Volvo Bv 202: Fahrbericht

Volvo Bv 202: Fahrbericht

— 29.05.2012

Schwimmender Tausendfüßler

Wo Mercedes G, Land Rover Defender und Co an ihre Grenzen stoßen, fährt einer weiter, der Volvo Bv 202. Redakteur Lars Hänsch war mit dem Extrem-Klettertier unterwegs.

Tausendfüßler. Wer hat ihnen als Kind nicht fasziniert zugesehen? Diese Tiere, die an allem hochklettern können, die extreme Kanten überwinden und selbst dann noch vorankommen, wenn ihre vorderen Füße schon nicht mehr den Boden berühren. Gibt es nur in der Natur? Nein, auch bei Volvo. Das Gerät hört auf den Namen Bandvagn 202 und sollte auf der Wunschliste jedes Offroaders ganz oben stehen. Denn der Bv 202 fährt genau dort weiter, wo normale Geländewagen an ihre Grenzen stoßen. Zum Beispiel an einer hüfthohen, senkrechten Stufe im Waldboden. Jeder Jeep streicht hier die Segel, weil er aufsetzen würde. Der Bandvagn (dt. "Bandwagen") zieht sich erst mit seinen vorderen Laufbändern hoch, schiebt, als die in der Luft hängen, mit den hinteren Bändern nach und ist in null komma nix oben. Bis zu 1,1 Meter darf so eine Stufe hoch sein. Das schafft ansonsten nur ein Leopard-Panzer.

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Video: Volvo Bandvagn 202

Tausendfüßler von Volvo

Gleiches Spiel im tiefen Schlamm. Der vorausfahrende Wrangler versackt, der Bandvagn rattert gemütlich dran vorbei. Grund: Der Schwede verteilt sein Gewicht auf seine gesamte Länge statt auf auf vier einzelne Punkte und übt deshalb trotz seines Gewichts von 3,2 Tonnen pro Quadratzentimeter weniger Druck auf den Boden aus als ein erwachsener Mann. Das macht ihn nicht nur im Morast zum idealen Transportmittel. Die coolste Eigenschaft des Bandvagn liegt aber noch woanders. Er ist voll schwimmfähig! Kein Ausloten der Wassertiefe per Stock oder eingeweichtem Hosenbein, kein ums Gewässer herumfahren. Dritten Gang rein, Fuß aufs Gas und Lenkrad festhalten. Das ist alles. Der Vagn macht den Rest. Fühlt sich beim ersten Mal komisch an, besonders wenn die Bugwelle über die Haube schwappt. Kann aber nichts passieren. Die Fuhre findet sekundenschnell ihr Gleichgewicht und tuckert dann wie ein altes Fährboot dahin. Dem Vortrieb der Laufbänder sei Dank.

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Lenkbremshebel wie beim Panzer? Fehlanzeige. Der Bv 202 fährt sich (fast) wie ein Pkw. Eng ist es dafür hinter dem Lenkrad.

©C. Bittmann

Wichtig ist nur eins: Genug Gas geben, sobald die Bänder wieder Boden zu fassen bekommen, sonst säuft der Motor ab und aus dem Anlanden wird nichts. Die Bedienung des Bandvagn ist kinderleicht. Lenkbremshebel wie beim Panzer sucht man vergebens. Lenkrad, Schalthebel, die drei bekannten Pedale, Tacho, Drehzahlmesser, alles wie im Pkw. Und fast so fährt sich der alte Schwede auch. Nur einen kleinen Unterschied gibt es: Das Lenkrad dreht sich nach dem Einschlagen nicht von selbst in die Ausgangsposition zurück. Das liegt daran, dass es anstelle von Rädern das hydraulische Gelenk zwischen den beiden Fahrzeugteilen ansteuert. Und das "lenkt" den Bandvagn dadurch, dass es die Stellung von Vorderwagen und Hinterwagen zueinander verändert. Braucht ein wenig Gewöhnung, macht aber spätestens dann Spaß, wenn man merkt, wie wendig der Vagn ist. 14 Meter Wendekreis (VW Golf VI: elf Meter), damit schlüpft man auch durch richtig schmale Hohlwege ganz entspannt hindurch. Und sogar Wald kann einen nicht wirklich schrecken.

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Der Bv 202 ist ein zuverlässiger Begleiter, den so gut wie nichts aufhält. Das muss er auch sein. Er wurde schließlich Anfang der 1960er Jahre für die schwedische Armee entwickelt. Aufgabe: zehn Mann, Fahrer und Kommandant vorne, acht Personen im hinteren Teil, und Material transportieren, gerne auch im Tiefschnee und bei bis zu minus 40 Grad. Zuverlässig ist deshalb auch die Technik. Unter der Haube versieht entweder ein 1,8-Liter- (91 PS) oder ein 2-Liter-Benziner (98 PS) aus dem Volvo Amazon seinen Dienst. Mit denen ist der Bandvagn zwar nicht schnell (39 km/h Spitze), dafür sind die Maschinen aber praktisch unkaputtbar. Und, 400 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung sind ohne weiteres drin. Was soviel Spaß kostet? Knapp 10.000 Euro. Das hat der Besitzer unseres "Fotovagns" für sein Schätzchen bezahlt –eine deutsche Zulassung ist übrigens möglich – oder 170 Euro. Das verlangt der Offroad-Park Fursten Forest in der Nähe von Osnabrück für eine Stunde im Bandvagn mitfahren – für neun Personen.
Lars Hänsch-Petersen

Fazit

Ausprobieren! Egal was für ein Hindernis sich dem Bandvagn in den Weg stellt, er klettert einfach drüber oder wühlt sich durch. Dieses Gerät braucht keine Straße und keinen Weg, sondern eine Richtung. Vatertagsausflug? Junggesellenabschied? Vergessen Sie Bierbike und Co, fahren Sie Bandvagn.

Fotos: C. Bittmann

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