VW Amarok V8 Passion: Fahrbericht

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VW Amarok V8 Passion: Fahrbericht

— 17.06.2014

Luxus-Laster mit 410 PS

Der VW Amarok Passion wird mit V8-Motor und Ledersitzen zum luxuriösen Leistungssportler. Autobild.de hat ihn schon gefahren.

Video: VW Amarok V8 TDI

Amarok, der Rennlaster

Diese Szene wird der Fahrer im Audi A8 so schnell wohl nicht vergessen. Da prügelt er seinen Luxusliner mit mehr als 200 Sachen über die linke Spur – und dann macht sich im Rückspiegel plötzlich eine Fratze breit, wie er sie noch nie gesehen hat: Schwarz, hoch, breit und bedrohlich wie eine Gewitterfront drückt sich ein VW Amarok in sein Blickfeld. Und will ihm partout nicht von der Pelle rücken – bei über 200 km/h. Ich glaub', ich bin im falschen Film! Mitnichten. Wald, Wiese und Baustelle waren schon immer das Revier des Amarok, jetzt erobert der Pick-up sogar die Überholspur. Möglich macht das eine Organspende aus dem Konzernbruder Touareg: Wo bislang beim 2,0-Liter-TDI mit 180 PS und 400 Nm Schluss war, brüllt unter der hohen Haube jetzt ein gewaltiger V8-Diesel, der schon in der Serie auf 340 PS und 800 Nm kommt. Doch mit ein paar neuen Programmzeilen in der Motorelektronik haben die Männer hinter dem Muskel-Pickup aus dem schmuck verkleideten Kraftpaket sogar 410 PS und 930 Nm herausgekitzelt. Damit fühlt sich selbst ein Stahlgebirge von zwei Tonnen plötzlich ganz leicht an und man fragt lieber gar nicht mehr, weshalb die Entwickler den Pick-up erstmals auf 3,5 Tonnen aufgelastet haben.

Ein dickes Ding zum Einstand

Falls es die Chrom-Stoßstangen nicht schon verraten: Dass das kein normaler Amarok ist, verdeutlicht auch die gelbe Schrift rechts unten am Heck.

Natürlich ist das kein offizielles VW-Projekt. Bei aller Liebe zu Lust und Leistung und wahrscheinlich auch zum Feierabendbier ist die Nutzfahrzeug-Truppe für so eine Schnapsidee viel zu nüchtern. Sondern hinter der Wuchtbrumme mit dem ziemlich passenden Beinamen "V8 Passion" steht der Fahrzeugbauer Dirks aus Emden, der mit immerhin 1500 Mann für VW sonst an fast allen Konzernstandorten Behörden- und Einsatzfahrzeuge auf- oder umbaut. Das ist aber erstens ein ziemlich schwankendes Geschäft, zweitens wird um jeden Cent gefeilscht und drittens bleibt dabei der Spaß eher auf der Strecke. Solcherart inspiriert, kam Projektleiter Volker Kahle aus Hannover die Idee mit der Veredelung privater Nutzfahrzeuge. Zum Einstieg hat die Truppe von Dirks also eine ganz dicke Nummer angeschoben. "Wir wollten zeigen, was wir alles drauf haben", sagt Kahle stolz. "Und wir wollten etwas machen, das es nirgendwo sonst gibt." Ganz alleine ging es dann aber doch nicht: Weil den Nordlichtern die Erfahrung mit dem Antrieb fehlt, haben sie Hilfe in Bayern gesucht und sind bei MTM vor den Toren von Ingolstadt fündig geworden. So ist im Teamwork jener schwarze Riese entstanden, der draußen vor dem Kundenzentrum in Hannover so wunderbar dicke Backen macht und nur darauf wartet, endlich die Überholspur zu stürmen.

VW Amarok im Colt Seavers-Stil

Also rauf auf den Bock und rein mit dem Zündschlüssel. Mir doch egal, wenn in Hannover plötzlich die Erde bebt. Irgendwann muss ich den Motor ja mal anmachen. Während jetzt wahrscheinlich schon irgendwo die ersten Fensterscheiben splittern, erwacht das Kraftwerk mit einem tiefen Grollen zum Leben.

