Vorzeige-Pilot Lewis Hamilton

Vorzeige-Pilot Lewis Hamilton Vorzeige-Pilot Lewis Hamilton

Vorzeige-Pilot Lewis Hamilton

— 20.07.2007

Ein Brite zum Liebhaben

Lewis Hamilton ist der neue Star bei McLaren-Mercedes. Aber: Wie viele deutsche Fahrer braucht ein deutsches Team? Ergebnis einer Umfrage.

Lewis Hamilton kann sich hinstellen, wo er will, er gibt immer eine gute Figur ab – wahrscheinlich sogar mit einem Anzug im Freibad. Er zieht bei Sponsorenterminen kein gelangweiltes Gesicht wie seine Vorgänger bei McLaren-Mercedes. Er grüßt auch bei schlechtem Wetter lächelnd in die Runde und spricht fröhlich ins Mikrofon: "Guten Tag, allerseits. Erst mal Entschuldigung für meine Stimme." Hamilton krächzt. Er hat eine Erkältung. Der frühere McLaren-Fahrer Juan Pablo Montoya hätte die Unpässlichkeit nur zu gern als Vorwand benutzt, den Termin abzusagen, aber Hamilton, dem Musterprofi, scheint es nicht in den Sinn zu kommen, jemanden mit einer Absage zu enttäuschen. Der Gesamtführende der Formel-1-WM aus Großbritannien dreht drei Runden auf der Kartbahn am Nürburgring und gibt anschließend zehn auserwählten deutschen Nachwuchsfahrern Tipps, wie sie den Parcours am schnellsten bewältigen. Vor zwei Wochen hat er in einem ähnlichen Rahmen in Silverstone Knirpse begleitet und an den Beginn seiner Kartkarriere als Achtjähriger erinnert.

Hamilton und Alonso im Mercedes-Benz S, dem Sieger-Auto von 1927.

Geburtsstätte der Silberpfeile

Hamiltons Auftritt in der Vulkaneifel ist ein Tribut an den deutschen Partner der Renngemeinschaft, für den der Nürburgring einen Firmenmythos darstellt. Als 1934 Rennleiter Alfred Neubauer und sein Fahrer Manfred von Brauchitsch über Nacht den weißen Lack vom W25 feilten, um auf das Höchstgewicht von 750 Kilo abzuspecken, war der Silberpfeil geboren. Seither verbindet beide eine leidenschaftliche Beziehung. Mercedes unterhält auf dem Nürburgring eine eigene Tribüne und betreibt ein stattliches Museum. Als Michael Schumacher noch für Ferrari fuhr, profitierte Mercedes von den Duellen mit dem Rekordweltmeister. "Es ist fast schöner, gegen Schumacher zu gewinnen als mit ihm", pflegte Mercedes-Motorsportchef Norberg Haug denen zu entgegnen, die es für eine verfehlte Personalpolitik von Mercedes hielten, dass Schumacher für die Roten fuhr.

"Kompensationseffekt"

Dieses Jahr startet Schumacher erstmals seit 1995 nicht bei einem deutschen Rennen, und die Zuschauerzahlen werden aufmerksam registriert. Der Vergleich mit den Vorjahren hinkt, weil erstmals nur ein Rennen in Deutschland stattfindet. Nürburgring-Chef Walter Kafitz spricht von einem "Kompensationseffekt, der aber unterm Strich positiv ausgeht für uns", weil er mit Besuchern rechnet, die bisher das Rennen auf dem Hockenheimring vorzogen. Kafitz sagt aber auch: "Wir haben auch Zuschauer verloren, die nur wegen Michael Schumacher gekommen sind." Der Bericht des Landesrechnungshofes Rheinland-Pfalz weist für das Rennen neun Millionen Euro Verlust jährlich aus. Ring-Chef Kafitz hofft am Sonntag auf 130.000 Zuschauer. Immer noch muss Schumacher als eine der Hauptattraktionen herhalten. Der zurückgetretene Altmeister wird am Sonntag erwartet, wenn eine Kurve eingeweiht wird, für deren Name er Pate steht. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass sich die deutschen Hersteller BMW und Mercedes mächtig ins Zeug legen. Der bayerische Autobauer lädt zum Showprogramm im "Pit Lane Park", einer kleinen Formel-1-Welt, mit Kommandostand und Boxenstraße. Die Schwaben laden vor die Mercedes-Tribüne zu Interviews und Autogrammstunden mit den Fahrern.

Hamilton modelt mit Padberg

Aber reicht das, um ein Wir-Gefühl in der nationalen Fangemeinde zu kreieren? Oder wie deutsch muss ein Team sein, damit es in der Republik verehrt wird? Laut einer Umfrage von Sport + Markt würden sich 73 Prozent der Befragten in einem deutschen Team mindestens einen deutschen Fahrer wünschen. "Für die Fans wäre ein rein deutsches Team vielleicht das Größte – für den Erfolg der Formel 1 in Deutschland ist das weniger notwendig", sagt BMW-Motorsportchef Mario Theissen, der in Nick Heidfeld einen erfolgreichen deutschen Fahrer unter Vertrag hat.

Das BMW-Team: Glock (D), Heidfeld (D), Vettel (D), Kubica (POL).

Emsig baut Mercedes Hamilton und Alonso als Sympathieträger aus. Der zweimalige Weltmeister ist das Gesicht der Werbekampagne für die C-Klasse, Hamilton modelte vergangene Woche in Berlin an der Seite des deutschen Laufsteg-Blondchens Eva Padberg vor einem schwarzen Coupe und hat laut Haug vom "ersten Tag an glänzend in die Mercedes-Familie eingefügt". Heinz-Harald Frentzen war 1994 der letzte Pilot mit deutschem Pass, der für die Marke mit dem Stern fuhr, damals noch mit Partner Sauber. Bei McLaren war die Fahrerauswahl immer Chefsache, und der Brite Ron Dennis hält recht viel von Fahrern aus dem Vereinigten Königreich. Mercedes ist mit 40 Prozent nach wie vor Hauptanteilseigner, verantwortet aber nur die Motorentechnik. Haug behauptet: "Mehr Konzentration auf die deutschen Elemente brauchen wir nicht."

Voll konzentriert auf das Formel-1-Geschehen ist der Live-Ticker von autobild.de und adrivo.com.

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