VW Concept R

VW Concept R VW Concept R

VW Concept R

— 26.01.2004

Glänzende Idee

Ein Team junger Designer durfte sich austoben. Heraus kam ein ganz und gar untypischer Volkswagen. AUTO BILD test & tuning ist dem Wolfsburger Spieltrieb nachgegangen.

Scharf geschnittenes Metall auf Golf-Niveau

"Ergriffen ist der Mann erst dann, wenn er seinem Traumauto begegnet" – so glaubt der deutsche Philosoph Manfred Hinrich. Wenn das so ist, steuert künftig selbst die bisherige Vernunftmarke VW dazu bei, Männeraugen zum Glänzen zu bringen. Seien wir ehrlich: Der letzte echte Hingucker aus Wolfsburg war die Cabrio-Version des Käfers. Das soll nun anders werden: Der neue Wolfsburger Männerschwarm heißt (noch) VW Concept R – ein heißes Stück Metall aus dem kühlen Norddeutschland.

Und ein Paukenschlag, den die VW-Modellpalette dringend benötigt. Denn dort tummeln sich die gleichermaßen praktischen wie langweiligen Polo, Golf, Touran und Passat in verschiedensten Ausprägungen. Auch die Neulinge Phaeton und Touareg sprechen nur die konservative Kundschaft an.

Aber was die junge Design-Truppe um Maximilian Missoni, verantwortlich für das Exterieur des Concept R, auf die Räder gestellt hat, kann sich sehen lassen: Scharf geschnitten, mit einer unerhört frechen Front streckt sich der zweisitzige Roadster auf 4,16 Meter und kommt damit fast an die Länge des neuen Golf heran (4,20 Meter).

Signal für den Aufbruch bei Volkswagen?

Das war's aber zum Glück mit der Familienähnlichkeit. Der Concept R ist schlicht aufregend. Flache Schnauze und große Lufteinlässe fördern das Überholimage. Wer den R trotzdem nicht gleich vorbeilässt, sondern im Rückspiegel die Front studiert, wird sich am V-förmigen Kühlergrill mit großzügigem Chromrand sowie an den Rundscheinwerfern hinter schwungvollen Glasabdeckungen erfreuen. Schaltet der Roadster-Fahrer das Licht ein, gibt's eine echte Light-Show: Es werden zunächst nur schmale Lichtstrahlen sichtbar, dann öffnen sich Facettenlinsen, die die gesamte Lichtenergie freigeben.

Fast ebenso auffällig sind die vorn und hinten extrem kurzen Karosserieüberhänge – ein Grund, warum der Concept R trotz ähnlicher Ausmaße deutlich kompakter als der Golf wirkt. In den ausgestellten Kotflügeln stecken formatfüllende 19-Zoll-Leichtmetallräder mit 255er-Breitreifen vorn und hinten.

Bisher hatte der Audi TT den aufregendsten Hintern im Konzern. Seit der Präsentation des Concept R gilt dies nur noch für Serienautos, denn die Wolfsburger Studie kann dem TT in der Heck-Disziplin locker das Wasser reichen. Am runden Po fallen neben dem aufregenden Schwung vor allem die Rücklichter und der mittig angeordnete Auspuff mit zwei eckigen Endrohren auf. Dazu Designer Maximilian Missoni: "Wir wollten etwas völlig Neues machen. Ein Signal für den Aufbruch bei Volkswagen." Hut ab, Herr Missoni: Ziel erreicht. Denn an diesem Projekt stimmt einfach jedes Detail. So auch der perfekt eingepasste Türöffner, nach dessen Betätigung die Tür weit und einladend aufschwingt.

Glitzerndes Design, glänzende Ideen

Es scheint, als hätten Missoni und sein Team völlig freie Hand gehabt und als sei eine eventuelle Zielgruppe höchstens durch das Attribut "sportlich" definiert worden. Der Concept R ist ein Auto für junge Menschen, die sich mit jugendlich-lässigem Elan in die Schalensitze fallen lassen. Es ist eng im Cockpit, aber nicht so eng, dass sich die Insassen zu dicht auf die Pelle rücken. Und selbst wenn, es würde nicht stören: Ein Meer glitzernder und glänzender Design-Ideen betört die Sinne und lässt alles um sich herum vergessen.

