Volvo V90 (1996-1998)

Gebrauchtwagen Volvo V90 Gebrauchtwagen Volvo V90

Volvo V90 (1996-1998)

— 05.06.2002

Das letzte Schweden-Schiff

Kantig, kräftig, kultig: Der Volvo V90 ist für viele der letzte echte Volvo Kombi und gilt als Gebrauchtwagen-Tipp.

Mit jeder Automarke sind Vorstellungen verbunden. Volkswagen stand mal für günstige Preise, Citroën für Avantgarde und Volvo für kantiges Styling mit der Sicherheit aus Schwedenstahl. Die Zeiten ändern sich. Aus Wolfsburg rollen Luxus-Autos, Citroën verkauft überwiegend Vernunft auf Rädern, und Volvo baut mittlerweile schnittige Wagen, die ebenso aus München kommen könnten. Für Fans ist der V90 deshalb der letzte echte Volvo. Ein Heck mit Eck, die Stahlhaut dick wie die einer Ostsee-Fähre. Allerdings verkehrt das 4,86 Meter lange Schweden-Schiff zuverlässiger. In der Mängelstatistik des TÜV liegt der V90 in allen Jahrgängen stets im ersten Viertel.

Bei den Hauptuntersuchungen zückt der TÜV-Prüfer allenfalls die rote Karte, wenn er den Auspuff ansieht. Besonders haltbar sind die schwedischen Abgasanlagen nicht. Auch die Vorgänger 940–960 und 740–760 schwächelten an dieser teuren Stelle: Etwa 340 Euro kostet der Endschalldämpfer, weshalb kluge Käufer stets einen Blick auf den Unterboden werfen. Dabei zeigt sich auch, ob die Dichtungen am Motor ihrem Namen gerecht werden. Ölverlust am Antriebsstrang wird wiederholt beobachtet. Der V90 ist da nicht besser als seine baugleichen Vorgänger. Achtung: Gewitzte Verkäufer waschen vor einer Fahrzeugbesichtigung gerne Unterboden und Motorraum, beseitigen damit alle Ölspuren. Ärgerlich, denn selbst Fachleute können bei einem frisch abgespülten Motorblock nicht sagen, ob hier Dichtstellen lecken.

Karosserie und Fahrwerk

Ein finsteres Kapitel: die Beleuchtung. Vorn wie hinten kritisiert der TÜV regelmäßig. Das kleinere Übel ist noch eine falsche Einstellung, die jede Werkstatt für etwa fünf Euro korrigiert. Ärgerlicher ist ein rostender Reflektor, weshalb ein prüfender Blick durch die Streuscheibe zur Standard-Prüfung vor dem V90-Kauf gehört. Ein neuer Scheinwerfer kostet nämlich rund 350 Euro, und mit beschädigtem gibt es keine neue HU-Plakette.

Gammel an der Karosserie bleibt dagegen eine Seltenheit. Rostschutz hatte in Schweden schon immer Priorität. Zeigen sich doch einmal kleine Roststellen, liegt der Verdacht nahe, dass hier ein Unfallschaden schlampig beseitigt wurde. Die Bremsanlage zeigt mehrere Gesichter. Bis die Bremsscheiben mal eingelaufen sind, vergehen viele Kilometer, nahezu makellos sind die Bremsleitungen. Die Bremskraftregelung bleibt in der TÜV-Statistik gänzlich fehlerfrei. Kritik muss sich die Wirkung der Feststellbremse gefallen lassen, was meist am Seilzugmechanismus liegt. Weniger empfindlich sind die Achsen, die schon bei den Vorgängermodellen selten Anlass für einen Werkstattaufenthalt gaben.

Obwohl sich der V90 kleinere Schwächen erlaubt, darf ein gut gepflegter Wagen als besonderer Tipp am Gebrauchtwagenmarkt gelten. Nicht ganz billig, aber zuverlässig, geräumig und bequem. Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, sollte ruhig einmal einen Blick auf die älteren, technisch Aber weitgehend identischen 960er-Kombimodelle werfen. Für diesen Volvo gilt das zuvor Geschriebene genauso, dafür ist ein 204 PS starker 960 3.0-24V, der kurz vor dem Modellwechsel zugelassen wurde, um etwa 1000 Euro billiger als ein V90 mit 204 PS und vergleichbarer Ausstattung.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 12/96 Nachfolgemodell des 960 Kombi. Benzinmotoren mit 180 und 204 PS. Die Front ist von Breitbandscheinwerfern und Chromgrill geprägt. Stoßfänger und Türgriffe in Wagenfarbe 3/97 Sondermodell „Ambiente“ mit Klimatisierungsautomatik EEC, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrisch verstellbarem Fahrersitz, Holzdekor am Armaturenbrett, an Mittelkonsolen und Türen, Sitzbezügen aus Alcantara/Leder, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 205/55-Bereifung 3/98 Produktionsende der Modellreihe

Schwachstellen • Die Beleuchtung des Volvo V90 sorgte häufig für Kritik, sowohl vorn (Abblendlicht) als auch hinten • Die Auspuffanlage gilt als ausgesprochen anfällig, Ersatz kommt teuer • Ölverlust wird häufig beobachtet, und zwar an Motor, Getriebe und am Differenzial • Die Bremsanlage ist grundsätzlich sehr solide, nur die Feststellbreme kann mit ihrer Wirkung den TÜV nicht immer überzeugen • Rost ist meist ein Zeichen für schlampige Blechreparaturen nach einem Unfall. Gepflegte Volvo rosten kaum

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Volvo V90 3.0, 132 kW/180 PS, Baujahr 1998. Bis auf den Auspuff gelten die Verschleißteile als sehr langlebig, für billige Angebote waren die Schweden leider noch nie bekannt.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Volvo V90 gilt bei unseren Hauptuntersuchungen als sehr solide. Dank der guten Rostvorsorge treten Korrosionsschäden an Rahmen und tragenden Teilen nur selten auf, die Achsen können als vorbildlich angesehen werden. Nahezu makellos sind die Bremsleitungen, ebenso können die standfesten Bremsscheiben überzeugen. Echte Schwachstellen sind die Auspuffanlage und die Beleuchtung. Hier gibt es immer wieder Beanstandungen." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Volvo V90 3.0 (132 kW/180 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 184 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 11 Liter, gemessen 11,8 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (19/1000 Euro SB): 1013 Euro. Teilkasko (28/300 Euro SB): 197 Euro. Haftpflicht (21): 1175 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 350 Euro Wertverlust: Vierjährige verlieren rund 56 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1400 Euro Verlust

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