Volvo XC90: Gebrauchtwagentest

Volvo XC90 Volvo XC90 Volvo XC90

Volvo XC90: Gebrauchtwagentest

— 22.11.2010

Eleganter Elchländer

Der Volvo XC90 gilt als Beau auf dem Boulevard – bei echten Nehmerqualitäten im harten Alltag. Was im Alter davon übrig bleibt? Das zeigt der Gebrauchtwagen-Checker anhand eines Kandidaten wider Willen.

Mag sein, dass ich vorhin nicht aufmerksam zuhörte. Oder dass sich der Verkäufer unglücklich ausdrückte. Wie auch immer: Ich stehe wegen eines Volvo XC90 D5 auf dem Händlerhof, und der Volvo XC90 D5 ist weg. Verkauft, abgeholt. Vor einer Stunde. Was ärgerlich ist, aber immerhin glaubwürdig klingt – der Laden vermittelt absolut nicht den Eindruck, als gehörten derartige Locktricks zur Geschäftspolitik. Im Gegenteil: Der nette Verkäufer bietet mir sogar eine Wiedergutmachung für meine vergebliche Anreise an. Was er nicht anbietet, mir aber weiterhilft, erspähe ich am Rand des gepflegten Schotterareals: einen weiteren XC90.

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Warum mir der unterschlagen wird? "Kommt für Sie nicht in Frage, ist ein Benziner", meint der Mann. Stimmt – oder auch nicht. Da man schon mal hier ist, könnte man doch ... Derart salomonisch entscheide ich dann auch: Ich heuchle Interesse am Ottomotor-Volvo, fotografiere und fahre den Wagen für diese Checker-Folge. Aber beschreibe darin mehr die Stärken und Schwächen des verhinderten Vertreters mit Dieselantrieb. Grund für diese Gewichtung: Seit Volvos elegantes SUV im Juni 2002 auf dem deutschen Markt debütierte, entfielen stets zwischen 95 und 97 Prozent aller Verkäufe auf die Selbstzünder – 2,4-Liter-Fünfzylinder mit 163 oder (ab April 2005 wahlweise) 185 PS.

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Der homöopathische Rest verteilt sich auf vier Benziner: den Reihenfünfer XC90 2.5T mit 210 PS, die beiden Reihensechser XC90 3.2 und T6 (3,2-Liter-Sauger, 238 PS beziehungsweise 2,9-Liter-Turbo, 272 PS) – und den hierzulande extrem raren V8, dessen 4,4-Liter, eine Yamaha-Konstruktion, stramme 315 PS leistet. Um zunächst beim Ersatzkandidaten zu bleiben: Dieser XC90 T6 ist von 10/2004, aus zweiter Hand und hat 155.000 Kilometer runter. Eine Naht am Fahrersitz würde noch erneuert, Tür hinten rechts sowie Motorhaube aufgrund von Kratzern neu lackiert werden. Wartung, neue Reifen, Aufbereitung – auch das erhält der T6, bevor er um Kundschaft buhlen darf. Dann soll er 14.750 Euro kosten.

Kaum Schwächen

Ein fairer Preis für ein gutes Auto, das null typische Schwächen offenbart. Mein Tipp: kaufen, wenn keine hohen Kilometerzahlen dazukommen. Denn dann wird der Turbo-Benziner zum Groschengrab. Welche Schwächen gemeint sind? Zum Glück nur wenige – der Volvo XC90 gilt allgemein als sehr solide, sorgenarme Konstruktion. Die allerdings nicht verhehlen kann, von den bürgerlichen Pkw der Marke abzustammen. Insofern erstaunt kaum, dass deren weitgehend übernommene Hardware im schweren SUV höherem Verschleiß ausgesetzt ist. Das gilt etwa für die Gelenke der Vorderradaufhängung. Vor allem aber für die Kupplung, die erheblich unter dem hohen Wagengewicht, gegebenenfalls auch noch unter dem der Anhängelast, leidet. Und die im Fall des Diesel darüber hinaus eine ausgeprägte Anfahrschwäche wegschleifen muss. Fazit von Wolfgang Blaube: Seit Ford seine Interimstochter Volvo an Geely (China) verkauft hat, ticken die Uhren anders – bezüglich der XC90-Modellpolitik nämlich langsamer. Deshalb ist vor Modelljahr 2012 nicht mit einer Neuauflage zu rechnen. Was den seit 2002 verkauften Urtyp länger frisch hält. Neben aktueller Mode bietet der XC90 aber auch nüchterne Pluspunkte fürs Geld: sehr viel Platz, hohe Variabilität und – wie erwähnt – eine grundsolide Technik, die sogar einen gewährleistungslosen Kauf von privat zulässt. Genauso wenig unvernünftig kann der Benziner sein: Wer nicht viel fährt, fährt mit ihm eventuell (deutlich) billiger.

Als Benziner kaum gefragt

Ganz klar: Hier ist die Automatik klar im Vorteil. Und noch was zum Diesel: Der lebt nur lange, wenn auf Chiptuning verzichtet wird. Kollabierende Lader, defekte Injektoren, Hitzeschäden am Zylinderkopf: Solche Befunde bedeuten stets hohe Reparaturkosten. So was muss der nächste Eigner meines Ersatz-Testobjekts kaum befürchten – falls es bald einen nächsten Eigner gibt. Denn XC90-Benziner stehen oft wie Blei. Das weiß auch der freundliche Verkäufer. Dennoch will er mir den T6 nicht als Wiedergutmachung für meinen vergeblichen Besuch schenken. Aber bestimmt nur deshalb, weil ich unterm Strich doch nicht umsonst hier war.

Autor: Wolfgang Blaube

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