Diesel von VW/Audi: Manipulierte Abgastests in den USA

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

VW Abgasskandal: Aktuelle News und Updates

— 21.04.2017

Dieselskandal trifft Bundesregierung

Der VW-Skandal hat reale Auswirkungen auf die Bundesregierung – denn auch Diesel aus deren Fuhrpark sind betroffen. News und Infos zum Abgasskandal.

• Fuhrpark der Bundesregierung vom Skandal betroffen
• Rückkaufprogramm von VW läuft zufriedenstellend
• Jede vierte Klage gegen VW erfolgreich
• VW erwirkt einstweilige Verfügung gegen Umwelthilfe
• Volkswagen sammelt Schummel-Diesel in Detroit
• VW schließt Vergleich mit zehn US-Bundesstaaten
• VW legt Beschwerde gegen Razzia ein

Online-Voting

'Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?'

(dpa/Reuters/mas/brü/cr/cj/lhp) Kritiker werfen der Bundesregierung zögerliches Verhalten im VW-Abgasskandal vor, nun ist sie laut einem Medienbericht selbst davon betroffen. 3276 Dienstwagen müssen wegen der unlauteren Methoden nachgerüstet werden. Das teilte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Grünen im Bundestag mit, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" am 21. April 2017. Das Bundesverteidigungsministerium müsse mit 1272 Fahrzeugen die meisten Autos in die Werkstatt schicken, beim Bundesfinanzministerium seien es laut Auflistung der Regierung 1074. Bei rund 40 Prozent der betroffenen Fahrzeuge handle es sich um VW Passat.

Rückkaufprogramm läuft zufriedenstellend

In den USA macht Volkswagen beim Entschädigungsprogramm für vom Abgasskandal betroffene Kunden Fortschritte. Der Konzern habe bereits Rückkäufe und Leasing-Stopps bei 238.000 Dieselwagen abgewickelt, sagte US-Vertriebschef Mark McNabb dem "Wall Street Journal". VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar. Damit hat VW bereits die Hälfte der Autos geschafft, bei denen sich der Konzern bislang im Rahmen von Vergleichen mit US-Sammelklägern zur Rücknahme verpflichtet hat. Insgesamt geht es um rund 475.000 Dieselautos mit Zwei-Liter-Motoren. Bei weiteren etwa 80.000 größeren Modellen muss der mit den Anwälten von Kunden und den US-Behörden ausgehandelte Kompromiss noch richterlich genehmigt werden.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich
"Wir liegen weit vor unserem Zeitplan", sagte McNabb der Zeitung. VW hat zwei Jahre Zeit, das im November 2016 gestartete Programm abzuschließen. Ein Grund für das rasche Tempo liegt an den hohen Prämien. Der Konzern hofft, die zurückgekauften Autos als Gebrauchtwagen wieder im US-Markt unterbringen und so einen Teil der Milliarden-Folgekosten der Dieselaffäre hereinholen zu können. Bislang haben die US-Umweltbehörden dies aber nur bei einem geringen Teil der Fahrzeuge erlaubt, bei dem sie davon ausgehen, dass VW eine technische Umrüstung in einen legalen Zustand gelingt.

Chronologie des VW-Abgasskandals

14. April 2017: VW macht beim Rückkaufprogramm für vom Abgas-Skandal betroffene US-Kunden Fortschritte. Der Konzern wickelte deutlich vor der geplanten Zeit Rückkäufe und Leasing-Stopps für über die Hälfte der insgesamt 475.000 manipulierten Dieselwagen ab. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar.

