VW Beetle trifft Tuning-Käfer: Vergleich

VW Beetle trifft Tuning-Käfer: Vergleich

— 08.11.2011

Das große Krabbeln

Der neue VW Beetle hat Historie – auch was schnelle Artgenossen angeht. Das zeigt ein frisierter 1302 von 1970. AUTO BILD lässt beide schwirren.

Nanu, was krabbelt uns denn da Wildes vor die Füße? Den guten alten Käfer kennen wir nun wirklich schon in vielen fetzigen Verkleidungen – vom knall bunten 70er-Jahre-Hippie- Hobel bis zum durchgedrehten Filmstar namens Herbie. Doch jetzt läutet VW völlig neue, schärfere Käfer-Zeiten ein. Als "21st Century Beetle" soll der kultige Knirps nicht nur modebewusste Mädels und Macchiato-Trinker ködern, sondern sich als Sportler profilieren. Dafür tritt der Neue vor allem männlicher auf als sein Vorgänger, wirkt kraftvoller und dynamischer. "It’s a boy", also: "Es ist ein Junge", nennt VW das in Marketingbotschaften. Sieht man ja auch. Die Karosserie wirkt stämmiger als je zuvor, die bislang allzu üppigen Kurven haben sie entschärft, die mädchenhafte Blumenvase im Cockpit ersatzlos verbannt. Viel wichtiger: Unter der Haube des stärksten neuen Beetle puckert ein besonders kräftiges Herz – die 200-PS-Maschine aus dem Golf GTI. Reichlich Extra-Energie für Krabblers Beine, das gab’s so in all den Jahren noch nie.

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Ausfahrt im Käfer-Urenkel

Oder doch? Wenn auch nicht ab Werk und von der Stange. Früher wurden Käfer nachträglich frisiert – von begabten Maschinenbau-Maestros, die zusätzliche PS in die meist träge Werksmechanik ondulierten. Gesuperte Vergaser, gern je einen pro Zylinderkopf, Feinschliff für die Einlasskanäle, dicker Auspuff – schon verblies ein Käfer die seitengescheitelten Kadetten. Zu den talentiertesten dieser Leistungs-Friseure zählte Theo Decker. In seinem Essener VW-PS-Studio päppelte der Tüftler Boxermotoren auf wie kein anderer. Sein stärkster Käfer heulte mit mehr als 200 PS aus dem Salon. Einer dieser schnellen (und piekfein restaurierten) Ur-Käfer aus Deckers Händen soll für uns gegen den neuen Beetle antreten. Handfestes Doppelvergaser-Tuning von damals trifft auf digitalisierte Turbo-Fasson von heute – in diesem Abgleich durchkämmen wir einen auf 135 PS getunten VW Käfer 1302 TDE von 1970 und den Beetle 2.0 Sport nach Fitness und Fahrspaß.

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200 PS, DSG-Doppelkupplungsgetriebe und 18-Zoll-Bereifung: Beim Beetle Sport ist der Name Programm.

Der Beetle Sport trägt ja bereits den passenden Beinamen – mehr als in Ordnung bei 200 PS, DSG-Doppelkupplungsgetriebe und 18-Zoll-Bereifung. Tatsächlich ist der Name Programm. Der kultivierte Motor hat Kraft in allen Lebenslagen, knurrt unter Last kernig, nimmt trotz mächtigen Abgasladers blitzsauber Gas an. Dazu sortiert das Automatikgetriebe die Gänge zügig ein, schaltet ruckfrei und gegen Aufpreis sogar per Fingerschnipp am Lenkradpaddel. Das aufwendige Fahrwerk hält den Beetle tadellos in der Spur, ESP und ein elektronisch simuliertes Sperrdifferenzial helfen, Ausrutscher und Reifenquietschen zu verhindern. Das Ganze schnürt sich zu einem enorm fahraktiven und beherrschbaren Auto zusammen. Das macht Laune, so die Kurven anzupeilen oder Geraden per Gasbefehl zusammenzustauchen.

