Diesel von VW/Audi: Manipulierte Abgastests in den USA

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

VW Abgasskandal: Aktuelle News und Updates

— 22.06.2017

US-Justiz fahndet nach Ex-VW-Managern

Im Abgasskandal habe die US-Justiz fünf verdächtige Ex-VW-Manager international zur Fahndung ausgeschrieben, berichten Medien. Alle News und Infos zum Abgasskandal!

Die US-Justiz will durch internationale Fahndung die verantwortlichen Manager belangen.

(dpa/Reuters/mas/brü/cr/cj/lhp) Die US-Justiz hat fünf frühere Manager und Entwickler von Volkswagen weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Ziel der US-Behörden ist es, die in den USA Beschuldigten zu fassen und hinter Gitter zu bringen. Das berichten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR übereinstimmend am 22. Juni 2017. Es handle sich dabei um das frühere Mitglied des VW-Markenvorstands Heinz-Jakob Neußer (Foto oben), den ehemaligen Leiter des VW-Qualitätsmanagements Bernd Gottweis sowie um zwei Diesel-Entwickler und einen Techniker. Das US-Justizministerium in Washington wollte sich dazu auf Anfrage zunächst nicht äußern. Den Angeklagten werden Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen US-Umweltvorschriften vorgeworfen. Auch in Deutschland laufen strafrechtliche Ermittlungen - die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug gegen fast 40 Beschuldigte. Darunter sind auch die fünf früheren VW-Manager, die nun von der US-Justiz laut Bericht zur Fahndung ausgeschrieben wurden. Daneben gibt es zahlreiche Klagen von Aktionären sowie zivilrechtliche Klagen von Autobesitzern, die Entschädigung von VW verlangen.

Chronologie des VW-Abgasskandals

22. Juni 2017: Fünf bei der Abgasmanipulation möglcherweise verantwortliche VW-Manager schreibt die US-Justiz weltweit zur Fahndung aus, berichten mehrere deutsche Medien. Die Fahndung läuft über Interpol.

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Fahndung über Interpol

Dem Bericht zufolge läuft die Fahndung über die internationale Polizeiorganisation Interpol. Die fünf in den USA Angeklagten könnten Deutschland nicht mehr verlassen, weil sie in einem anderen Staat "wohl" festgenommen und dann möglicherweise in die Vereinigten Staaten überstellt würden, hieß es. Auch Interpol wollte sich auf Anfrage zu dem Sachverhalt nicht äußern. Im Abgasskandal war Anfang des Jahres ein Volkswagen-Manager in Florida von der US-Bundespolizei FBI festgenommen worden. Er war bei VW bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut. Der Mann ist einer von sechs amtierenden und ehemaligen Führungskräften, die die US-Justiz im Zusammenhang mit der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Der Abgasskandal von VW hatte seinen Ursprung in den USA. Das Unternehmen hatte Abgastests bei Dieselautos manipuliert. In der Folge rutschte der Konzern in eine tiefe Krise, es wurden bereits Milliarden für Strafzahlungen zurückgestellt.

Überblick: Was Sie über den Abgasskandal wissen sollten

Im September 2015 war bekannt geworden, dass VW auf dem Prüfstand die Abgase zahlreicher Modelle manipuliert hat. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die seit Anfang 2016 umgerüstet werden. Die Affäre hat weite Kreise gezogen, die endgültigen Folgen sind immer noch nicht absehbar. Hier ein Überblick über den Stand der Dinge und die wichtigsten Baustellen:

Die Rückrufaktion – Fragen zur Umrüstung
Der aktuelle Ermittlungsstand
Das passiert(e) in den USA
Entschädigungen und Klagen in Deutschland
Die finanzielle Situation des VW-Konzerns
Personelle Konsequenzen / Ermittlungen gegen VW-Manager

Die Rückrufaktion – Fragen zur Umrüstung

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'Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?'

