Von Autopreisen und Gegenwert

Wo sind die bezahlbaren Autos? Wo sind die bezahlbaren Autos?

Von Autopreisen und Gegenwert

— 19.12.2003

Wo sind die bezahlbaren Autos?

Die Autopreise steigen und steigen. Fahren unserem Einkommen immer mehr davon. Welche Hersteller langen besonders zu, und welche bieten einen fairen Wert fürs Geld?

Die Deutschen – ein Volk von Reichen?

Der Blick in die Top 50 der Zulassungsstatistik macht uns sprachlos. Platz zwei: 3er-BMW, Platz drei: Mercedes-Benz C-Klasse, Platz vier: E-Klasse. Alles Autos, die ab 24.000 Euro aufwärts kosten. Im Falle der E-Klasse auch ohne Luxus-Extras leicht die 50.000 erreichen. Zugegeben: viele Dienstwagen darunter, aber längst nicht alle.

Ein Volkswagen wie der Polo schafft gerade den achten Rang, Opels Corsa steht noch zwei Zeilen tiefer. Und wer glaubt, gute und günstige Gefährte müssten in Zeiten von Höchstständen bei Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung die eigentlichen Lieblinge der Deutschen sein, irrt gewaltig. Der Renault Kangoo beispielsweise, ein Familien-Modell par excellence, landet abgeschlagen auf Platz 43.

Sind wir also doch ein Volk von Reichen? Wohl kaum. Steuern und Abgaben steigen und steigen, die Realeinkommen sinken, doch die Autopreise fahren uns immer schneller davon. "Dieses Spiel mache ich nicht mehr mit", hören wir immer öfter von unseren Lesern. Folge: Immer mehr fahren ihren Alten noch ein paar Jahre weiter. Resultat: Wir haben momentan die höchste Pkw-Haltedauer seit 25 Jahren: durchschnittlich 5,53 Jahre. Eine absolute Konjunkturbremse.

Nur ein nacktes Zahlenspiel

Aber ist es wirklich so? Sind die Autos tatsächlich in Relation zu unserem früheren Einkommen unverhältnismäßig teurer geworden? Vom Gefühl her sagt jeder: Na klar! Doch schauen wir mal zwanzig Jahre zurück. 1983 kostete ein VW Golf II 6897 Euro. Ein Arbeiter im produzierenden Gewerbe verdiente brutto 1382 Euro monatlich. Und heute: 2480 Euro stehen auf seiner Lohnabrechnung, das sind 80 Prozent mehr. Demnach müsste der Golf, mittlerweile in der fünften Generation, 12.415 Euro kosten. Tut er aber nicht. Der Einstiegspreis lautet 15.220 Euro, was einer Erhöhung um 120 Prozent entspricht.

Vom Gefühl her haben wir also Recht. Dennoch: Es bleibt nur ein nacktes Zahlenspiel. Denn vermutlich würde heute keiner mehr einen Golf V fahren, hätte er den technischen Standard eines Golf II. Das Mehr an Auto wiegt die Erhöhung wieder auf. ABS, ESP, Bremsassistent mit vier Scheibenbremsen, Gurtkraftbegrenzer, Gurtstraffer, Elektronik und Sensorik für mindestens vier Airbags: All das hatte der Golf II noch nicht.

Hinzu kommt: Der Golf V ist größer, stärker, sauberer, leiser, komfortabler – und dem IIer-Golf um mindestens eine Wagenklasse entwachsen. Das kostet eben. Eine andere Betrachtungsweise bestätigt dies. Der Polo hat heute fast die Größe und Leistung (55 PS) wie der Golf II. Doch der Polo kostet nicht die bereits errechneten 12.415 Euro (alter Golf-Preis plus 80 Prozent), sondern lediglich 11.000 Euro, bei mehr Sicherheit, Komfort und Technik.

Schnäppchen gibt's auch heute noch

Alles kein Trost, wenn der Geldbeutel kneift. Irgendwie rücken doch die ganz normalen Kompakt- und Mittelklasse-Autos in unerreichbare Regionen, von der Oberklasse ganz zu schweigen. Rund 22.000 Euro geben wir heute durchschnittlich für einen Neuwagen aus. Das spart man nicht mal eben so an. Erst recht nicht, wenn eine Familie zu ernähren ist.

