VW Beetle vs. Mini Cooper: Vergleich

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VW Beetle vs. Mini Cooper: Vergleich

— 21.07.2011

Erben gesucht

Lässt sich Kult klonen? Der neue VW Beetle und der Mini Cooper müssen sich an ihren Vorfahren messen lassen. AUTO BILD hat die beiden Retro-Modelle miteinander verglichen.

Ich stehe ratlos vor dem Beetle, das ist nichts Neues, denn ich stand schon ratlos vor seinem Vorgänger, dem New Beetle, der ab sofort der Old Beetle ist. Nun ja, er ist 13 Jahre unter uns, da wird es halt mal Zeit, ihn aufzufrischen. 1998 wurde diese Käfer-Parodie präsentiert, in Atlanta, Georgia. Das war eine bemerkenswerte Veranstaltung. VW spielte Hippie-Musik in einem alten Kinosaal, auf dessen Bühne der neue Wagen stand, und – jetzt bitte mal achtgeben – der damalige VW-Boss Ferdinand Piëch trug eine Blumengirlande um den Hals. Das entbehrte nicht einer gewissen Komik: Mister Eisenhart als Blumenkind! Aber so wird es schlüssig: Der New Beetle war das Kind des kalifornischen VW-Designstudios und zweier amerikanischer Designer aus der Hippie-Generation.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Beetle

Video: VW Beetle vs. Mini Cooper

Ernsthafte Konkurrenz?

Im Grunde ist der New Beetle und damit auch der brandneue, nur noch Beetle genannte Nachfolger ein uramerikanisches Auto. Da drüben gehört es hin. Hier bei uns bin ich dagegen verwirrt. Da helfen auch keine Designverrenkungen und keine sogenannte Maskulinisierung. Okay, er steht jetzt satter auf den Rädern, wurde breiter, geduckter, aggressiver, und die einst heilige Blumenvase hat VW zornig über Bord gekippt. Außerdem fährt er extraklasse, so wie ein Golf, denn er ist ja nichts anderes. Darunter steckt der reine Golf, in unserem Fall der GTI mit gut gefütterten 200 PS. Beetle II ist straffer abgestimmt als der Vorgänger, dennoch mit schönem Komfort gesegnet, präziser Lenkung, explosiven Spurts, bulligem Sound. Von all dem konnte der Urvater mit dem rasselnden Boxer im Heck nur träumen, von dessen Charakter nun aber gar nichts übrig blieb – von der Kugelform einmal abgesehen. Aber womöglich reicht das aus für jene lifestylige Auto-Klientel, die VW im Fokus hat.

Überblick: Alle News und Tests zum Mini

Mission geglückt: Der Mini schafft es, alte Markenwerte in die Neuzeit zu retten.

Jene Kundschaft also, die Form über Inhalte stellt, und das werden in dieser zunehmend äußerlich orientierten Welt nicht wenige sein. Immerhin: Er ist ein Typ, der moderne Kugel-VW, und auf die systembedingten Nachteile des Käfers (lahm, laut, wenig Platz) können wir schließlich gern verzichten. Ich würde den Beetle allerdings schlicht Golf Coupé nennen, schließlich ist er nichts anderes als das – ein etwas anders geformter Golf mit zwei Türen. Okay, das klingt hundsgemein, wo sich die Herren in Wolfsburg doch so eine Mühe gegeben haben, den Käfer-Kult zumindest als Transportmittel ins Heute zu retten. Aber als ehemaliger Käfer-Treter darf ich das so sehen. Beachtlich dagegen, wie es die Jungs von Mini hinbekommen haben, den Grundcharakter zu bewahren. Natürlich: Der Nachkomme des alten Mini, des Minimini, der hat es viel leichter. Er war Ende der 50er der Aufbruch aus einer schwermütigen Epoche. Er war klein, flink, frech. Und der perfekte Begleiter in eine neue Ära, in der Musik steckte.

Anfang der 60er war es so weit: "Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei", verkündeten es die Plakate nicht nur auf der Hamburger Amüsiermeile Reeperbahn. Beatles und Stones intonierten schwarzen R & B neu, und der Mini pfiff dazu um die engen Kehren der Rallye Monte Carlo. Er war das, was wir uns unter Zukunft vorstellten. Clever gemachter Frontantrieb, geniale Fahreigenschaften. BMW hat den Charakter des Mini ins Jetzt gerettet, ohne diese unglaubliche Winzigkeit beizubehalten. Der Mini ist heute ein ausgewachsener Kleinwagen, der sich aber nach wie vor wie ein Gokart fährt – im Gegensatz zum deutlich behäbigeren Beetle. BMW machte alles richtig, abgesehen von dem komplett überstylten Innenraum, diesem Chromlametta überall, dass es jeden graust, der ein bisschen Gespür für würdevolle Formen besitzt.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Die Münchener haben die positiv besetzte Marke Mini zudem genutzt, um parallel zu ihrer Hinterradantriebsflotte heimlich den preiswerteren Vorderradantrieb einzuführen, um auf allen Hochzeiten tanzen zu können, im Falle eines Falles, man weiß ja nie. Der kleine Wagen erfreut indes seine Kundschaft, die, und das ist vielleicht nicht ganz im Sinne des Erfinders, vorwiegend weiblich ist. Auch Produktplaner sind nämlich manchmal ratlos.
Fahrzeugdaten VW Beetle Sport Mini Cooper S
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Hubraum 1984 cm³ 1598 cm³
Leistung 147 kW/200 PS 135 kW/184 PS
max. Drehmoment 280 Nm bei 1700/min 240 Nm bei 1600/min
Länge/Breite/Höhe 4278/1808/1486 mm 3729/1683/1407 mm
Vmax 223 km/h 228 km/h
0–100 km/h 7,5 s 7,0 s
Verbrauch (EU-Mix) 7,7 l Super 5,8 l Super
CO2-Ausstoß 179 g/km 136 g/km
Grundpreis 27.100 Euro 23.650 Euro
Erstes Urteil • • • •* • • • •
*• • • • • = hervorragend; • • • • = gut; • • • = ganz okay; • • = geht so; • = geht gar nicht

Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Nur die reiferen Semester unter uns werden überhaupt eine Kult-Debatte anzetteln. Für alle anderen ist der Beetle kein Käfer, sondern ein moderner Rundbuckel, der sich extrem golfig fährt. Im Mini reist mehr Nostalgie mit. Mehr Auto allerdings gibt's bei VW.

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