Die Felgen fühlen sich auf der Straße wohler als auf dem Feldweg, zumindest bleiben sie auf Asphalt länger kratzerfrei.

Aus den blau angelaufenen Sidepipes hinten unter den Türen rollt ein Donnerwetter heran und der Amarok bricht sich Bahn. Ganz kurz noch verharrt der Koloss wie eingefroren, dann explodiert er förmlich vor Kraft und kennt kein Halten mehr. Schnell und immer schneller walzt er davon wie eine Lawine und lässt sich von nichts und niemandem mehr stoppen: Wenn die vier 295er Walzen mit bis zu 930 Nm am Asphalt reißen und die Achtgang-Automatik beim Kickdown mit dem Schalten kaum mehr hinterher kommt, dann fällt die Tempo 100-Marke schon nach 6,0 Sekunden und das Serienmodell im Rückspiegel wird ganz, ganz klein. Schließlich hat das dann kaum Tempo 50 auf dem Tacho. Und wo ab Werk bei knapp 180 Schluss ist und man dafür schon ziemlich verbissen aufs Pedal stampfen muss, hat man im V8 Passion noch bei 200 Sachen ein Lächeln im Gesicht und nur den großen Zeh am Gas. Denn erst bei 220 lässt der Elan so langsam nach, sagt Projektleiter Kahle und erzählt eindrucksvoll von der Wand aus Wind, gegen die der Amarok bei 240 km/h ohne jede Chance anrennt. Macht nichts: Denn den Hintermann sieht man jetzt nicht mal mehr mit der Lupe. Erst an der Tankstelle trifft man sich vielleicht wieder. Denn schon bei gemächlicher Fahrt rauschen locker zwölf Liter durch die acht Zylinder. Und wenn man den Amarok ausfährt, ist es schnell das Doppelte.

Der Laster für die Langstrecke

Mit dem kräftigen Herz aus dem Touareg war es für Dirks und MTM freilich nicht getan. Als ebenso rustikales wie robustes Nutzfahrzeug konstruiert, hätte das Fahrwerk des Amarok unter dieser Leistung wahrscheinlich kapituliert. Deshalb haben die Entwickler Bremsen im Pizzateller-Format unter die 22-Zöller geschraubt und die Blattfedern an der Hinterachse durch eine kommode Luftfederung ersetzt. Jetzt springt der Amarok auch jenseits von 200 km/h nicht über die Autobahn wie ein Känguru im Temporausch, sondern walzt stur geradeaus wie ein ICE auf der Neubaustrecke. Und wer es etwas langsamer angehen lässt, entdeckt in dem Laster plötzlich echte Langstrecken-Qualitäten.

Alles am Amarok ist riesig – auch der Preis

Alcantara, so weit das Auge reicht: Die Innenausstattung ist luxuriös und üppig.

Auch sonst hat der Amarok seinen herben Charme weitgehend abgelegt und gibt sich innen richtig nobel. Die bequemen Sitze sind mit weichem Alcantara-Leder bezogen und tragen grob gesteppte Ziernähte in Gelb, die Luft bläst aus den schmucken Düsen des Audi A3, auf dem Armaturenbrett thronen die Zusatzinstrumente aus dem Beetle, viele Konsolen tragen ein Karbonkleid und sogar die Haltegriffe sind jetzt silikongedämpft. Nur rund ums Lenkrad sieht man noch ziemlich viel Hartplastik – das aber bis zum Produktionsanlauf unter einer schmucken Lederpelle verschwinden soll. Die Entwicklung des V8 Passion hat ein gutes Jahr gedauert. Wenn nach den Sommerferien die Produktion beginnt, wollen Dirks und MTM das Tempo anziehen und in jeweils fünf Monaten fertig sein. Immerhin haben sie eine Liste von 30 ernsthaften Interessenten abzuarbeiten, die sich auch vom stolzen Preis nicht schrecken ließen. Denn zwischen 180.000 und 200.000 Euro wird man für den Power-Pick-Up schon anlegen müssen, schätzt Projektleiter Kahle: So faszinierend dieser Kraftakt ist, braucht man da schon verdammt viel Lust am Laster.

Autor: Thomas Geiger

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