1 von 94

Jede vierte Klage gegen VW erfolgreich

Im VW-Abgasskandal strengen hierzulande verhältnismäßig wenige Kunden eine Klage gegen den Volkswagen-Konzern an. Von den gut 200 bereits erstanzlich entschiedenen Klaren war ein Viertel erfolgreich, meldete BILD am 8. April 2017. Von den 2000 eingegangenen Mängelklagen gingen laut BILD-Informationen 40 Prozent direkt an VW, in 60 Prozent wurden Vertragshändler verklagt. Das Ergebnis der bislang 211 erstinstanzlichen Entscheide: In 162 Fällen wiesen Richter die Klage ab, oder die Kläger machten einen Rückzieher. Immerhin seinen 49 Verbraucherklagen erfolgreich gewesen. Dabei fährt Volkswagen zur Kompensation geschädigter VW-Käufer zweigleisig: In den USA gestand der Hersteller den Betrug, zahlt bis zu 25 Milliarden Dollar in Vergleichen mit der US-Justiz und vielen US-Bundesstaaten und kaufte eine Vielzahl von Autos zurück. In Deutschland dagegen vertritt der Konzern die Auffassung, nicht betrogen zu haben und bot Käufern eine Nachbesserung der manipulierten Fahrzeuge an. Der Rückruf läuft.

Friedhof der Schummel-Diesel in Detroit

Am verlassenen Silverdome in Detroit sammelt VW USA Schummel-Diesel.

Wo bleiben eigentlich die in den USA zurückgekauften Schummel-Diesel? Rund um den verlassenen Detroiter Silverdome, die 1975 eröffnete Arena war einst Bühne für einen Papstbesuch, erstreckt sich ein Meer aus mehreren Tausend Jetta, Passat und Golf der Serie "Clean Diesel TDI". Ausrangierte Wagen, die wegen illegaler Software zur Abgasmanipulation aus dem Verkehr gezogen und von US-Kunden zurückgekauft werden mussten. Spötter bezeichnen das Areal als "VW-Autofriedhof" oder als "wertvollsten Schrottplatz der Welt". Allerdings hat VW die Hoffnung nicht aufgegeben, die Diesel in einen legalen Zustand umzurüsten und als Gebrauchtwagen zu verkaufen. Dafür müssten aber die US-Umweltämter grünes Licht geben. Doch erstmal stehen die Wagen an trostlosem Ort. 2013 wurde der Betrieb am Silverdome krisenbedingt eingestellt, zur Sanierung fehlte das Geld.  In diesem Stadion feierte 1979 der Monster Truck "Big Foot" Weltpremiere und "Wrestlemania" zog 1987 mehr als 93.000 Fans an. Nun steht die Arena leer.

VW erwirkt einstweilige Verfügung gegen Umwelthilfe

Im Streit um die Wirksamkeit des Updates für vom Abgasskandal betroffene VW-Dieselmotoren hat VW einen Teilsieg errungen. Der Hersteller erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Umwelthilfe am Landgericht Düsseldorf. Sie richtet sich gegen die Umwelthilfe und ihren Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch, teilte die Organisation am 5. April 2017 mit. Volkswagen begrüßte den Beschluss: Damit werde der Umwelthilfe und ihrem Bundesgeschäftsführer untersagt, "unwahre Behauptungen über die Wirksamkeit der technischen Anpassungsmaßnahmen zu streuen, die Volkswagen Kunden mit betroffenen Dieselmotoren bietet." Resch kündigte Widerspruch an. Zuvor hatte die Umwelthilfe wegen des Diesel-Abgasskandals erneut das Kraftfahrt-Bundesamt verklagt. Die Organisation geht gegen eine aus ihrer Sicht rechtswidrige Rückrufanordnung der Behörde an. Hintergrund sind Untersuchungen des Abgasverhaltens von VW-Dieseln, die laut Umwelthilfe trotz Software-Update weiter überhöhte Stickoxidemissionen aufweisen sollen.

Jetzt die neue AUTO BILD digital lesen

Diesel-Umrüstung kommt laut VW gut voran

VW kündigte an, auch künftig entschieden gegen Aussagen vorzugehen, "die dazu geeignet sind, Kunden bezüglich der Wirksamkeit der angebotenen technischen Anpassungsmaßnahmen zu verunsichern". Bisherige Rückmeldungen von Handel und Kunden seien überwiegend positiv. Derweil kommt Volkswagen bei der Umrüstung der manipulierten Diesel weiter voran. Bislang seien weltweit über vier Millionen Fahrzeuge umgerüstet worden, sagte ein VW-Sprecher. In Deutschland seien es mehr als 1,6 Millionen Autos von rund 2,6 Millionen betroffenen Dieselautos.

Vergleich mit zehn US-Bundesstaaten

Mit zehn weiteren US-Bundesstaaten konnte sich VW auf einen millionenschweren Vergleich einigen.

