VW Amarok: Test

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VW Amarok: Test

— 15.07.2010

Amarok – die neue Arbeiter-Klasse

VW will auch die letzte Nische besetzen und bringt einen in Argentinien gebauten Pick-up auf den Markt. Nur: Wer braucht den eigentlich? AUTO BILD schickt den Amarok zum Feldversuch.

Kratzer! Lang und breit und tief im Lack. Fritz Wieninger blickt besorgt, das hat er nicht gewollt. Er hat doch nur ein leeres Weinfass auf die Ladefläche des Amarok gestellt. Kurz mal prüfen wollte der Winzer aus Wien, wie man arbeiten kann mit diesem nagelneuen Pick-up. Und nun das: Kratzer! Wieninger schaut sich den Schaden an und sagt: "Schön ist er ja, aber zum Arbeiten fast zu schade. Der gehört nicht in die Rebstöcke, der gehört auf die Straße." Und nun ist dieser neue Amarok, den VW in und um Wien präsentiert, gleich mal leicht beschädigt. Oder sind die kleinen Makel nicht eher der erste Schritt ins Leben dieses Pick-ups? Müssen solche Nutzfahrzeuge nicht so aussehen?

Überblick: News und Tests zu VW

Auch der Amarok trägt das neue VW-Gesicht. So sieht er mehr nach Straße als nach Acker aus.

Man schaut in das Gesicht dieses neuen Volkswagens, sieht die typische VW-Front und möchte am liebsten gleich jeden Schlammspritzer wegwischen. Und auf gar keinen Fall mit dreckiger Hose einsteigen. Mit dem Pick-up Amarok, in Argentinien gebaut und ab Spätsommer bei uns zu Preisen ab 28.941 Euro zu kaufen, will VW nun auch die letzte Nische besetzen und eine neue Arbeiter-Klasse ausrufen. Es ist nicht der erste VW-Versuch, einen Transporter mit offener Ladefläche auf den Markt zu bringen, aber es ist der aufwendigste. In Südamerika, Russland und Teilen Europas soll der Amarok verkauft werden, nur ins Heimatland der Pick-up-Trucks, in die USA, traut sich VW nicht.

Überblick: News und Tests zum Amarok

Winzer Wieninger ist ein potenzieller Käufer des Amarok und nimmt ihn genau unter die Lupe.

Die Idee liegt nahe, denn keine Fahrzeuggattung ist weltweit derart verbreitet wie die der Pick-ups. Selbst in den furchtbarsten Krisengebieten dieser Welt sieht man sie durchs Bild ruckeln, meist alte Toyota. In Amerika sind sie auch Lifestyle-Autos, Spielzeuge für große Jungs. In Deutschland stagniert der Nischenmarkt bei rund 10.000 Neuzulassungen, dominiert von den japanischen Modellen. Mit der Fahrvorstellung in Niederösterreich sucht VW ganz bewusst die Nähe zu ehemaligen Ostblockstaaten wie der Slowakei oder Ungarn; hier verspricht man sich Erfolge. Wer aber braucht einen Pick-up eigentlich? Mit einem roten Sessel auf der Ladefläche verlassen wir die von VW vorgegebene Route und besuchen jene Menschen, für die der Wagen interessant sein könnte. So wie Winzer Wieninger, der weiß, dass viele seiner Berufskollegen Pick-ups benutzen. "Schnell mal Fässer, Pflanzen oder Strohballen, die Regen abkönnen, hinten raufwerfen." Aber er bleibt doch lieber bei seinem Ducato Pritschenwagen für knapp 22.000 Euro.

Auch Karl Fadler mag sich mit seinem Rasentrimmer dem Amarok kaum nähern. Bloß nirgendwo drankommen. Fast ehrfürchtig betrachtet der Gärtner im Wiener Prater den Neuwagen, der nach einer Wasserdurchfahrt "so schön gatschig" ist, wie Fadler sagt. Der Mann mag wohl Matsch. Josef Pirmann, den wir in Renndersdorf östlich von Wien treffen, ist da weniger zimperlich. Pirmann verkauft importierte US-Cars, sein Verkaufsschlager ist kein Camaro oder Mustang, sondern der Dodge Ram Pick-up mit 5,7-Liter-V8- Motor, der nach der Euro-Schwäche aber nun 48.000 Euro kostet; 2009 waren es noch 40.000 Euro. Pirmann guckt sich den Amarok kritisch an. Dann schüttelt er den Kopf: "Die Proportionen passen irgendwie nicht zusammen. Von vorn wirkt er gewaltig wie der Dodge, nach hinten wird der Amarok immer kleiner. Außerdem könnte der breiter sein, finde ich."

Mehr Meinungen und Fakten zum VW Amarok lesen Sie oben in der Bildergalerie. Oder Sie laden sich den gesamten Artikel als Pdf im Heftarchiv von autobild.de herunter.
Hauke Schrieber

Hauke Schrieber

Fazit

Ich finde Pick-up-Trucks cool. Aber nur, wenn sie möglichst simpel sind, robust, ehrlich. Wenn sie dreckig sind, mit Dellen, zerkratzt. Eben gebraucht.Mit dem Amarok bringt VW nun einen Pick-up, der eher auf den Boulevard passt als auf den Bau. Die Doppelkabine mit der kleinen Ladefläche ist eben was für die Golftasche, nicht fürs Grobe. Genau hier aber kann der Amarok Erfolg haben. Nicht in der Arbeiter-Klasse, sondern in einer neuen Angeber-Klasse.

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