Volvo S60 Polestar: Kleinserie

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Volvo S60 Polestar (2016) im Test: Fahrbericht

— 31.08.2016

Werkstuning auf Schwedisch

Mit Polestar hat auch Volvo einen Werkstuner am Start. Das neueste Projekt ist der 367 PS starke Volvo S60 Polestar. Fahrbericht!

Volvo und Sportlichkeit, das war bisher eine Gleichung, die nicht unbedingt aufging. Mit dem S60 Polestar zeigen die Schweden, dass sie auch die Querdynamik beherrschen.
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Vor genau 20 Jahren schlossen Volvo und der Göteborger Tuner "Polestar" eine Allianz. Zunächst ging es nur um die Motorsport-Aktivitäten des schwedischen Autobauers. Tuning und Anbauteile für Serienmodelle da schüttelte man in der Konzernzentrale lange lächelnd den Kopf und meinte "nicht für uns". Doch die Zeiten ändern sich, auch wenn in Schweden die Uhren langsamer zu gehen scheinen: Im Jahr 2009 peppte Polestar die ersten Volvo-Serienmodelle auf. 2015 folgten die Skandinavier den Beispielen von Mercedes-AMG sowie BMW M und übernahmen den Haustuner zu hundert Prozent. Das Ziel ist klar: Sportliche Modelle verkaufen sich gut, also will auch Volvo von diesem lukrativen Kuchen ein möglichst großes Stück abhaben.

Volvo-Zukunft bis 2019

Volvo XC60 Illustration

Polestar: Tuning alter Schule

Den Anfang machen die beiden 60er Modelle. Wir haben uns zum Test die Stufenheck-Limousine S60 unter den Nagel gerissen. Mit dem auffälligen Heckspoiler und den 20-Zoll-Walzen sieht der Schwede richtig verwegen aus. Fast wie ein Birkenstockträger, der bei einem Rock-Konzert die Latschen wegkickt und barfuß zu den harten Rhythmen ausflippt. Aus dem bekannten Zwei-Liter-Vierzylinder kitzelt der Tuner 367 PS. Im Vergleich zum Basis-Motor schafften die Ingenieure die Leistungssteigerung um 61 PS, indem sie einen größeren Turbolader installierten, garniert mit neuen Pleuel und schärferen Nockenwellen. Gute alte Tuning-Kniffe also. Dass ganz nebenbei das Drehmoment auf 470 Newtonmeter (+ 70 Nm) steigt, nimmt man erfreut zur Kenntnis. Der Klang des aufgepumpten Triebwerks enttäuscht nicht: Dank der Klappenauspuff-Anlage knurrt das Aggregat sonor-sägend frech, aber nie präpotent grölend.

Unter fünf Sekunden auf 100 km/h

Der Motor ist trist verpackt, leistet aber 367 PS und ist damit genau so stark wie ein Mercedes-AMG C 43.

Die Kombination aus Kompressor und Turbolader hilft auch beim Antritt. Im Zusammenspiel mit der Achtgang-Automatik kommt der Volvo S60 gut aus den Startlöchern und lässt auch nach oben heraus nicht nach. Schließlich wird die volle PS-Kraft erst bei 6000 Umdrehungen erreicht. Diese Jubelfreude ist ein angenehmer Kontrast zu den Turbo-Punchern. Die Fahrleistungen sind dementsprechend: Nach 4,7 Sekunden erreicht der sprintende Polarstern Landstraßen-Tempo und glüht weiter bis 250 km/h. Der Normverbrauch von 7,8 Litern pro 100 Kilometer geht angesichts der Leistung in Ordnung.

Lenkung ist straff und präzise

Beim Anvisieren der Kurven hilft die elektromechanische Lenkung, die straff und ausreichend präzise ist, aber etwas mehr Rückmeldung geben könnte. Trotz seines durchaus stattlichen Gewichts von 1751 Kilogramm pfeift der Schwede flott um die Ecken. Ganz gelingt es der Technik nicht, den Hüftspeck zu kaschieren. In engen Kurven kündigt ein leichtes Schieben über die Vorderräder höflich das Ende der Traktion an. Der Allradantrieb sorgt im Zusammenspiel mit einem elektronisch angesteuerten mechanischen Sperrdifferenzial und Torque-Vectoring, das mit Bremseingriffen realisiert wird, für eine Agilität mit munterem Heck. Und das, obwohl beim dynamischen Fahren die Kraft paritätisch auf beide Achsen verteilt wird. Im Normalfall haben die Vorderräder das Kommando. Die mechanischen Dämpfer machen den S60 Polestar zwar spürbar straffer als das Serien-Pendant, aber nicht ungemütlich.

Volvo S60 Concept von Polestar

Volvo S60 Concept von Polestar Volvo S60 Concept von Polestar Volvo S60 Concept von Polestar

Den Sport-plus-Modus gibt es nur mit Cheat

Den Sport-plus-Modus einzulegen ist nicht einfach und erfordert etwas Übung.

Wenn man den Sport oder sogar Sport-plus-Modus aktiviert, gibt der Schweden-Athlet alles, dann ist die Lenkung noch straffer, die Gasannahme direkter und die Schaltung schneller. Dass der Gang in Kurven gehalten wird, hilft beim Herausbeschleunigen. Um den Sport-plus-Modus freizuschalten, ist eine Kombination von zweimaligen Ganghebel nach vorne schnalzen und Schaltpaddel ziehen nötig. Die umständliche Prozedur erinnert ein bisschen an die Eingabe eines Cheat bei einem Video-Spiel. Der Eindruck kommt der Wahrheit sehr nahe, denn dieses Detail war ursprünglich nicht für die Serie vorgesehen und wurde erst nachträglich freigeschaltet. Danke Volvo.

Teurer als ein Mercedes-AMG C 43

Bei so viel Licht gibt es auch ein wenig Schatten. Das Interieur ist sichtbar in die Jahre gekommen, was man auch an dem kleinen Monitor erkennt. Zu viel Hartplastik und wenig wertige Hebel stören den guten Gesamteindruck. Auch die Spaltmaße der Mittelkonsole stimmen nicht zu hundert Prozent. Die Sitzposition ist eine Idee zu hoch und die bequemen Sportsitze bieten um die Schultern herum wenig Seitenhalt. Hinten ist genug Platz. Dass die Ladekante hoch ist, lässt sich noch verschmerzen, nicht aber, dass der untere Teil der Hutablage nicht verkleidet ist. Legt man die Lehnen der Rückbank um, wächst das Kofferraumvolumen immerhin von 388 auf 1241 Liter. Trotz der guten Ausstattung ist der Preis durchaus ambitioniert: Unter 68.000 Euro geht beim Volvo S60 Polestar nichts. Zum Vergleich: Eine schlechter ausgestattete Mercedes-AMG C43 Limousine mit ebenfalls 367 PS kostet 60.065 Euro.

Volvo S60 Polestar

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Autor: Wolfgang Gomoll

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