Immerhin hat VW bei der Aufarbeitung des Abgasskandals in Übersee eine weitere Hürde genommen. Der Autobauer teilte am 30. März 2017 mit, er habe sich im Rahmen eines Vergleichs über Umweltklagen mit zehn US-Bundesstaaten auf die Zahlung von 157,45 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) geeinigt. Die Wolfsburger hatten sich bereits im vergangenen Jahr mit US-Behörden und Privatklägern auf Schadensersatzzahlungen und Strafen in Milliardenhöhe wegen Dieselgate verständigt. Dabei wurde auch eine Vereinbarung mit 44 US-Bundesstaaten über 600 Millionen Dollar geschlossen. Trotzdem hatten einige Bundesstaaten weiter gegen den den Konzern geklagt. Der nun erzielte Kompromiss betrifft die Staaten Connecticut, Maine, Delaware, Massachusetts, New York, Oregon, Pennsylvania, Vermont, Rhode Island und den Bundesstaat Washington.

München: Beschwerde gegen Razzia

Gegen die jüngsten Razzien geht Volkswagen juristisch vor. Der Konzern beschwert sich gegen die Razzia bei der mit der Aufklärung von Dieselgate beauftragten Anwaltskanzlei Jones Day. Der Konzern reichte am 29. März 2017 eine Beschwerde beim zuständigen Amtsgericht in München ein, sagte ein Sprecher. Gleichwohl will die Staatsanwaltschaft München in der Sache weiter ermitteln. Insidern zufolge hatte der Aufsichtsrat des Konzerns bereits zuvor mit seinen Juristen diskutiert, wie man verhindern könne, dass die Staatsanwaltschaft die bei der Kanzlei beschlagnahmten Dokumente zu Lasten von VW auswerten könne. VW hatte Jones Day nach dem Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Dieselmotoren 2015 mit der Aufklärung beauftragt. Anderthalb Jahre lang sammelten die Anwälte Berge von Dokumenten. Mitte März durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft München Büros bei Audi, Privaträume und auch Räumlichkeiten von Jones Day. "Wir halten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft München in jeder Hinsicht für inakzeptabel", hatte Volkswagen daraufhin erklärt.

Vorerst keine Bonuszahlung für Ex-Manager

Eine Güteverhandlung am Arbeitsgericht Braunschweig zwischen dem früheren Entwicklungsvorstand der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, und Volkswagen hat am 23. März kein Ergebnis erbracht. Neußer hat das Unternehmen auf die Nachzahlung eines Bonus von rund 1,4 Millionen Euro für das Jahr 2015 verklagt. In dem Rechtsstreit geht es konkret um die Zahlung des persönlichen Leistungsbonus. Dabei handelt es sich um eine von drei Komponenten, aus denen sich der Gesamtbonus zusammensetzt. Zwei davon hat das Unternehmen wie im Vorjahr überwiesen. Die Zahlung für die persönliche Leistung blieb aber aus. 2014 hatte Neußer für diesen Bereich etwas mehr als 1 Million Euro erhalten. Für das Jahr 2015 fordert er die Nachzahlung von 1,4 Millionen Euro. Außerdem will er eine Auskunft über die Kriterien, nach denen die Höhe der Boni festgelegt wurde. Volkswagen hat sich bisher nicht dazu geäußert, warum das Geld nicht gezahlt wurde. Auch vor dem Arbeitsgericht beließ es die Vertreterin des Unternehmens dabei. Sie kündigte eine schriftliche Erklärung an. Die Verhandlung wurde ohne Ergebnis vertagt. Für den 27. Juni ist der nächste Gerichtstermin geplant.

VW-Finanzsparte macht trotz "Dieselgate" Milliarden-Gewinn

Das Finanzdienstleistungsgeschäft von VW hat 2016 ein operatives Ergebnis von 2,1 Milliarden Euro abgeliefert.

