Vorstellung Mercedes-Benz GL-Klasse

Vorstellung Mercedes-Benz GL-Klasse Vorstellung Mercedes-Benz GL-Klasse

Vorstellung Mercedes-Benz GL-Klasse

— 09.12.2005

Der große Bruder aus Amerika

Nach M- und R-Klasse bringt Mercedes-Benz nächstes Jahr auch noch die GL-Klasse. Redakteur Gerald Czajka durfte vorab schon mal probesitzen.

Eine M-Klasse in XXL



Mercedes und Allrad – ein Thema, bei dem ich so langsam den Überblick verliere. Seit 1979 (und mindestens noch bis 2009) gibt es da die rustikal-rauhbeinige G-Klasse. So weit, so klar. Seit acht Jahren pflügt neben ihr außerdem die M-Klasse durch Stadt und Land, weil ja nicht jeder einen waschechten Geländewagen fahren möchte. Okay.

Doch spätestens bei der R-Klasse (kommt im Januar 2006) zweifle ich, ob es für diesen Wagen wirklich eine Nische gibt. Und wenn dann im September auch noch die neue GL-Klasse auf unseren Straßen auftaucht, ist das Chaos perfekt. Für mich also mehr als Grund genug, nach Amerika zu fliegen und mir das neue Mercedes-SUV aus nächster Nähe anzusehen.

Was und für wen ist dieses Auto? Zunächst einmal handelt es sich beim GL um einen ebenso geräumigen wie geländegängigen Gegner für den markanten Range Rover oder den fetten Cadillac Escalade (in Europa wohl erst zum Herbst 2006). Geräumiger als M- und G-Klasse, offroadtauglicher als die R-Klasse und innen voll auf Luxus getrimmt. Eigentlich eine M-Klasse in XXL. Die speziell für Amerika entwickelt wurde. Dort sollen rund 70 Prozent aller GL verkauft werden, den Rest teilen sich zu etwa gleichen Teilen Asien, Europa und arabische Welt.

Luxuriöser Innenraum

Ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten paßt der GL wie Cola zum Burger. Das erstaunliche Klettertalent sowie die Optik mit angedeuteten Muskelsträngen auf der Motorhaube (neudeutsch: Powerdomes) und markantem Heckabschluß sollen Freunde rustikaler Geländewagen ködern. Das großzügige Platzangebot und der luxuriöse Innenraum mit drei Sitzreihen zielen auf potentielle Van-Kunden.

Das erste Probesitzen im neuen Mercedes liefert überraschende Erkenntnisse. Zum einen kommt mir der GL ungewöhnlich vertraut vor. Was daran liegt, daß ich die Bedienelemente und das Cockpit-Layout von der M-Klasse her kenne. Viele Schalter sowie der Automatikhebel an der Lenksäule stammen vom kleinen Bruder. Kein Wunder, beide werden zusammen mit der R-Klasse im US-Werk Tuscaloosa gebaut, teilen sich Allradtechnik, Achsen, Antrieb und diverse Elektronik-Bausteine. In der GL-Klasse wirkt alles nur eine Spur edler. Das gesamte Armaturenbrett ist in feines Leder gehüllt. Eine Klimaautomatik sorgt für angenehme Temperaturen. Die Vordersitze surren elektrisch in Position. Im Fond spendet ein Panorama-Glasdach Sonne – und alles ganz ohne Aufpreis.

Das Platzangebot des 5,09-Meter-Schiffes entspricht meinen Erwartungen: großzügig und knitterfrei. Vorn findet auf bequemen Sesseln wohl jeder zwischen 1,50 und 2,00 Metern eine entspannte Sitzposition, und selbst dahinter müssen kaum Abstriche gemacht werden. Dank eines Radstands von 3,08 Metern drückt es in Reihe zwei nicht an den Knien. Die Höhe von 1,84 Metern schafft Luft überm Scheitel und 1,92 Meter Breite erlauben auch zu dritt noch angenehmes Reisen. Der mittlere Platz sollte aber dem Kleinsten im Bunde gehören – die Beule im Dachhimmel begrenzt die Kopffreiheit doch deutlich.

Zwei Benziner, zwei Diesel

Ganz hinten geht es immer noch manierlich, aber natürlich nicht mehr wirklich großzügig zu. Ich (1,97 Meter) möchte dort jedenfalls keine längeren Ausflüge unternehmen. Den nettesten Aspekt liefert in der dritten Reihe ohnehin der elektrische Klappmechanismus. Auf Knopfdruck legen sich die Sitzlehnen flach oder richten sich wieder auf. Wer auf die Plätze sechs und sieben verzichtet, kann immerhin 1240 Liter Gepäck mitnehmen. Wer als Hobby-Spediteur auftreten will, legt einfach auch noch die zweite Reihe flach. Bank und Lehne lassen sich im Verhältnis 2:1 falten, der Kofferraum wächst auf stattliche 2300 Liter – und 2,13 Meter Ladelänge reichen auch großspurigen Cowboys.

Die Motoren, die alle mit einer Siebengang-Automatik zusammenarbeiten, werden die US-Jungs sicher auch glücklich machen – wenn wir mal vom Sechszylinder-Diesel im GL 320 CDI absehen. Seine 224 PS mögen ja für Europäer reichen, in den USA dürfte dieser Motor nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn schon Diesel, dann bitte auch mit acht Zylindern. Der GL 420 CDI (306 PS) kommt sparwilligen Amerikanern eher entgegen.

Für alle anderen gibt es zwei V8-Benziner. Unterhalb des 388 PS starken GL 500 startet der neue GL 450. Er holt aus 4,6 Liter Hubraum mehr als ausreichende 340 PS und liefert quasi nebenbei einen derart zornigen Sound, daß ich über den Klang eines noch folgenden GL 63 AMG gar nicht jugendfrei nachdenken kann.

In den USA macht er auf Softie

Weitgehend risikofrei wird dieser GL 450 wohl auch durch schwierigeres Gelände kommen. Anders als die verwandte R-Klasse ist er in den Tiefen seines Blechs nämlich auch für den harten Offroad-Einsatz konzipiert. Hier in den USA macht er aber lieber den Softie. Für den Einsatz abseits befestigter Straßen müssen eine Bergabfahrhilfe und die Offroad-Schaltung reichen. Die serienmäßige Luftfederung (inklusive adaptiver Dämpfer-Regelung) mit bis zu 307 Millimetern Bodenfreiheit leistet dabei wertvolle Dienste. Natürliche Grenzen setzen jedoch die langen Überhänge und der große Radstand.

Für Deutschland wird die GL-Klasse für schwierige Aufgaben weiter aufgerüstet. Bei uns gibt es zusätzlich noch eine Geländeuntersetzung sowie Differentialsperren in der Mitte und hinten. Und das serienmäßig ohne Aufpreis. Das sollte dann sicher reichen. Denn wer bereits die aktuelle M-Klasse auf Klettertour erlebt hat, wird kaum daran zweifeln, daß die GL-Klasse noch souveräner krabbelt. Die meisten Kunden werden ihrem GL aber ohnehin kaum mehr zumuten als die heimische Kiesauffahrt oder eine matschige Wiese.

Zu den Preisen schweigt Mercedes natürlich noch. Ganz billig dürfte der große Bruder der M-Klasse aber nicht werden. Wir schätzen mal, daß die GL-Gala bei rund 56.000 Euro losgeht, also zwischen M-Klasse und G-Modell. Ob zwischen den beiden wirklich Platz genug ist? In den unendlichen Weiten Amerikas sicher, aber in Europa ...

Autor: Gerald Czajka

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