Der Stand der Dinge: In Deutschland gibt es rund 2,5 Millionen Autofahrer mit einem manipulierten Diesel des Konzerns, betroffen sind Fahrzeuge von VW, Audi, Seat, Skoda und Porsche (weitere Infos dazu hier: Was VW-Fahrer wissen müssen). Mittlerweile (Stand Juni 2017) hat Volkswagen drei Viertel der Fahrzeuge nachgerüstet und seit Mitte Mai EU-weit alle Genehmigungen der zuständigen Regulierungsbehörden zur Umrüstung der Motoren vom Typ EA189 zusammen. Für die Typgenehmigung von Skoda ist eine britische Behörde zuständig, für Audi und Volkswagen das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt und für Seat eine spanische Behörde. Reibungslos läuft die Aktion dennoch nicht: Fehlende KBA-Freigaben für diverse Modelle, darunter auch den VW Passat, hatten offenbar für Verzögerungen im Zeitplan gesorgt. Grund waren unbestätigten Informationen zufolge, dass die Umrüstung einen höheren Spritverbrauch zur Folge gehabt hätte. Offenbar hat VW für dieses Problem aber eine Lösung gefunden.

EU-Kommissarin Jourova nannte das Zugeständnis von VW eine "De-Facto-Extragarantie" für Bauteile.

Begrenzte Gewährlelistung für zwei Jahre: Volkswagen will mögliche Defekte im Zusammenhang mit der Umrüstung von manipulierten Dieselautos zwei Jahre lang kostenlos beheben. Es seien zwar bislang keine Probleme bekannt, sagte ein VW-Sprecher Mitte Juni 2017, sie würden aber im Falle des Falles geprüft. VW versprach dafür "kunden-individuelle Lösungen". Die Lösung gelte auch für Kunden, die ihr Auto bereits umgerüstet haben, bis zu zwei Jahre nach dem Software-Update. Die Zugeständnisse von VW sind das Ergebnis von Verhandlungen mit der EU-Kommission. Mit einer Entschädigung durch den Autokonzern dürfen Kunden allerdings weiterhin nicht rechnen.

Verkehrsminister Dobrindt teilte in Berlin den neuen Stand der Dinge mit.

Am 1. Juni war durch eine Mitteilung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) neuer Schwung in den VW-Skandal gekommen: Weil die Konzerntochter Audi auch in Europa bei der Abgasreinigung eine unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut habe, muss der Hersteller 24.000 Fahrzeuge zurückrufen, davon 14.000 in Deutschland. Betroffen sind A7 und A8 mit V6- und V8-Dieselmotoren nach Abgasnorm Euro 5 der Baujahre 2009 bis 2013. Es handle sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung, so Dobrindt, die wahrnehme, wenn das Fahrzeug im Prüfstand stehe. Bisher war Audi in Deutschland keine illegale Abschalteinrichtung nachgewiesen worden.

VW-Neuheiten bis 2025

VW Golf 8 Illustration VW T-Cross SUV Illustration VW T7 Life/Caddy Illustration
VW-Kunden bei Update unter Druck / fehlende Gewährleistung oder Garantie: VW setzt nach Recherchen von AUTO BILD Fahrer manipulierter Diesel beim Software-Update unter Druck. So klagen Kunden über Maßnahmen gegen ihren Willen, verweigerte Reparaturen und Meldungen an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Mutmaßlicher Zweck dieses Vorgehens: Wer das Update aufspielen lässt, hat kaum noch Chancen, seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer geltend zu machen. Aus diesem Grund hatte die bayerische Polizeidie Umrüstung ihrer von der Abgasmanipulation betroffenen Dieselfahrzeuge zurückgestellt. Am 15. Juni 2017 wurde bekannt, dass VW nach Verhandlungen mit der EU-Kommission bereit ist, mögliche Defekte im Zusammenhang mit der Umrüstung von manipulierten Dieselautos zwei Jahre lang kostenlos zu beheben. Eine Entschädigung nach amerikanischem Vorbild lehnen die Wolfsburger nach wie vor ab.

