Vorstellung Lamborghini Reventón

Vorstellung Lamborghini Reventón Vorstellung Lamborghini Reventón

Vorstellung Lamborghini Reventón

— 21.09.2007

Fledermaus im Tarnanzug

Wenn sich ein Autohersteller Designanregungen bei einem Kampfjet holt, ist das Ergebnis spektakulär: Der Lamborghini Reventón ist ein fahrender Tarnkappenbomber.

"Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen … ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake. Wir wollen den Mann besingen, der das Steuer hält, dessen Idealachse die Erde durchquert, die selbst auf ihrer Bahn dahinjagt." Filipo Tommaso Marinetti, Futuristisches Manifest, 1909. Die Gegenwart: Ein schmuckloses Industriegebiet außerhalb von Florenz. Hier soll sie stehen, die IAA-Überraschung von Lamborghini. Die Vorab-Infos waren dürftig: So ein bisschen Richtung Kampfjet gehe das Teil. Sind die bei Lambo jetzt komplett abgespaced? Geht es um Bordwaffen? "Wir vom Centro Stile Lamborghini hatten den Auftrag, ein noch extremeres Fahrzeug auf Basis des LP 640 zu kreieren", erklärt Manfred Fitzgerald, Leiter des Designzentrums. Einen extremen Murciélago also. Hmm.

Das Designvorbild heißt F22 Raptor

Jeder Lamborghini ist eine zu Blech und Carbon geronnene Verherrlichung der Geschwindigkeit.

Fotograf Christian Bittmann und
ich sind gespannt. "Fledermausohren und eine Felllackierung scheiden schon mal aus", witzelt Christian. Von einem Transen-Lambo war auch nicht die Rede. Dass es nur ein paar Anbauteile sind, kann man auch ausschließen: "Die einzigen Exterieur-Gleichteile vom Murciélago sind die Außenspiegel", sagt Fitzgerald. Und dass der F22 Raptor als Vorbild diente. "Für uns das derzeit beeindruckendste Flugzeug." Ein Tarnkappenflieger. Haben sie etwas gegen Radarfallen erfunden? Wir öffnen die Tür zum Fotostudio. "Heiliger Bimbam", sagt Christian und hält sich an einem der acht 2000-Watt-Strahler fest. Der wieder nach einem – diesmal recht bösen – Kampfstier benannte Reventón streckt uns sein mächtiges Heck entgegen. Torero Felix Guzman hatte keine Chance gegen den 1943 geborenen Reventón. Ein sehr mutiger Stier. Ein Killer. Jeder Lamborghini ist eine zu Blech und Carbon geronnene Verherrlichung der Geschwindigkeit. "Funktionalität ohne Ornamentierung", nennt das Manfred Fitzgerald. Öffnungen sind dort, wo sie nötig sind. So groß, wie sie sein müssen. Spielereien Fehlanzeige.

Ein Tarnkappen-Lambo mit vielen scharfen Kanten

Von wegen Design-Spielerei: Die spektakuläre Außenhaut verbessert die Aerodynamik.

Wobei man dem Reventón anmerkt, wie viel Spaß seine Schöpfer mit ihm gehabt haben müssen. Denn das Prinzip der sogenannten Tarnkappenflugzeuge, mit möglichst wenig parallelen Flächen keine Angriffsfläche für Radarstrahlen zu bieten, gab es bei Autos bisher noch nicht. Dabei ist das Design nicht nur Selbstzweck: Die Aerodynamik des Murciélago wurde ebenso verbessert wie die Kühlung von Motor, Ölkühlern, Abgasanlage und Bremsen. Die riesigen Luftschächte an der Front, vor den Hinterrädern und in der Heckpartie dienen einem Zweck. Keine Verzierung, reine Funktionalität. Mit der Kamera tastet Christian den in mattem Grau sehr edel wirkenden Reventón ab. "Grigio Barra due" nennt sich der Farbton, den die Designer eigens für den Tarnkappen-Lambo angerührt haben. "Die Heckpartie mit den extrem betonten Rücklicht-Lufteinlasslöchern erinnert mich an den Countach", findet Christian. Man könnte die lang gezogene Heckpartie mit den scharfen Kanten und gezackten Spalten auch als angeklappte Flügelpartie eines außerirdischen Käfers sehen. Dann bleibt der Fotograf am Heckdiffussor hängen. "Schau dir das mal an. Sieht aus wie ein Nurflügler." Die ausgestellten Lufteinlassöffnungen vor den Hinterrädern – wie Abschussrampen für Boden-Boden-Raketen. Und die gewaltigen, fast quadratischen vorderen
Höhlen sehen aus wie Ansaugvorrichtungen für mittelgroße Hunde.

