Vorschau NAIAS 2009

Vorschau NAIAS 2009 in Detroit Vorschau NAIAS 2009 in Detroit

Vorschau North American International Auto Show (NAIAS) 2009

— 10.01.2009

Die Stars von Detroit

Für europäische Autobauer ist die Auto Show in Detroit traditionell das Tor zur neuen Welt. Den Neuheiten der Gäste aus Übersee hat die US-Autoindustrie 2009 wenig entgegenzusetzen.

Während Amerika versucht zu retten, was von der heimischen Autoindustrie zu retten ist, zeigen GM, Chrysler und Ford auf der NAIAS in Detroit, was die Kosten-Vollbremsung von den Modellen der Zukunft übrig gelassen hat. Und das ist, mit Verlaub, nicht wirklich viel. Rassige Serienmodelle und Konzepte aus Deutschland, ausgeklügelte Spirtsparer aus Asien – da können GM, Chrysler und Ford aktuell kaum dagegen halten. An Ideen mangelt es nicht. Immerhin entwickelt Chevrolet mit dem Volt bis 2010 ein überzeugendes Hybrid-Konzept zur Serienreife. Und Ford zeigt in Detroit mit dem Fusion Hybrid sogar einen Mittelklasse-Hybriden, der praktisch schon bei den Händlern steht. Was fehlt, sind US-Kunden, die bereit und in der Lage sind, Geld für amerikanische Autos auszugeben. Die kaufen, in Zeiten der Krise, lieber bei Marken aus Übersee ein. Und die fahren hier lässig auf: Vor alem die deutschen Autobauer sorgen auf der NAIAS für rassige Highlights.

Hier geht es zur Sonderseite NAIAS 2009

Beispiel Audi. Die Ingolstädter tun in Detroit alles, um die amerikanischen Premium-Kunden bei Laune zu halten. Star des Audi-Messestands ist das Sportback Concept – ein riesig-rassiger Sportkombi, der seine A7-Gene in keinster Weise zu verstecken sucht und die Wartezeit aufs Serienmodell (Anfang 2010) verkürzt. Ganz nebenbei zeigt die Audi-Studie, wie sauber und sparsam ein Sechszylinder-TDI (225 PS) dank Brennraum-Sensoren und Harnstoff-Einspritzung sein kann. Nicht ganz so sparsam, dafür aber immer eine Sünde wert: der 525 PS starke Audi R8 V10. Nicht weniger unattraktiv ist der neue Z4, den BMW über den großen Teich geschickt hat. Der Klappdach-Roadster mit Efficient-Dynamics-Zutaten wird es nicht schwer haben, die sonnigen US-Staaten zu erobern. Und dann ist da ja noch ein sportlicher M-Ableger der X-Familie, den die Bayern im Gepäck haben könnten. BMW-Tochter Mini bleibt bescheiden und zeigt in Detroit das Mini Cabrio. Klein und offen – das geht auch in Zeiten der Krise immer.

Der heimliche Detroit-Star steht gar nicht auf der Messe

Bei Mercedes wird das Concept BlueZero den größten Platz des Messestands einnehmen. Der Kompakte mit der markanten Hakennase steht unverkennbar für die nächste Generation der B-Klasse. Und für drei mögliche Antriebskonzepte der Zukunft. Alle BlueZero-Versionen tragen einen Elektromotor unter der kurzen Haube, dazu kommen je nach Version eine Brennstoffzelle oder der Smart-Dreizylinder als Stromgenerator dazu, der die Reichweite verlängert. Im Marketingdeutsch heißen die Modelle BlueZero E-Cell, F-Cell und E-Cell Plus. Auch der heimliche Star der NAIAS kommt von Mercedes und trägt diesen Titel nicht ohne Grund: Die neue E-Klasse (W212) ist nicht in den Messehallen zu sehen, sondern wurde ausgewählten Journalisten und geladenen Gästen auf separaten Veranstaltungen vorgestellt. Inzwischen gibt es auch offizielle Bilder des Vier-Meter-Roadsters BlueSport, den VW in Detroit aus dem Hut gezaubert hat. Der kleine Renner soll ab 2011 die Klasse der bezahlbaren Zweisitzer erobern. Die Zutaten klingen vielversprechend: Stoffdach, Mittelmotor, Heckantrieb, Siebengang-DSG und Start-Stopp-System.

PS-Protze ohne Zukunft?

