VW-Vorstandschef Martin Winterkorn

VW-Chef Winterkorn: Diskussion ums Gehalt

— 19.03.2012

Wie viel ist ein Manager wert?

VW-Chef Martin Winterkorn hat 2011 mehr als 17 Millionen Euro verdient. Jetzt wird darüber diskutiert, ob das angemessen ist. Klare Richtlinien zu diesem Thema gibt es nicht.

(dpa) Angesichts deutlicher Gehaltssprünge deutscher Topmanager müssen Vorstände jetzt auch Kritik aus dem Lager der Unternehmer einstecken. Nach Ansicht des Verbandes der Familienunternehmer sollte die Vergütung fünf Millionen Euro im Jahr nicht übersteigen. "Fünf Millionen sind eine vernünftige Grenze, das ist auch ein schönes Gehalt, und dafür kriegt man alle guten Leute", sagte Verbandspräsident Lutz Goebel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" am 18. März. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht dagegen eine Neiddebatte. Goebels Kritik entzündet sich vor allem am Betrag von rund 17 Millionen Euro, den VW-Vorstandschef Martin Winterkorn 2011 kassiert hat. "Herr Winterkorn würde sicher auch für ein Drittel arbeiten", wird Goebel zitiert. "Kein Top-Manager ist das 300- oder 400-fache eines einfachen Angestellten wert: Solch hohen Beträge verderben die Sitten und auch die Gehaltsstrukturen." Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wird von dem Blatt mit den Worten zitiert: "Jenseits der zehn Millionen Euro wird es sozial unverträglich."     

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Auch der Hamburger Wirtschaftsrechtler Prof. Michael Adams kritisiert scharf Vorstandsbezüge in dieser Höhe. "Derart ordinär hohe Gehälter sind ökonomisch nicht erforderlich", sagte er. "Muss Herr Winterkorn wirklich das 50-fache der Bundeskanzlerin verdienen? Das 180-fache eines Professors oder 15 Mal so viel, wie ein Nobelpreisträger bekommt?" DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel forderte in einer Mitteilung: "Die Systeme der Gier brauchen einen deutlichen Deckel und einen verbindlichen Korridor. Unternehmen sind nicht dazu da, Eigentümer und Manager reich zu machen." Der Gewerkschafter schlug "eine Koppelung sowohl an die Ertragskraft des jeweilige Unternehmens wie an die Einkommen der Arbeitnehmer des Unternehmens" vor. "Das ist gerecht, weil das Betriebsergebnis von allen erbracht wird, nicht nur von den Managern."

Brauchen wir eine Neiddebatte?

IW-Direktor Hüther hat indes kein Verständnis für solche Kritik: "In Deutschland hat kaum jemand Probleme damit, dass Schauspieler und Fußballstars Millionen im Jahr verdienen. Nur bei Managern regt sich der Neid – obwohl sie es sind, die die Arbeitsplätze schaffen", sagte er der "Welt am Sonntag". "Der Arbeitsmarkt für Manager ist international und an Top-Leuten gibt es weltweit keineswegs ein Überangebot." 2009 hatte der Bundestag ein "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" beschlossen, darin allerdings nicht beziffert, welche Höhe angemessen ist. Bereits einige Jahre länger müssen viele Unternehmen offenlegen, wie viel ihre Topmanager verdienen.

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