Volvo V70 (1996-2000)

Volvo V70 (1996-2000) Volvo V70 (1996-2000)

Volvo V70 (1996-2000)

— 25.02.2002

Wehleidiger Wikinger

Schwedenstahl gilt als stabil, sicher und zuverlässig. Vor allem, wenn er in Volvo-Form gepresst wird. Mit dem V70 bekommt das solide Eisen allerdings ein paar Dellen.

Karosserie und Verarbeitung

Volvo wird gerne als Mercedes Skandinaviens bezeichnet. Und tatsächlich gibt es Parallelen zwischen beiden Herstellern. Auch negative. Denn so solide und aus dem Vollen gefräst wie einst sind heute weder die Autos von Mercedes noch von Volvo. So fanden wir beim Volvo V70 unter der harten Schale auch schwache Stellen.

Im Grunde handelt es sich beim V70 bis Baujahr 2000 um den alten Volvo 850. Dem spendierten die Schweden 11/96 eine Modellpflege und machten ihn zur 70er-Serie - mit V für den Kombi und S für die Limousine (englisch Sedan). Da das Stufenheck fast keine Rolle als Gebrauchtwagen spielt, gilt unser Augenmerk dem Kombi. Bei dem finden sich die Schwächen des Vorgängers - und noch ein paar mehr. Zum Beispiel der Kühlwasserverlust. Am 97er Testmodell war nur noch ein Minimum im Ausgleichsbehälter. Wo das Nass entwich. bleibt offen. Doch meist sind die Schläuche undicht. Nicht unkritisch sind auch seit eh und je die Auspuffkrümmer der Fünfzylinder-Benziner: Sie können reißen, werden undicht. Und Reparaturen sind bei Volvo kein billiger Spaß, auch nicht an anderer Stelle. Da sind abgerutschte Turboladerschläuche vor allem beim Baujahr 98 noch Kleinigkeiten. Teurer werden schon defekte Lichtmaschinen gleichen Alters.

Ob die Generatoren auch für die flauen TÜV-Werte im Kapitel Beleuchtung verantwortlich sind? Warum gehen so oft die Lampen aus? Bei Vielfahrer-Volvos sind häufig nur Steinschläge im Scheinwerfer schuld. Das gilt natürlich nicht für die üppigen Rückleuchten in der C-Säule. Und defekte Heckklappenschlösser sind wie beim 850-Vorgänger offenbar ein konstruktionsbedingtes Übel. Aber Volvo hätte im Verkauf nicht so viel Erfolg gehabt, wenn es nicht auch starke Argumente für die 70er-Modelle gäbe. Dazu zählen perfekte Rostvorsorge, solide Bremswirkung und zähe Auspuffanlagen. Hier bewies das Testauto mit 77.000 Kilometern wie erwartet die Standfestigkeit eines Schweden bei mittsommerlichen Feierstunden.

Motor und Marktlage

Auch Klappern gehört beim Volvo nicht zum Handwerk, und die Türen schließen nach wie vor satt. So viel Robustheit wünschten wir uns auch für die Radaufhängungen, die beim V70 schon mal ausgeschlagen sein können. Wenig verschleißfest sollen auch die Bremsscheiben sein, monieren die AUTO BILD-Kummerkastenschreiber. Doch das kann am Fahrstil liegen. Denn bis zu 265 PS sind die Kombis stark. Das sorgt für rasanten Antritt und erfordert enorme Bremskraft bei zwei Tonnen Gesamtgewicht. Das kostet Bremse und Sprit. Faustregel: Die Basis mit 126-PS-Motor braucht mindestens zehn Liter, jede PS-Klasse darüber jeweils einen Liter mehr.

