Der neue Opel GT im Test

Opel GT Roadster trifft Opel GT 1900 Coupé Opel GT Roadster trifft Opel GT 1900 Coupé

Vorstellung Opel GT

— 29.12.2006

Hurra, der GT ist wieder da!

Darf der offene Zweisitzer überhaupt GT heißen? So wie das legendäre 68er Coupé? Am Mittelmeer fuhren beide im scharfen Küstenwind, der alle Zweifel wegfegte: Dieser Opel trägt seinen großen Namen zu Recht.

"Keine Fahreindrücke", hat Opels eifriger PR-Chef Frank Klaas ausdrücklich befohlen. "Sie schreiben keine Fahreindrücke vom GT!" Na schön, wir können uns an Absprachen halten – grummelnd, Faust in der Tasche. Schließlich will Opel noch was zu erzählen haben, wenn im Januar erstmals die Europaversion des neuen GT zu fahren sein wird. 264 PS stark, Zweiliter-Turbo, Heckantrieb, rattenscharfes Gerät – ein Roadster zum Fingerlecken. Ja, ja, ja, keine Fahreindrücke! Mann, wie blöd!

Erst lädt Opel zur gemeinsamen Ausfahrt von altem und neuem GT, und dann wird einem die Wurst vor der Nase weggeschnappt: "Keine ..." Phh, verziehe ich mich halt in den Alten. Ist sowieso die schönste Aussichtsplattform, um den Neuen zu besichtigen. Der GT ist aus heutiger Sicht klein, schmal, ein Nichts. 60er-Jahre pur, gerade mal 4,11 Meter lang. Aber als wir an diesem Morgen bei Marseille an der Küstenstraße entlangcruisen, da haben die Jogger, Rollerpiloten und Kleinwagenfahrer sowieso nur Augen für einen: den alten GT, frisch lackiert in Rot, ein 1900er mit der Extra-Beule auf der Haube (den darf ich aber fahren!). "Die deutsche Corvette" haben sie ihn getauft, als er 1968 in Serie ging. Nur fünf Jahre, bis zu seinem frühen Tod 1973, reichten diesem Design-Glücksfall, um unsterblich zu werden. In den Köpfen, in der Erinnerung und in der Werbung. "Nur Fliegen ist schöner", stand in Anzeigen. Und: "vrrroooaaaaammmm". Heute undenkbar.

Innen kneift der Oldie, der 90-PS-Motor müht sich

Würdevoller Ahne: Das 68er Coupé GT gab den Namen.

Innen kneift der GT wie ein hautenges Polyesterhemd. Eine schmale, schwarze Höhle, dünne Dachpföstchen und Kippschalter vom Kadett, der auch die meiste Technik lieferte. Links vom Schaltknüppel der Hebel für die Schlafaugen-Scheinwerfer, die sich längs aufdrehen. Was haben wir Jungs damals vor diesen Dingern gestaunt, "Boohh, kumma".

Die 90 PS klingen angestrengt und kriechen mit müdem mechanischem Mahlen aus dem Graugussblock. Der Stoßstangenmotor aus dem Rekord war damals Großserien-Ware, nichts Sportliches. Der hat in den 60er-Jahren ein ganzes Heer von Feinripp-Trägern zur Arbeit kutschiert. So klingt und so geht er auch. Ich muss ordentlich Gas geben, um während der Fotoaufnahmen mit dem neuen GT Schritt zu halten, der nur ganz locker dahintrabt.

Der neue GT steht da wie eine verkürzte aktuelle Corvette

Tief geduckt: Der neue GT steht da wie eine verkürzte Corvette.

Wieso eigentlich GT, wo der Neue doch ein Roadster ist und kein Coupé? Klingt im ersten Moment bemüht, als wollte Opel unbedingt diesen Namen wie einen verstaubten Schatz aus dem Fundus heben. Aber die steil aufragenden Kotflügel vorn, mit einer scharfen Bügelfalte drin, die hat der neue GT auch. Und wie ich ihn vor mir sehe, dann seitlich und später im Rückspiegel, da hat der geduckte Zweisitzer echte Klasse. Hockt tief und gespannt auf seinen 18-Zöllern, die breite Haube vorn angeschlagen, gespielt dramatisch mit den gefakten Luftschlitzen seitlich im Blechkleid. Moment, das ist doch – ja, wirklich, der neue GT steht da wie eine verkürzte aktuelle Corvette! Seine Stoffhaube sitzt ebenso tief auf dem breiten Körper, der Ausblick durch die kleinen Seitenscheiben macht dir Platzangst.

