Volvo V90 und seine Urahnen

Volvo V90: Werbespot mit Zlatan Ibrahimovic – UPDATE

— 27.06.2016

Und Zlatan sagt "tschüss"

Im September 2016 kommt der neue V90, und Volvo wirbt dafür mit Fußballstar Zlatan Ibrahimovic. Nach dem martialischen ersten Film vor der EM folgt nun der rührselig-schmalzige Teil zwei der Werbekampagne. 

Das war's. Schweden ist raus bei der EM, und Zlatan Ibrahimovic sagt tschüss. Nach 15 Jahren bei der blau-gelben Nationalmannschaft hat der Kapitän seinen Rücktritt erklärt. Volvo verabschiedet den umstrittenen Stürmer-Star mit einem reichlich pathetischen Werbevideo für den neuen V90, der im September 2016 auf den Markt kommen soll.

Teil 1: Der knallharte Kämpfer

Zlatan Ibrahimovic im "Prologue": knallhart und kompromisslos.

Der neue Spot ist die Fortführung eines vor der EM Anfang Juni gelaunchten Filmchens namens "Prologue". Er heißt folgerichtig "Epilogue" – und ist so ziemlich das Gegenteil seines Vorgängers. Dieser war düster und martialisch: Ibrahimovic, der unter anderem mit bloßen Händen auf einen Boxsack eindrischt, bis die Knöchel bluten, wirkte hier manisch, fast animalisch. Die Message: Dieses Auto will weder Pampersbomber noch hipper Lifestyle-Laster sein. Er ist nichts für Blümchenzähler, Häuslebauer und Ja-Sager. Wer einen V90 fährt, hat Ecken und Kanten. Er weiß, was er will und tut das auch – erfolgreich. Ein Alphatier. Ein Kämpfer. Ein Gewinner. Und, so lernen wir jetzt, gerne auch gefühlvoller Familienvater.

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Teil 2: Rührselige Reise im Volvo nach Hause

Szene mit Symbolwert: Ibrahimovic verabschiedet sich von seinem Nationalmannschafts-Shirt.

Das zumindest suggeriert der neue Spot "Epilogue". Hier zeigt Ibrahimovic eine andere Seite von sich: eben als liebender Familienvater, der seine Frau und seine beiden Söhne nach getaner Arbeit im V90 nach Hause bringt, in diesem Falle in das sozial schwache Viertel Rosengard von Malmö, wo seine Karriere einst begann. Hier hängt der Top-Kicker mit Trauermiene sein EM-Trikot an den Begrenzungszaun des Fußballplatzes inmitten der Wohnblöcke. Und ist das etwa ein Tränchen, das da in der Kabine an seiner Nase blinkt, als er die Kapitänsbinde abnimmt? Der Werbefilm, effektvoll unterlegt mit schmalziger Geigenmusik des Oscar-Preisträgers Hans Zimmer, ist nicht nur ziemlich rührselig, sondern auch noch wenig glaubwürdig – als knallharter Fighter macht sich Ibrahimovic irgendwie besser. 
Denn das ist er ja auch. Ajax, Milan, Juve, Barca, Paris, der Schwede hat bei nahezu allen namhaften Clubs gekickt. In der Saison 2007/08 war er mit einem Einkommen von 15 Millionen Euro (ohne Werbeeinnahmen) der bestbezahlte Fußballer der Welt. Dabei hatte der Sohn einer Kroatin und eines Bosniers nicht viel, als er in einem sozial schwierigen Viertel der schwedischen Stadt Malmö aufwuchs, wie er im "Prologue"-Spot erzählt: "Nur meinen ruhelosen Geist und meine großen Träume. Aber ich wollte es weiter schaffen als alle anderen." Das ist ihm gelungen. Und zwar, wie er betont, "auf meine Weise". Sein Tipp: "Du musst deinen eigenen Weg gehen. Aber vergiss nie, wo du herkommst."
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Und da schließt sich der Kreis. Denn mit dem V90, so betont Volvo in der Beschreibung des Youtube-Videos, beginnt für den schwedischen Hersteller eine neue Ära, er ist der Schritt aufs nächste Level. "Aber wir vergessen niemals, wo wir herkommen."

