VW BlueMotion-Modelle im Vergleich

VW BlueMotion-Modelle im Vergleich

— 09.11.2009

Sparen mit Polo und Golf

Wer bei VW mit der blauen Öko-Technik sparen will, zahlt erst einmal drauf: 1050 Euro beim Golf BlueMotion, 1775 Euro beim Polo BlueMotion. Lohnt die Investition? Ein Doppel-Vergleich mit den konventionellen 1.6-TDI-Varianten.

Mach’ ich blau, oder mach’ ich nicht blau? Beim Golf entscheiden über diese Frage 1050 Euro. So viel kostet das Sparmodell BlueMotion mehr als der gewöhnliche 1.6er TDI. Für 22.415 Euro steckt dort zwar der gleiche 105-PS-Motor unter der Haube. Hinzu kommen Start-Stopp-Technik, längere Achsübersetzung, Bremsenergie-Rückgewinnung und windschnittigere Karosserie. Der Durst soll von 4,5 auf 3,8 Liter pro 100 Kilometer sinken. Sagt VW ... 99 Gramm CO2 – für Gesinnungstäter ist das schon mal ein starkes Argument; nur der Benzin-Elektro-Zwitter Toyota Prius ist zum Klima noch netter. Doch zahlt der Öko-Golf sich auch für kühle Rechner aus? AUTO BILD hat nachgemessen und -gerechnet.

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Test unter Alltagsbedingungen: Der Golf BlueMotion (rechts) tritt gegen den 1.6 TDI an.

Bei einer 100-Kilometer-Verbrauchsfahrt über niedersächsische Landstraßen, Autobahnen und durch den Stadtverkehr von Celle traten Golf BlueMotion und Golf 1.6 TDI unter Alltagsbedingungen gegeneinander an. Der endgültige Test auf der Verbrauchsstrecke der Redaktion steht zwar noch aus; unser erster Abgleich klärt aber schon mal, ob VW zu viel versprochen hat. Antwort: Jein. Die Werksangabe verfehlt der BlueMotion um einen ganzen Liter. Mit 4,8 Litern schluckt er auf 100 Kilometer aber trotzdem 0,6 Liter weniger als der TDI ohne spezielle Spartechnik. Den Mehrpreis hat man dank niedrigerer Spritkosten und besserer Restwertprognose schon nach 10.037 Kilometern pro Jahr wieder heraus. Der BlueMotion lohnt sich also immer. Denn wer einen Kompakten mit Diesel kauft, fährt damit in der Regel nicht nur Brötchen holen.

Die Start-Stopp-Technik im Golf BlueMotion arbeitet flott und geschmeidig

Funktioniert: An die Start-Stopp-Technik des BlueMotion gewöhnt man sich schnell.

Einen Haken hat die Öko-Variante nicht. Das tiefere Fahrwerk und die strammer aufgepumpten Leichtlaufreifen tasten die Fahrbahn zwar nicht ganz so zartfühlend ab wie beim Standard-Golf. Die Komforteinbußen fallen im Alltag aber ebenso wenig ins Gewicht wie das minimal größere Turboloch und die Tatsache, dass der kürzer übersetzte Normal-TDI etwas wacher am Gas hängt. Daran, dass der Golf an der Ampel automatisch ausgeht und beim Kupplungtreten wieder startet, gewöhnt man sich rasch: Die Start-Stopp-Technik arbeitet flott und geschmeidig. Genauso rennt der Öko-Golf auch über die Autobahn – wenn es sein muss, sogar mit Tempo 190 km/h. Die Drei vorm Komma schafft der BlueMotion-Golf so zwar nicht. Aber man lernt, dass Sparen nicht immer Verzicht bedeutet.