Ein Griff zum Zentralhebel, und das Dach verschwindet mit einem elegantem Schwung unter der Heckklappe, die bei geöffnetem Dach zwei bildschöne Hutzen zeigt. Wer fragt da nach Kofferraum? Es gibt fast keinen. Der GT ist ein Spielmobil, genau wie sein Namens-Spender aus den Sechzigern.

Die Sechsgang-Schaltung dürfte eine der knackigsten sein

Lecker, Freunde, lecker! Beide Opel GT sind echte Spaßmaschinen.

Suchen wir noch ein paar Gemeinsamkeiten mit dem Alten. Das doppelte Endrohr vielleicht, die roadstermäßig steile Frontscheibe oder die tiefe Sitzposition. Man hockt in engen Höhlen, der Schaltarm fällt automatisch auf den hohen Kardantunnel. Die präzise Sechsgang-Schaltung dürfte – diese Vermutung schüttele ich jetzt mal aus dem Ärmel – der größte Gegner des MX-5 werden bei dem Wettbewerb: Wer hat die knackigsten Schaltwege der Welt? (Nein, Herr Klaas, ich bin nicht gefahren!!!).

Aber ich habe gehört, wie der Turbo klingt – lecker, Freunde, lecker! Unten leicht böse, oben mit diesem heiseren Unterton, der akustisch keines seiner 264 Pferdchen versteckt. So soll ein Roadstermotor sein: leicht, ausgekocht mit Hightech-Zutaten von der Benzineinspritzung bis zur doppelten Nockenwellenverstellung. Vor allem: Stramme 353 Nm Drehmoment drücken schon ab 2500 Touren mächtig an – da reicht ein Gasstoß, um sich am Kurvenende den Fahrtwind ins Gesicht zu jagen. Seine Fahrleistungen (5,7 Sekunden bis Tempo 100, Spitze 229 km/h) und das Fahrwerk mit doppelten Dreieckquerlenkern ringsum katapultieren den Opel in bislang unerreichte Image-Höhen. Da schwirren die SLK und Z3 als Gegner herum, sogar der Boxster. Ein Porsche! Wenn, ja, wenn Federung und Lenkung ordentlich mitspielen.

Der alte GT wurde in die USA verschifft, der neue kommt von dort

Viel Auto für wenig Geld: Der Opel GT soll 30.675 Euro kosten.

Während der alte GT aus Deutschland nach Amerika verschifft wurde, kommt der neue GT aus den USA. Genauer aus dem Nest Wilmington bei Philadelphia, wo er mit seinen baugleichen Konzernbrüdern Saturn Sky und Pontiac Solstice vom Band rollt. Den Pontiac, der seit 2005 mit über 25.000 Verkäufen richtig einschlug, hat mein Kollege Tomas Hirschberger drüben schon getestet. Sein Urteil: amiweich (AUTO BILD 40/05). Das ist wie Softeis oder Marshmallows, jedenfalls im Roadster unmöglich. Opel verspricht eine eigene Europa-Abstimmung, wenn der US-Import ab März nächsten Jahres auf unsere Straßen rollt: feste Lenkung, sportliche Federung. Schaun mer mal.

Eines steht schon fest: Mit seinem Preis von 30.675 Euro spielt der GT den Hecht unter den teuren Roadster-Karpfen Z4 3.0 (39.906 Euro) und SLK 350 (45.875 Euro). Dafür gibt es 18-Zoll-Räder, CD-Radio, Klimaanlage, Zentralverriegelung und, und, und. Fragt sich nur, ob Cabriofans auf diesem Preisniveau einen Opel wählen. Die Aussichten stimmen soweit: Der Opel GT macht Appetit auf den nächsten Frühling. Auch ohne Fahreindrücke, lieber Herr Klaas. Aber es ist schwergefallen.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Joachim Staat

Ehrlich, ich war skeptisch: Der neue GT heißt nur so, weil Opel auf Retro macht. Dachte ich. Doch der Roadster hat mich bisher überzeugt. Hier kommt kein hohler Mix aus Großserien-Teilen, sondern pure Technik für den Fahrspaß: hochmoderner Turbo, gute Gewichtsbalance von 51:49 Prozent, Heckantrieb. Und das zum attraktiven Preis. Bravo, Opel! Der fordert die Großen und fördert das Markenimage. Schade nur, dass der Alltagsnutzen fehlt, aber das hat er mit seinem Vorgänger gemeinsam. Dieser GT hat den Namen verdient. Ganz neues Gefühl: ein Opel, auf den ich mich richtig freue.

Autor: Joachim Staat

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