Abgasskandal: Anwälte wittern Geschäft

VW-Abgasskandal: Update für Betrugsdiesel

— 05.05.2017

Setzt VW Kunden unter Druck?

Ohne Update keine HU-Plakette: Besitzer manipulierter Diesel fühlen sich im Abgasskandal von VW-Vertragsbetrieben zur Nachbesserung gezwungen.

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Volkswagen machte im ersten Quartal 2017 4,4 Milliarden Euro Gewinn – trotz Manipulationsskandal. Außerdem verkündet VW: Schon 1,6 der 2,6 Millionen in Deutschland manipulierten Autos hätten, Stand Anfang April 2017, neue Software in den Werkstätten bekommen. Ob das allerdings immer ganz freiwillig geschah, ist fraglich. Klaus Sinnhuber aus München zum Beispiel wollte gar kein Update für seinen Caddy. Niemand in der Vertragswerkstatt habe ihm erklären wollen, was genau es bewirkt, sagt er. Darum verlangt er vor der Hauptuntersuchung (HU) explizit: keine neue Software aufspielen! Doch ohne Update keine HU, so der überraschende Konter eines Werkstattmitarbeiters. Ihm sei sinnbildlich die Pistole auf die Brust gesetzt worden, sagt Sinnhuber. Darum habe er das Update letztlich zugelassen.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Mutmaßlicher Zweck dieses Vorgehens: "Wer das Update aufspielen lässt, hat derzeit so gut wie keine Möglichkeit mehr, seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer geltend zu machen", sagt Marc Frey, Rechtsanwalt aus München, der Sinnhuber inzwischen berät. Denn das Update kann als Nachbesserung gewertet werden. Akzeptiert sie der Kunde, verzichtet er womöglich in Folge auf weitergehende Ansprüche, so die überwiegende Rechtsmeinung. Weil VW zudem keine Garantie für Folgeschäden übernehme, schiebe der Konzern "mit dem Update dem Kunden technische Risiken in die Schuhe", sagt Jan-Eike Andresen, Leiter der Rechtsabteilung von myright. de. Dem Verbraucherportal, das Ansprüche für betroffene VW-Kunden durchsetzen will, liegen laut Andresen 2500 ähnliche Beschwerden vor: Unter anderem ist von verweigerten Reparaturen, Meldung an das Kraftfahrt-Bundesamt oder Updates gegen ausdrücklichen Kundenwunsch die Rede.

VW Dieselgate: Friedhof der Schummel-Diesel

Der Händler von Klaus Sinnhuber ließ eine AUTO BILD-Anfrage unbeantwortet. Für den "Volkswagen und Audi Partnerverband" jedoch seien "die beschriebenen Vorgänge vor dem Hintergrund des Anspruches an eine möglichst hohe Kundenzufriedenheit nicht vorstellbar", sagt Geschäftsführer Dirk Weddigen von Knapp. Formal unterliegt der Umgang mit dem Update allein den Händlern. VW schicke sie jedoch vermutlich vor, "um sich nicht selber die Finger schmutzig zu machen", sagt Andresen. Die vielen Beschwerden seien Indizien für "durch den VW-Konzern gesteuertes oder zumindest bewusst geduldetes Vorgehen".   

Verschleiß der Abgasrückführung bei Update?

Blick auf die verkokte Abgasrückführung eines Seat Ibiza 1.6 TDI.

Bereits im Februar 2017 hatte AUTO BILD in Ausgabe 8/2017 von einem möglichen schnelleren Verschleiß bei der Abgasrückführung nach dem Update berichtet. Dieses Bauteil leitet über ein Ventil einen Teil der Abgase zurück in die Brennräume und senkt so den Stickoxid-Ausstoß. Dabei erhöht sich jedoch der Rußpartikelausstoß; infolgedessen kann es zu Verkrustungen der Abgasrückführung kommen. Mögliche Folgen: Der Motor schaltet ins Notlaufprogramm oder lässt sich nicht mehr starten. Während VW von Einzelfällen sprach, berichtete der Düsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich von mehr als 50 Mandanten allein in seiner Kanzlei, bei denen Teile des Abgasrückführungs-Systems unmittelbar oder kurz nach dem Update ausgefallen waren.

VW: "Update hat keinen negativen Einfluss"

Auf Nachfrage von AUTO BILD beteuert VW, das Update habe "keinen negativen Einfluss auf die Funktion und Wirkungsweise des Abgasrückführungs-Systems". Unbeantwortet blieben die Fragen nach vorzeitigem Verschleiß und übermäßiger Verkrustung. Eine Garantie auf nachgebesserte Autos gibt der Hersteller in Deutschland nicht. Anders in den USA: Hier gewährt VW seinen Kunden auf nachgebesserte Betrugsautos teilweise eine Garantie für elf Jahre oder 260.000 Kilometer ab Auslieferung – auch auf die Abgasrückführung.

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Autor: Roland Kontny

Stichworte:

Abgasskandal

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