Im Geschäft mit Autofinanzierungen und Leasingverträgen hat Volkswagen die Folgen des Dieselskandals unbeschadet überstanden. Das Finanzdienstleistungsgeschäft habe ein operatives Ergebnis von 2,1 (Vorjahr: 1,9) Milliarden Euro abgeliefert, so viel wie nie zuvor. Das teilte die Tochter Volkswagen Financial Services (VWFS) am 23. März 2017 in Frankfurt mit. Dem Konzern sei es gelungen, die Restwerte der zurückgegebenen Leasingwagen durch komplette Finanzierungs- und Wartungs-Pakete stabil zu halten, sagte VWFS-Chef Lars-Henner Santelmann. Das bringe um zwei bis drei Prozent bessere Preise. Die VW-Finanzsparte konnte auch die nach Dieselgate gebildeten Sonderabschreibungen in Europa zum Teil auflösen.

Staatsanwaltschaft auch bei VW-Chef Müller?

Audi-Chef Stadler hält wegen des Dieselskandals keine weiteren personellen Schritte für nötig.

Bei den Razzien gegen Audi im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre haben Berichten zufolge auch VW-Konzernchef Matthias Müller und Audi-Chef Rupert Stadler Besuch von den Ermittlern bekommen. Beamte hatten dabei unter anderem bei VW-Chef Matthias Müller und Audi-Chef Rupert Stadler nach Material mit entsprechenden Hinweisen gesucht. Die federführende Staatsanwaltschaft München II bestätigte am 19. März jedoch nicht, dass Müller und Stadler persönlich im Visier sind. Schon zuvor hatte es geheißen, die Ermittlungen richteten sich aktuell gegen Unbekannt. Vor allem Stadler war nach Bekanntwerden der Dieselaffäre unter Druck geraten, weil die in den USA eingesetzte Betrugssoftware von Audi entwickelt worden sein soll. Der Aufsichtsrat hatte ihm gleichwohl den Rücken gestärkt.

Beschuldigter VW-Manager bleibt in Haft

Der in den USA im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal festgenommene Volkswagen-Manager Oliver S. bleibt vorerst in Haft. Ein Bundesrichter in Detroit lehnte es am 17. März 2017 ab, den Beschuldigten vor Beginn des für Januar 2018 angesetzten Prozesses gegen eine Kaution auf freien Fuß zu setzen. Der Richter begründete dies mit der großen Fluchtgefahr wegen der Schwere der Betrugsvorwürfe. Familie und Freunde des Angeklagten hatten eine Kaution in Höhe von mehr als 1,6 Millionen Dollar angeboten. Dem Mann drohen nach Angaben des Justizministeriums bis zu 169 Jahre Haft. Der Beschuldigte war im Januar in Miami nach einem Urlaub vor dem Heimflug nach Deutschland verhaftet worden. Der war früher als Chef des für die Koordination mit den Behörden zuständigen VW-Umwelt- und Ingenieursbüros in den Vereinigten Staaten tätig gewesen. Er ist einer von mehreren ehemaligen und aktuellen Managern unterhalb der Konzernführung, die von der amerikanischen Justiz für die Manipulation von Abgaswerten und deren Verschleierung verantwortlich gemacht werden. Die anderen Beschuldigten halten sich in Deutschland auf und müssen keine Auslieferung fürchten.

EU-Kommissarin kämpft für Kundenentschädigung

EU-Kommissarin Jourova wirft VW vor, einen vereinbarten Aktionsplan unzureichend umgesetzt zu haben.

Die EU-Kommission erhöht im Abgasskandal den Druck auf Volkswagen und verlangt finanzielle Zugeständnisse an die 8,5 Millionen betroffenen Autofahrer in Europa. Kommissionsvertreter trafen sich dafür am 7. März 2017 in Brüssel mit den Verbraucherschutzbehörden aus den EU-Mitgliedsstaaten. Die zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova sagte dem "Handelsblatt": "Volkswagen hat gegen europäische Verbrauchergesetze verstoßen, das kann nicht ohne Konsequenzen bleiben." Nach mehr als sechs Monaten ergebnisloser Gespräche mit dem Konzern über eine Kundenentschädigung sei es an der Zeit, gemeinsame Zwangsmaßnahmen zu ergreifen.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

1 von 24
Jourova verlangt, dass VW den 8,5 Millionen betroffenen Kunden in der EU finanziell oder durch zusätzliche Service-Leistungen entgegenkommt. Die zugesagte Reparatur reiche nicht aus. Wird ein Verstoß gegen die EU-Richtlinie gegen unlauteren Wettbewerb offiziell festgestellt, könnte dies für Verbraucher bei Klagen gegen VW eine Argumentationshilfe sein. Laut der Tageszeitung "Die Welt" könnten nationale Behörden auf der Grundlage eines solchen Rechtsgutachtens auch Strafzahlungen gegen den Konzern verhängen. In den USA, wo der Abgasskandal ans Licht gebracht worden war, können Fahrer betroffener VW-Fahrzeuge mehr als 5000 Dollar (4635 Euro) Entschädigung bekommen.