Volvo V90 (Genf 2016): Vorstellung

Der große Kombi ist das Herzstück der Marke

Der neue V90 und seine Urahnen 945 (links) und 245. Die Kastenform ist passé.

Denn für Volvo ist der große Kombi das, was für VW der Golf und für Porsche der 911 ist: der Kern der Marke. An ihm kannst du able­sen, wie es um die Schweden bestellt ist. Der kantige, knochige 245 etwa zeigt viel von der Eigensinnigkeit der Schweden in den 70ern – und legte den Grundstein für den Kombi-Kult bei den Schweden. Denn selbst im Limousinen-Land USA war diese Mutter aller Kisten enorm beliebt. Der 945 – hintendrauf stand stets 940, was aber nur die Modellreihe bezeichnet – zeigt in seiner Nüchternheit, wie sich Volvo als intellektu­elle Konkurrenz vor allem an Mercedes herangerobbt hat. Der jetzt auslaufende V70 wirkt im Vergleich unentschlossen, ist noch unter der Ägide von Ford entstanden – wirklich groß ist er nicht geraten, und irgendwie fehlt es ihm auch an Format. 

Volvo erfindet sich neu

Doch seit ein paar Jahren hat Volvo wieder eine Menge Selbstvertrauen getankt. Ab­gelöst vom amerikanischen Großkonzern und unter der Führung des neuen Besitzers Geely aus China erfindet sich die schwedi­sche Marke zurzeit neu. Dabei hilft neben der einen oder anderen Milli­arde aus dem Reich der Mitte auch die neue Führungsmannschaft. Entwick­lungsboss Peter Mertens und Chefdesigner Thomas Ingenlath haben eine ganz genaue Vorstellung davon, wie Volvo zurück zu alter Größe finden soll. Das gelang schon mit deren Erst­lingswerk, dem XC90, so überzeugend, dass es mittlerweile Lieferzeiten gibt – und der SUV sich hinter der Konkur­renz von Audi, BMW und Mercedes nicht verstecken muss.

Der V90 ist typisch Volvo – ohne Retro

Das Cockpit wirkt reduziert und edel, modernes Infotainment inklusive.

Und so ist der neue V90 die logische Weiterentwicklung dieser Idee. Denn Retro kam für die beiden nicht infrage – die neuen Volvo sollen so un­verwechselbar sein, wie es die histo­rischen Vorbilder immer waren. Skan­dinavischer Luxus ist das Thema hinter den neuen Autos, und der V90 zeigt, was Volvo darunter versteht. Das beginnt schon beim für Kombis so wichtigen Heck. Anders als alle gro­ßen Volvo-Kombis zuvor bekommt der V90 einen schrägen Abschluss, fast schon sportlich. Das liegt vor allem an seiner Länge. Erste Entwürfe hatten für den fast fünf Meter langen Lade­meister einen nahezu senkrechten Abschluss vorgesehen – mit entspre­chend langem Dach. Wäre zwar praktisch, aber mit der Ästhetik des neuen Designs nur schwer zu verein­baren gewesen.

Mehr als ein Lifestyle-Laster

Den V90 deswegen als Lifestyle-Laster zu verspotten, würde ihm Un­recht tun. Der Kofferraum soll ähnlich viel Platz bieten wie der aktuelle V70, das wären zwischen 575 und 1600 Li­tern. Zum Vergleich: Das aktuelle Mer­cedes E-Klasse T-Modell als Vorzeige-Frachter der Klasse schluckt 695 bis 1950 Liter. Und auch sonst ist der V90 ein richtig großer Wagen geworden. Bei einer ersten Sitzprobe konnten wir jedenfalls feststellen, dass sowohl im Fond als auch auf den bequemen Sit­zen im Cockpit kein Platzmangel herrscht. Ganz im Gegenteil, vor allem in Reihe zwei können selbst große Menschen fast schon lümmeln. Den Rest des V90 kennen wir bereits vom S90, der im Januar auf der Detroit Auto Show präsentiert wurde. Kein Wunder, bis zur B-Säule sind beide identisch. Das ausdrucksstarke Ge­sicht mit dem T-förmigen Tagfahrlicht zeigt auf den ersten Blick: Der ist an­ders als die deutschen Konkurrenten – aber er spielt in derselben Liga.

