Volvo 245 DL

Volvo: Pro und Kontra

— 27.10.2010

Klare Kanten, weicher Kern

Wofür steht Volvo? Was müssen die Schweden haben, damit sie ankommen? Es geht um Tradition und Moderne, um Kanten und Kultur. Und darum, wie viel Weiterentwicklung ein Kultobjekt verträgt.

"Das Beste an alten Volvo war das Image ihrer Fahrer", findet Joachim Staat.

"Volvo baut nicht mehr die kantigen Originale von früher" – immer die alte Leier, ich höre sie auch von anderen Marken. Jaja, der Stern hat seinen alten Glanz verloren, VW fehlt bis heute der Käfer, und bei Porsche waren ohnehin nur die Luftgekühlten die wahren Elfer. Alles nostalgisches Gejammer von jenen Stehengebliebenen, die sich so gern als Gralshüter der Mär vom dickeren Stahl aufplustern.

Nichts an alten Volvo war trendy

Redakteur Joachim Staat.

Sollen sie doch Vinyl-Schallplatten hören, wässriges TRI TOP trinken und im kantigen Volvo 142 von der Zeit träumen, als dessen Geradlinigkeit nicht trendy war, sondern nur einfallslos. Das Beste an alten Volvo war das Gutmenschen-Image ihrer Fahrer. Die bittere Wahrheit lautet: Auch der Volvo 245 war ein überteuerter, technisch rückständiger Kasten (mit Starrachse!), der seine größten Erfolge in den USA feierte, wo der gute Autogeschmack nicht gerade auf Bäumen wächst. Eine Marke für schrullige Exzentriker. Hätte Volvo so weitergemacht, wären die Schweden schon Anfang der Neunziger pleitegegangen. Stattdessen kultivierten sie ihre Exotik zum Stil, weichten seit dem 850 ihre harten Kanten auf und sicherten ihre Daseinsberechtigung. Die Welt wäre ärmer ohne das SUV XC60, ohne den gläsernen C30 und, ja, auch ohne den ewigen Kombi, den V70. Klar, Volvo ist nicht mehr das, was es mal war, aber das gilt für jede Marke und für jeden von uns. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Um Volvo wär's schade.

Redakteur Christian Steiger.

"Volvo waren mal einzigartig – klare Kante, weicher Kern", sagt Christian Steiger.

Ich sage nur eine Zahl: 245. Genau: Das ist die Mutter aller Kombis, ein kantiger Kasten, der heute selbst als Grotte noch teuer ist, weil die Fans jeden kaufen, den sie finden. Schon deshalb, weil es nie einen würdigen Nachfolger gab. Damit wir uns richtig verstehen: Ich will heute keinen Volvo 245 mehr haben. Aber mir fehlt ein neues Auto mit dem starken Charakter der alten Volvo. Eines mit Hinterradantrieb, Tresor-Verarbeitung und verblüffend kleiner Zahl auf dem Preisschild. Eines, das nicht eitel und doch alterslos ist. Einen Kombi, der zwei Kühlschränke schluckt, der sich im Schlaf bedienen lässt, der funktioniert wie ein gutes Werkzeug und trotzdem das coolste, klassenloseste Auto in der Straße ist. Volvo hat mir dieses Auto nicht gebaut. Deshalb fahren viele Volvisti von damals heute Skoda.

Das Volvo-Gefühl ist weg

Skoda – das ist diese Ost-Marke, die wir vor 20 Jahren aus blöden Witzen kannten und die 2009 doppelt so viele Autos absetzte wie Volvo. Okay, auch nur VW-Technik, aber besser als ein aufgebrezelter Mitsubishi, wie ihn Volvo mit der 40er-Serie anbot. Ohne Erfolg: Beliebigkeit verkauft sich schlecht. Sicher, wenn ich einen V70 fahre, dann spüre ich Reste des alten Volvo-Gefühls. Aber was will mir ein knapp geschnittener Lifestyle-Kombi wie der neue V60 sagen? Oder ein C30, dieser pummelige Wiedergänger des Schneewittchensargs? Und was soll ich mit einem XC60, wo ein Tiguan alles besser kann? Volvo waren einzigartig: klare Kante, weicher Kern. Vorbei. Ja, Kollege: schade drum.

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