VW Corrado von Rainer Fladerer

VW Corrado von Rainer Fladerer VW Corrado von Rainer Fladerer

VW Corrado von Rainer Fladerer

— 23.03.2007

Schmetterling am Ring

Freies Fahren auf dem Hockenheimring. Ein roter Punkt taucht in der Ferne auf, saust vorbei und verschwindet wieder. Nach zwei weiteren Runden verringert der Pilot die Geschwindigkeit, und der Wagen fährt in die Boxengasse. Flügeltüren öffnen sich, ein Grinsen steigt aus – aus einem VW Corrado! Dahinter steckt offensichtlich mehr.

Der 1989 erstmals zugelassene Corrado G60 sollte eigentlich ein Winterauto werden. Rainer Fladerer entdeckte das heruntergekommene, aber billige Gefährt auf einem Hinterhof. Nach einer Komplettreinigung stellte sich heraus, dass der Wolfsburger Sportler doch viel zu schade ist für den "Winterdienst". Für die "Sonnenseite des Jahres" war der Wagen allerdings noch nicht schön genug. M3-Außenspiegel, TT-Tankdeckel, unter Mühen montierte BMW-E36-Scheinwerfer, ein selbst gefertigter hinterer Stoßfänger, eine in Eigenregie modifizierte Frontschürze mit Rieger-Spoilerlippe und Infinity-Schweller aus selbigem Hause schufen Abhilfe. Die Motorklappe bekam einen zusätzlichen Lufteinlass, die Türen erhielten LSD-Scharniere und die Wischer Lupo-Blätter.

Das Flammen-Airbrush stammt aus Künstlerhand

Auch kleinere Details, wie diese Lufthutze, wurden mit Dekor versehen.

Die tollsten Veränderungen kommen kaum zur Geltung, wenn sich Serienmäßiges in den Radhäusern dreht. Deshalb orderte Rainer Keskin-KT7-Alus in den Maßen 8,5x18 – zwei fünf und zwei zehn Millimeter tief eingepresste Exemplare. Dazu gab’s Toyo-Reifen der Dimension 215/35 und ein Supersport-Gewindefahrwerk. Keine Frage, dass hier schwerwiegende Blecharbeiten anfielen! Die Vorarbeiten zur Lackierung erledigte Rainer mit Hilfe mehrerer Freunde, bevor Kumpel Harry zur Spritzpistole greifen durfte. Wenn es im Bekanntenkreis von Künstlern nur so wimmelt, sollte man deren Fähigkeiten auch in Anspruch nehmen. Air-Brush-Spezialistin Iris Fanderl zauberte daher Flammen auf das neue Lackkleid.

Leistungssteigerung auf 280 PS

Rainer war nicht ganz zufrieden mit den ab Werk vorhandenen Pferdchen. Er ließ den Hubraum auf zwei Liter erweitern, MTM-Schmiedekolben einsetzen, den Zylinderkopf bearbeiten, eine "scharfe" Schrick-Nockenwelle mit verstellbarem Nockenwellenrad montieren und den von SLS aufbereiteten G-Lader mit einem 60er-Rädchen versehen. Dank einer Steuergerätoptimierung traben nun 280 Pferdchen an – wobei wir einmal mehr auf die gern gebrauchte Formulierung "Halter- und Herstellerangaben" verweisen möchten. Zugegeben – das Auto klingt nach mehr! Schuld daran dürften ein Supersprint-Fächer und eine Jetex-Auspuffanlage sein. Für entsprechende Optik sorgen polierte Teile wie Ventildeckel, Lader, Lichtmaschine und Motorhalter.

Was ist das schönste Auto ohne ordentlich Klang in der Hütte?!

Rainer wollte auch im Innenraum rot sehen, wenn er am 30er-Lenkrad dreht. Folglich ließ er viele Kunststoffteile rot lackieren, die Fußmatten rot ketteln und rotes Alcantara auf die Sitzflächen der "Polstermöbel" spannen. Lediglich für den Himmel sah er schwarzes Alcantara vor. Etwas davon blieb noch für die Doorboards übrig. Gar nichts übrig ist dagegen vom Kofferraum. Mit dem ehemaligen Gepäckabteil verfolgt der Schrauber heute ausschließlich multimediale Interessen. Deshalb ist hier neben zahlreichen HiFi-Komponenten ein 15-Zoll-TFT-Monitor zu finden, auf dem die neuesten Spielfilme der Langeweile auf so manchem Treffen entgegenwirken. Drei Endstufen vom Typ Ground Zero 2800 beziehungsweise 4500 setzen zwei JBLGTI-Woofer, vier 16er-Kickbässe, zwei 16er- und zwei 13er-Lautsprechersysteme unter Strom. Ein 12-Farad-Kondensator hält die Spannung konstant. Logisch, dass es im Innenraum einen ausfahrbaren Monitor gibt.

Hubraum statt Spoiler und Multimedia statt Kofferraum!

Er gehört zum Clarion-Radio "VRX 928", das dank Bluetooth sogar als Freisprecheinrichtung zur Verfügung steht. Rainers roter VW Corrado mit dem vergleichsweise dezenten Flammendesign sieht also keineswegs nur gut aus. Die "Weiterentwicklung" des bislang sportlichsten VW glänzt auch mit inneren Werten und macht daher in jeder Lebenslage mächtig Spaß. Dennoch scheinen die Rundenzeiten auf der Rennstrecke noch immer verbesserungswürdig. Aus diesem Grunde sollen die 280 Pferdchen bis zum Frühjahr Nachwuchs bekommen. Wir wünschen schon mal guten Flug!

Autoren: Helmut Horn, Sabine Stolz-Sager

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