Aber ursprüngliches Käfer-Fahrgefühl ist anders. Woher soll es auch kommen, wenn der Motor vorn sitzt und dort nur gedämmt schnurrt, anstatt wie beim Käfer hinten aufgeregt zu schnattern? Woher, wenn allenfalls ein Klick-klick aus dem Relais der Anti-Schleuder-Elektronik einen Fahrfehler aufzeigt, wo der 1302 einen kapitalen Dreher einleiten würde? Immerhin: Ein sonores Auspuffgrummeln im Teillastbetrieb passt bestens zum agilen Charakter des Sport-Beetle. So oder so: Für spannenderes Fahrgefühl steht unser Ur-Käfer bereit. Dabei gehört das Modell 1302 sogar schon zu den fortschrittlicheren Artgenossen der Spezies Heckschleudern. Seine Hinterräder führen stramme Schräglenker statt labile Pendelachshälften wie beim 1200er, vorn stützen moderne McPherson-Federbeine die Räder. Und als S hat der 1302 sogar Scheibenbremsen an der Vorderachse.

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Gleichzeitig sieht das Theo-Decker-Paket wichtiges Tempozubehör vor: Extra dicke Stabilisatoren halten den Krabbelpanzer aufrecht, breitere Spur und fettere Reifen stabilisieren den Kurs, größere Bremsen verzögern kräftiger. Und, natürlich, die Motor-Frisur inklusive Hubraumzuschlag sorgt für stürmischen Antritt. Der ist dank Vibrations- und Klangspektakel besonders heftig, subjektiv sogar beeindruckender als im heutigen Beetle. Denn hier trennen weder E-Gas noch sensorgeregelte Hydraulikkupplungen den Gasfuß vom realen Vorwärtsdrang.

IAA 2011: VW Beetle R Concept

Nach 10,8 Sekunden hat der Käfer Tempo 100 erreicht. Der Beetle sprintet gut drei Sekunden schneller.

Im 02 läuft’s einfach dramatischer ab. Vollgas: Wie im freien Fall rauscht das von zwei 44er-Weber-Doppelvergasern gemixte Sprit-Luft-Gemisch durch die senkrecht stehenden Ansaugstutzen, der Boxer brüllt auf. Jetzt die Kupplung schnalzen lassen: Trockener Reibbelag beißt tollwütig in die Schwungscheibe, der Käfer bäumt sich auf, die Hinterräder scharren und stempeln auf dem Asphalt – plötzlich tobt der 900 Kilogramm leichte 1302 davon wie gesengt. Aufgeregt und auch aufregend. Dabei vermittelt das ungestüme Spektakel mehr Spurtstärke, als wirklich anliegt. Tempo 100 hat der Käfer zwar nach 10,8 Sekunden erreicht, also rund zehn Sekunden schneller als ein ungetuntes Exemplar. Der Beetle sprintet allerdings nochmals gut drei Sekunden schneller – nur seichter, müheloser und auch langweiliger. Sprinten ist der eine Spaß im 1302, Kurvenfahren mit reichlich Schräglage und zuverlässig auftretenden Lastwechselreaktionen ein anderer. Spitz lenkt der Oldie ein, jetzt bloß sauber auf der Linie bleiben. Zu früh aufs oder zu hektisch vom Gas – schon droht das Heck auszubrechen, nur Könner halten die Fuhre noch auf der Straße. Puuuh, schnell wieder zurück in den Beetle. So wild muss es dann vielleicht doch nicht sein. Mehr zum Mini Tuning.

Technische Daten

VW 1302 TDE • Vierzylinder-Boxer, hinten längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1950 cm3 • Leistung 99 kW (135 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 200 Nm bei 3200/min • Heckantrieb • Vierganggetriebe • Reifen 185/65 – 205/60 R 15 H • 0–100 km 10,8 s • Spitze 191 km/h unverkäufliches Museumsfahrzeug.
VW Beetle 2.0 TSI Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm3 • Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 280 Nm bei 1700/min • Vorderradantrieb • Sechsgang-DSG • Reifen 235/45 R 18 W • 0–100 km/h 7,5 s • Spitze 223 km/h • EU-Mix 7,7 l S/100 km • CO2 179 g/km Preis 27.100 Euro.

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der neue Beetle trifft exakt die Mitte zwischen Moderne und Tradition. Eine gelungene Retro-Basis ergänzt VW um liebevolle Details – allein die Radkappen- Räder! 200 PS, DSG und Golf-Fahrwerk sorgen schließlich für Fahrspaß, Komfort und Sicherheit. Fordernder, aber eben auch aufregender ist natürlich ein 40 Jahre alter 1302 – besonders in diesem authentischen TDE-Trimm.

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