Verstärkte Rußbildung nach Diesel-Update? Die Bedenken sind offenbar nicht ganz unbegründet: Nach dem Rückruf manipulierter Fahrzeuge im Zuge des Abgasskandals gibt es Hinweise, dass bei bereits umgerüsteten Autos aus dem VW-Konzern die Abgasrückführung schneller verschleißen könnte. Nach Informationen von AUTO BILD kann es zu Verkrustungen in einem Ventil der Abgasrückführung kommen, weil durch das Update der Rußpartikelausstoß erhöht wird. Als mögliche Folge schalten Motoren ins Notlaufprogramm oder lassen sich nicht mehr starten. VW spricht von Einzelfällen, doch der Düsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich hat Kenntnis von mehr als 50 Mandanten allein in seiner Kanzlei, bei deren Autos Teile des Abgasrückführungs-Systems unmittelbar oder kurz nach dem Update ausgefallen seien. In den meisten Fällen habe sich VW kulant verhalten und die Kosten für den Tausch des Abgasrückführungsventils übernommen, so Ulbrich. Auf Nachfrage von AUTO BILD beteuert VW, das Update habe "keinen negativen Einfluss auf die Funktion und Wirkungsweise des Abgasrückführungs-Systems".

Der aktuelle Ermittlungsstand

Was wir wissen: Bis heute konnte nicht geklärt werden, wer wirklich die Verantwortung für den Betrug trägt und wann genau die Top-Manager von den Manipulationen wussten. Kam die Anweisung von ganz oben? Oder war es tatsächlich, so wie VW es darstellt, nur eine Handvoll Ingenieure auf mittlerer Ebene, die diese folgenschwere Entscheidung trafen, ohne die Führungsebene zu informieren? Oder wusste der frühere VW-Chef Martin Winterkorn schon viel früher vom Betrug, als er zugeben will? Der "Spiegel" meldete im Februar 2017, Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch habe eben dies gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt: dass er Winterkorn bereits im Februar 2015 auf einen Hinweis auf Probleme in den USA bezüglich manipulierter Abgaswerte angesprochen habe. Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben haben, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Unklar ist auch noch, ob VW die Aktionäre rechtzeitig informiert hat.

Software offenbar bei Audi entwickelt: Die Anfänge des Abgasskandals gehen auf die Konzerntochter Audi zurück, recherchierte das "Handelsblatt". Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den schärferen Grenzwerten begegnen könne. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden, von da an wurde sie nach bisherigem Erkenntnisstand diverse Mal upgedatet.

Der Porsche Cayenne V6 TDI mit Dreiliter-Motor steht unter Manipulationsverdacht.

Vorwürfe gegen Porsche: Zuletzt war Porsche nach einem auffälligen Abgastest ins Visier der Behörden geraten. Einem Sprecher des Verkehrsministeriums zufolge sei das Kraftfahrt-Bundesamt beauftragt worden, Untersuchungen vorzunehmen. Generell liefen die Tests wegen des Verdachts auf Abgasmanipulationen bei einer Vielzahl von Fahrzeugtypen und seien nicht abgeschlossen. Es gebe aber immer wieder neue Hinweise: "Dementsprechend werden sie angepasst und fortgesetzt." Einem "Spiegel"-Bericht zufolge war ein vom TÜV Nord getesteter Porsche Cayenne 3,0 Liter V6 TDI mit einer Technik ausgestattet, die dafür sorge, dass der Geländewagen auf dem Prüfstand die Grenzwerte einhalte, im Straßenverkehr jedoch deutlich mehr Stickoxide ausstoße als gesetzlich zulässig. Eine Getriebesteuerung an  erkenne mithilfe von Sensoren, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder auf der Straße befinde und sorge dafür, dass der Wagen mal die Grenzwerte einhalte und mal nicht. Der Umwelt- und Verwaltungsrechtler Martin Führ schätzte die Abschalteinrichtung als "nach europäischem Recht verboten" ein.

