VW-Abgasaffäre: Konzernchef Martin Winterkorn

Volkswagen: Gehälter werden gekürzt

— 09.03.2017

Keine Boni mehr für VW-Aufsichtsräte

Volkswagen streicht Bonuszahlungen für Aufsichtsratsmitglieder. Zuvor hatten die Wolfsburger bereits die Gehälter des Vorstands auf maximal 10 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt.

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch verdient 400.000 Euro im Jahr.

(dpa/mas/cr/cj) Nach der Abgasaffäre müssen die Volkswagen-Aufsichtsräte künftig auf ihre Bonuszahlungen verzichten. Der Aufsichtsratsvorsitzende solle ein Festgehalt von 300.000 Euro erhalten, sagte ein VW-Sprecher am 9. März 2017. Dies habe der Aufsichtsrat auf seiner letzten Sitzung beschlossen. Zuvor hatte die BILD-Zeitung darüber berichtet. Ziel sei, auf ein marktübliches System umzustellen. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte: "Die VW-Aufsichtsräte zählten in der Vergangenheit mit zu den Spitzenverdienern im DAX. Die Systematik war aber nicht mehr marktüblich. Deshalb haben wir es überarbeitet."
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Pötsch bekommt für den Vorsitz des Aufsichtsratspräsidiums 100.000 Euro extra, damit erhält er rund 400.000 Euro im Jahr. Der frühere Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kassierte dem Bericht zufolge 2014 noch deutlich mehr als eine Million Euro, davon seien fast 90 Prozent Bonus gewesen. Künftig bekommt ein normales Aufsichtsratsmitglied nach Angaben des Sprechers ein Festgehalt von 100.000 Euro, der Aufsichtsratsvize erhält 200.000 Euro. Für eine Tätigkeit in einem der Ausschüsse und im Präsidium des Gremiums gibt es noch einmal jeweils 50.000 Euro.

Maximal zehn Millionen Euro für Müller

Sein Gehalt ist nun gedeckelt. Matthias Müller verdient in Zukunft maximal 10 Millionen Euro.

VW hatte bereits einige Tage zuvor auf die massive Kritik bezüglich der Managergehälter reagiert. und ein neues Vergütungssystem verabschiedet. Künftig soll der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller maximal 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die weiteren Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen. Diese Maximal-Einkommen könnten aber nur bei einer "herausragenden Unternehmensentwicklung" erreicht werden, hieß es. Die Grundvergütung steigt laut VW um bis zu 30 Prozent auf 2,12 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und auf 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder.

Kürzung auch von Betriebsrenten

Bei den Bonuszahlungen (variable Vergütung) liegt die Mindesthürde in Zukunft bei einem operativen Ergebnis von mindestens neun Milliarden Euro statt bisher fünf Milliarden. Dazu zählt auch die Umsatzrendite von mindestens vier Prozent. Werden beide Ziele verfehlt, soll es keine variable Vergütung geben. Außerdem gekürzt wird die Betriebsrente für neue Vorstandsmitglieder. Statt bisher 50 Prozent des Grundgehalts zahlt VW seinen Top-Managern dann noch 40 Prozent in die Betriebsrente ein.

Winterkorn bekommt 3100 Euro Rente pro Tag

Hat gut lachen: Pro Monat fließen 1,2 Millionen Euro Ruhegehalt auf "Wikos" Konto. 

Während VW mit dem dritten Dieselgate-Jahr zu kämpfen hat, ist die Ära Winterkorn endgültig vorüber. Ende 2016 lief der Vertrag von Martin Winterkorn, dem über die Abgas-Affäre gestürzten ehemaligen Vorstandschef von Volkswagen, offiziell aus. Der Ex-Top-Manager (69) hat bei Europas größtem Autohersteller nun Anspruch auf hohe Rentenzahlungen, die bereits im Geschäftsbericht des Konzerns für 2015 vom April 2016 bekanntgegeben wurden. Das sogenannte Ruhegehalt für Winterkorn – festgesetzt als Anteil von 70 Prozent an der letzten Grundvergütung – beläuft sich auf rund 1,2 Millionen Euro oder umgerechnet knapp 3100 Euro pro Tag. Zuvor hatte auch BILD darüber berichtet. Andere Vorstände haben ähnlich umfangreiche Rentenansprüche. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte, das Unternehmen äußere sich grundsätzlich nicht zu Vertragsinhalten.

Kritik an hohen Boni für Vorstände

Winterkorn war im September 2015 wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen an Millionen Dieselautos zurückgetreten. Für Volkswagen begann damals die schwerste Krise der Firmengeschichte – samt Milliarden-Rückstellungen, rechtlichen Auseinandersetzungen und einem Sparprogramm mit Stellenstreichungen, dessen Bedarf durch die Kosten von "Dieselgate" noch akuter wurde. In diesem Zusammenhang gab es auch heftige Kritik an der üppigen Bezahlung des VW-Managements. Unter anderem hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) "kein Verständnis" für die Verteidigung hoher Bonuszahlungen gezeigt.

Chronologie des VW-Abgasskandals

25. August 2017: Im VW-Dieselskandal verurteilt ein US-Bundesrichter einen VW-Konzerningenieur zu drei Jahren und vier Monaten Haft sowie zu einer Geldstrafe von umgerechnet 168.000 Euro.

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Nach langem Ringen einigte sich die VW-Spitze im vorigen Jahr darauf, dass 30 Prozent der variablen Bezüge zunächst einbehalten und so behandelt werden, als wären es Aktien. Nach Ablauf von drei Jahren wird dann geprüft, wie sich der Kurs entwickelt hat. Liegt dieser um ein Viertel über dem Ausgangsniveau, wird das Geld ausgezahlt. Dass Winterkorns regulärer Vertrag bis Dezember 2016 weitergelaufen ist, hatte schon 2015 für Empörung bei Kritikern des Konzerns gesorgt.
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"Keines Fehlverhaltens bewusst"

Winterkorn hatte am 23. September 2015 die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren in den USA übernommen und war als Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns zurückgetreten – auch wenn er sich nach eigener Aussage keines Fehlverhaltens bewusst war. Der langjährige VW-Patriarch hatte bis zuletzt um seinen Posten gekämpft, zuletzt aber die Rückendeckung im Aufsichtsratspräsidium verloren.

Mit diesen Worten trat Winterkorn zurück: "Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.  Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin. Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei. Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben. Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

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