Mehr News aus Europa? Kein Problem. Da wäre noch das S60 Concept von Volvo, mit dem die Schweden Amerika auf den neuen S60 einschwören, der 2010 starten soll. Übrigens unabhängig davon, ob Volvo dann noch zu Ford gehört oder nicht. Auch aus Schweden und finanziell ebenfalls nicht auf Rosen gebettet ist Saab. Die Nordmänner haben in Detroit den 9-5 Griffin am Start – ein luxuriöses Sondermodell, das dem in die Jahre gekommenen 9-5 auf die Sprünge helfen soll. Vor einiger Zeit noch wie gemacht gewesen für reiche US-Amerikaner, wäre der Maserati Quattroporte GTS, mit den die Italiener nach Detroit gereist sind. Ob der 440 PS starke Reise-Riese auch in Zeiten des Niedergangs solvente Freunde finden wird, muss sich zeigen. Gleiches gilt natürlich auch für den Bentley Continental GTC Speed – das stärkste Cabrio (610 PS), das die Engländer je auf Lords und Ladies und Fußballprofis losgelassen haben und die "Ad Personam"-Lamborghinis.

Japan und Korea haben Detroit fest im Visier

Unter Strom: Honda zeigt mit dem Insight das Serienmodell eines günstigen Hybriden.

Schneller Wechsel nach Asien. Auch in Japan, Korea und neuerdings China gilt ein selbstbewusster Detroit-Auftritt als idealer Weg, um der US-Kundschaft neue Modelle schmackhaft zu machen. Nicht ohne Grund zeigt Honda auf der NAIAS 2009 die Serienversion des neuen Einstiegs-Hybriden Insight. Oder Hyundai eine neue Luxus-Limousine, die vorerst schlicht VI heißt und in Amerika und Asien den in die Jahre gekommenen Centennial ablösen wird. Unter der Haube: starke Sechs- und Achtzylinder. Eine Gefahr für die Mercedes S-Klasse? Eher nicht. Einen Export nach Nordamerika und Europa schließen die Koreaner (noch) aus. Konzernschwester Kia versucht es einige Klassen tiefer und tritt mit einer sportlichen Studie auf Basis des neuen Soul an. Bei Subaru, in den USA mehr als etabliert, funkelt das Legacy Concept im Scheinwerferlicht, bei Mazda ist es der fünftürige 3er. Und der Klassenprimus? Der zeigt, was die Amerikaner in der aktuellen Situation kaufen sollen: Hybridautos und Elektro-Flitzer. Namentlich sind es die dritte Prius-Generation und eine noch namenlose Elektrostudie, mit denen Toyota ein selbstbewusster Messeauftritt gelingen sollte. Natürlich tatkräftig unterstützt von Edel-Ableger Lexus, auf dessen Bühne die neue RX-Generation und ein neuer Premium-Mittelklasse-Hybrid (HS 250h) die Blick auf sich ziehen.

Die US-Autoindustrie zeigt die Zukunft auf Sparflamme

Gutes Timing: Mit dem Hybrid-Ableger des Fusion hat Ford theoretisch alles richtig gemacht. Jetzt muss ihn nur noch jemand kaufen.

Bleiben die Gastgeber. Finanziell gerupft, von den Kunden abgestraft und auf staatliche Hilfe angewiesen. Aber noch da. Was mit dem Blick auf die Milliarden-Schulden, die die großen Drei angehäuft haben, fast einem Wunder gleichkommt. Chrysler, im Gespann mit Dodge und Jeep, nutzt die NAIAS 2009, um zu zeigen, wie die Elektro-Zukunft aussehen könnte – so die staatlichen Hilfsgelder rechtzeitig überwiesen werden. Der Dodge Circuit EV fährt  dabei rein elektrisch, während  Jeep Patriot EV, Jeep Wrangler EV und der Chrysler Town&Country EV einen kleinen Verbrennungsmotor nutzen, um die Reichweite des Elektroantriebs zu vergrößern. Die Idee ist bekannt und wird bei Chevrolet 2010 als Volt in Serie gehen. Ebenfalls aus dem GM-Stall kommt der über fünf Meter lange Buick LaCrosse – der zwar mit den Genen des Opel Insignia, dafür aber völlig ohne Spirtspar-Attribute sein Glück versuchen muss. Gleiches gilt auch für die Chevrolet Equinox und Cadillac SRX, die aber im Vergleich zu ihren Vorgängern wenigstens sparsamer Motoren verpasst bekommen haben.

Genau zur richtigen Zeit kommt der Chevrolet Spark, der 2010 den Matiz ablösen soll. Sein kantiges Design hat er von der frechen New-York-Auto-Show-Studie Beat. Ford-Tochter Lincoln hat für die Auto Show in Detroit die nächste Evolutionsstufe des Business-Class-Riesen MKT vorbereitet, während Ford mit den Fusion Hybrid ein serienreifen Mittelklasse-Hybriden zu den Händlern schiebt. Dort wird man sehr zeitnah auch den Fisker Karma treffen, der auf der NAIAS 2009 direkt neben einem neuen Konzeptfahrzeug der kalifornischen Hybrid-Manufaktur stehen wird.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.