Porsche weist Anschuldigungen zurück

Porsche erklärte auf "Spiegel"-Anfrage, der beim TÜV-Nord durchgeführte Test sei "nicht plausibel nachvollziehbar". Das Unternehmen bestätigte die Existenz zweier Schaltprogramme beim Cayenne V6 TDI. Bei umgehend vorgenommenen "eigenen Messungen an vergleichbaren Fahrzeugen" seien "die gesetzlich geforderten Stickoxidgrenzwerte in beiden Schaltprogrammen erfüllt" worden. Porsche habe dem "Spiegel" angeboten, gemeinsame Messungen durchzuführen, worauf das Magazin allerdings nicht eingegangen sei. "Porsche kooperiert uneingeschränkt mit den Behörden. Wir sind grundsätzlich auch mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zu allen aktuellen Themen in Kontakt", sagte ein Unternehmenssprecher.

Streit um Abschlussbericht der Bundesregierung: Wussten die Verantwortlichen in der Politik Bescheid und haben sie angemessen reagiert? Oder wurde aus Lobby-Interessen weggesehen? Diese Fragen sollte ein Bundestags-Untersuchungsausschuss klären. Vorab zitierten Spiegel Online und "Süddeutsche Zeitung" daraus, dass die Bundesregierung offenbar keine eigenen Versäumnisse sehe.  Im Entwurf zum Bericht hieß es den Berichten zufolge, in der Bewertung von Union und SPD habe sich der von der Opposition erhobene Vorwurf des Staatsversagens "als PR-Floskel ohne jegliche Grundlage herausgestellt". Auch Hersteller und KBA würden in dem Berichtsentwurf von jeglicher Schuld freigesprochen, allenfalls bei VW habe es Probleme gegeben. Die Ausschussarbeit, so die abschließende Meinung, habe "keine neuen relevanten Ergebnisse zutage gefördert" und sei mithin überflüssig gewesen. Der Untersuchungsbericht in seiner endgültigen Fassung wurde Bundestagspräsident Norbert Lammert am 22. Juni übergeben. Weitere Details sind noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Scharfe Kritik der Opposition: Es sei "unbegreiflich, wie Union und SPD nach der intensiven Beweisaufnahme zu solch einer verharmlosenden Einschätzung gelangen können", sagte der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke). Grünen-Obmann Oliver Krischer sprach von einem "Dokument großkoalitionärer Bewusstseinsstörung" und hielt der Regierung vor, als "Schutzpatron der Autoindustrie" zu agieren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) monierte: "Die Einschätzung, es hätte den Untersuchungsausschuss nicht gebraucht, ist ein Schlag ins Gesicht aller unter den hohen Stickoxid-Belastungen leidenden Menschen." Laut Spiegel Online behauptet der Bericht auch, es gebe keine  gesicherte "Wirkbeziehung zwischen Stickoxidemissionen und Erkrankungen oder Erhöhung der Sterblichkeit".

Geheimniskrämerei um eigene Ermittlungen: Volkswagen wird entgegen früherer Ankündigungen keinen ausführlichen Bericht zu den Ermittlungsergebnissen der Anwaltskanzlei Jones Day im Diesel-Abgasskandal veröffentlichen. Das erklärte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am 10. Mai 2017 bei der VW-Hauptversammlung den versammelten Aktionären. Die renommierte Kanzlei hatte seit 2015 ganze Berge von Dokumenten gesichtet und ausgewertet. Pötsch begründete die Entscheidung mit rechtlichen Risiken. Das Unternehmen stehe in der Verpflichtung, sich "nicht in Widerspruch zu den im 'Statement of Facts' (Sammlung in Zusammenarbeit mit dem US-Justizministerium; d. Red.) angegebenen Fakten" zu äußern. Die Aktionäre reagierten mit deutlicher Kritik. Der Vorgang lasse vermuten, "dass sie VW nicht gefallen", sagte ein Vertreter. Außerdem teilte VW-Chef Matthias Müller mit, dass VW am Diesel festhalte und bis 2022 rund zehn Milliarden Euro in Verbrennungstechnologien investieren wolle.