Cockpit und Bedieneinheit der Mittelkonsole funkeln silbrig. Kühles Aluminium, poliert. Kleiner Gag: Sobald die Zündung eingeschaltet wird, beginnt das in der Mitte des Lenkrads platzierte VW-Logo zu pulsieren. Noch spektakulärer ist das Hauptinstrument. Es schwenkt von rechts ins Blickfeld, ins Zentrum des Cockpits, informiert über das aktuelle Tempo. Aktiviert der Fahrer die Navigation, verschwindet die Anzeige wieder und gibt den Blick frei auf den Navigations-Bildschirm. Herzstück der Steuerung von Navigation, Audioanlage und Telefon ist das so genannte "Volkswagen Multi Media Interface". Es ist ähnlich aufgebaut wie iDrive von BMW oder die Audi-Erfindung MMI. In einer weiteren Ausbaustufe soll sich mit der auf dem Mitteltunnel angebrachten Einheit sogar das Fahrwerk verstellen lassen.

Statt eines klobigen Hebels besitzt der Concept R nur noch einen kleinen Schaltknubbel. Mehr braucht er auch nicht, denn der mit Direktschaltgetriebe (DSG) versehene VW-Flitzer lässt sich am besten mit den am Lenkrad befindlichen Schaltwippen fahren. Ein konventioneller Zündschlüssel ist auch überflüssig, die Zündung wird durch leichten Tipp auf den Starterknopf eingeschaltet.

265 PS treiben die Hinterachse an

Die richtige Sitzposition zu finden ist kein Problem, die Art und Weise aber ungewöhnlich: Die Schalensitze lassen sich nicht verschieben. Stattdessen stellt der Fahrer Armaturenbrett nebst (klimatisiertem!) Lenkrad und die Pedale auf seine Körpermaße ein. Und dann heißt es nur noch genießen. Denn über einen neuartigen Trägermechanismus sind die Sitze gefedert. Der Härtegrad lässt sich individuell einstellen. Dank eines speziellen Aktivschaums passen sie sich der Körperkontur der Insassen perfekt an. Auch die Haptik stimmt. Denn nicht nur das Gestühl ist mit wunderbar weichem Hirschleder überzogen, sondern auch die Türverkleidungen und das Armaturenbrett.

So viel Annehmlichkeiten wollen bewegt werden: Der aus dem Golf R32 bekannte 3,2-Liter-Sechszylinder springt mit einem leichten Fauchen an. Anders als im braven Golf ist dieses Aggregat beim Sportwagen Concept R nicht vorn, sondern hinter den beiden Passagieren eingebaut. 265 PS werden völlig VW-untypisch auf die Hinterachse losgelassen. Das verspricht Fahrvergnügen à la Porsche Boxster, ist aber leider noch nicht erlebbar: Tempo 250 hält das bislang "handgeschnitzte" Fahrwerk nicht aus. Der Concept R ist ein echter Prototyp, es gibt ihn bislang nur ein einziges Mal.

Aber auch in wesentlich langsameren Regionen ist es ein erhebendes Gefühl, tief hinter der flachen Scheibe zu sitzen und sich den Wind um die Ohren wehen zu lassen. Den heiseren Sound können wir hören, die Angaben für den Sprint (0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden) müssen wir glauben.

Fazit und Technische Daten

Unser Fazit: Zweifellos würde der Concept R perfekt ins VW-Programm passen. Er könnte dort eine neue Nische besetzen und der gesamten Marke wohl verdienten Schwung verleihen. Der Haken: viel inländische Premium-Konkurrenz wie Audi TT, BMW Z4, Mercedes-Benz SLK oder Porsche Boxster. Sowie eine Fülle ausländischer Mitbewerber: beispielsweise Alfa Spider, Fiat Barchetta, Toyota MR2 und der Mazda MX-5, dessen spektakulärer Erfolg diesem lange vergessenen Segment ab Ende der 80er Jahre erst wieder richtig Leben eingehaucht hat.

Was Volkswagen jetzt beschäftigt, ist die Frage, ob es genügend echte Interessenten für den Concept R gibt. Über eine Serienproduktion wird ernsthaft nachgedacht. Hoffnung macht die Tatsache, dass VW gern andere Hersteller in neue Segmente vorpreschen lässt, um dann später trotzdem Marktführer zu werden. Sharan und Touran sind vielversprechende Beispiele. Warten wir's ab ...

Technische Daten • V-Sechszylinder-Mittelmotor • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 3189 cm3 • Leistung 195 kW (265 PS) bei 6250/min • maximales Drehmoment 320 Nm bei 2800/min • Hinterradantrieb • Sechsgang-Direktschaltgetriebe (DSG) • Reifen 255/40 R 19 • Räder: 8,5 J x 19 ET 50 • Länge/Breite/Höhe 4163/1778/1250 mm • Überhang 829 mm vorn, 754 mm hinten • Spurweite 1471 mm vorn, 1250 mm hinten • Beschleunigung von 0–100 km/h in 5,3 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt, 270 km/h sind möglich)

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