Das Cockpit ist reduziert und edel

Das zeigt sich auch im Innenraum. Feine Materialien wie etwa samt­weiches Leder, offenporiges Holz oder der optionale Wählhebel aus schwedischem Kristallglas, liebevoll zusammengefügt und fein verarbeitet – das wirkt nicht weniger edel als in einem Audi. Doch der Volvo ist anders, reduzierter. Im Zentrum des Cockpits dominiert ein aufrecht stehender Touchscreen, einem Apple iPad nicht unähnlich. Er wird flankiert von gro­ßen Lüftungsdüsen mit satt rastenden Aluknöpfen zum Verstellen des Luft­stroms. Sieht alles sehr hochwertig aus – kein Vergleich zu den Cockpits von 245 und 945. Klar, die sind auch ein paar Jahre alt. Aber selbst zu ihrer Zeit wirkten Innenraumgestaltung und Materialwahl viel sachlicher als bei den Wettbewerbern.

Nur Vierzlinder – aber mit bis zu 410 PS

Die eckigen 70er: Formen und Farben wie in der Einbauküche, fehlt nur die Pril-Blume. Kantiges Cockpit im 245, hartes Plastik.

Kritik muss aber auch beim Neuen sein. Die Erfahrung mit dem XC90 hat gelehrt, dass die Bedienung Gewöh­nung braucht. So intuitiv wie etwa das iDrive von BMW lässt sich das Volvo-System nicht handhaben. Technisch erwartet uns beim V90 kei­ne große Überraschung. Nach XC90 und S90 basiert auch er auf der neuen Volvo-Plattform für alle Modelle ober­halb des kompakten V40. Heißt kon­kret, dass vor allem unter der Motor­haube eine neue Zeit anbricht. Volvo hat nämlich die alten Fünfzylinder ver­bannt. Selbst in Leistungsklassen, in denen die Konkurrenz längst Sechs- und Achtzylinder anbietet, bleibt es für den V90 bei vier Zylindern. Große Wehmut muss allerdings nicht aufkommen, denn selbst Leis­tungshungrige werden bedient. Das Spit­zenmodell T8 mit serienmäßigem Allradantrieb et­wa kommt auf 410 PS – weil Volvo seinen Zweiliter-Benzi­ner (320 PS) mit einem 90 PS starken Elektromotor an der Hinterachse er­gänzt. Im reinen Elektro-Modus sollen laut Volvo 125 km/h und bis zu 50 Kilo­meter Wegstrecke möglich sein, was einen Fabel-Normverbrauch von et­was mehr als zwei Litern auf 100 Kilo­meter ermöglicht. Schöne neue Welt, selten zuvor haben sich ein grünes Gewissen und über 400 PS Leistung miteinander vertragen.

Die Assistenzsysteme legen zu

Auch bei den Dieseln hat Volvo eine Neuheit in petto. "PowerPulse" nennt sich die Technik, bei der ein kleiner, elektrisch betriebener Kompressor Luft komprimiert und speichert. Beim schnellen Beschleunigen öffnet sich ein Ventil und entlässt die Luft schlagartig in Richtung Turbo, der dadurch schnel­ler als üblich auf Drehzahl kommen soll – das übliche Turboloch wäre ausge­trickst. Allerdings ist PowerPulse vorerst nur für den D5 mit 235 PS und Automa­tik lieferbar. Und fast schon selbstverständlich fährt auch der neue V90 beinah von al­leine. Der Fahrassistent hält den Kom­bi bei Geschwindigkeiten von bis zu rund 130 km/h mit dezenten Lenkein­griffen in der Spur, auch ohne sich an einem vorausfahrenden Fahrzeug ori­entieren zu müssen. Volvo sieht das als Weiterentwicklung seiner schon immer guten Sicherheitssysteme. Übrigens noch so ein Markenkern der Schweden.

Autoren: Stefan Voswinkel, Maike Schade

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