Chronologie des VW-Abgasskandals

22. Juni 2017: Fünf bei der Abgasmanipulation möglcherweise verantwortliche VW-Manager schreibt die US-Justiz weltweit zur Fahndung aus, berichten mehrere deutsche Medien. Die Fahndung läuft über Interpol.

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Das passiert(e) in den USA

Die US-Justiz will durch internationale Fahndung die verantwortlichen Manager belangen.

Die USA, wo strengere Abgas-Grenzwerte gelten als in Europa, spielen nach wie vor eine zentrale Rolle in dieser traurigen Geschichte: Dort wurde die Manipulations-Software erstmals eingesetzt, dort wurde der Betrug durch die Umweltbehörde EPA im September 2015 aufgedeckt und dort drohen auch die empfindlichsten Strafen.

Richter billigt Entschädigungspaket: Volkswagen nimmt bei der rechtlichen Aufarbeitung des Dieselskandals in den USA eine entscheidende Hürde. Der für Hunderte US-Zivilklagen zuständige Richter Charles Breyer kündigte am 11. Mai 2017 in San Francisco die endgültige Zustimmung zu einem Entschädigungspaket für rund 80.000 Dieselwagen mit illegaler Abgastechnik an. VW nimmt dabei weitere 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) für Autos mit 3,0-Liter-Motoren in die Hand. Die Genehmigung umfasst auch einen Kompromiss von Zulieferer Bosch mit US-Klägern. Die Firma wird beschuldigt, VW mit Software zur Abgas-Manipulation versorgt zu haben. Bosch hat eine Zahlung von 327,5 Millionen US-Dollar zur Beilegung des US-Rechtsstreits akzeptiert

Das Rückkauf- und Entschädigungsprogramm: Anders als in Europa zahlt VW den betroffenen Kunden hohe Entschädigungen und kauft manipulierte Diesel zurück – Forderungen, deutschen Kunden ähnliche Zugeständnisse zu machen, weist der Konzern mit der Begründung zurück, dies würde den finanziellen Ruin bedeuten. In den USA geht das Programm aber offenbar gut voran: Der Konzern habe bereits Rückkäufe und Leasing-Stopps bei 238.000 Dieselwagen abgewickelt, sagte US-Vertriebschef Mark McNabb dem "Wall Street Journal". VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar. Damit hat VW bereits die Hälfte der Autos geschafft, bei denen sich der Konzern bislang im Rahmen von Vergleichen mit US-Sammelklägern zur Rücknahme verpflichtet hat. Insgesamt geht es um rund 475.000 Dieselautos mit Zwei-Liter-Motoren, bei weiteren etwa 80.000 größeren Modellen ist die richterliche Genehmigung des Vergleichs nahe.

Friedhof der Schummel-Diesel in Detroit: Wo bleiben die in den USA zurückgekauften Schummel-Diesel? Rund um den verlassenen Detroiter Silverdome, die 1975 eröffnete Arena war einst Bühne für einen Papstbesuch, erstreckt sich ein Meer aus mehreren Tausend Jetta, Passat und Golf der Serie "Clean Diesel TDI". Ausrangierte Wagen, die wegen illegaler Software zur Abgasmanipulation aus dem Verkehr gezogen und von US-Kunden zurückgekauft werden mussten. Spötter bezeichnen das Areal als "VW-Autofriedhof" oder als "wertvollsten Schrottplatz der Welt". Allerdings hat VW die Hoffnung nicht aufgegeben, die Diesel in einen legalen Zustand umzurüsten und als Gebrauchtwagen zu verkaufen. Dafür müssten aber die US-Umweltämter grünes Licht geben. Doch erstmal stehen die Wagen an trostlosem Ort. 2013 wurde der Betrieb am Silverdome krisenbedingt eingestellt, zur Sanierung fehlte das Geld.  In diesem Stadion feierte 1979 der Monster Truck "Big Foot" Weltpremiere und "Wrestlemania" zog 1987 mehr als 93.000 Fans an. Nun steht die Arena leer.

