Vor dem Großen Preis von Bahrain

Starkult belastet Renault Starkult belastet Renault

Vor dem Großen Preis von Bahrain

— 01.04.2005

Starkult belastet Renault

Die Formel-1-Piloten Alonso und Fisichella erleben die Schattenseiten des Ruhms: "Manche Fans gehen zu weit."

Fan-Belagerung in der Heimat

Plötzlich dreht sich alles um die Fahrer in Blau-Gelb. Erstmals geht Fernando Alonso am Sonntag auf dem Bahrain International Circuit als Weltmeisterschaftsführender in einen Grand Prix, doch er müht sich, den freudigen Umstand zu relativeren. "Spitzenreiter zu sein, ist nicht wirklich ein Problem. Nicht nach zwei Rennen. Wenn es in den letzten beiden Läufen wäre, dann wäre es etwas anderes."

Schon mußte sich der Aufsteiger aus Asturien in den vergangenen Tagen mit den Schattenseiten des unerwartenden Ruhms auseinandersetzen: Im heimischen Oviedo werden er und seine Eltern von Fans buchstäblich belagert: "Jeder will Fotos von uns machen, aber manche Fans gehen dabei wirklich zu weit. Wir brauchen schon Sicherheitsleute", klagt er.

Teamkollege Giancarlo Fisichella wird ebenso herumgereicht wie ein neuer Heilsbringer der Formel 1. Für eine Renault-Roadshow in Fisichellas Heimatstadt Rom läßt der französische Autobauer am 10. April die Altstadt der Kapitale für ein Demonstrationsrennen absperren. Der 1,2 km lange Rundkurs führt direkt um die historischen Anlagen des Circus Maximus – 2000 Jahre, nachdem sich die Römer über Brot und Spiele amüsieren durften.

Ungeliebte Strecke in Sakhir

Der Rummel um die Renault-Piloten wird mit jedem Tag größer, und Fernando Alonso versucht, dagegen zu steuern. "Die Position bedeutet keinen zusätzlichen Druck für mich. Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, daß wir uns vor niemanden zu verstecken brauchen und wir vom Auto und den Fahrern her super konkurrenzfähig sind."

Die Strecke in der Wüste Sakhir gehört allerdings nicht zu den Lieblingsstrecken der Renaults. Im Vorjahr reichte es nur zu Platz vier durch Jarno Trulli. Die Senkrechtstarter dieser Saison äußern sich denn auch alle verhalten. "Niemand", ergänzt Teamchef Flavio Briatore, "kann jetzt schon abgeschrieben werden. Ferrari bringt hier das neue Auto und wird stärker sein. Von BAR-Honda wird ein Zeichen kommen, daß es dort aufwärts geht. Toyota machte das schon in Malaysia. Und mit anderen muß man immer rechnen." Ungewohnt bescheidene Worte eines sonst nicht gerade auf den Mund gefallenen Mannes.

Zu viel Geld ist kontraproduktiv

Es verblüfft, daß sich im Hause Renault alle auf eine verbale Defensivstrategie geeinigt haben, und zwar Piloten wie Manager: "Wir sind überzeugt, daß wir dieses Jahr an der Spitze mitmischen werden", sagt der für das Sport-Engagement zuständige Vizepräsident Patrick Faure und nimmt dabei das Wort "Titel" wohl bewußt nicht in den Mund. Obwohl vieles darauf hindeutet, daß der französische Hersteller eine ernste Gefahr für Titelhalter Ferrari werden könnte. Durch zwei hungrige Fahrer, "mit das Beste, was der Markt zurzeit her gibt", schwärmt der ehemalige Weltmeister Niki Lauda: das Riesentalent Alonso und den Routinier Fisichella, der seine Fähigkeiten erstmals in einem Topauto beweisen kann. "Wir haben die richtigen Leute an den richtigen Stellen und ein Paket, das sich jetzt bezahlt macht. Und wir nützen die Ressourcen von Renault ganz gezielt für die Formel 1", rühmt Faure.

Daß die Franzosen nicht mit einem Budget wie etwa Ferrari, Toyota oder McLaren-Mercedes operieren und dennoch Erfolg haben, ist für Faure keine Hexerei: "Wir investieren viel in die Formel 1, aber das gezielt. Ohne Geld kein Rennsport, aber zu viel Geld im Geschehen ist wohl konterproduktiv." Ein gezielter Seitenhieb auf die Silbernen? McLaren-Mercedes fährt seit fünf Jahren dem großen Erfolg hinterher.

Für den Wüsten-Grand-Prix in Bahrain hat Renault die Ziele klar abgesteckt: "Wir wissen, daß wir nicht jedes Rennen gewinnen werden. Aber wir sind in der Lage, um den Sieg mitzukämpfen. Und weniger als ein Podestplatz wäre jetzt wohl enttäuschend", gibt Alonso zu. Die Ansprüche steigen.

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