Volkswagen in Genf 2009

Volkswagen in Genf 2009

— 02.03.2009

Mit Pink und Polo gegen die Krise

Die Branche schwächelt, VW geht in die Vollen. Stargäste beim Enthüllungs-Event vorm ersten Pressetag: VW Polo, Skoda Yeti, Audi A4 allroad, Bentley Supersports, Lamborghini Murciélago LP 670-4. Und Superstar Pink.

Dramatisches Weiß und kühles Blau sind die Farben der Wahl, wenn bei Volkswagen neue Fahrzeuge auf den Tisch kommen. Das war auf der Paris Motor Show 2008 der Fall und ist auch auf dem Genfer Salon 2009 nicht anders. Das soll modern, sauber und auch ein wenig bodenständig wirken – ganz so wie die Autos, die man bei Volkswagen und allen zum Konzern gehörenden Marken zu bauen pflegt. Na gut. Bei fast allen. Lamborghini, Bentley und Bugatti fallen, zugegeben, aus dem Wolfsburger Rahmen. Die hatten an diesem Messe-Vorabend aber auch nicht den absoluten Star der Veranstaltung am Start: den neuen VW Polo. Der Pragmatiker geht 2009 in seine fünfte Generation. Imposanter und vielseitiger, als je ein Polo vor ihm an den Start ging. Überraschungen? Keine. Mal abgesehen davon, dass der kleine VW optisch dem neuen Golf fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist – und dessen erste Generation in Sachen Abmessungen inzwischen längst in die Tasche steckt.

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Bevor der Wolfsburger Hoffnungsträger allerdings in den weiß ausstaffierten Espace Sécheron rollen durfte, krabbelte der erste grüne Star des Konzerns ins Scheinwerferlicht: der Skoda Yeti. An der Seite von Skoda-Chef Reinhard Jung durfte der neue Wildfang erstmals ungetarnt an die Luft. Hochbeinig, mit markanter Nase ­– und mit Allradantrieb. Davon wollte bei Skoda bislang niemand etwas wissen. Die Kraft für alle vier Räder wird allerdings Aufpreis kosten. 105 PS werden den frontgetriebenen Basis-Bergmenschen über Stock und Stein zerren, im Top-Modell knurren 170 Diesel-PS. Auto rein, ein paar schnelle Worte. Fertig. Mehr bekam an diesem Abend keine der acht Weltpremieren zugestanden. Auch nicht der Bugatti Veyron Bleu Centenaire – das Sondermodell zum 100-jährigen Firmenjubiläum. Blau, wie der Name schon sagt. Und eine den Zeiten angepasste Sonderserie, bestehend aus diesem Einzelstück. Für das laut Bugatti schon diverse Anfragen vorliegen.

2,3 Kilo pro PS: Mehr muss der neue LP 670-4 SV nicht schleppen

Auch Audi-Chef Rupert Stadler musste sich sputen, um alle Informationen zum neuen Audi A4 allroad in seine wenige Minuten Redezeit zu packen. Nicht viel besser erging es Bentley-Boss Franz-Josef Paefgen, der mit dem Supersports den schnellsten Bentley aller Zeiten am Start hatte. Thema Geschwindigkeit: Dazu hatte auch Stephan Winkelmann, der stets elegante Chef von Audi-Tochter Lamborghini, einen rassigen Kurzbeitrag vorbereitet. Den Lamborghini Murciélago LP 670-4 SV. Ein Name wie Donnerhall. Nicht ohne Grund. Die knallgelbe Sünde auf vier dicken Walzen ist 30 PS stärker als ein klassischer Murciélago – dabei aber 100 Kilo leichter. Und entsprechend schneller. 3,2 Sekunden braucht der Lambo um auf 100 km/h zu stürmen. Kein Wunder. Jedes PS das V12 muss lediglich 2,3 Kilo schleppen.

Die nächsten 90 Sekunden gehörten Stephan Schaller, dem VW-Mann für die Nutzfahrzeuge. Er rollte im Caddy 4Motion auf die Bühne – dem braven Alles-Transporter für Kundenbesuche abseits befestigter Straßen. Seat-Chef Erich Schmitt hatte den Seat Exeo ST im Gepäck, mit dem die Spanier bewährte Audi-Kombi-Klamotten auftragen und auf bessere Zeiten hoffen. Solide Audi-Technik zum Seat-Preis. So verkehrt kann diese Idee nicht sein. Sagt's und rollt schon wieder ins Off – allerdings nur, um dem neuen VW Polo den passenden Auftritt zu verschaffen. Der fährt mit VW-Entwicklungschef Dr. Ulrich Hackenberg am Steuer vor und hält, was wir uns alle von ihm versprochen haben.

Wie erwartet: Der neue VW Polo ist ein kleiner VW Golf

Ein kleiner Golf. Nicht mehr und nicht weniger. Oder um es mit Ulrich Hackenberg zu sagen: "Keine Spielereien. Pur Polo!". Die Produktion des "Kleinen", mit dem die Wolfsburger der Krise ein Schnäppchen schlagen wollen, startet Ende März 2009 mit dem Fünftürer, die Markteinführung ist Ende Juli vorgesehen. Fünf neue Motoren sollen nach und nach unter der knackig-kurzen Polo-Haube Einzug halten und natürlich ist Hackenberg sich sicher, dass der Polo fünf Sterne beim Euro-NCAP-Crashtest abräumen wird. Besser also als der Vorgänger. Aber nicht teurer, wie man bei VW betont. 12.150 Euro wird der Basis-Polo kosten. Das ist ein Wort. Mal sehen, was alles drin steckt in der kleinen Wunder-Kiste.

Acht Weltneuheiten in 30 Minuten. Das soll den Wolfsburgern erst mal jemand nachmachen. Die Eile ist allerdings schnell erklärt. Es galt Zeit zu schinden. Für VW-Chef Martin Winterkorn, der in seiner Rede das Durchhaltevermögen des Automobils pries ("Die besten Zeiten kommen erst noch"). Und für US-Superstar Pink, die nicht nur die Musik zur neuen Polo-Werbung beisteuern wird, sondern auch drei weitere Hits in der Genfer Industrie-Halle schmetterte, in der bislang immer die AUTO BILD-Trophäe AUTO1 verliehen wurde. So lasse ich mir die Krise gefallen.

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