Volvo 850 (1991-1996)

— 25.02.2002

Eine sichere Bank

Solide, zuverlässig, vertrauensvoll - ein gebrauchter Volvo 850 ist fast eine Kapital-Lebensversicherung auf Rädern.



Karosserie und Motor

Familien träumen vom Volvo 850, denn der ist geräumig, solide, zuverlässig. Mit anderen Worten: Der Schweden-Panzer ist so sicher wie eine Bank. Allerdings räubert die Anschaffung schnell das Haushaltskonto leer – besonders der Kombi wird gebraucht weit über Schwacke-Preis gehandelt.

Wer acht Jahre Garantie gegen Durchrostung gewährt, hat vor der braunen Pest keine Angst. Zu Recht, wie der TÜV-Report bestätigt. Selbst der Auspuff gilt als standfest, obwohl bei unserem 93er die Falze schon stark korrodiert waren. Zweiter Pluspunkt der Karosserie: Sie bietet mit Seitenairbags und Seitenaufprall-Schutzsystem SIPS ein Höchstmaß an Insassenschutz. Das bewies der Volvo im Auto Bild-Seitencrash-Test (Heft 4/95) gegen seine Konkurrenten Toyota Carina und Mercedes C 180.

Vertrauenswürdig sind auch die robusten Fünfzylindermotoren im 850er – bis auf zwei Schwächen: Bis Modelljahr 93 rissen gelegentlich die Zahnriemen, und undichte Kühlwasserschläuche führen zu heißen Köpfen. Ansonsten marschieren aber vor allem die 140-, 170- und 225-PS-Maschinen munter voran, gönnen sich aber auch im Schnitt satte zwölf Liter Sprit. Sparsam ist nur der vom alten Audi A6 implantierte TDI mit 140 PS, der dafür etwas lauter läuft. Weniger empfehlenwert sind der Zweiliter mit 126 PS, der mit dem rollenden Schwedenstahl eher seine Mühe hat, und der 250 Turbo-PS starke, benzinvernichtende 850 R.

Inneraum und Fahrwerk

"Reisen statt rasen" paßt auch viel besser zum Familien-Kombi. Dazu gehören Rundum-Komfort mit Klimaautomatik und Sitzheizung sowie die wintergerechte Serienausstattung mit Scheinwerferwaschanlage und beheizbaren Spiegeln wie bei unserem Testwagen. Die breiten Sitze sind auch nach 60000 km noch straff, die Verarbeitung ist auf hohem Niveau – da klappert nichts, und alles paßt einwandfrei zusammen.

Ein besonderes Lob hat sich Volvo mit dem Kindersitz verdient, der auf Wunsch in der Mittelarmlehne integriert ist. Sicherheit auf allen Plätzen, das gilt auch in puncto Fahrverhalten. Der 850er läuft stabil, fast schon stur geradeaus. Dabei kennt der vollbeladen zwei Tonnen schwere Fronttriebler keine bösen Lastwechselreaktionen und fährt sich leicht untersteuernd. Die Lenkung ist präzise, und die gut dosierbare Bremse wird durch serienmäßiges ABS unterstützt.

Ein Wunderwerk also? Nicht ganz, zwei konstruktive Schwächen leistet sich der beliebte Schwede. Dazu zählt das Heckklappenschloß, das bei geöffneter Klappe weit vorsteht – Verletzungsrisiko – und gerne mal kaputtgeht. Und zum anderen ärgern sich nicht nur Auto Bild-Lesertester über Schaltprobleme. Ein kleines Übel, meist muß in der Werkstatt nur die Kupplung neu justiert werden.

Insgesamt ist der Volvo 850 ein solides Familienauto, leider nicht zum Familienpreis. Auf dem Markt stehen fast nur jüngere und damit teure Kombis oder die wenig geliebten Stufenhecks. Trotzdem empfiehlt es sich, auch bei teureren Youngtimern zuzugreifen. Denn bei dem geringen Wertverlust ist der 850er auf jeden Fall eine gute Kapitalanlage.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 6/91 Neueinführung der 850er-Reihe; nur als Limousine GLT, erstmals mit Fünfzylinder (2,4 Liter/170 PS) und Frontantrieb • 9/92 zweite Version: GLE, gleicher Motor, aber mit 140 PS3/93 Kombi-Modell (GLE/GLT) zum gleichen Preis wie die Limousine • 9/93 neues Topmodell T-5-Fünfzylinder (2,3 Liter) mit 225 PS • 2/94 überholter Fünfzylinder: 2.5-10V/140 PS und 2.5-20V/170 PS • 11/94 neuer Zweiliter-Fünfzylinder mit 126 PS als Einstiegsmodell • 12/95 einzige Diesel-Offerte: 2,5-Liter-TDI von Audi mit 140 PS • 4/96 Topmodell 850 R – auf 250 PS gesteigerter T-5-Motor • 12/96 Facelift, Namenswechsel auf S70 (Limousine) beziehungsweise V70 (Kombi).

Schwachstellen • Kühlwasserschläuche werden gelegentlich undicht, kapitale Motorschäden können die Folge sein – auf Wassertropfen unterm Wagen achten und kontrollieren, ob an den Schläuchen schon mal gearbeitet wurde • Zahnriemen reißen vereinzelt – ab Baujahr 93 führte Volvo breitere Riemen ein • Auspuffkrümmer werden undicht – auch die Flansche sind anfällig • defekte Lichtmaschinen • Windschutzscheibe mit Spannungsrissen ist eine Kinderkrankheit – bei den betroffenen 91/92er Modellen wurde kulant ausgetauscht

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Volvo 850 GLT, 125 kW/170 PS, Baujahr 1993. Volvo-Fahrer müssen mit Reparaturpreisen auf Mercedes-Niveau rechnen – aber eine Auspuffanlage gibt es selbst in der Luxus-Klasse preiswerter.

Preise für ErsatzteileVolvo 850
Kotflügel vorn unlackiert
670 Mark
Scheinwerfer komplett
350 Mark
Bremsscheiben vorn
600 Mark
Bremsklotzsatz vorn
320 Mark
Motor ohne Anbauteile
8400 Mark
Getriebe (AT)
2160 Mark
Lichtmaschine (AT)
740 Mark
Anlasser (AT)
630 Mark
Wasserpumpe
400 Mark
Auspuff ohne Kat
3010 Mark

Fazit und Urteil

Fazit Wer einen Volvo 850 kauft, fährt auf der sicheren Seite. Denn der Schwede ist sehr zuverlässig, bietet einen hohen Sicherheitsstandard und meistert Hauptuntersuchungen in der Regel ohne Probleme. Ärger gab es nur in den Jahren 91/92 durch Spannungsrisse in der zu dünnen Windschutzscheibe. Ansonsten ist vor allem auf Kleinigkeiten zu achten. Dazu gehören undichte Kühlwasserschläuche, defekte Wegfahrsperren und streikende Kraftstoffpumpen. Vereinzelte Schwierigkeiten mit gerissenen Zahnriemen wurden ab 93 durch breitere Riemen beseitigt. Motormäßig empfiehlt sich der sparsame, aber laute 140-PS-TDI von Audi oder der kraftvolle Turbo-Fünfzylinder im T-5.

AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert

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