Je länger man den Reventón betrachtet, desto mehr außergewöhnliche Details findet man. Etwa den aus einem Alublock gefrästen Tankdeckel, der fast freiliegt. "Das Aufeinandertreffen der Sicken kurz vor dem hinteren Radlauf wirkt ganz schön dramatisch", meint Christian. Und wieder fällt erst bei genauerem Betrachten auf, dass nicht einmal die Radläufe rund sind, sondern den von hier ausgehenden Sicken angepasst wurden. Wir sind uns einig: Dieser Lambo ist ein Hammer, originell, funktionell, auffällig – und schnell. Schade, dass man ihn noch nicht fahren kann. Ein Erlebnis, das weltweit ohnehin nur 20 Multimillionäre haben werden. Denn mehr Reventóns wird es nicht geben. Der Preis: eine satte Million Euro. Doch laut Lamborghini sind alle schon an ausgewählte Kunden verteilt. Und die können sich auf eine weitere Überraschung freuen: Nicht nur dass der Innenraum des Reventón mit edlem braunen Wildleder ausgeschlagen ist. Die Instrumente nehmen das Thema Jet wieder auf und kommen in Form dreier TFT-Bildschirme daher, eingebettet in einen Aluminiumblock, der mit Kohlefaser abgedeckt ist.

Auch im Cockpit geht es zu wie im Flugzeug

Ein schöner Gruß aus der Aeronautik: Die Armaturen könnten aus einem Kampfjet stammen.

Das futuristische Cockpit zeigt auf der linken Seite in digitaler Form die Drehzahl, auf der rechten Seite wird ebenfalls digital das Tempo angezeigt. Absoluter Clou: Wie in einem modernen Flugzeug wird mit einer Kugel in einem Kreis die Richtung und Intensität der Beschleunigung angezeigt. Auf Knopfdruck lässt sich das neuartige Cockpit-Design auch durch eine quasi analoge Form mit klassischen Rundinstrumenten ersetzen. Unverändert geblieben sind dagegen die inneren Werte des Prachtstieres mit dem Fledermausnamen aus Sant'Agata. Der 6,5 Liter große Zwölfzylinder stemmt 650 PS auf alle vier Räder, wobei die maximale Leistung erst bei 8000 Umdrehungen pro Minute erreicht wird. Beim Ausdrehen mischt sich unter den sauberen Zwölftonakkord ein heiseres Timbre. Der limitierte Lamborghini Reventón ist nur mit sequenzielem eGear und Keramikbremsen zu haben.
Technische Daten* Lamborghini Reventón
Motor V12
Einbaulage Mitte längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6496 cm³
kW (PS) bei 1/min 478 (650)/8000
Literleistung 100 PS/Liter
Nm bei 1/min 660/6000
Antriebsart Allrad
Getriebe 6-Gang sequenziell
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 355 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn / hinten 8,5 x 18 / 13 x18
Reifen vorn / hinten 245/35 ZR18 / 335/30ZR18
Reifentyp Pirelli P Zero Corsa
Länge/Breite/Höhe 4610/2058/1135 mm
Radstand 2665 mm
Leergewicht 1665 kg
Leistungsgewicht 2,6 kg/PS
Tankinhalt 100 l
EU-Normverbrauch Ø auf 100 km 21,3 l Super Plus
Beschleunigung von 0–100 km/h 3,4 s
Höchstgeschwindigkeit 340 km/h
Preis 1.000.000 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Ralf Kund

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