig

Etwas weniger Auto für etwas mehr Geld. Audi will mit dem A1 Sportback in der Kleinwagen-Klasse durchstarten.

Wie deri Audi A1 Sportback zum Beispiel, den Audi-Chef Rupert Stadler kurz vor 20 Uhr aus seiner weißen Garage ließ. Der knackige Viertürer ist bereits der zweite Ableger der A1-Idee und soll Audis Premium-Image ins prestigeträchtige Kleinwagen-Segment transportieren. Etwas weniger Auto für etwas mehr Geld. Dass das funktionieren kann, zeigt der nostalgische Mini von BMW. Ganz anders der Audi A1. Modern, sportlich und doch betont konservativ tritt der 3,99 Meter lange Viertürer an. Kurze Karosserieüberhänge, 2,46 Meter Radstand, 18-Zöller mit Leichtlaufreifen und ein 150 PS starker TFSI-Benziner, der seinen 1,4 Litern Hubraum elektrisch generierte 27 PS zur Seite stellt. Der A1 Sportback ist ein Vollhybrid, der im Schnitt 3,9 Liter verbrauchen soll. Sind die Akkus leer, wird jede handelsübliche Steckdose zur Tankstelle. Klingt prima – ist aber, mit Blick auf den Start des A1 im Frühjahr 2010, nicht mehr als eine nette Idee. Frühestens ein Jahr nach der Markteinführung, so berichten die Audi-Entwickler, könnte der Hybrid-A1 kommen. Aber nur, wenn Partner Sanyo die modernen Lithium-Ionen-Akkus liefern kann.

Entspannte Tschechen mit frischem Antlitz

Skoda, neben Audi der Ertrags-Primus im Konzern, legte den zweiten Auftritt aufs Parkett. Skoda-Chef Reinhard Jung fuhr zusammen mit seinem neuen Chefdesigner Jozef Kaban im überarbeiteten Octavia vor. Der Bestseller durfte vor den geladenen Gästen erstmals seine neue Nase zeigen, die jetzt im Superb-Look strahlt. Mehr TSI-Motoren, überarbeitete Bedienelemente und DSG-Kombinationen runden die Modellpflege ab. Entspanntes Design. Entspannte Präsentation. So sehen Sieger aus. Auf der Straße gibt es den frischen Octavia allerdings erst ab Ende 2008 zu sehen.

Der scharfe Reise-Lambo soll den Italienern die Zukunft sichern

Weltpremiere an der Seine: Der Lamborghini Estoque ist ein viertüriges Coupé mit hinreißenden Proportionen.

Über effiziente Stromspeicher muss man sich beim Lamborghini Estoque erstmal keine Gedanken machen. Der unverschämt flache Viersitzer mit Coupé-Linienführung, den Lambo-Präsident Stephan Winkelmann stilecht von vier Damen in weiß aus seiner schwarzen Hülle schälen ließ, steht so satt auf seinen riesigen 23-Zöllern, dass einem fast die Sinne schwinden. Ein Leiden, zu dessen Linderung der hinter den schmalen Scheinwerfer-Schlitzen eingebaute V10 nicht wirklich beiträgt. Was war noch gleich böse am CO2? Der Platz im Inneren fällt bei einer Länge von 5,15 Metern und einem Radstand von 3,01 Metern entsprechend üppig aus. Basis ist die neue D4-Plattform, auf die auch der neue Audi A8 aufbauen wird. Bei Porsche wird man über den neuen Reise-Renner kaum erfreut sein – immerhin wollen die Schwaben bereits 2009 mit dem Panamera ihren eigenen Großraum-Sportwagen an den Start bringen. Die Italiener verweisen vor diesem Hintergrund gerne darauf, dass der Estoque ja nur ein Show-Fahrzeug sei. Alleine der Name dürfte allerdings in Zuffenhausen als Kampfansage verstanden werden. Estoque – so heißt der lange Degen, mit dem der Matador seinem Gegner in der Arena den Todesstoß versetzt.