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel



Milliardenstrafen und Vergleiche: VW sah und sieht sich in den USA mit zahlreichen Zivil- und Strafklagen in Milliardenhöhe konfrontiert, die aber zum großen Teil mit Vergleichen abgeschlossen wurden. Der Konzern teilte am 30. März 2017 mit, er habe sich im Rahmen eines Vergleichs über Umweltklagen mit zehn US-Bundesstaaten auf die Zahlung von 157,45 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) geeinigt. Die Wolfsburger hatten sich bereits im vergangenen Jahr mit US-Behörden und Privatklägern auf Schadensersatzzahlungen und Strafen in Höhe von 25 Milliarden Euro wegen Dieselgate verständigt. Dabei wurde auch eine Vereinbarung mit 44 US-Bundesstaaten über 600 Millionen Dollar geschlossen. Trotzdem hatten einige Bundesstaaten weiter gegen den den Konzern geklagt.

Beschuldigter VW-Manager in Haft: 9. Januar 2017: Die US-Bundespolizei FBI nimmt in Florida im Zusammenhang mit dem Abgasskandal den VW-Manager Oliver S. fest. Ihm wurde Verabredung zum Betrug vorgeworfen. Der VW-Manager soll demnach eine Schlüsselrolle bei der versuchten Vertuschung des Skandals gespielt haben. S. ist nach wie vor in Haft, für Januar 2018 soll ihm der Prozess gemacht werden. Ihm drohen bis zu 169 Jahre Haft. Einen Antrag, ihn gegen Kaution bis dahin auf freien Fuß zu setzen, lehnte der zuständige Bundesrichter wegen drohender Fluchtgefahr ab. Oliver S. ist einer von mehreren ehemaligen und aktuellen Managern unterhalb der Konzernführung, die von der amerikanischen Justiz für die Manipulation von Abgaswerten und deren Verschleierung verantwortlich gemacht werden. Die anderen Beschuldigten halten sich in Deutschland auf und müssen keine Auslieferung fürchten.

Entschädigungen und Klagen in Deutschland

Während betrogene Volkswagen-Kunden in den USA reichlich entschädigt werden, gehen die deutschen bislang leer aus. Entsprechende Forderungen weist der Konzern mit der Begründung zurück, dies würde den finanziellen Ruin bedeuten.

EU-Kommissarin Jourova nannte das Zugeständnis von VW eine "De-Facto-Extragarantie" für Bauteile.

EU-Kommissarin kämpfte vergeblich für Kundenentschädigung: Auch die EU-Kommission konnte in monatelangen Verhandlungen den VW-Konzern nicht zu einer finanziellen Entschädigung europäischer Kunden bewegen. Volkswagen sagte lediglich eine zweijährige "De-Facto-Extragarantie" für von der Umrüstung betroffene Bauteile zu, sagte EU-Justizkommissarin Vera Jourova. VW sprach dagegen von einer "vertrauensbildenden Maßnahme".

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Jede vierte Klage gegen VW erfolgreich: In Deutschland laufen mehrere Hundert Verfahren, in denen Fahrer von VW-Dieseln auf Schadenersatz gegen Händler oder den VW-Konzern klagen. Von den gut 200 bereits erstinstanzlich entschiedenen Klaren war ein Viertel erfolgreich, meldete BILD am 8. April 2017. Von den 2000 eingegangenen Mängelklagen gingen laut BILD-Informationen 40 Prozent direkt an VW, in 60 Prozent wurden Vertragshändler verklagt. Das Ergebnis der bislang 211 erstinstanzlichen Entscheide: In 162 Fällen wiesen Richter die Klage ab, oder die Kläger machten einen Rückzieher. Immerhin seinen 49 Verbraucherklagen erfolgreich gewesen.

Großkunde will zwölf Millionen Euro Schadenersatz: Auch der erste deutsche Großkunde hat mittlerweile Klage gegen Volkswagen eingereicht. Insgesamt 11,9 Millionen Euro Schadenersatz will der Fischverarbeiter Deutsche See von VW erstreiten, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Das Unternehmen habe am Landgericht Braunschweig wegen arglistiger Täuschung Klage eingereicht. Bei der Deutschen See sind nach Unternehmensangaben etwa 500 Autos von den Abgasmanipulationen betroffen. "Wir sind tief enttäuscht über VW und fühlen uns hingehalten und betrogen", sagte Deutsche-See-Chef Egbert Miebach.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

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Die finanzielle Situation des VW-Konzerns

Trotz der Krise konnte VW im ersten Quartal 2017 deutliche Gewinne verbuchen.