Verstärkte Rußbildung nach Diesel-Update?

Nach dem Rückruf manipulierter Fahrzeuge im Zuge des Abgasskandals gibt es Hinweise, dass bei bereits umgerüsteten Autos aus dem VW-Konzern die Abgasrückführung schneller verschleißen könnte. Nach Informationen von AUTO BILD kann es zu Verkrustungen in einem Ventil der Abgasrückführung kommen, weil durch das Update der Rußpartikelausstoß erhöht wird. Als mögliche Folge schalten Motoren ins Notlaufprogramm oder lassen sich nicht mehr starten. VW spricht von Einzelfällen, doch der Düsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich hat Kenntnis von mehr als 50 Mandanten allein in seiner Kanzlei, bei deren Autos Teile des Abgasrückführungs-Systems unmittelbar oder kurz nach dem Update ausgefallen seien. In den meisten Fällen habe sich VW kulant verhalten und die Kosten für den Tausch des Abgasrückführungsventils übernommen, so Ulbrich. Auf Nachfrage von AUTO BILD beteuert VW, das Update habe "keinen negativen Einfluss auf die Funktion und Wirkungsweise des Abgasrückführungs-Systems“. Eine Garantie auf nachgebesserte Autos gibt der Hersteller in Deutschland nicht.

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Polizei verschiebt Umrüstung manipulierter Diesel

Die bayerische Polizei stellt die Umrüstung ihrer von der Abgasmanipulation betroffenen Dieselfahrzeuge zurück. Zunächst sollen mögliche Garantieansprüche gegen Volkswagen geklärt werden. Daher würden die rund 500 VW-Autos, größtenteils Busse der Bereitschaftspolizei, vorerst nicht im Rahmen der laufenden Rückrufaktion des Wolfsburger Konzerns nachgerüstet werden, hieß es aus dem Innenministerium in München. Bei dem Rückruf wird die Manipulations-Software entfernt, die in Tests die Abgaswerte von Dieselmotoren künstlich verringert, während der Ausstoß auf der Straße deutlich höher ist. Was, wenn die Umrüstung später Motorenprobleme nach sich zieht? Bleiben die Kunden dann auf dem Schaden sitzen? Man wolle nicht, dass "Fakten geschaffen werden, die die spätere Geltendmachung von Ansprüchen erschweren oder gänzlich ausschließen", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" das bayerische Ministerium.

VW-Neuheiten bis 2025

VW Golf 8 Illustration VW T-Cross SUV Illustration VW Golf VIII Illustration

Kritik: VW gibt keine Garantie auf Umrüstung

Fachleute des bayerische Ministeriums haben somit ähnliche Bedenken wie manche Verbraucherschützer und die Internet-Klageplattform "Myright": Der Vorwurf an VW zielt darauf, dass das Unternehmen auf die Umrüstung keine Garantie gibt. Deswegen sei unklar, ob VW haften muss, wenn später Motorschäden auftreten. Im Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird allerdings der Interpretation widersprochen, er wolle sich damit Parteifreund Alexander Dobrindt im Bundesverkehrsministerium widersetzen. Dobrindt hatte die Rückrufaktion angeordnet – die für alle betroffenen Fahrzeugbesitzer verpflichtend ist. Wer sein Auto trotz Aufforderung nicht in die Werkstatt bringt, muss mit einer Stilllegung rechnen. Nach Angaben eines VW-Sprechers hat die Regierung in München aber keine Sonderrechte herausgehandelt. Es werde prinzipiell nicht zwischen Großkunden und Privatleuten unterschieden. Bis Ende 2017 will Volkswagen auf die Verjährung von Gewährleistungsansprüchen verzichten.

