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VW-Abgasskandal/Schmidt entlassen: Kommentar

— 22.12.2017

VW sollte Schmidt nicht fallen lassen!

VW wirft den Manager Oliver Schmidt raus, der für die Abgasmanipulation im Namen des Konzerns ins Gefängnis muss. Ein herzloser wie sinnloser Schritt. Ein Kommentar!

Kurz vor Weihnachten bekommt Oliver Schmidt in seiner Zelle in einem US-Gefängnis einen Brief von VW: Der Wolfsburger Autohersteller hat ihn entlassen, berichtet die BILD am SONNTAG. Noch mal ganz langsam: Im Auftrag und wohl mit Wissen der VW-Chefetage organisiert Schmidt in den USA den Abgasbetrug für VW, wird dafür rechtskräftig verurteilt und bekommt wiederum genau dafür die Kündigung von Volkswagen? Darauf muss man erst mal kommen! Es ist klar: Bei VW sind die Maßstäbe verrutscht. Schmidt zu entlassen, ist ein herzloser wie gedankenloser Schritt.

Compliance zu weit getrieben

Es mag rechtliche Gründe geben, dass sich ein Großunternehmen von einem straffällig gewordenen Mitarbeiter trennt, keine Frage. Der Bezug auf neudeutsch Compliance genannte Unternehmensregeln ist nur vordergründig sinnvoll. Tatsächlich greift das nicht, denn die Compliance dient dazu, künftigen Schaden für ein Unternehmen abzuwenden, möglichen Strafzahlungen zu entgehen und einzelne Mitarbeiter für Missetaten im Job in Haftung zu nehmen. Doch Schmidt ist schon rechtskräftig verurteilt und wird seine Urlaubreise in die USA, bei der er verhaftet wurde, sein Leben lang bereuen. VW wiederum ist ebenfalls schon bestraft: Viele Prozesse und Vergleiche brachten Kompensationen und Strafzahlungen in Milliardenhöhe mit sich, der Imageschaden wirkt noch nach, liegt aber schon zurück. VW ist weltweit dabei, den Dieselgate-Schaden wiedergutzumachen, wenn auch nicht immer mit befriedigendem Erfolg, wie viele VW-Fahrer sagen.

Alles falsch gemacht

Doch mittlerweile liegt das Bekanntwerden des Abgasskandals mehr als zwei Jahre zurück, der Konzern verdaut den Schaden allmählich. Wolfsburg schaut nach vorn, setzt auf alternative Antriebe. Kurz gesagt: sich von Schmidt zu distanzieren, bringt nichts. Es zeigt nur die Härte, die in Wolfsburg immer noch in den Köpfen herrscht, und eine beängstigende Unsicherheit in moralischen Fragen. Mit dem Schritt, den Mann, der die vielleicht härteste Strafe im Dieselskandal kassierte, fallenzulassen, zeigt die VW-Führung ihr Bestreben, alles richtig zu machen. Sie hat hier alles falsch gemacht.

Ein Kommentar von Matthias Brügge

Stichworte:

Abgasskandal

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