Polo TDI vs. Polo BlueMotion

Beim Polo lässt sich VW das Sparmodell teurer bezahlen als beim Golf. Mit 17.310 Euro kostet der viertürige BlueMotion 1775 Euro mehr als der vergleichbare 1.6 TDI Trendline (15.535 Euro). Dessen 75-PS-Vierzylinder war bisher der einzige Diesel im Programm, jetzt kommt der neue 1,2-Liter-Dreizylinder im BlueMotion hinzu, ebenfalls mit 75 PS. Neben dem kleineren Motor hat der Polo BlueMotion wie der Golf die komplette VW-Spritspartechnik an Bord: Bremsenergie-Rückgewinnung, Start-Stopp-System, rollwiderstandsarme Reifen, verbesserte Aerodynamik und so weiter. Das Schöne daran: Hier kommt kein spaßarmer Knauser, sondern weiter ein agiler Kleinwagen.

Weder Polo 1.6 TDI noch BlueMotion schaffen den versprochenen Verbrauch

Durstiger als VW verspricht: Polo 1.6 TDI und BlueMotion liegen über dem Werksverbrauch.

Bei der Vergleichsfahrt mit dem 1,6-Liter-TDI (gleiche Runde wie mit dem Golf) benimmt sich der Dreizylinder sogar noch eine Spur temperamentvoller als der Vierzylinder. Der 1,2-Liter hängt lebhaft am Gas, dreht freudig, typisch Dreizylinder. Typisch auch das kernige, etwas heisere Knurren. Nicht laut, aber stets hörbar. Klar, der 1,6-Liter ist der gelassenere Motor, läuft leiser und kultivierter. Schneller fährt er nicht, diesen Eindruck bestätigen die Werksangaben. Für den BlueMotion verspricht VW einen Verbrauch von 3,3 Litern, für den 1.6 TDI 4,2 Liter. Normwerte, die beide auf unserer Vergleichsstrecke nicht erreicht haben: Der BlueMotion verbraucht 4,0 Liter, der TDI nimmt einen Liter mehr. Unsere Rechnung ergibt, dass sich der BlueMotion trotz des Mehrpreises ab etwas mehr als 10.000 Kilometern im Jahr rechnet – das ist für einen Kleinwagen eine stattliche Laufstrecke.

Weitere Details finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten VW Golf BlueMotion 1.6 TDI
Motor Vierzylinder, Turbo, DPF Vierzylinder, Turbo, DPF
Hubraum 1598 cm³ 1598 cm³
kW (PS) bei 1/min 77 (105)/4400 77 (105)/4400
Nm bei 1/min 250/1500 250/1500
Vmax 190 km/h 189 km/h
0–100 km/h 11,3 s 11,3 s
Leergewicht/Zuladung 1239/511 kg 1239/631 kg
Bereifung 195/65 R 15 T 195/65 R 15 H
Abgas CO2 99 g/km 119 g/km
Verbrauch* 4,7/3,4/3,8 l D 5,7/3,9/4,5 l D
Tankinhalt 55 l 55 l
Testverbrauch – CO2 4,8 l D – 128 g/km 5,4 l D – 144 g/km
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Fahrzeugdaten VW Polo BlueMotion 1.6 TDI
Motor Dreizylinder, Turbo, DPF Vierzylinder, Turbo, DPF
Hubraum 1299 cm³ 1598 cm³
kW (PS) bei 1/min 55 (75)/4200 55 (75)/4000
Nm bei 1/min 180/2000 195/1500
Vmax 173 km/h 170 km/h
0–100 km/h 13,6 s 14,0 s
Leergewicht/Zuladung 1071/579 kg 1082/568 kg
Bereifung 155/70 R 15 T 175/70 R 14 T
Abgas CO2 87 g/km 109 g/km
Verbrauch* 4,2/2,8/3,3 l D 5,1/3,6/4,2 l D
Tankinhalt 45 l 45 l
Testverbrauch – CO2 4,0 l D – 106 g/km 5,0 l D – 133 g/km
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Die aufwendige Spritspartechnik von VW funktioniert bestens. Golf und Polo fahren als BlueMotion tatsächlich messbar sparsamer als direkt vergleichbare TDI. Und das ohne wesentlichen Verzicht auf Komfort oder Temperament, beide bleiben auch als BlueMotion komfortable und langstreckentaugliche Autos. Nicht zu verstehen ist jedoch die seltsame Namenspolitik von VW. Der Kunde will Klarheit.

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