Vorstellung VW Iroc

Studie VW Iroc Studie VW Iroc

Vorstellung VW Iroc

— 25.08.2006

VW bekennt Farbe

Aus "Iroc" wird Scirocco. Was VW Donnerstagabend in Berlin enthüllt hat, soll 2008 als Comeback der Coupé-Legende auf die Straße rollen – und endlich wieder die Jugend anstacheln.

Es gab einmal eine Zeit, da war die automobile Welt noch wohlgeordnet. Wir hatten Ford und Opel, ganz oben Mercedes, und unten war eigentlich nur einer von Bedeutung: VW. Keine Japaner oder Koreaner, höchstens noch Fiat. Audi und BMW mühten sich redlich, aber in unseren Köpfen ging es nur um ein Thema: Schafft VW das Abnabeln vom Käfer – und was kommt danach?

Heute wissen wir: Es kam der Golf und (fast) alles wurde gut. Viele haben jedoch vergessen, da gab es noch einen, der voll ins Schwarze traf.

Marken-Chef Wolfgang Bernhard bei der Iroc-Präsentation: "Das schärfste Auto, das VW je gebaut hat!"

1973 präsentierte Volkswagen auf dem Genfer Salon ein hinreißendes Coupé, das im Sauseschritt zum Welterfolg wurde: den Scirocco. Inzwischen ist er längst Geschichte und VW nicht mehr die Marke fürs Volk – man sonnt sich lieber in der Nähe des Stuttgarter Sterns. Doch auch dort drohen Verbrennungen. So besinnt sich Wolfsburg wieder auf das, was die Marke aus Niedersachsen groß gemacht hat: attraktive Autos für die breite Masse. So wie damals der Scirocco eines war. Jetzt kommt er wieder und heißt zunächst "Iroc". Weil es noch eine Studie ist, die bis zum Serienbeginn in zwei Jahren leicht geändert wird. Dann heißt es: Willkommen, Scirocco!

Dass wir uns schon jetzt freuen können, zeigt die Studie. Denn was VW hier auf die Räder gestellt hat, macht ungeheuren Appetit. Wenn Sie die Augen ein wenig zusammenkneifen, ist es sofort wieder da – das klassische Sportcoupé-Gefühl der 70er. Lange Haube, knackiges Heck. Jetzt auch durch einen sehnigen Körper verbunden. Die Taille eingezogen, die Schultern breit: Das wird ein richtig bissiger VW. Dass die Farbe dazu wie damals "Viperngrün-metallic" heißt, passt – nicht zufällig – perfekt.

Ein Sportcoupé wie in alten Zeiten

In den Dimensionen wächst der Scirocco auf das heutige Golf-Maß: 4,24 Meter lang, 1,80 breit und 1,40 hoch. Wobei die Achsen 2,68 Meter auseinanderrücken. Dazu extrem kurze Karosserieüberhänge, wie es heute üblich ist. "Progressiver Sportwagen", tönt VW, wobei es doch wohl eher ein klassisches Sportcoupé wie damals ist. Vor allem, weil nicht nur vier Personen darin Platz finden, sondern auch ein relativ großer Kofferraum (350 Liter) parat steht. Dass es sich beim Iroc um einen ganz besonderen Volkswagen handelt, wird sofort klar. Er hat nicht das bekannte VW-Gesicht. Stattdessen trägt er einen großen Waben- Grill mit breitem Aluminium-Rahmen. Traditionalisten werden hier das VW-Zeichen vermissen – es wurde ganz klein nach oben auf die Motorhaube verbannt. Avantgardisten dagegen werten diese Bescheidenheit als neues Selbstvertrauen. Eine gelungene Form braucht keinen dicken Stempel.

Fast wie damals: Das Cockpit ist an das des 74er-Modells angelehnt.

Als Motorisierung hat VW zunächst den doppelt aufgeladenen TSI (Turbo plus Kompressor) in die Studie eingebaut. 210 PS aus 1,4 Liter Hubraum sollten für 240 km/h Spitze reichen. Für den Serien-Scirocco dürfte die Motorenauswahl etwas anders aussehen. Einstiegsmodell soll der 1.6 FSI mit 120 PS sein. Darüber ist der 1.4 TSI mit 150 PS geplant, Spitzenmodell wird zunächst der 2.0 TFSI aus dem Golf GTI mit 200 PS. Sogar ein Diesel ist geplant. Mehr als 200 PS sind im Gespräch, allerdings nicht durch das knurrige Pumpe-Düse-Prinzip realisiert, sondern leise schnurrend per Common-Rail. Es hat sich wirklich viel getan in unserer automobilen Welt. Ein Sportcoupé mit Dieselmotor: 1973 hätten wir VW für verrückt erklärt.

Design-Experten und ihre Meinung

"Note 1-": Prof. Othmar Wickenheiser, Design-Professor in München.

Prof. Othmar Wickenheiser, Design-Professor in München Wie mit eingezogenem Bauch steht der neue Scirocco da, wenn man ihn von der Seite betrachtet. Im Bereich der Türen ist er schmaler als an den Kotflügeln, die sich wie potent geformte Muskelpakete herauswölben. An einen freischwebenden Brillanten im Spannring erinnert der erfrischend eigenständige Kühler. Ein unverwechselbares Designmerkmal, das auch allen anderen VW-Modellen gut zu Gesicht stehen würde. Schon im Stand scheint sich das neue Coupé nach vorn zu katapultieren – dank der nach hinten abfallenden Dachlinie und der schmalen, sich nach hinten verjüngenden Seitenfenster. Für gute Bodenhaftung sorgt optisch der unten mattschwarz lackierte, solide Sockel der Karosserie. Wie gespannte Muskelsehnen in einem trainierten Körper wirken die knackigen seitlichen Schultern unter den hinteren Seitenfenstern. Ein mutiges Auto! Note 1–

"Note 2-": Hans-Ulrich von Mende, Architekt und Design-Experte.

Hans-Ulrich von Mende, Architekt und Design-Experte Erster Eindruck: ein scharfes Gerät, aber welche Marke? Vielleicht ein Audi? An den TT erinnert mich der Übergang von der Motorhaube in die Frontscheibe. Die Nase sieht dagegen eher nach Fiat aus: Sie ragt vor wie beim Grande Punto. Ganz untypisch auch das Markenlogo: Das VW-Emblem wird nicht als übergroßes Symbol betont wie beim Passat, sondern klebt wie ein Qualitätssiegel klein auf der Haube. Ebenso dezent die Retro-Anspielung auf den alten Scirocco: die hinteren Seitenfenster mit ihrem charakteristischen Knick sind dem Urahn von 1974 nachempfunden. Ganz im Gegensatz zum alten Scirocco-Grill: Hier öffnet sich ein riesiges, aggressives Maul. Dessen Trapezformen tauchen im Innenraum als Gelsenkirchener Barock wieder auf, ein Hauch Eleganz wäre passender. Gesamteindruck: zeitgemäß, dynamisch, aber nicht straff genug. Wenig VW-Gene in der Form. Note 2–

Autor: Jürgen von Gosen

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