Ein ehemaliger Audi soll Seat bessere Verkaufszahlen bescheren

Aus Spanien reisten der Seat Ibiza Cupra und der neue Exeo (unten) an.

Dem Konzernfrieden deutlich zuträglicher ist da schon der Seat Exeo. Das neue Top-Modell der Marke rollte zu dezenten Klängen auf die Bühne. Ein echtes Novum für die so auf Sportlichkeit bedachten Spanier. Die Abkehr vom Hitzkopf-Image hat ihren Grund: Der 4,60 Meter lange Exeo ist eigentlich gar kein Seat, sondern ein Audi. Front, Heck und Außenspiegel sind neu. Der Rest war bei uns lange Jahre als Audi A4 auf der Straße unterwegs. Der Griff ins Recycling-Regal spart mächtig Geld – wirkt vor dem Hintergrund der restlichen Seat-Modelle aber wie ein hektischer Schnellschuss. Ob die Spanier mit der neuen Sachlichkeit richtig liegen, entscheidet sich ab Frühjahr 2009 in den Ausstellungsräumen. Die Basisversion soll rund 22.000 Euro kosten – und mit dem gebrauchten Original von Audi konkurrieren.

Super-Spar-A4 von Audi

Sauber und sparsam, das läuft bei VW seit einiger Zeit unter dem Begriff BlueMotion. Das hört sich modern an und passte nebenbei wunderbar zur weißen Veranstaltungs-Deko. Die blaue Bewegung bekam mit dem Passat BlueTDI (143 PS, Euro VI) und der zweiten BlueMotion-Generation in Paris kräftig Zuwachs. Den Passat BlueMotion II zauberte VW-Boss Winterkorn als zwölfte Weltpremiere des Abends aus dem Ärmel – mit Verbrauchswerten, die aufhorchen lassen. Der 105 PS starke Passat BlueMotion II verbraucht laut Volkswagen 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer und kommt mit einer Tankfüllung bis zu 1700 Kilo weit. Das ergibt unterm Strich einen CO2-Ausstoß von 109 Gramm pro Kilometer. Weniger schafft in dieser Klasse keiner. Wann das blaue Wunder an den Start gehen wird, ist noch nicht ganz klar. Mitte 2009 wird dann allerdings Audi den A4e aus dem Stall lassen, der an der Seine noch mit dem Zusatz "Concept" versehen ist. Ein überarbeiteter Diesel, Energierückgewinnung, Start-Stopp-Automatik, längere Übersetzung und Leichtlauf-Räder sollen den Verbrauch auf 3,99 Liter drücken – bei einem Mehrpreis von rund 1000 Euro. Da kann bislang kein Hybrid mithalten.

Auch ohne technische Innovationen bleibt der Golf der Star

VW-Entwicklungschef Dr. Ulrich Hackenberg fuhr im weißen Golf GTI vor.

Einer fehlt noch. Das Auto. A1 und Hybrid hin, Estoque und Panamera her. Ohne den Golf geht bei VW gar nichts. Und so durfte Nummer 6 dann auch erst ganz zum Schluss mitfeiern. Als Held der Marke und Star des Abends. Eingerahmt von seinen neuen, modernen, sparsamen und sportlichen Konzern-Brüdern. Ein überzeugender Auftritt. Nicht nur, wegen des Fingerfoods und der edlen Weine, denen mit fortgesetzter Veranstaltungsdauer mehr und mehr Notizblöcke weichen mussten. Sondern auch, weil mit GTI und BlueMotion gleich zwei ganz wichtige Golf-Ausbaustufen im Scheinwerferlicht funkelten. Auch wenn beim Vorzeige-VW die ganz großen technischen Innovationen noch fehlen – am Erfolg zweifelt bei den Wolfsburgern niemand. Natürlich nicht. Immerhin spült der Golf das Geld in die Kasse, mit dem die Trends der Zukunft finanziert werden sollen. Und natürlich die eine oder andere Großveranstaltung am Vorabend einer Automesse.

Alle zwölf Weltpremieren des VW-Konzernabends finden Sie oben in der Bildergalerie.

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