Einen wesentlichen Anteil am hohen Preisniveau hat auch das Verhalten der Kunden. Die niedrig gepreisten Basismodelle dienen eigentlich nur als Lockangebote. Sie sind praktisch nicht zu bekommen – und oft auch nicht gewollt. Beispiel: Die vor zehn Jahren doppelseitig angepriesene C-Klasse für 40.825 Mark hat kaum einer bestellt. Denn ist der Kunde erst einmal im Laden, fährt er selten mit dem nackten Grundmodell nach Hause. Schon die nächsthöhere Ausstattungsversion, meistens als Paket geschnürt, kostet oft gleich zehn Prozent mehr.

Was also tun, um die Preisspirale nicht noch weiter anzuheizen? Müssen wir bald gar Importe aus Indien und China fahren? Keineswegs. Im Klein- und Kompaktwagensegment tummeln sich durchaus gute und ansehnliche Autos, die den Geldbeutel schonen. Modelle wie Renault Twingo, Opel Agila, Daewoo Kalos und Hyundai Getz kosten alle weniger als 10.000 Euro. Und geradezu ein Schnäppchen ist der Fiat Panda mit 54 PS für 8290 Euro. Da kommt nicht einmal der Smart mit. Und der kann nur zwei Personen durch die City befördern.

Die E-Klasse bleibt für die meisten ein Traum

Selbst die Kompakten der Corsa/Fiesta/Punto/Polo-Klasse bieten durchweg ordentliche Fahrleistungen und guten Komfort zu Preisen zwischen 11.000 und 12.000 Euro. Knapp darüber liegen die familienfreundlichen Kompaktvans vom Schlage Berlingo und Kangoo. Praktisch, variabel, geräumig.

Wer auf trendiges Design und Lifestyle verzichten kann, kauft gut und günstig. Der Kangoo (60 PS) startet bei 12.500 Euro, der Berlingo mit 75 PS bei 12.950 Euro. Da muss sich auch ein Meriva, selbst wenn schicker und variabler, geschlagen geben. Der flotte Opel beginnt erst bei 13.715 Euro. Dennoch: ein faires Angebot. Ähnlich: der Ford Fusion für 13.950 Euro. Viel Platz und eine pfiffige Variabilität bietet auch der Honda Jazz für 12.535 Euro, selbst wenn er, streng genommen, nicht zur Van-Klasse zählt.

Ein paar Hundert Euro mehr, und wir sitzen bereits im Daewoo Nubira Kombi, wo es für 14.400 Euro immerhin 103 PS gibt. Selbst der Skoda Octavia mit 15.640 Euro und 102 PS zählt noch zur Klasse der bezahlbaren Autos. Im Gegensatz zur Mercedes-Benz E-Klasse, die für die meisten ein Traumwagen bleiben wird, besonders der Kombi. Unter 38.048 Euro fährt dieses Modell nicht vom Hof. Dafür gibt es 163 PS und 1,8 Liter Hub- sowie maximal 1950 Liter Laderaum.

Sparstrumpf ist out, heute wird finanziert

Wer auf den Stern verzichten kann, fährt um satte 15.000 Euro günstiger, wenn er sich für den neuen Opel Vectra Caravan entscheidet. Platz in Hülle und Fülle (1850 Liter), 122 PS, 1,8 Liter Hubraum und alles für 22.995 Euro. Ähnlich krass sieht es bei den Geländewagen, neudeutsch SUV, aus. Der Mercedes-Benz ML 350 verlangt nach einem Scheck von mindestens 44.428 Euro. Ein Kia Sorento, ebenfalls mit einem 3,5-Liter-V6 bestückt, aber viel besser ausgestattet, kostet "nur" 31.970 Euro.

In der Sportabteilung setzt der brandneue Mazda RX-8 mit seinem heißen Wankelmotor zur Preisattacke an. 192 PS für 26.300 Euro. Auch Nissan zeigt mit seinem rassigen 350Z (280 PS, 33.500 Euro), dass Sportwagen nicht zwangsläufig der weich gebetteten Erbengeneration vorbehalten sind. Beide Japaner sind absolute Schnäppchen im Vergleich zu deutschen Angeboten: Audi TT 3.2 41.200 Euro, BMW 330 Ci 36.600 Euro, Porsche Boxster 42.256 Euro.

Fazit: Es gibt sie also noch, die bezahlbaren Autos. Wenn auch recht wenige. Dass sie nicht häufiger gekauft werden, liegt oft auch daran, dass die Hersteller ihre Kunden mit unwiderstehlichen Finanzierungs- und Leasingangeboten ködern. Würde jeder nach dem Motto handeln: "Erst sparen, dann kaufen", die Top 50 der Zulassungsstatistik hätte nichts mehr mit der jetzigen zu tun.

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