Von der Formel 1 in die DTM

Frentzen – der neue Opel-Blitz Frentzen – der neue Opel-Blitz

Von der Formel 1 in die DTM

— 08.01.2004

Frentzen – der neue Opel-Blitz

Nach Jahren des Misserfolgs in der DTM setzen die Rüsselsheimer alle Hoffnungen in den Formel-1-Star. Der Umsteiger soll nicht nur Rennen gewinnen, Heinz-Harald Frentzen wurde auch als Imageträger verpflichtet.

"Großen Kämpfer und Sympathieträger"

Alles war bereitet für einen großen Auftritt: Der Vorstandsvorsitzende war gekommen, an die hundert Journalisten wurden in Stellung gebracht und ein Luxus-Schreibgerät der Marke Montblanc-Meisterstück zurechtgelegt. Ein echter Formel-1-Star verirrt sich schließlich recht selten in das Adam-Opel-Haus.

Mit der Vertragsunterzeichnung von Heinz-Harald Frentzen als neuer Pilot der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) sollte Mitte Dezember eine neue Ära in der zuletzt durch anhaltende Misserfolge gekennzeichneten Motorsport-Geschichte von Opel eingeläutet werden.

Als einen "großen Kämpfer und Sympathieträger, der hervorragend zur Marke Opel passt", begrüßte Unternehmens-Chef Carl-Peter Forster den neuen Mitarbeiter. Welche Charaktereigenschaft dem obersten Opelaner besonders wichtig war, verriet Forster im selben Atemzug: "Frentzen hat nie aufgegeben – auch wenn es einmal schwierig war."

Nicht nur Pilot, sondern auch Werbefigur

Und genau diese Beharrlichkeit wird der Mönchengladbacher auch brauchen. Denn Frentzen wechselt nicht gerade zum Top-Team der Branche; den letzten DTM-Sieg feierte Opel im Jahr 2000. Regelmäßig wurde das Werksteam nicht nur von Mercedes-Benz, sondern auch vom Allgäuer Audi-Tuner Abt abgehängt. "Ich weiß, es wird eine sehr schwierige Aufgabe", sagte Frentzen während der ersten Testfahrten im italienischen Vallelunga zu AUTO BILD.

Schwer wird es sowohl auf als auch neben der Rennstrecke. Denn für Opel soll der Vize-Weltmeister von 1997 nicht nur sportlicher, sondern auch wirtschaftlicher Heilsbringer werden. Wenn in diesem Frühjahr der neue Astra präsentiert wird, tritt Frentzen als Werbefigur ins Rampenlicht. Der wenig glamouröse Familienvater scheint für das Produkt die rechte Wahl. Geschätzte eine Million Euro ist Opel das in diesem Jahr wert.

In schweren Zeiten (viele Opel-Beschäftigte arbeiten 2004 nur 30 Stunden in der Woche, um Entlassungen zu vermeiden) soll der neue Spitzenverdiener die Identifikationsfigur in Rüsselsheim werden. Bei der Bekanntgabe des Deals sei es bei den Opelanern zu Jubelschreien gekommen. Frentzen sagt nur: "Ich glaube, dass sich das in mich investierte Geld für Opel auszahlt."

Hauskonkurrenz macht Frentzen Druck

Der Druck auf das für Motorsport zuständige Opel Performance Center (OPC) wächst noch mehr. Sportchef Volker Strycek tritt die Flucht nach vorn an: "Wir werden nicht noch mal Letzter!" Was Seriensieger Mercedes-Benz wohl dazu sagt? Oder Audi, die 2004 erstmals offiziell als Werksteam mit allen Le-Mans-Stars angreifen? Einer muss schließlich Letzter werden.

Die Konkurrenz im eigenen Haus wird Frentzen zusätzlich Druck machen. Opel verpflichtete erfahrene DTM-Stars der Konkurrenz. Von Audi kommt mit Laurent Aiello der Meister von 2002. Von Mercedes-Benz wechselt mit dem Schweizer Marcel Fässler der Vorjahres-Dritte in den neuen Vectra GTS V8. "Wir können es uns nicht mehr erlauben, auf die Jugend zu setzen", mahnt Strycek.

Heinz-Harald Frentzen wird im Mai 37. Kein schlechtes Alter für Tourenwagen-Piloten. In Vallelunga war er im Vorjahres-Astra "auf Anhieb so schnell, dass es mich fast nervös macht", so Strycek. Frentzen selbst ist da weniger aufgeregt: "Ich muss noch viel lernen." Dann schaut er zum Opel-Sprecher und fragt: "Übt man in der DTM eigentlich auch Starts?"

Heinz-Harald Frentzen im Interview

AUTO BILD: Herr Frentzen, wann sind Sie das letzte Mal mit einem Opel auf der Straße gefahren? Heinz-Harald Frentzen: Ich habe mir 1988 einen Kadett GSi 16V gekauft. Den habe ich zwei, drei Jahre gefahren.

Nun haben Sie die ersten 600 Testkilometer im DTM-Astra des Vorjahres absolviert. Wie groß ist die Umstellung von Formel 1 auf DTM? Beschleunigung, Verzögerung und Kurvengeschwindigkeiten sind natürlich schon deutlich anders. Das Auto ist schwerer, träger, aber man stellt sich da sehr schnell drauf ein. Es macht mehr Spaß, als ich dachte. Und bei der Abstimmung muss man mindestens so sehr aufpassen wie in der Formel 1.

Sie werden Ihren Fahrstil ändern müssen. Aber nur bei Zweikämpfen im Rennen. Wenn ich im Pulk fahre, werde ich weniger Berührungsängste haben.

Opel fuhr drei Jahre lang nur hinterher. Auch in diesem Jahr wird es schwer, Mercedes-Benz und Audi zu schlagen. Ich habe mir darüber auch viele Gedanken gemacht. Aber ich habe mich ausgiebig informiert und weiß, dass Opel nicht weit davon entfernt ist, Rennen zu gewinnen. Es liegt viel Arbeit vor uns, aber darin liegt der Reiz. Wichtig ist, dass das Opel-Team hoch motiviert ist.

Warum haben Sie dann nur einen Einjahresvertrag unterschrieben? Damit ich für den Fall, dass es mir absolut keinen Spaß macht, meinen Hut nehmen und aussteigen kann.

Die erfahrenen Tourenwagen-Piloten werden es einem Formel-1-Star besonders zeigen wollen. Natürlich. Und ich muss noch viel lernen. Aber ich stelle mich der Herausforderung.

Die Fans, nicht nur von Opel, erwarten Siege von einem Vizeweltmeister. Haben Sie keine Angst, die Erwartungen nicht zu erfüllen und ihren Ruf zu ruinieren? Ein bisschen Druck muss sein. Druck ist willkommen.

Vom glamourösen Formel-1-Zirkus in die etwas bodenständigere, biedere DTM-Welt – werden Sie sich sehr umstellen müssen? Damit habe ich kein Problem. Das ganze Klimbim in der Formel 1 hat mich nie interessiert. Außerdem wird bei der DTM sogar noch mehr Klimbim gemacht – aber für den Fan.

Sie sind Motorsportler des Jahres Jahres geworden, ohne 2003 ein einziges Rennen gewonnen zu haben. Eine besondere Ehre? Es hat mich sehr berührt, dass die Auszeichnung sich diesmal nicht auf die Resultate bezogen hat, sonder auf den Charakter des Fahrers. Darauf bin ich stolz.

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