Chronologie des VW-Abgasskandals

14. April 2017: VW macht beim Rückkaufprogramm für vom Abgas-Skandal betroffene US-Kunden Fortschritte. Der Konzern wickelte deutlich vor der geplanten Zeit Rückkäufe und Leasing-Stopps für über die Hälfte der insgesamt 475.000 manipulierten Dieselwagen ab. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar.

1 von 94

"Aus der Tagesschau erfahren"

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat bekräftigt, erst am 19. September 2015 von Abgasmanipulationen bei VW erfahren zu haben – aus dem Fernsehen. "Es war abends beim Betrachten der Tagesschau", sagte der VW-Aufseher am Donnerstag (16. Februar 2017) im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Er widersprach damit erneut Anschuldigungen des früheren VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, genau wie weitere Mitglieder des Kontrollgremiums früher informiert gewesen zu sein. "Ich war tief betroffen. Ich hätte dergleichen bei Volkswagen nicht für möglich gehalten", sagte Weil.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

1 von 24

Aufsichtsrat will Manager-Gehälter deckeln

Der Volkswagen-Aufsichtsrat will das Vergütungssystem der Top-Manager reformieren und dem Chef des Vorstands künftig höchstens zehn Millionen Euro Gehalt erlauben. Das Kontrollgremium solle darüber in seiner Sitzung am 24. Februar 2017 beraten, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Konzern erfuhr. Den Plänen zufolge solle die Reform dazu führen, dass das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden bei einer Jahresmarke von zehn Millionen Euro gedeckelt wird. Für die anderen Vorstandsmitglieder soll eine geringere Summe gelten. Die Initiative dazu hatten das Land und der Betriebsrat ergriffen, wie weiter zu hören war. Geplant sei, das Fixgehalt anzuheben und im Gegenzug den variablen Anteil zu senken. Dieser beträgt bisher meist ein Vielfaches der Fixsumme. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil Christine Hohmann-Dennhardt nach nur gut einem Jahr Arbeit als VW-Vorstand für Integrität und Recht zu ihrem Abschied eine Zahlung von über zwölf Millionen Euro erhält. Der über den Abgasskandal gestürzte Ex-VW-Chef Martin Winterkorn hatte in einigen Jahren zudem noch deutlich mehr Gehalt bekommen.

Test: Partikelausstoß bei Benzinern

Großkunde will zwölf Millionen Euro Schadenersatz

Auch der erste deutsche Großkunde hat unlängst Klage gegen Volkswagen eingereicht. Insgesamt 11,9 Millionen Euro Schadenersatz will der Fischverarbeiter Deutsche See von VW erstreiten, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Das Unternehmen habe am Landgericht Braunschweig wegen arglistiger Täuschung Klage eingereicht. Bei der Deutschen See sind nach Unternehmensangaben etwa 500 Autos von den Abgasmanipulationen betroffen. "Wir sind tief enttäuscht über VW und fühlen uns hingehalten und betrogen", sagte Deutsche-See-Chef Egbert Miebach. Ein VW-Sprecher wollte sich zu der Klage zunächst nicht äußern, da sie dem Autobauer noch nicht vorliege.In Deutschland laufen mehrere hundert Verfahren, in denen Fahrer von VW-Dieseln auf Schadenersatz gegen Händler oder den VW-Konzern klagen. In den USA können Fahrer betroffener Autos mehr als 5000 Dollar (4635 Euro) Entschädigung bekommen. Für Kunden in Europa plant VW keine solche Entschädigung. Um diese Frage unter anderem zu besprechen, trifft sich EU-Justizkommissarin Vera Jourova am Montag in Brüssel mit VW-Chef Matthias Müller. Diese hatte zuletzt mehr Kulanz auch für Kunden in Europa gefordert. Jourova will, dass VW für betroffene Autos eine unbegrenzte Garantie gewährt. Der Konzern müsse auch zusichern, dass die Fahrzeuge nach der Umrüstung die Grenzwerte einhalten, ihre Leistungsmerkmale behalten und sich dabei explizit auf die Vorschriften einer EU-Richtlinie zu Verbrauchsgütern beziehen.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung