Vorsicht, Internet-Fallen!

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Vorsicht, Internet-Fallen!

— 16.11.2004

"Wir sind ins Netz gegangen!"

Achtung, www.abzocker.de! Wie gutgläubige Autofahrer im Internet auf Betrüger hereinfallen – und dabei viel Geld verlieren.

Abzocke hinter bunten Werbebannern

Dr. Giorgio Schweeger (42) aus Dresden war sich ganz sicher. Niemals, auf gar keinen Fall und ganz bestimmt nicht würde er jemals einem Betrüger auf den Leim gehen. Dann wollte er seinen Alfa 156 verkaufen. Und ging ins Netz... An ein ganz normales Kommissionsgeschäft dachte der promovierte Ingenieur, als er im Internet auf einen Gebrauchtwagenhändler aus Königs Wusterhausen (Brandenburg) stieß. Der sechs Jahre alte Alfa wurde tatsächlich versilbert.

Doch seitdem versucht Schweeger vergeblich, an sein Geld zu kommen – immerhin 4500 Euro. Immer wieder wurde er hingehalten. Beliebteste Ausrede: Computerprobleme. Mehrfach wechselte der Betrieb seinen Namen: Von "e-Racer" über "emp industries" sowie "1st Commission" bis zum aktuellen Namen "Autohaus für Privatanbieter" (AfP), im Netz unter www.autos-von-privat.de. Doch dort fühlt sich niemand verantwortlich. Statt dessen schiebt Chefin Angela K. die Schuld auf ihre Vorgänger: "Die fehlenden Gelder haben frühere Geschäftsführer vereinnahmt."

Nur: Der Gesellschafter der drei Unternehmen ist immer derselbe. René Sch., ein vorbestrafter Betrüger. Die Auto-Abzocker im Internet lauern hinter bunten Werbebannern und tarnen sich mit seriös klingenden Namen. Doch ein Klick zuviel, und man ist ihnen ins Netz gegangen. Eines seiner Opfer trieb René Sch. fast in den Tod: Anneliese W. (Name geändert) wollte sich nach den Scherereien das Leben nehmen. Die Überdosis Tabletten überlebte sie nur knapp. Eine Chance, ihren Audi A3 wiederzusehen, gibt es für die Rentnerin kaum.

Vorsicht bei utopischen Rabatten

Auch Sonja Tandecki (29) aus Berlin geriet in das Netz von AfP. Nach dem Tod ihres Vaters wollte sie dessen acht Jahre alten Opel Vectra schnell loswerden. Die AfP-Leute zogen auch sie eiskalt über den Tisch. Heute steht die Buchhalterin ohne Auto und ohne Geld da. Eine plumpe Masche, mit der sich Staatsanwälte in ganz Deutschland beschäftigen. Dabei kann sich jeder leicht schützen. Johannes Hübner vom Automobilclub von Deutschland (AvD) rät, bei Kommissionsverkäufen "nie den Fahrzeugbrief aus der Hand zu geben". Und auch Verbraucherschützer raten, das Geschäft mit Partnern aus dem Internet "Auge in Auge" abzuwickeln.

Generell anrüchig sind auch Angebote von Automaklern, die Kunden mit utopischen Rabatten ködern. AUTO BILD-Leser Guido Möllering aus Meppen stieß bei der Suche nach einem Neuwagen im Internet auf das "Institut für Verbraucherinformation" (IfV). Möllering wurde ein nagelneuer Audi A3 für 24.444 statt 30.555 Euro offeriert – satte 20 Prozent unter Listenpreis. Aus Neugier ließ sich der 32jährige ein Angebot erstellen.

Und wunderte sich erneut: Denn in der Post lag ein offizielles Audi-Bestellformular eines bayerischen Vertragshändlers – nur leider mit dem teuren Listenpreis. Ein anderes Formular enthielt die Zahlungsmodalitäten. Die Hälfte des Kaufpreises sollte Möllering als Anzahlung auf ein Treuhandkonto überweisen, 30 Prozent bei Fahrzeugübergabe zahlen und 20 Prozent als Rabatt erhalten. Aber von wem?

Spekulationen auf Kosten des Verbrauchers

AUTO BILD erfuhr aus Händlerkreisen, daß mit der Anzahlung auf dem Treuhandkonto meist ohne Wissen des Kunden spekuliert wird. Erwirtschaftet der Spekulant einen Gewinn, wird damit der Rabatt bezahlt. Wird die Anzahlung verpulvert, hat sich der Nachlaß in Luft aufgelöst: Der Käufer muß die Summe bezahlen, die er in der "verbindlichen Bestellung" beim Händler unterschrieben hat, also den vollen Listenpreis.

In Möllerings Unterlagen ist von alldem keine Rede, schon gar nicht auf dem entscheidenden Bestellformular. "Für uns ist die Sache deshalb ohne Risiko", gibt der Verkaufsleiter eines Audi-Autohauses offen zu. Audi distanziert sich von solchen Praktiken: "Händler, die so etwas machen, setzen das Vertrauen der Kunden in die Marke Audi aufs Spiel", erklärt ein Firmensprecher. Wer Autos über Automakler wie das IfV verkaufe, so Audi, riskiere seinen Händlervertrag.

Jürgen Hacke (37) aus Hersbruck beauftragte Ende April den Automakler "Euro Car Mobil" aus Hildesheim (Niedersachsen), um seinen alten Dreier-BMW loszuwerden. Eine sichere Sache, dachte sich der Franke. Schließlich steht in der "Vermarktungsbestätigung" und auch auf der Homepage (www.eurocarmobil.de), daß er die 89 Euro Gebühr zurückbekommt, wenn sich das Auto binnen drei Monaten nicht verkaufen läßt.

Auf sein Geld wartet der Feuerwehrmann bis heute. Inzwischen hat er Klage eingereicht. "Eine Frechheit", schimpft der 37jährige Familienvater. Der Firmenchef war trotz mehrmaliger Versuche für eine Stellungnahme gegenüber AUTO BILD leider nicht erreichbar.

Tip: So handeln Sie sicher im Internet

Das Kaufen und Verkaufen von Autos im Internet ist nicht grundsätzlich gefährlich. Das Problem bei dieser Art von sogenannten Distanzgeschäften ist jedoch, daß der Austausch von Geld gegen Ware selten persönlich stattfindet. "Wer dabei in finanzielle Vorleistung tritt, trägt auch immer das Risiko", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Daher rät sie gerade bei diesen hohen Summen zum Einschalten eines seriösen Treuhänders. "Das Geld kann zum Beispiel bei einem Anwalt auf ein Anderkonto eingezahlt werden." Generell, so die Verbraucherschützerin, sei es aber immer von Vorteil, das Geschäft mit dem Händler "Auge in Auge" abzuschließen.

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