Keine große Rolle spielt der Bi-Fuel mit bivalentem Antrieb: Methangas/Benzin. Der von Audi importierte TDI begnügt sich zwar mit acht Litern, läuft aber unkultiviert und klingt ruppig wie ein alter Wikingerhäuptling bei der Beuteverteilung. Davon passt bei umgelegter Rückbank reichlich in den Kombi: 1610 Liter. Sonst sind es immerhin 470 Liter. In puncto Zuladung ist der große Schwede aber ganz klein: nur 436 Kilo, mickrigster Wert im AUTO-BILD-Kombivergleich von 1999.

Am Ende musste sich der V70 aber nur dem T-Modell der Mercedes E-Klasse geschlagen geben. So was spricht sich rum und hält die Preise am Markt stabil. Unter 25.000 Mark läuft nichts, bis 30.000 Mark finden sich das 144-PS-Modell sowie die schwächere 126-PS-Version. Diesel gibt es ab 30.000 Mark, sind so teuer wie Spitzenmodelle mit 193 bis 250 PS gleichen Alters. Viele kleine Schwächen und trotzdem teuer? Liegt die Wehleidigkeit vielleicht doch eher auf Seiten der Käufer, die tiefer in die Tasche greifen müssen?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/91 Einführung des Volvo 850 als Limousine, Kombi folgt 3/93 11/96 große Modellpflege und Umbenennung in V70 für den Kombi und S70 für die Limousine. Benziner mit 126 bis 240 PS, ein Diesel mit 140 PS (TDI). Basismodell ab 49.300 Mark. Allradversion AWD (perm.) mit 193 PS (2.5) ab 66.200 Mark 5/97 Modell Bi-Fuel für Benzin/Gasbetrieb (2.5/144 PS) für 57.500 Mark. Zweites Allradmodell V70 R AWD mit 250 PS (2.4) 5/99 Topmotorisierung: V70 R mit 265 PS (2.4) für 95.640 Mark 1/00 Modellwechsel: gleicher Name, aber Plattform vom S80

Schwachstellen • Leerlaufsteller der Benziner (Foto rechts) funktionieren nicht immer einwandfrei und sorgen dann für unregelmäßigen Leerlauf • Bremsscheiben sind besonders bei Langstrecklern schnell abgenutzt, Verschleißfolgen des hohen Gewichts gepaart mit viel Kraft • Kühlwasserschläuche werden gelegentlich undicht. Eine Krankheit, die schon beim 850 bekannt war und Kühlwasserverluste erklärt • Fensterheber bereiten öfters Ärger. Natürlich nur die elektrischen • Öldeckel lassen sich auch überdrehen. Das bedeutet Risse. Dann fliegen die Deckel irgendwann bei voller Fahrt davon, und das gute Motoröl spritzt umher. Im günstigsten Fall warnt dann die Temperaturanzeige

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Volvo V70 2.5 TDI, 103 kW/140 PS, Bj. 97. Für Sparpreise war Volvo nie bekannt, Oberklasse-Niveau ist schnell erreicht. Besonders Aggregate wie Lichtmaschine und Anlasser gehen richtig ins Geld.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Volvo-Kombi gilt als solides Modell. Zu Recht, denn sowohl beim V70 wie bei seinem technischen Vorgänger 850 geben Blech und Auspuffanlage nur selten Anlass zur Kritik. Zwei Schwachstellen enlarvt die Statistik dennoch: die vorderen Scheinwerfer und die Verbundlenkerachse hinten. Steinschläge in den Streuscheiben bei zügiger Autobahnfahrt und satte Zuladungen fordern Ihren Tribut und fallen schon bei der ersten TÜV-Prüfung auf." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Volvo V70 2.5 TDI (106 kW/140 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 725 Mark im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 6,6 Liter, gemessen 8,1 Liter Diesel Versicherung: Vollkasko (24/1000 Mark SB): 2852 Mark. Teilkasko (34/300 Mark SB): 675 Mark. Haftpflicht (20): 2163 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 500 bis 700 Mark Wertverlust: Vierjährige verlieren weniger als 50 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 3000 bis 3500 Mark Verlust

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