VW macht Gewinn: Obwohl der Abgasskandal den Konzern sowohl wegen des erlittenen Vertrauensverlustes und der Strafzahlungen in Milliardenhöhe teuer zu stehen gekommen ist, geht es ihm offenbar gut: Bei der Aktionärs-Hauptversammlung am 10. Mai 2017 wurde verkündet, dass die Gewinne sprudeln. Im ersten Quartal 2017 verdiente der Konzern vor allem dank starker Geschäfte in Westeuropa gut, unter dem Strich wurden 3,4 Milliarden Euro Gewinn verbucht, ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro.

Die Talfahrt der Aktie: Nach Bekanntwerden des Skandals stürzte die VW-Vorzugsaktie von etwa 170 auf zeitweise deutlich unter 100 Euro ab. Aktuell (Stand: Mai 2017) steht sie bei ca. 145 Euro.

Diese Kosten muss VW wuppen: Weltweit laufen Prozesse gegen den Konzern, wieviel ihn der Skandal letztendlich kosten wird, ist nach wie vor unklar. In den USA einigte sich VW mit Klägern und Gerichten bislang auf Straf- und Ausgleichszahlungen in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro, noch sind aber einige Verfahren anhängig. Wie viel VW in anderen Ländern zahlen muss, ist noch nicht entschieden, die Prozesse laufen noch – oder haben noch gar nicht begonnen. Zu den Zahlungen aus Straf- und Zivilklagen kommen die Kosten für Autorückkäufe in den USA und die Umrüstungen in Europa. 

Diskussion um Boni, Abfindungen und Gehälter: Für Diskussionen und auch Empörung sorgten die nach wie vor hohen Boni, Abfindungen und Gehälter von VW-Managern. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil Christine Hohmann-Dennhardt nach nur gut einem Jahr Arbeit als VW-Vorstand für Integrität und Recht zu ihrem Abschied eine Zahlung von über zwölf Millionen Euro erhält. Ebenfalls ein Aufreger: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn bekommt mehr als 3000 Euro Rente – pro Tag. Dass der Aufsichtsrat nach anhaltender Kritik beschloss, die Manager-Gehälter auf 10 Millionen Euro pro Jahr zu deckeln, erntete wegen der doch recht bedeutenden Summe eher Kopfschütteln als Lob.

Personelle Konsequenzen / Ermittlungen gegen VW-Manager

Aufgrund des Abgasskandals mussten einige hochrangige VW-Manager ihre Sessel räumen. Der frühere Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn erklärte am 23. September 2015 seinen Rücktritt – und seine Unschuld, an der er bis heute festhält. Sein Nachfolger wurde der damalige Porsche-Chef Matthias Müller, der wiederum von Oliver Blume, bis dahin Porsche-Produktionsvorstand, beerbt wurde. Den Konzern verlassen mussten Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer und Porsche-Forschungsvorstand Wolfgang Hatz. Nach Neußer sowie vier weiteren, teils hochrangigen Ex-Mitarbeitern fahndet sie US-Justiz. Mehr zum Thema Personalkarussell finden Sie hier.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen mehrere hochrangige VW-Manager wegen Betrugs und Marktmanipulation, unter anderem gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, den aktuellen VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Pötsch war unter Winterkorn Finanzvorstand bei VW, er ist derzeit zudem Vorstandsvorsitzender der Porsche SE. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig laufen gegen ihn, Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess Verfahren schon wegen möglicher Marktmanipulation. Die Strafverfolger in der Diesel-Affäre gehen außerdem in mehreren Dutzend Fällen dem Verdacht des Betrugs nach, auch gegen Winterkorn.

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