Vorstellung Peugeot 307

Peugeot 307 Peugeot 307

Vorstellung Peugeot 307

— 08.03.2002

Eine Nummer größer

Achtung, Golf & Co. Die Löwenmarke beißt wieder zu! Aus dem Peugeot 306 wird im Juni ein prächtiger 307. Für knapp unter 30.000 Mark.

Auf der Überholspur

Es sind oft nur Anekdoten, die einem Konzern plötzlich ganz menschliche Züge verleihen. So auch bei Peugeot. Als Renault seinen Kangoo Anfang 1998 mit rechter Schiebetür vorstellte, fuhr der Prototyp Peugeot "Partner" noch mit normaler Tür herum. Der Chef des PSA-Konzerns (Citroën/ Peugeot), Jean-Martin Folz, ordnete sofort an, den Kleintransporter auch auf Schiebetür umzubauen. Erst bremsten seine Techniker und Kaufleute ("zu zeitaufwendig, zu teuer"), nach einem halben Jahr aber war der Umbau vollbracht. Ein Peugeot-Manager heute stolz: "Jetzt haben wir sogar zwei Schiebetüren, schließlich verkaufen wir den Partner auch in England."

Starke Persönlichkeiten sorgen dafür, dass aus Anekdoten Legenden werden. Und sich mittelmäßig erfolgreiche Konzerne zu Marktführern wandeln.

Es scheint, als sei Konkurrent Piëch Vorbild für Folz. Auch er ist Ingenieur mit Super im Blut - und anerkannte Autorität. Der Elsässer, der Ende 97 einen vom Finanzmann Jacques Calvet sanierten Konzern übernahm, hat bei PSA die Kurve zu technisch vollendeten und interessanten Autos genommen. Hierfür zwei Beispiele: das ausverkaufte Cabrio 206 CC und der große 607.

Golf-Konkurrent

Der Dritte im Bunde wird die anderen Hersteller ebenfalls aufhorchen lassen: Golf-Konkurrent 307 kommt im Juni auf den Markt, präsentiert sich schon jetzt in bester Papierform. Leider durften wir ihn noch nicht fahren. Nehmen wir, so wie in einem Ausstellungsraum, also einfach nur mal Platz.

Der Blick geht durch eine stark geneigte, fast anderthalb Quadratmeter große Scheibe. Sie soll ein "excellentes Raumgefühl" (Pressetext) vermitteln. Liegt natürlich automatisch der Verdacht nahe, dass trotz serienmäßiger Glastönung aufgrund der kräftigen Aufheizung im Sommer eine Klimaanlage (ab Prémium Serie) nötig ist und die zum Teil hell bezogenen Armaturen-Oberteile in der Scheibe heftig reflektieren werden. Doch da der 307 erst am zweiten Juni-Wochenende bei den Händlern in Deutschland vorgestellt wird, dürfte sich dieser (Sonderausstattungs-)Fehler noch beheben lassen.

Der großflächige Fahrersitz lässt sich per Ratsche leicht in der Höhe verstellen, die Lehnen sind mitsamt Kopfstütze so konstruiert, dass sie bei einem Heckaufprall den nach hinten schnellenden Kopf früher abfangen (so genanntes Spinal Care System).

Auch andere Kopfnüsse werden gedämpft: Airbags schützen Fahrer (hier bei starkem Aufprall 100 Millisekunden später sogar noch eine zweite Zündung) und Beifahrer von vorn sowie von der Seite; links und rechts ziehen sich ganze Airbag-Vorhänge bis zu den hinteren Plätzen. Sollten die Airbags - und damit auch die auf allen fünf Plätzen serienmäßigen Gurtstraffer - zünden, wird gleichzeitig die Warnblinkanlage eingeschaltet, die Spritzufuhr unterbrochen und ein Notruf abgesendet (nur bei Ausrüstung mit Telematik).

Neueste Sicherheitstechnik

Ebenfalls serienmäßig natürlich ABS-Bremse mit elektronischer Bremskraftverteilung und Notbremsassistent. Der bringt die 4,20 Meter lange Karosse (Golf 4,15 m) schneller zum Stehen, weil er die Pedalkraft im Ernstfall noch verstärkt.

Drei- oder fünftürig wird uns der 307 anfangs begegnen. Der alte 306 muss als Kombi und Cabrio noch so lange vom Band rollen, bis die 307-Derivate fertig sind. Auch ein Raumfahrzeug soll in der Planung sein, schließlich ist die 307-Plattform nagelneu und wartet (natürlich auch bei Konzernschwester Citroën) auf weitere Traglasten.

Mit vier Motoren fängt die Baureihe an: zwei Benziner und zwei Diesel (siehe kleine Tabelle unten), der stärkere Selbstzünder wird den supersauberen FAP-Filter bekommen, der den Ruß sammelt und regelmäßig verbrennt.

Der 307 soll pro Jahr 550.00-mal vom Band rollen (der Golf bringt es weltweit auf rund 900.00 Einheiten), eine nicht gerade unbescheidene Vorgabe von Monsieur Folz (Kurz-Info im Kasten rechts unten). Doch so selbstbewusst, wie er sich und den gesamten Konzern derzeit präsentiert, sollte das die Konkurrenz aufhorchen lassen. Denn, wie gesagt, Legenden beginnen meist erst als Anekdoten.

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