VW Caravelle T4 (1990-2003)

Gebrauchtwagen VW Caravelle T4 Gebrauchtwagen VW Caravelle T4

VW Caravelle T4 (1990-2003)

— 14.11.2002

So teuer ist Bus-Fahren

Familien-Freund oder Feuerwehr-Kamerad – der T4 macht immer eine gute Figur und hat seinen Preis.

Technik und Motor

Er kann Leben retten, Brände löschen und bringt die Kinder zur Schule. Und zwar seit 1950, denn damals rollte am 8. März der erste VW-Kastenwagen vom Band. Er leistete als T1 seinen Beitrag zum deutschen Wirtschaftswunder, transportierte als T2 Großfamilien in ihren Ferien an die See und überzeugte als T3 mit einer damals ungewöhnlichen Vielfalt an Modellen und Motoren, selbst Allrad-Antrieb bekam der Bus.

Gutes kann nicht billig sein, mit diesem Grundsatz leben Bus-Besitzer schon seit Generationen. Gefragt sind komplette Ausstattungen, wobei vor allem der Multivan als sehr begehrt gilt. Und natürlich ein TDI-Diesel, die einzig empfehlenswerte Motorisierung. Nichts gegen Benziner, doch bei einem Verbrauch von 17 Litern/100 Kilometer (110 PS) bis zu 25 Litern (140 PS, VR6) weicht selbst die größte Benzin-Begeisterung der Vernunft. Ein 2,5-Liter-TDI mit 88 PS erreicht je nach Beladung und Fahrstil mit weniger als zwölf Liter Diesel die 100-Kilometer-Marke.

Ob Ottoprinzip oder Selbstzünder, ein Problem plagen sämtliche Motoren, nämlich leckende Wasserpumpen. Hier hilft nur ein Austausch, der das Bus-Fahren zusätzlich um etwa 237 Euro (2.5 TDI) verteuert. Die Reparaturpreise des rasenden Rollcontainers sind ein heikles Thema, denn hier langt VW kräftig zu. Wer den T4 als Schnellbus einsetzt, verschleißt Scheiben und Klötze in Rekordtempo, denn die Bremsanlage hat mit dem hohen Gewicht schwer zu kämpfen. Für die Vorderachse kosten die Neuteile inklusive Arbeitszeit und Steuer stolze 458 Euro (2.5 TDI).

Karosserie und Qualität

Nicht ganz so leicht ist die Beseitigung von Rost, wie er an der linken Seite zwischen der zweiten und dritten Blechtafel, also kurz vor dem Ausschnitt des Hinterrades, zu sehen ist. VW scheint diese Angelegenheit sehr peinlich zu sein, denn bei regelmäßiger Wartung zeigen sich die Betriebe hier sehr kulant und entfernen den Gammel. Verfügt der Bus-Lenker über wenig Geschick, zeigen Seitenwände und Radläufe bald Beschädigungen. Diese sollten sofort ausgebessert werden, denn sonst breitet sich hier der Rost rasch aus. Kaum ein Bus hat noch unbeschädigte Stoßfängerecken, auch hier kommt Ersatz für das kleine Kunststoff-Teil am T4 mit etwa 50 Euro ziemlich teuer.

Im Innenraum sind verschlissene Verkleidungen und zerrissene Lehnenrücken ein Thema, ein typisches Lastesel-Leiden. Eine Preisschätzung kann nur der VW-Fachmann abgeben, wenn er die Beschädigung sieht und in der Ersatzteilliste nachblättert. Schuld hat nicht etwa die Verarbeitung, die ist für gewöhnlich klapperfrei. Vielmehr liegt es am sorglosen Umgang mit dem Ladegut. Ärgerlich sind die wackeligen Sitze der frühen Baujahre und die Angewohnheit der VW-Mechaniker, die bei der Inspektion vorgeschriebene Kontrolle des am Unterboden montierten Reserverades zu vergessen. Bei einer Panne kann der Kunde dann selbst sehen, wie er ohne Luft im Reserverad weiterkommt.

Eine Kaufempfehlung ist der Bus fast immer, sofern als Erstbesitzer nicht eine Kommune, Feuerwehr oder Spedition eingetragen ist. Der Anschaffungspreis ist hoch, die laufenden Kosten kommen mit den Jahren teuer. Mangelnde Pflege des Erstbesitzers kann der Zweitbesitzer ausbaden, denn bei schlechter Behandlung zeigt sich der Bus nachtragend. Das Glück mit dem Bus aus zweiter Hand findet nur, wer über eine dicke Brieftasche verfügt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/50 Der erste VW-Bus-Transporter geht in Produktion; geteilte Frontscheibe, luftgekühlter Heckmotor 12/90 Modelleinführung der T4-Modelle Caravelle und Multivan mit zwei verschieden langen Radständen und vier Motoren 1/93 Motor: 1,9-Liter-Turbodiesel mit 50 kW/68 PS 9/94 Fahrerairbag gegen Aufpreis 11/95 Modellüberarbeitung und neue Motoren: 2,5-Liter-TDI mit 75 kW/102 PS und 2,8-Liter-VR6 mit 103 kW/140 PS 6/98 2,5-Liter-TDI mit 65 kW/88 PS 4/00 V6-Motor mit 204 PS

Schwachstellen Ölverlust am Antriebsstrang plagt zahlreiche VW-Modelle, auch der Bus bleibt nicht verschont • die Bremsen haben mit dem hohen Leergewicht kräftig zu kämpfen und sind rasch abgefahren • leckende Wasserpumpen sorgen für Kühlmittelverlust und im schlimmsten Fall für einen Motorschaden • den bewirkt auch ein gerissener Zahnriemen, weshalb der Servicenachweis stets vollständig sein sollte • die Verarbeitung ist grundsätzlich gut, wobei es auch auf den Vorbesitzer ankommt • vor allem Firmenfahrzeuge werden nicht geschont, zerkratzte Kunststoffe und zerrissene Sitze sind die teure Folge

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Bus T4 2.5 TDI, Baujahr 98. Auch wenn ein gebrauchter Bus für viele erschwinglich ist, sollte vor dem Kauf eine trockene Kosten-Kalkulation stehen. Bus-Fahren kann teuer kommen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Ein neuer T4 kostet so viel wie eine kleine Eigentumswohnung in deutschen Metropolen, dies macht den Bus als Gebrauchtwagen interessant. Aber auch nur, wenn er wirklich gut erhalten ist, denn Schnäppchen können nach Durchführung aller erforderlichen Reparaturen teuer kommen. Wenn sämtliche Schwachstellen vom Profi für unbedenklich befunden wurden, muss nur noch der Preis stimmen. Kaufpreis-Drücker haben nicht immer Erfolg, tadellose T4 werden über der Liste gehandelt." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung VW Bus T4 2.5 TDI (111 kW/151 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 576 Euro im Jahr/96/69 EG III Testverbrauch: Werksangabe 7,3 Liter, gemessen 8,9 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (26/500 Euro SB): 1994 Euro. Teilkasko (33/150 Euro SB): 321 Euro. Haftpflicht (18): 947 Euro (ONTOS-Jahrestarife, Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 230 bis 330 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 40 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2200 Euro Verlust

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